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Worin besteht die Methode der Induktion?

Untertitel: Welche Probleme ergeben sich aus ihrer Anwendung? Ist sie noch zeitgemäß?

Seminararbeit, 2004, 16 Seiten
Autor: Eike-Christian Kersten
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Details

Veranstaltung: Moderne Politische Theorie
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tags: Worin, Methode, Induktion, Moderne, Politische, Theorie
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 30  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V30597
ISBN (E-Book): 978-3-638-31818-1
ISBN (Buch): 978-3-638-76095-9
Dateigröße: 178 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Induktion beschäftigen, mit ihrem Wesen, ihrer Methode und den Problemen, die sich aus ihrer Anwendung ergeben. Sie soll in Kürze informieren über ihre Entwicklung und die verschiedenen Ansichten, die zu ihr vertreten wurden. Das induktive Verfahren dient dazu, aus einer gewissen Anzahl konkreter Fälle Voraussagen abzuleiten, um etwas über zukünftige Entwicklungen zu erfahren, wissenschaftliche Erkenntnis zu gewinnen; dies stellt auch schon das Grundproblem dar: Wie können wir aus einzelnen Beobachtungen allgemeingültige Sätze ableiten?


Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Politikwissenschaft
Moderne Politische Theorie
1. Semester

Worin besteht die Methode der Induktion, welche Probleme
ergeben sich aus ihrer Anwendung? Ist sie noch zeitgemäß

von: Eike-Christian Kersten

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 3

2. Das Induktionsprinzip Seite 4

2.1 Die Methode Seite 4
2.2 Gewinnung und Bestätigung von Theorien Seite 5
2.3 Der zweite Obersatz Seite 5
2.4 Strömungen / Induktionskonzeptionen Seite 6

2.4.1 Der Empirismus Seite 6
2.4.2 Der Positivismus Seite 7
2.4.3 Epikureer und Stoiker Seite 7
2.4.4 Der Historizismus Seite 7
2.4.5 Der naive Induktivismus Seite 7
2.4.6 Enumerative und eliminative Induktionskonzeption Seite 8

3. Das Induktionsproblem Seite 8

3.1 Die Problemstellung Seite 8
3.2 Rechtfertigung der Induktion Seite 9

4. Das Abgrenzungsproblem Seite 10

5. Die Falsifikation Seite 10

5.1 Herleitung Seite 10
5.2 Die Methode Seite 11
5.3 Der modus tollens Seite 12
5.4 Basissätze Seite 12
5.5 Kritik der Falsifikation Seite 12

6. Forschungsprogramme Seite 13

6.1 Die Methode Seite 13
6.2 Kritik der Forschungsprogramme Seite 14

7. Schlußwort Seite 14

Literaturverzeichnis Seite 15


 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Induktion beschäftigen, mit ihrem Wesen, ihrer Methode und den Problemen, die sich aus ihrer Anwendung ergeben. Sie soll in Kürze informieren über ihre Entwicklung und die verschiedenen Ansichten, die zu ihr vertreten wurden. Das induktive Verfahren dient dazu, aus einer gewissen Anzahl konkreter Fälle Voraussagen abzuleiten, um etwas über zukünftige Entwicklungen zu erfahren, wissenschaftliche Erkenntnis zu gewinnen; 1 dies stellt auch schon das Grundproblem dar: „Wie können wir aus einzelnen Beobachtungen allgemeingültige Sätze ableiten?“ (Seiffert 1991, 202) Nach Mill wird nämlich vom bekannten auf das unbekannte geschlossen, der Schlußsatz, die Aussage der Induktion, enthält mehr als die zugrundeliegenden Fakten, die Prämissen (vgl. Hofmann 2002, 34). Der Begriff der Induktion geht auf Cicero zurück, „er übersetzte den von Aristoteles eingeführten Begriff ‚Epapogé’ mit ‚inductio’.“ (ebd., 9) Bacon war der erste, der sich um eine Systematisierung der Induktion bemühte (vgl. Bacon 1974), er sagt jedoch noch nichts über die eigentliche Methode der Induktion, den Sprung vom besonderen zum allgemeinen. Er spricht nur vom Zusammentragen und Zusammenstellen, verwahrt sich jedoch dagegen, „von bloßer Aufzählung auf die Principien [sic] der Wissenschaft“ (ebd., 50) zu schließen. Er wendet sich damit gegen das vorschnelle Verallgemeinern des Aristoteles (vgl. Hofmann 2002, 26). In der vorliegenden Arbeit wird nur auf die unvollständige Induktion eingegangen. Die sogenannte vollständige Induktion stellt kein gehaltserweiterndes Schließen dar und ist unproblematisch, hier wird nur eine Aussage über alle bekannten Fälle getroffen (vgl. ebd., 230). Nach einer Darlegung der Methode der Induktion und einer kurzen Vorstellung der ve rschiedenen vertretenen Strömungen soll auf das Induktionsproblem eingegangen werden, nämlich auf die Frage weshalb es logisch gerechtfertigt sein sollte, von besonderen Sätzen auf allgemeine Sätze schließen zu dürfen. Es wird das Abgrenzungsproblem behandelt, also die Trennung empirischer Wissenschaft von Mathematik und Logik, aber auch von „metaphys ischen“ Systemen. Thema des darauffolgenden Kapitels ist Poppers Falsifikationismus, der die Geschichte der Induktion gewissermaßen unterbrach und eine Alternative anbot, und dadurch die Induktionisten zwang, sich erneut mit der Induktion auseinanderzusetzen (vgl. Hofmann 2002, 9). Schließlich wird Lakatos’ Versuch vorgestellt, mit seiner Konzeption der Forschungsprogramme sowohl die Induktion als auch den Falsifikationismus zu retten. Aufgrund des umfangreichen Themas und des begrenzten Raumes zu seiner Darlegung konnte auf einige Punkte nur andeutungsweise eingegangen werden, um den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen; andere wie der empirische Gehalt und seine Auswirkung auf den Falsifizierbarkeitsgrad einer Theorie fielen ganz weg (vgl. Popper 1976, 77 ff.).

2. Das Induktionsprinzip

2.1. Die Methode

Wissenschaft beginnt mit Beobachtung. Ein mit gesunden Sinnesorganen ausgestatteter Beobachter soll das berichten, was er sieht, hört usw. und dazu noch unvoreingenommen sein. Induktion ist jedoch mehr als bloße Aufzählung (vgl. Bacon 1974, 50). „Die Aussagen, zu denen man auf diese Weise gelangt ist,2 [...] bilden dann die Grundlage, von der aus die Gesetze und Theorien abgeleitet werden, die letztendlich wissenschaftliche Erkenntnisse ausmachen.“( Chalmers 1989, 8) Sie führen zu Hypothesen3, die dadurch geprüft werden, daß man aus ihnen Sachaussagen erschließt, die ihrerseits Gegenstand von Beobachtungen sein können und müssen, wenn die Hypothese zutrifft. Dann gilt sie als (vorläufig) bestätigt und wird zum Gesetz. Mehrere Gesetze werden zu einer Theorie 4 zusammengefaßt (vgl. Seiffert 1991, 167). Um so vorgehen zu dürfen, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Es muß eine große Anzahl einzelner Beobachtungsaussagen zugrunde liegen, damit keine voreiligen Schlüsse gezogen werden; die Beobachtungen müssen unter einer Vielzahl von Bedingungen wiederholt worden sein; es darf keine Beobachtungsaussage im Widerspruch zu dem entsprechenden allgemeinen Gesetz stehen (vgl. Chalmers 1989, 10). Genügt die Induktion den geforderten Bedingungen, dann ist sie objektiv.

Wissenschaft beruht also auf Erfahrung, auf der Beobachtung zahlreicher Einzelfälle. Angestrebt werden jedoch Aussagen, die allgemeingültig sind und uneingeschränkte Geltung beanspruchen können, sogenannte Allsätze. Dies sind Aussagen über unbegrenzt viele Elemente (vgl. Popper 1967, 34); so wie Naturgesetze, deren Aufgabe darin besteht, Zukunftsprognosen zu ermöglichen, die die Form unbeschränkter Allsätze haben (vgl. Stegmüller 1965, 397 f.). Ihre Gewinnung und Bestätigung ist Aufgabe der Induktion. Allsätze sind immer anfechtbar, da weder alle vergangenen noch irgendein zukünftiger Fall unter einen Allsatz subsumiert werden können. Er kann also nie endgültig bestätigt (verifiziert) werden, jedoch genügt ein einziger Fall, der gegen ihn spricht, um ihn zu widerlegen. Diese Problematik wird als Asymmetrie des Verifizierungsproblems bezeichnet (vgl. Seiffert 1991, 189 und Hofmann 2002, 108).

[...]


1 Einschränkend dazu Chalmers: „Wissenschaftliche Erkenntnis ist nicht bewiesenes Wissen, doch sie repräsentiert Wissen, das wahrscheinlich wahr ist.“ (Chalmers 1989, 22)

2 Chalmers nennt sie Beobachtungsaussagen, Seiffert Protokollsätze (vgl. Seiffert 1991, 158). „Der Terminus stammt von Neurath“ (Popper 1976, 62 f.), auch Carnap verwendet ihn; Popper lehnt Protokollsätze ab (vgl. ebd.)

3 Eine Hypothese (wörtlich Unterstellung) ist eine Erklärung, mit der vorläufig gearbeitet wird, bis sie erhärtet oder widerlegt ist. (vgl. Seiffert 1991, 158). Sie muß ein allgemeiner Satz sein und nicht nur eine Aussage über individuelle Einzelsachverhalte: Eine Gesetzeshypothese (vgl. Seiffert 1991, 163). Widersprüchlich hierzu: „Hypothesen [...] sind nichts als Aussagen ‚im Aggregatzustand der Vermutung’, wobei es im übrigen völlig gleichgültig ist, ob es sich hierbei um allgemeine oder individuelle Aussagen handelt. Jede bestätigte Hypothese wandelt sich in ein Gesetz oder in einen bestätigten individuellen Satz des jeweils gleichen Wortlautes um.“ (Seiffert 1991, 173)

4 „Die Theorie ist das Netz, das wir auswerfen, um die Welt einzufangen, - sie zu rationalisieren, zu erklären und zu beherrschen. Wir arbeiten daran, die Maschen des Netzes immer enger zu machen.“ (Popper 1976, 31)


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