Universität Potsdam
Institut der Romanistik
Proseminar „Spanien heute III“ (Sommersemester 2003)
Das spanische Kino von der staatlicher Unterdrückung und
Kontrolle zur geistigen und wirtschaftlichen Befreiung
von: Clemence Mangold
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Film unter dem Franquismus 3
- politische und wirtschaftliche Hintergründe seit Beginn der Diktatur bis 1962
3. Der Beginn der transición für das spanische Kino 5
3.1. Politische und wirtschaftliche Hintergründe 6
- Zeit der Reformen 1962 bis 1975
3.2. Regisseure und Filme zur Zeit des Neuvo Cine Español 8
- Der Umgang mit der Zensur bis Francos Tod
4. Spanisches Kino nach Francos Tod 10
4.1. Ende der Zensur 11
4.2. La Movida - Die Jungen Regisseure und ihre Ideale 13
4.3. Das spanische Kino der Gegenwart 15
5. Resümee und Bewertung 16
6. Bibliografie 17
1. Einleitung:
Das Medium Film ist in Spanien, verglichen mit anderen Ländern, eine unvergleichlich starke Ausdrucksform für die kulturellen Strömungen der Zeit zwischen dem Ende der Diktatur und der heutigen Blütezeit des spanischen Kinos. Die Zeit des kulturellen Umbruchs, der Movida, wird in vielen Büchern zumeist mit dem Tod Francos im Jahre 1975 festgesetzt und es wird häufig der Eindruck vermittelt, dass mit dem Ableben der Diktatur schlagartig soziale und kulturelle Veränderungen einsetzten. Die Zeit der Movida wird so auch von Walter Bernecker als Ende der 70er Jahre aufkommender Begriff für das moderne, pulsierende Leben in Madrid. Die Movida madrilena wurde der Inbegriff alles Neuen, Avantgardistischen, der neuen Trends in Mode, Musik, Kunst und Film.1
Doch bei näherer Betrachtung der Filmgeschichte Spaniens wurde mir klar, dass sich die kulturelle Befreiung bereits vor 1975 anbahnte und das gerade diese Zeit ein ganz wichtiger Schlüssel zur späteren geistigen Befreiung war. Ich werde in meiner Arbeit zunächst auf die Geschichte des Films und die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe während der Zeit Francos eingehen und die Auswirkungen der vom Staat gesetzten Schranken auf die Künstler und Werke. Anschließend stelle ich die kulturelle Entwicklung am Beispiel des spanischen Filmwesens in den Jahren des politischen Übergangs dar. Außerdem nenne ich viele sehr bedeutend e Künstler, die das spanische Kino neben Namen wie Carlos Saura, als Vertreter der alten Generation, und Pedro Almodóvar, als Vorbild der Jungen Künstler, zu dem gemacht haben was es heute ist.
2. Der Film unter dem Franquismus:
Nach dem Sieg Francos 1939 über die Republikaner erwachte die Filmindustrie zu unerwartet neuem Leben. Hinter dieser überraschenden Wiedergeburt stand der Staat, und es war das erste Mal, dass sich der Staat in der Geschichte Spaniens überhaupt mit dem Medium Film befasste. Franco stellte den Film unter seinen „Schutz“, diktierte ihm Gesetze und Verordnungen, schöpfte Geld ab wo es möglich war, und erfand Anreize für Produktionen2. Dafür gab es natürlich politische Gründe: zum einen war der Film für die Falange eine mächtige Waffe um die breite Bevölkerung zu erreichen, und diese von der Wirklichkeit des neuen Systems abzulenken und das Volk von ihren politischen Zielen zu überzeugen. Außerdem diente die Filmindustrie der Förderung der ideologischen Grundzüge des neuen Regimes sowie der Hinwendung zu bestimmten mittelalterlichen Werten und den alten Traditionen. Es sollte Argwohn gegenüber allem Nicht-Spanischen geschaffen werden, um eine sich selbst genügende Filmindustrie zu schaffen. Wirtschaftlich gesehen sah die Kontrolle des Staates über die Filmindustrie so aus, dass alle importierten Filme, zum einen hohe Einfuhrlizenzen zu zahlen hatten, womit der Staat beachtliche Einnahmen erzielte, und zum anderen alle Filme ins kastilianische synchronisiert werden mussten. Außerdem wurde eine „Vorführquote“ eingeführt, was bedeutete, dass auf zwei Wochen ausländische Filme eine Woche nationale Filme folgen mussten. Diese Verordnung bewirkte weniger den Schutz des spanischen Films, als vielmehr die tendenzielle Übernahme des nationalen Marktes durch ausländische Produktionen.
Charakteristisch für die Filme der 40er Jahre waren vorwiegend religiöse Themen und reproduzierte Mythen, die die alten gesellschaftlichen Traditionen hervorheben sollten. Bezeichnend sind die folcloritas, Komödien und Melodramen, die volkstümliche belustigende Stimmung beinhalteten. Mit der politischen Umgestaltung 1951 folgte eine Lockerung der Zensur, was neuen Wind in die Filmwelt brachte und vor allem regimekritische Künstler mit subtil verschlüsselten Ausdrucksfo rmen auf die Leinwand brachte. Ein Beispiel ist hierfür ist Surcos von José Antonio Nieves Conde von 1951. Der Film behandelt die Problematik der Landflucht in Spanien. Er lenkt klar die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Straße, um damit auf die bis dahin verschwiegene soziale Wirklichkeit zu weisen. Der Realismus des italienischen Films faszinierte die spanischen Regisseure und sie versuchten ihn auch in ihre Filme einzubauen. Jedoch war es durch die Zensur unmöglich auf die direkte Realität zuzugreifen und so entstand eine neue Richtung, der spanische Neo-Realismus. Auf diese Weise war es möglich, die von Franco auferlegte Gesellschaft zu kritisieren. Das berühmteste Werk hierzu ist der 1952 von Luis Berlanga und Juan Antonio Bardam gedrehte Film Bienvenido Mr Marshall.
[...]
1 Bernecker, Walter L., Spanien-Lexikon, Wirtschaft, Politik, Kultur, Gesellschaft (München 1990)
2 Fanés, Félix; Kurze Geschichte des spanischen Film (Filmblätter kommunales Kino Frankfurt 1977) S. 15,16
Arbeit zitieren:
Clemence Mangold, 2003, Das spanische Kino von der staatlicher Unterdrückung und Kontrolle zur geistigen und wirtschaftlichen Befreiung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
La Movida - Zeit des Aufbruchs, am Beispiel der Entwicklung des spanis...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 17 Seiten
Celas "La familia de Pascual Duarte" vor dem soziokulturelle...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
Carlos Saura - Themen, Motive und Stilmittel im Werk des spanischen Fi...
Diplomarbeit, 168 Seiten
Digital Divide - Die Frage nach der Wissenskluft im digitalen Zeitalte...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Minderheiten in Italien - Südtirol und seine Mehrsprachigkeit
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hauptseminararbeit, 33 Seiten
Das andere Gesicht der Viktorianik: R. L. Stevensons "Dr Jekyll a...
Magisterarbeit, 72 Seiten
Störungsprävention - Nolting, Kounin & Co. in der Praxis
Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge
Praktikumsbericht / -arbeit, 18 Seiten
Machinima, gespielter Film oder gefilmtes Spiel? Zwischen Film, Gam...
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Die Lyrik Federico García Lorcas und ihre Rezeption im deutschen Sprac...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
An Analysis of the Double in Stevenson's "The Strange Case of...
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Die Verbreitung des Internets in Afrika - Ein Kontinent auf dem Weg zu...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 13 Seiten
Sprachpolitik in Südtirol - ein kurzer Überblick
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Photography and society in the Victorian Era - based on Jens Jäger'...
Anglistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit, 20 Seiten
Clemence Mangold hat den Text Das spanische Kino von der staatlicher Unterdrückung und Kontrolle zur geistigen und wirtschaftlichen Befreiung veröffentlicht
Clemence Mangold hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare