III
Inhaltsübersicht
Seite
Kapitel 1: Einleitung 1
1.1 Problemstellung
1.2 Stand der Gründungsforschung
1.3 Konzeption der Untersuchung
Kapitel 2: Diskussion begrifflicher Grundlagen 11
2.1 Die Unternehmung
2.2 Die Gründung
2.3 Zusammenfassung: Der Untersuchungsgegenstand
Kapitel 3: Motive für gründungsbegleitende Maßnahmen 41
3.1 Sozioökonomische Funktionen der KMU
3.2 Bedeutungen von Unternehmensgründungen
3.3 Risikofaktoren einer Gründung
3.4 Zusammenfassung: Die Begleitungsmotivation
Kapitel 4: Ein heuristischer Bezugsrahmen für das Begleitungskonzept 79
4.1 Ansätze einer Gründungstheorie
4.2 Der Ansatz einer Theorie autopoietischer Systeme
4.3 Eine transaktionskostenökonomische Betrachtung
4.4 Zusammenfassung: Gestaltungsvorschläge für einen Bezugsrahmen
Kapitel 5: Eine Beurteilung der aktuellen Begleitungspraxis 119
5.1 Ein Überblick über die Gründungsbegleitung in Deutschland
5.2 Die Gründungsoffensive in NRW
5.3 Technologie- und Gründerzentren
5.4 Zusammenfassung: Die Relevanz der Begleitungspraxis
Kapitel 6: Empfehlungen für die Gründungsbegleitung 136
6.1 Die Konzeptionierungsphase
6.2 Der Bewertungsprozeß von Idee und Person
6.3 Die Planung des Begleitungsprozesses
6.4 Die Gründungsvorbereitung und -durchführung
6.5 Zusammenfassung: Der Ansatz eines Begleitungskonzeptes
Kapitel 7: Fazit und Ausblicke 169
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
7.2 Forschungsstrategische Ausblicke
IV
Inhaltsverzeichnis
Seite
Inhaltsübersicht I
Inhaltsverzeichnis II
Verzeichnis der Abkürzungen V
Verzeichnis der Abbildungen VI
Verzeichnis der Tabellen VII
Kapitel 1: Einleitung 1
1.1 Problemstellung 2
1.2 Stand der Gründungsforschung 3
1.3 Konzeption der Untersuchung 7
Kapitel 2: Diskussion begrifflicher Grundlagen 11
2.1 Die Unternehmung 12
2.1.1 Begriffliche Abgrenzung 12
2.1.2 Die Unternehmung als System 18
2.1.3 Kleine und mittlere Unternehmen 20
2.2 Die Gründung 23
2.2.1 Die Unternehmensgründung als Prozeß 24
2.2.2 Eine entscheidungstheoretische Sichtweise der Unternehmensgründung 27
2.2.3 Gründungsarten 36
2.3 Zusammenfassung: Der Untersuchungsgegenstand 39
Kapitel 3: Motive für gründungsbegleitende Maßnahmen 41
3.1 Sozioökonomische Funktionen der KMU 42
3.1.1 Die marktwirtschaftliche Ordnungsfunktion 43
3.1.2 Struktur- und konjunkturpolitische Funktionen 44
3.1.3 Die technologische Funktion 44
3.1.4 Die gesellschaftspolitische Funktion 47
3.1.5 Sonstige qualitative Bedeutungen von KMU in der Volkswirtschaft 49
V
3.2 Bedeutungen von Unternehmensgründungen 50
3.2.1 Die wettbewerbspolitische Funktion 51
3.2.2 Die Bedeutung im Revitalisierungsprozeß einer Volkswirtschaft 52
3.2.3 Die beschäftigungspolitische Bedeutung 54
3.2.4 Die Aufgaben im Innovationsprozeß 56
3.3 Risikofaktoren einer Gründung 57
3.3.1 Eine systematische Betrachtung der Risikofaktoren 58
3.3.2 Die Personenmerkmale des Unternehmensgründers 61
3.3.3 Die Informationsdefizite 66
3.3.4 Die Planungsdefizite 68
3.3.5 Die kritischen Umweltbedingungen 70
3.3.6 Das ,Innovationsdilemma 72
3.3.7 Die Finanzierungsbedingungen 74
3.4 Zusammenfassung: Die Begleitungsmotivation 76
Kapitel 4: Ein heuristischer Bezugsrahmen für das Begleitungskonzept 79
4.1 Ansätze einer Gründungstheorie 80
4.1.1 Die Theorie der Institution und der Gründung von HAURIOU 81
4.1.2 Ein sprachlogischer Ansatz von LIPP 82
4.1.3 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen 82
4.2 Der Ansatz einer Theorie autopoietischer Systeme 84
4.2.1 Soziale Systeme im Konzept der Autopoiesis 85
4.2.2 Die Unternehmung als autopoietisches System 89
4.2.3 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen 93
4.3 Eine transaktionskostenökonomische Betrachtung 100
4.3.1 Der Transaktionskostenansatz von COASE 101
4.3.2 Der Transaktionskostenansatz von WILLIAMSON 103
4.3.3 Der Transaktionskostenansatz von PICOT, LAUB und SCHNEIDER 105
4.3.4 Gründungs- und begleitungstheoretische Implikationen 108
4.4 Zusammenfassung: Gestaltungsvorschläge für einen Bezugsrahmen 113
VI
Kapitel 5: Eine Beurteilung der aktuellen Begleitungspraxis 119
5.1 Ein Überblick über die Gründungsbegleitung in Deutschland 120
5.2 Die Gründungsoffensive in NRW 123
5.2.1 Darstellung des Konzeptes der Gründungsoffensive 124
5.2.2 Beurteilung des Konzeptes der Gründungsoffensive 125
5.3 Technologie- und Gründerzentren 127
5.3.1 Darstellung des Konzeptes der Technologie- und Gründerzentren 128
5.3.2 Beurteilung des Konzeptes der Technologie- und Gründerzentren 130
5.4 Zusammenfassung: Die Relevanz der Begleitungspraxis 134
Kapitel 6: Empfehlungen für die Gründungsbegleitung 136
6.1 Die Konzeptionierungsphase 138
6.2 Der Bewertungsprozeß von Idee und Person 140
6.2.1 Die Beurteilung der Gründungsidee 141
6.2.2 Die Beurteilung der Personenmerkmale 145
6.3 Die Planung des Begleitungsprozesses 148
6.4 Die Gründungsvorbereitung und -durchführung 154
6.4.1 Die Qualifizierung des Unternehmensgründers 155
6.4.2 Die Ressourcenkoordination 162
6.5 Zusammenfassung: Der Ansatz eines Begleitungskonzeptes 164
Kapitel 7: Fazit und Ausblicke 169
7.1 Zusammenfassung der Ergebnisse 170
7.2 Forschungsstrategische Ausblicke 172
Literaturverzeichnis 174
Verzeichnis der Abkürzungen
BMFT Bundesministerium für Forschung und Technologie BMWi Bundesministerium für Wirtschaft EU Europäische Union FuE Forschung und Entwicklung HWK Handwerkskammer IHK Industrie- und Handelskammer I+K Information und Kommunikation GO Gründungsoffensive GU Gründungsunternehmen KMU Kleine und mittlere Unternehmen RKW Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft TGZ Technologie- und Gründerzentrum
VIII
Verzeichnis der Abbildungen
Seite
Abb. 1: Konzeption der Untersuchung
Abb. 2: Innovationsarten
Abb. 3: Unternehmens-Lebenszyklus einer Ein-Produkt-Unternehmung
Abb. 4: Die Entscheidung als Interaktionsprozeß
Abb. 5: Das Grundmodell der Entscheidungslehre im Gründungskontext
Abb. 6: Entscheidungsphasen des Gründungsprozesses
Abb. 7: Impulse in der Anregungsphase des Gründungsprozesses
Abb. 8: Das Phasenschema der Gründung als Entscheidungsprozeß
Abb. 9: Anteil des FuE-Aufwandes am Umsatz der Unternehmen nach
Besch äftigtengrößenklassen
Abb. 10: Anteil der Beschäftigten (in ) nach Beschäftigtengrößenklassen
Abb. 11: Anzahl der Auszubildenden 1996 nach Beschäftigtengrößenklassen
Abb. 12: Das ,magische Dreieck’ des Gründungsphänomens
Abb. 13: Das System der Problembereiche
Abb. 14: Informations- und Datenunsicherheit bei innovativen Gründungen
Abb. 15: Zeit als kritischer Erfolgsfaktor
Abb. 16: Die arche-typische und die arche-praktische Dimension einer Gründung
Abb. 17: Die Unternehmung als Wertschöpfungszyklus
Abb. 18: Die Reduzierung des Wertschöpfungszyklus in einer Kooperations-
beziehung
Abb. 19: Der Übergang von interner zu externer Transaktionsabwicklung
Abb. 20: Informationsprobleme und Transaktionskosten
Abb. 21: Koordinationsformen zwischen Markt und Unternehmung
Abb. 22: Die Koordinationsaufgaben in den einzelnen Gründungsphasen
Abb. 23: Heuristischer Bezugsrahmen zur Konstruktion einer begleitungs-
orientierten Gründungstheorie
Abb. 24: Zwei Ansätze begleitender Maßnahmen
Abb. 25: Beispiel einer groben Ablaufanalyse
Abb. 26: Dimensionen der strategischen Suchraumanalyse am Beispiel der
Optoelektronik
Verzeichnis der Tabellen Seite
Tab. 1: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in Deutschland ............ 22
Tab. 2: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in der Europäischen Union . 22
Tab. 3: Gründungsformen ......................................................................................... 36 Tab. 4: Sieben entscheidende Pleiteursachen ........................................................... 59 Tab. 5: Stilistische Verhaltensdimensionen .............................................................. 63 Tab. 6: Träger und Durchführungsorganisationen der Gründungsförderung ............. 76
Tab. 7: Systemfunktionen ......................................................................................... 97 Tab. 8: Formen institutioneller Arrangements .......................................................... 110 Tab. 9: Koordinationsfunktionen im Gründungsprozeß ............................................ 114 Tab. 10: Ziele und Maßnahmen der Gründungsoffensive ........................................... 125 Tab. 11: Das Leistungsangebot der Technologie- und Gründerzentren ...................... 129
Tab. 12: Potentielle Vor- und Nachteile eines Aufenthaltes in einem Technologie-
und Gründerzentrum .................................................................................... 131 Tab. 13: Die Struktur des Gründungs- und Planungsprozesses .................................. 138
Tab. 14: Personenmerkmale des Gründers als Beurteilungsgegenstand ...................... 146 Tab. 15: Ablaufschema der Begleitungsplanung ......................................................... 151 Tab. 16: Aufgabenpakete der Gründungsbegleitung ................................................... 152
Tab. 17: Angebote externer Beratungsstellen ............................................................. 155
Kapitel 1: Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Stand der Gründungsforschung 1.3 Konzeption der Untersuchung
In einem marktwirtschaftlichen System wird der Entstehung neuer Einheiten eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Neu gegründete und junge Unternehmen sind Träger großer Hoffnungen. In Zeiten zunehmender Dynamik und Verschärfung des Wettbewerbs im Rahmen des europäischen Binnenmarktes und der unzweifelhaften Globalisierung aller Wirtschaftsprozesse scheinen Anpassungsfähigkeit und Vitalität der deutschen Wirtschaft nur durch einen erfolgreichen Erneuerungsprozeß gewährleistet werden zu können. Insbesondere innovative Gründungen sollen dazu beitragen, die Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftssystems und -standortes zu erhalten.
1.1 Problemstellung
In jüngerer Zeit deutet sich ein Spektrum von Erwartungen an, die an die Gründung kleiner
und mittlerer Unternehmen, im folgenden KMU, geknüpft werden und sich in Schlagworten und Buchtiteln wie „Die Größe der Kleinen“ 1 , „Small is Beautiful“ 2 oder „Der Gründerboom“ 3 widerspiegeln. Bei der Gründung einer Unternehmung wird der Gründer aber häufig mit zahlreichen und sehr spezifischen Problemen konfrontiert, die er zum Teil nicht eigenständig lösen kann. Es entsteht ein hoher Informations- und Beratungsbedarf, der teilweise durch externe Quellen gedeckt werden muß. Aufgrund dieser Problemlösungsnotwendigkeit einerseits und der in der betriebswirtschaftlichen Literatur konstatierten Funktionen von Unternehmensgründungen in einem marktwirtschaftlichen System andererseits lassen sich zwei Fragen aufwerfen:
1. Wie können wirtschaftspolitische Maßnahmen das Gründungsgeschehen durch eine Verbesserung der relevanten Rahmendaten positiv beeinflussen? 4 2. Wie könnte ein möglicher Beitrag privatwirtschaftlicher Unternehmensberater oder Gründungsbegleiter zu der erfolgreichen Umsetzung einer Gründungsidee aussehen?
Auf der Suche nach Antworten überrascht die stiefmütterliche Behandlung des Themenkomplexes. Finanz- und Wirtschaftspolitik versäumen es, ausreichende Gründungsanreize zu schaffen
1 AIGINGER/TICHY, 1984.
2 ZIEGLER, 1990.
3 BÖGENHOLD, 1987.
4 Dieser Frage wird nicht direkt nachgegangen, doch finden sich im Verlauf der Arbeit implizite Hinweise
auf Lösungsansätze.
und formale Gründungsbarrieren abzubauen. Maßnahmen der Gründungsförderung stehen in keinem Verhältnis zu der latenten und subtilen Unterstützung unternehmerischer Großstrukturen. Die betriebswirtschaftlichen Fakultäten deutscher Universitäten schneiden ihre Lehre auf Konzerne zu und fördern somit eine einseitige Allokation betriebswirtschaftlichen Know-hows. Letztlich müssen Wirtschaftswissenschaften und Soziologie in bezug auf die Gründungs- und Begleitungsproblematik mehr Forschungslücken eingestehen als sie theoretische Grundlagen zu bieten vermögen. Hier zeigen sich unverkennbare Theorie- und Handlungsdefizite. Die vorliegende Untersuchung hat zum Ziel, aufgrund einer genauen Betrachtung des Gründungsvorganges Ansätze zu einem vermarktungsfähigen Dienstleistungskonzept der Gründungsbegleitung zu entwickeln. Der Begriff Begleitung soll dabei über den Begriff der Beratung hinausgehen und sich auch Aspekten der Unterstützung, Kooperation, Risikoübernahme etc. öffnen.
Im Verlauf der Arbeit wird gezeigt, daß aufgrund der Spezifität der typischen Gründungsprobleme, auf die das Begleitungskonzept einzugehen hat, die Betrachtung der Gründungsbegleitung als spezielle Unternehmensberatung nur wenig sinnvoll erscheint 5 . Außerdem stellt sich im nächsten Abschnitt heraus, daß die Betriebswirtschaftslehre und ihre Nachbardisziplinen für die Konzeptionierung einer Gründungsbegleitung bis jetzt kaum theoretisches Rüstzeug bereitgestellt haben. Es soll also das Anliegen dieser Untersuchung sein, dieses Theoriedefizit zunächst zu reduzieren. Nur wenn ein Erkenntnisinteresse dem Gestaltungsinteresse vorangeht, können ausreichend begründete Aussagen über die Ausgestaltung eines Begleitungskonzeptes gemacht und gleichzeitig dessen besondere Chancen und Risiken verdeutlicht werden.
1.2 Stand der Gründungsforschung
Insbesondere in Deutschland wurde lange Zeit das betriebswirtschaftliche Erkenntnisobjekt fast ausschließlich in existenten großen Wirtschaftseinheiten gesehen 6 . Mit der Gründungsforschung, einem im deutschsprachigen Raum noch jungen Wissenschaftsgebiet, hat sich ein wirtschaftswissenschaftlicher Teilbereich herausgebildet, der sich mit Fragen und Problemen der Genese und
5 Das INSTITUT FÜR MITTELSTANDSFORSCHUNG (1997, S. 7ff.) ist diesbezüglich anderer Meinung. Die
Entwicklung einer geschlossenen Theorie der Beratung wurde aber bis heute ebenfalls nicht geleistet.
Vgl. STEYRER, 1991, S. 2ff.
6 Vgl. z.B. CHMIELEWICZ, 1984, S. 151f.
Genetik kleinerer Einheiten auseinandersetzt 7 . Hier überwiegen derzeit noch eindeutig erkenntnis-orientierte Forschungsarbeiten. Neben einer Gründungstheorie wird auch eine Gründungstechnik als gestaltungsorientierter Bereich gefordert 8 .
Auch wenn die Gründungsforschung noch keinen einheitlichen Bezugsrahmen formuliert hat, so lassen sich doch vier Forschungsbereiche identifizieren. Jeweils bezüglich ihrer Wirkung auf Gründungsaktivität und Gründungserfolg werden untersucht 9 :
1. die Gründerperson mit ihren Motiven, Fähigkeiten und Demographia, 2. die Strukturdaten neugegründeter Unternehmen und die Umweltdaten und Rahmenbedingungen von Unternehmensgründungen 10 . 3.
Gegenstand einiger empirischer Untersuchungen sind zusätzlich:
4. die Bedeutung und die Funktionen von Unternehmensgründungen in einer Volkswirtschaft.
Die Gründerperson nimmt in der Gründungsforschung eine zentrale Rolle ein, da sie der wesentliche Handlungsträger ist, zahlreiche Risikopotentiale auf sich vereint und sich im Gegensatz zu der Unternehmung, die eben häufig noch gar nicht vollständig existiert, einer Untersuchung leichter zugänglich zeigt. Eine Untersuchung des Zusammenhangs von Personenmerkmalen und Gründungserfolg steht vor allem in der angelsächsischen Gründungsforschung im Mittelpunkt 11 . Die Strukturdaten einer Unternehmensgründung interessieren, da strukturelle Entscheidungen zum Zeitpunkt der Gründung nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden können. Eine Unternehmung wird durch die Festlegung von Standort, Rechtsform, Absatzmarkt etc. langfristig in ihrer Entwicklung beeinflußt.
7 Zu der Einordnung der Gründungsforschung in die Wirtschaftswissenschaften vgl. KLANDT, 1984b,
S. 43ff.
8 Vgl. KLANDT, 1984b, S. 48f. Gestaltungsorientierte Arbeiten beschränken sich bisher zumeist auf Leit-
fäden und Ratgeber des Typs ,Wie mache ich mich selbständig?‘. Als Beispiele solcher in der Regel
außerakademischen Arbeiten, die ihre Erfolgsrelevanz allenfalls argumentativ absichern, seien ge-nannt: ARNOLD, 1996; KARNATH, 1990; KOTSCH-FASSHAUER, 1997; RASNER/FÜSER/FAIX, 1997;
RENTROP, 1991 und SCHOEFFLING, 1991.
9 Mit Gründungserfolg ist hier der Abschluß der Gründungsphase zu einer lebensfähigen Unterneh-mung gemeint. Zu einzelnen Befunden vgl. MÜLLER-BÖLING/KLANDT, 1993, S. 156ff.
10 Ein Überblick über die Beziehung zwischen diesen Forschungsobjekten findet sich bei MÜLLER-
BÖLING/KLANDT, 1993, S. 143.
11 Das englische Begriffsäquivalent für Gründungsforschung ist Entrepreneurship Research. Zu For-
schungsinhalten vgl. KLANDT, 1984b, S. 45f.
Mit den Rahmenbedingungen einer Unternehmensgründung sind Aspekte wie Gründungsinfrastruktur, Konjunkturlage, Marktsituation, makrosoziales Umfeld etc. angesprochen, die einen direkten oder indirekten Einfluß auf Gründungsaktivität und -erfolg ausüben. Über diese Bemühungen hinaus, die individuellen und situativen Ursachen von Unternehmensaktivität und -erfolg zu erklären, wird von einer gehaltvollen Gründungstheorie zusätzlich eine Erklärung der gesamtwirtschaftlichen Wirkungen und Funktionen von Unternehmensgründungen gefordert. Hier werden aggregierte Größen wie beispielsweise Konjunktur- und Beschäftigungswirkungen oder der Beitrag zum technologischen Fortschritt von Unternehmensgründungen auf makroökonomischer Ebene erfaßt und untersucht.
Die derzeitige empirische Gründungsforschung bewegt sich „... im Schnittfeld mehrerer Disziplinen ...“ 12 . Mit dem Hinweis auf die Position des Kritischen Rationalismus eifert sie der Erkenntnissicherung durch Hypothesenaufstellung und -prüfung nach. Entscheidend für Hypothesen ist in erster Linie, daß sie intersubjektiv eindeutig formuliert sind und an der Erfahrung scheitern können 13 , und weniger ihr Inhalt oder ihre Herkunft. Im Entdeckungszusammenhang der Gründungsforschung stehen Versuche im Vorder-grund, mit Hilfe eines „... erkenntnistheoretisch einleuchtende[n] Liberalismus hinsichtlich des Einsatzes von Entdeckungsmethoden ...“ 14 Ursache- und Wirkungszusammenhänge einzelner Phänomene zu erkennen. Hier sind vermutlich zahlreiche Aussagen durch Methoden wie Intuition, Induktion, phänomenologische Betrachtungsweise etc. zustande gekommen. Insgesamt wird die derzeitige Gründungsforschung durch eine große Anzahl kleiner Forschungsprojekte geprägt, in denen Einzelhypothesen oder lose verknüpfte Mengen von Hypothesen unter relativ exakt angegebenen Bedingungen und mittels mehr oder weniger anspruchsvoller, aber uneinheitlicher Analyseverfahren geprüft worden sind. Trotzdem hat der Erkenntnisstand der Gründungsforschung kaum zugenommen, da sich bis heute lediglich ein heterogener Bestand von kaum vergleichbaren, schlecht integrierbaren und theoretisch eng begrenzten Einzelergebnissen entwickelt hat. Das
12 PREISENDÖRFER, 1996, S. 8. Es handelt sich in erster Linie um Beiträge aus Sozialpsychologie, Be-
triebswirtschaftslehre, Soziologie, Rechtswissenschaften, Geschichtswissenschaften und Volks-
wirtschaftslehre. Ein Überblick über relevante Einflußfaktoren aus benachbarten Wissenschafts-
disziplinen findet sich bei KLANDT, 1984b, S. 39ff.
13 Vgl. z.B. RAFFÉE, 1993, S. 34.
14 MUGLER/PLASCHKA, 1987, S. 174. Zur Kritik an Forschungsmethoden und -instrumenten der Grün-
dungsforschung vgl. auch MÜLLER-BÖLING, 1983, S. 124f.
Wissenschaftsziel liegt jedoch gerade nicht in einer mosaikartigen Fülle von Einzelergebnissen, sondern vielmehr in einer Zielgerichtetheit der Beobachtungen und einer Integration gehaltvoller explikativer Aussagen, die sich auf eine Menge gleicher Phänomene beziehen und keinen speziellen Raum-Zeit-Bezug aufweisen. So liegt auch das vermutlich wichtigste Ziel der betriebswirtschaftlichen Forschung „... in der Gewinnung von über Einzelfälle hinausgehenden Aussagen zur Lösung von Entscheidungsproblemen in der betrieblichen Praxis ...“ 15 , und es stellt sich die Frage, wie dieses pragmatische Wissenschaftsziel auch für die Gründungsforschung möglichst schnell erreicht werden kann.
Das größte Problem scheint darin zu liegen, daß der Objektbereich der Unternehmensgründung gegenwärtig noch zu wenig bekannt ist, um sinnvolle Hypothesen aufstellen zu können. Und unter Berücksichtigung des pragmatischen Wissenschaftsziels sollte nicht so sehr der Zuwachs in der Erkenntnissicherung als vielmehr der Zuwachs im Verständnis als Maßstab für wissenschaftlichen Fortschritt gelten 16 . Welche alternative Forschungsstrategie bietet sich also für die Gründungsforschung an?
KUBICEK schlägt vor, „... die Konstruktion wissenschaftlicher Aussagen als einen von the-oretischen Absichten geleiteten und auf systematischem Erfahrungswissen basierenden Lernprozeß zu begreifen ...“ 17 , der den Umweg des wissenschaftlichen Fortschritts über die Prüfung tendenziell beliebiger Hypothesen durch theoretisch geleitete Fragen an die Realität ersetzen soll. Denn während Hypothesen nach Legitimation durch Begründung verlangen, erhalten theoretisch geleitete Fragen ihre Legitimation durch den durch sie erzielbaren Erkenntnisgewinn. Der Prozeß, durch Fragen an die Realität und die theoretische Verarbeitung des dabei gewonnenen Erfahrungswissens zu weiteren Fragestellungen zu gelangen, wird als iterative Heuristik bezeichnet. Ein solches, immer nur provisorisches Erklärungsmodell soll sowohl den weiteren Forschungsprozeß steuern als auch Orientierungshilfen für die Praxis geben. Dieses Vorgehen scheint unter der Bedingung des momentan geringen Erkenntnisstandes der Gründungsforschung eine gute Möglichkeit zu sein, das Verständnis und die Beherrschung des komplexen Problembereiches der Unternehmensgründung zu verbessern.
15 KUBICEK, 1977, S. 5.
16 Vgl. KUBICEK, 1977, S. 7.
17 KUBICEK, 1977, S. 13.
Demnach könnte die Unternehmensgründung als bisher ungenügend beherrschbares Problem Ausgangspunkt der Konstruktion eines heuristischen Bezugsrahmens sein. Die Konstruktion ist abhängig vom Vorverständnis und der Perspektive des Forschers, da seine Annahmen, Fragen und vor allem Interpretationsmuster in ihrer Gesamtheit den heuristischen Bezugsrahmen bilden. Diese dem Vorverständnis entspringende Perspektive wird präzisiert, indem weitere Fragen und Interpretationen zur genaueren Abgrenzung des Problems entwickelt werden, die wiederum der weiteren Erfahrungsgewinnung dienen. Ein heuristischer Bezugsrahmen soll also ein die Erfahrungsgewinnung vorbereitendes Ziel erfüllen. Vorliegende und zum Teil interdisziplinäre Einzelhinweise der Gründungsforschung müßten zusammengetragen und in einen theoretischen Rahmen gestellt werden, dessen Inhalt durch künftiges Einfließen immer weiterer Erfahrungen laufend präzisiert werden kann 18 . Der Bezugsrahmen sollte dabei Annahmen und Fragen aus möglichst unterschiedlichen Richtungen, Ansätzen und Disziplinen berücksichtigen, die sein heuristisches Potential erhöhen.
1.3 Konzeption der Untersuchung
Auf dem Weg zu einem Begleitungskonzept für Unternehmensgründungen müssen zahlreiche Teilziele verfolgt werden. Da die Gründungsforschung bis jetzt noch keine Theorien zur Verfügung stellt, aus denen sich ein umfassendes Begleitungskonzept ableiten ließe, soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit zunächst ein heuristischer Bezugsrahmen entwickelt werden, aus dem sich sinnvolle Orientierungshilfen und Handlungsempfehlungen für die Praxis der Gründungsbegleitung ableiten lassen. Dieser Bezugsrahmen soll weniger die „... Ursachen und Wirkungen von Unternehmensgründungen erklären ...“ 19 , sondern vor allem die Risiko- und Erfolgsfaktoren 20 einer Unternehmensgründung transparent machen, um daraus gründungsbegleitende Maßnahmen ableiten zu können.
18 Dieses Vorgehen unterscheidet sich von einem naiven Induktivismus dadurch, daß das Vorver-
ständnis des Forschers problematisiert wird und nicht sofort zu gesicherten Aussagen über die Reali-
tät, sondern zunächst zu Fragen führen soll, die geeignet sind, das Vorverständnis zu erweitern. Vgl.
KUBICEK, 1977, S. 14.
19 UNTERKOFLER, 1989, S. 69.
20 Diesbezüglich spricht z.B. BAAKEN (1989, S. 64) von „Determinanten“ des Gründungserfolges oder -
mißerfolges. Es ist allerdings zweifelhaft, ob der Erfolg einer Unternehmensgründung wirklich durch
einzelne Faktoren so festgelegt wird, wie es diese Formulierung impliziert.
Für diesen Bezugsrahmen ist zunächst eine präzise und ausführliche Begriffsabgrenzung der Untersuchungsgegenstände Unternehmung und Gründung erforderlich 21 . Zum einen verdeutlichen solche Definition das Vorverständnis und die Perspektive des Forschers und sind somit Ausgangspunkt aller theoretischen Überlegungen, und zum anderen sind sie Voraussetzung für eine Überprüfbarkeit der Untersuchungsergebnisse, da insbesondere die Handlungsempfehlungen, aber auch der heuristische Bezugsrahmen selbst zunächst nur einen Behauptungscharakter aufweisen.
In Kapitel 2 dieser Arbeit wird also der Versuch unternommen, diejenigen Merkmale herauszuarbeiten, die notwendig und hinreichend dafür sind, daß es sich bei einem Beobachtungsge-genstand um eine Unternehmung handelt. Erst wenn festgelegt ist, ab wann es sich um eine Unternehmung handelt, kann des weiteren auch das Ende ihres Gründungsprozesses fixiert werden. Darüber hinaus wird auch der Beginn einer Gründung genau festgesetzt und der Gründungsprozeß in einzelne Phasen gegliedert.
In Kapitel 3 werden Sinn und Notwendigkeit einer Gründungsbegleitung verdeutlicht. Zum einen scheinen diese in bestimmten Funktionen zu liegen, die KMU und deren Gründungen in einem marktwirtschaftlichen System zukommen. Andererseits ist die Begleitung und Unterstützung von Unternehmensgründungen aufgrund vielfältiger Gründungsprobleme und -risiken sowie Nachteilen der neugegründeten Unternehmungen gegenüber etablierten Großunternehmen notwendig und sinnvoll. Da die Probleme, die sich in der Gründungsrealität beobachten lassen, nicht nur Motiv, sondern auch Ansatzpunkt für eine Gründungsbegleitung sind, wird versucht, deren Ursachen aufzuspüren und sie zu systematisieren. Dazu wird auf die Ergebnisse des Kapitels 2 zurückgegriffen.
In Kapitel 4 soll ein heuristischer Bezugsrahmen als exploratives Instrument auf dem Wege zu einer begleitungsorientierten Gründungstheorie erstellt werden. Ein solcher heuristischer Bezugsrahmen kann zwar von seiner logischen Konsistenz und Operationalität her nicht den strengen Anforderungen an ein Hypothesensystem genügen, er hilft aber, die komplexen Phänomene von Unternehmensgründungen zu ordnen 22 . Hierzu werden neben den Einzel-
21 Dieses scheint insbesondere auch deshalb notwendig zu sein, da die Gründungsforschung in dieser
Hinsicht noch nicht viel mehr als Arbeitsdefinitionen zustande gebracht hat, die als stabile Basis für
eine Gründungs- oder Begleitungstheorie nicht geeignet sind.
22 Vgl. KUBICEK, 1977, S. 17f.
ergebnissen über Problembereiche einer Unternehmensgründung aus Kapitel 3 auch allgemeine und anerkannte Denkmodelle aus Betriebswirtschaftslehre und Soziologie herangezogen. Vor allem die Betrachtung der Unternehmung als autopoietisches System und die Einbeziehung transak-tionskostentheoretischer Aspekte scheinen Beiträge zu einem pluralistischen und eklektischen Bezugsrahmen leisten zu können.
In Kapitel 5 soll eine Darstellung der augenblicklichen Begleitungspraxis in Deutschland erfolgen. Vor allem Institutionen wie beispielsweise Technologie- und Gründerzentren oder Initiativen wie die Gründungsoffensive in Nordrhein-Westfalen sollen anhand der Ergebnisse aus Kapitel 4 beurteilt werden. Darüber hinaus werden existente Begleitungskonzepte daraufhin untersucht, ob sie weitere Anregungen für die eigene Konzeptionierung bieten können. In Kapitel 6 werden schließlich auf der Grundlage des heuristischen Bezugsrahmens Aussagen über konkrete Handlungsmöglichkeiten und Ansatzpunkte der Gründungsbegleitung gemacht und zu einem Begleitungskonzept zusammengefaßt 23 .
Abschließend soll eine graphische Übersicht über den Gang der Untersuchung die Inhalte und Zusammenhänge der einzelnen Kapitel noch einmal verdeutlichen:
23 Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Unternehmensgründung hängt auch von differenzierten öko-nomischen, technologischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen ab. Dieses erfordert ei-
ne so flexible Gestaltung des Begleitungskonzeptes, daß dieses relativ unabhängig von konjunk-turellen und politischen Veränderungen innerhalb unseres Wirtschaftssystems Anwendung finden
kann.
Kapitel 2: Diskussion begrifflicher Grundlagen
2.1 Die Unternehmung
2.1.1 Begriffliche Abgrenzung
2.1.2 Die Unternehmung als System
2.1.3 Kleine und mittlere Unternehmen
2.2 Die Gründung
2.2.1 Die Unternehmensgründung als Prozeß
2.2.2 Eine entscheidungstheoretische Sichtweise der Unternehmensgründung
2.2.3 Gründungsarten
2.3 Zusammenfassung: Der Untersuchungsgegenstand
Nach der modernen Wissenschaftstheorie kommt Begriffen weder ein Wahrheitswert noch ein eigenständiger Informationsgehalt zu. Dennoch ist im Begründungszusammenhang die Bildung klarer Begriffe unerläßlich, um eine exakte, nachprüfbare und objektive Überprüfung aufgestellter Hypothesen zu ermöglichen. Das vorliegende Kapitel stellt verschiedene Definitionen der Begriffe Unternehmung 24 und Gründung dar und macht die zur Begriffsbildung verwendeten Merkmale deutlich 25 . Aus der Diskussion verschiedener Sichtweisen heraus wird eine für diese Untersuchung zweckmäßige Abgrenzung der Begriffe entwickelt. Dabei sollen die Betrachtung der Unternehmung als System und der Prozeßcharakter der Gründung im Vordergrund stehen.
2.1 Die Unternehmung
Will man sich später mit einer Abgrenzung der Unternehmensgründung beschäftigen, so stellt sich eine zentrale, zunächst frugal formulierte Frage: Ab wann ist eine Unternehmung eine Unternehmung? Im folgenden wird der Versuch unternommen, diejenigen Merkmale herauszuarbeiten, die für das Vorliegen einer Unternehmung notwendig und hinreichend sind. Die betriebswirtschaftliche Literatur zeigt in der Definition des Begriffes Unternehmung mehrere voneinander abweichende Grundrichtungen. Deren Unterschiede werden im folgenden am Verhältnis des Unternehmungsbegriffes zum Betriebsbegriff verdeutlicht.
2.1.1 Begriffliche Abgrenzung
Die Begriffe Unternehmung und Betrieb werden selten als austauschbare Synonyme behandelt, wie sich beispielsweise in den Ausdrücken Unternehmensberatung oder Betriebskrankenkasse zeigt. In der Regel werden ihnen unterschiedliche Inhalte zugewiesen.
(1) Gleichrangigkeit von Unternehmung und Betrieb
24 Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch findet sich gelegentlich eine Unterscheidung zwischen dem
Unternehmen als Einrichtung im institutionellen Sinn und der Unternehmung als Vorgang im funktio-
nellen Sinn. Da eine Trennung von Institution und Funktion im Gründungszusammenhang nicht not-
wendig erscheint, werden die beiden Begriffe in der weiteren Untersuchung synonym verwendet.
25 Die Notwendigkeit eines klaren Verständnisses der Begriffe Unternehmung und Gründung wird in der
Gründungsforschung leider übersehen. Stellvertretend für eine Reihe diesbezüglich mehr oder weniger
mangelhafter Arbeiten seien genannt: CLEMENS/FREUND, 1994; HUNSDIEK, 1987; JOOS, 1987;
PÜTZ/MEYERHÖFER, 1982; SCHULZ, 1995; SZYPERSKI/KIRSCHBAUM, 1981 und SZYPERSKI/
NATHUSIUS, 1977.
Die Begriffe Betrieb und Unternehmung werden als sich auf gleicher Ebene ergänzende Begriffe behandelt, sind also zwei Seiten der gleichen Medaille. Mit Betrieb wird die technisch-wirtschaftliche Seite beschrieben. In der Unternehmung werden Zweck-, Finanz- und Rechtsaspekte gesehen 26 . Hier findet sich der Hinweis, daß sich eine Unternehmensgründung nicht auf einen juristischen Akt wie z.B. die Eintragung ins Handelsregister oder die Gewerbeanmeldung beschränken läßt 27 .
(2) Unternehmung als Oberbegriff
Nach dieser Auffassung ist die Unternehmung als ökonomische Einheit der Gesamtwirtschaft durch Kapitaleinsatz, wirtschaftliches Risiko und Gewinnstreben gekennzeichnet 28 . Sie wird als selbständige Produktionswirtschaft von einem Unternehmer auf eigene Rechnung und Gefahr betrieben. Unter Betrieb wird dagegen die technische Apparatur, derer sich die Unternehmung zur Erreichung ihrer wirtschaftlichen Ziele bedient und weiterhin eine „... Dauerveranstaltung zur Güterproduktion ...“ 29 verstanden. Eine ähnliche Sichtweise, ohne jedoch explizit vom Betriebsbegriff abzugrenzen, vertritt SCHUMPETER, der in Unternehmungen „... äußerlich selbständige, scheinbar autonome, grundsätzlich auf sich selbst gestellte, unmittelbar nur am eigenen Lebensinteresse orientierte Einheiten ...“ 30 sieht. Im Zentrum seiner Überlegungen steht die Innovationsfunktion der Unternehmung. Der Unternehmer als Führer der Unternehmung muß auf wirtschaftlichem Gebiet ständig neue Möglichkeiten erkennen und durchsetzen. Bezüglich dieser Aufgabe lassen sich fünf Typen unterscheiden:
„1. Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreise noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes. 2. Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht praktisch
26 Vgl. z.B. LEHMANN, 1956, S. 52f. oder RÖßLE, 1956, S. 16 und zur Kritik GUTENBERG, 1972, S. 510f.
27 Eine solche eingeschränkte Sichtweise findet sich z.B. bei HERTLEIN, 1965, Sp. 673f.
28 Vgl. z.B. RIEGER, 1959, S. 40f.
29 GROCHLA, 1959, S. 586, ähnlich auch RÖSSLE, 1973, S. 15.
30 SCHUMPETER, 1928, S. 476. Die bloße Orientierung am eigenen Lebensinteresse scheint aber weniger
das Wesen der Unternehmung zu treffen als vielmehr die Lebensfähigkeit selbst.
3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes, d.h. eines Marktes, auf dem der
4. Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten,
Durchführung einer Neuorganisation ...“ 31 5.
Im folgenden soll die Erfüllung mindestens einer dieser Unternehmeraufgaben als Innovation bezeichnet werden. Innovationen sollen nicht auf technologische Neuerungen beschränkt werden. Der Innovationsgrad läßt sich anhand der drei Dimensionen Produktionsprozeß, Produkt und Beschaffungs- bzw. Absatzmarkt differenzieren:
Abb. 2: Innovationsarten
(3) Betrieb als Oberbegriff
31 SCHUMPETER, 1964, S. 100f. Unter den Begriff Gut sollen hier auch Dienstleistungen als imma-terielle
Güter subsumiert werden.
Folgt man diesem Ansatz, so ist der Betrieb die kleinste Organisationseinheit der Gesamtwirtschaft. Beispielhaft für die Betrachtung der Unternehmung als spezielle Betriebsart werden im folgenden drei Sichtweisen vorgestellt. Der erste Ansatz wurde von NICKLISCH angeregt, der die Leistungserstellung und den Erhalt von Gegenwerten als Wesensmerkmal des Betriebes nennt 32 . Selbständige Betriebe werden in Haushaltungen und Unternehmungen differenziert. Eine Unternehmung, die freiwillig das Marktrisiko auf sich nimmt, deckt im Gegensatz zur Haushaltung fremden Güterbedarf 33 .
Eine Weiterführung dieser Sichtweise findet sich bei KOSIOL, der Betriebe als Sozialgebilde mit einheitlicher Planung definiert 34 . Er faßt Unternehmungen als Erzeugungsbetriebe auf und grenzt sie durch die drei Merkmale wirtschaftliche Selbständigkeit, Deckung fremden Bedarfs und freiwillige Übernahme des Marktrisikos von den Haushalten ab. Ebenfalls ausgehend von NICKLISCH ist für MELLEROWICZ die Unternehmung als Erscheinungsform des Betriebes durch „... privates Eigentum an den Produktionsmitteln, volle Risikoübernahme, Rechenhaftigkeit und Streben nach maximalem Gewinn ...“ 35 gekennzeichnet. Aspekte der Risikoübernahme und des Gewinnstrebens sollen in der vorliegenden Arbeit als prägnante Eigenarten des Unternehmertums anerkannt und an anderer Stelle nochmals aufgegriffen werden. Bedenkt man jedoch die Einbindung der Unternehmung in ein Beziehungsgeflecht von Lieferanten, Abnehmern, Kapitalgebern, Verbänden und Staat, so können wirtschaftliche Selbständigkeit und privates Eigentum an Produktionsmitteln heutzutage keinesfalls uneingeschränkt als Merkmale einer Unternehmung gelten 36 .
Ein zweiter Ansatz, der Unternehmungen als Spezialfall der Betriebe auffaßt, geht auf GUTENBERG zurück, der eine wirtschaftssystemabhängige Definition des
32 Vgl. NICKLISCH, 1932, S. 164ff.
33 Da auch Haushalte Fremdbedarf und Unternehmen Eigenbedarf decken können, ist hier eine scharfe
Trennung nicht möglich. Man denke z.B. an Personaleinkauf in Warenhäusern.
34 Vgl. auch KOSIOL, 1962, Sp. 5540-5545.
35 MELLEROWICZ, 1969, S. 19f.
36 Vgl. BUSSE VON COLBE/LAßMANN, 1988, S. 19.
Unternehmensbegriffes gibt 37 . Nach seiner Auffassung ist ein Betrieb ein wirtschaftssystemindifferenter Tatbestand, der aus dem System der Produktionsfaktoren, dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und dem des finanziellen Gleichgewichts besteht. Eine Unternehmung in einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem wird zusätzlich durch drei Merkmale gekennzeichnet: das innere und äußere Autonomieprinzip und das erwerbswirtschaftliche Prinzip. Unklar bleibt, ob diese Prinzipien als Normen oder als Erfahrungstatbestände verstanden werden 38 . Der Ansatz von GUTENBERG legt die Vermutung nahe, daß die
Gründungsproblematik und somit auch die Aspekte einer Gründungsbegleitung ebenfalls wirtschaftssystemabhängig sein können. Die vorliegende Arbeit soll allerdings auf die Betrachtung marktwirtschaftlicher Systeme beschränkt bleiben. In einem dritten Ansatz faßt SCHNEIDER alle Organisationen unter dem Begriff Betrieb zusammen, in denen Menschen Einkommen erwerben. Eine Unternehmung liegt vor, wenn ein Betrieb absatzmarktgängige Leistungen erstellt und verkauft. Im weiteren definiert er Unternehmung als Handlungssystem: „... Unternehmung heißt eine durch das Ausüben von Unternehmerfunktionen gelenkte Menge an Marktprozessen eines Anbieters oder Nachfragers, dazugehörender Marktzufuhrhandlungen und daraus folgenden Gewinnermittlungen und Einkommensverteilungen, wobei diese Unternehmungsprozesse geordnet werden nach faktischen Einflußgrößen und den Regelsystemen für das Ausüben von Unternehmerfunktionen sowie der Unternehmungsverfassung.“ 39 . Eine Unternehmung besitzt also die Fähigkeit, als Anbieter in Absatzmärkten und als Nachfrager in Beschaffungsmärkten Marktprozesse durchzuführen und einen Wertschöpfungsprozeß zu initiieren und aufrechtzuerhalten. Marktprozeßfähigkeit scheint ein wesentliches Merkmal zur Bestimmung des Unternehmungsbegriffes zu sein.
Die bisherigen Ausführungen mögen eine Vorstellung über die Vielfalt möglicher Begriffsinhalte der Unternehmung vermittelt haben. Eine Beschreibung verschiedener realer Verhaltensweisen wie Kapitaleinsatz, Risikoübernahme, Gewinnstreben oder Deckung fremden Güterbedarfes
37 Vgl. GUTENBERG, 1972, S. 460ff. und 464ff.
38 Zur Kritik an GUTENBERGs Definition vgl. SCHNEIDER, Dieter, 1993, S. 87ff.
39 SCHNEIDER, Dieter, 1993, S. 93.
dienen einer Abgrenzung der Unternehmung gegenüber anderen Wirtschaftseinheiten und tragen somit dazu bei, den unüberschaubaren Komplex von Gegenständen und Beziehungszusammenhängen innerhalb des Wirtschaftssystems zu ordnen. Die bisher angesprochenen Merkmale einer Unternehmung stellen zwar Wesentlichkeiten dar, dürfen aber nicht mit deren Wesen selbst verwechselt werden, indem man dieses aus der Summe aller Wesentlichkeiten konstruieren zu können glaubt. Sie sind lediglich standpunktbezogene einseitige Aspekte. Das jedoch, was einen Gegenstand von anderen unterscheidet, kann „... nur eines sein. Vom Wesen eines Gegenstandes aus müssen alle seine konkreten Erscheinungsformen, wie auch seine einzelnen Aspekte, sich erklären lassen.“ 40 . Um eine „... Beschreibung des Wesens und der Natur ...“ 41 einer Unternehmung im Sinne einer Realdefinition leisten zu können, muß ihre Funktionsweise betrachtet werden 42 .
Um eine überblickhafte Vorstellung der Funktionsweise einer Unternehmung innerhalb ihrer Umwelt zu bekommen und diese vielfältigen Zusammenhänge vereinfachen und die allen Unternehmungen gemeinsamen Merkmale aufzeigen zu können, bedarf es eines Modells, das einer höheren Abstraktionsebene angehört als etwa die Typologie 43 . Ein Untersuchungsgegenstand kann häufig nur vollständig erfaßt werden, wenn er aus Sicht verschiedener Disziplinen beschrieben wird. Dieses setzt ein Minimum an gemeinsamer Sprache und Methodik voraus. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, sich der Systemtheorie als „... Metatheorie [zu bedienen], deren Ziel es ist, Erscheinungen in ihrer Gleichartigkeit besser zu erkennen und dafür eine einheitliche Terminologie und Methodologie anzubieten.“ 44 , und die Unternehmung als System zu betrachten 45 .
40 VEIL, 1956, S. 57f.
41 ALBERT , 1972, S. 173.
42 VEIL versucht, das Wesen der Unternehmung nicht durch ihre Funktionsweise, sondern durch ihren
Zweck und ihr Strukturprinzip (er spricht von ,Seinsbestimmtheit‘) zu erfassen. Das Wesen der Unter-
nehmung liegt demnach in der Verbesserung der menschlichen Lebensqualität durch Arbeits-teilung
und Kooperation. Vgl. VEIL, 1956, S. 84ff. Diese Sichtweise ist wenig geeignet, die oben formulierten
Frage zu beantworten, ab wann eine Unternehmung als solche bezeichnet werden kann.
43 Vgl. z.B. HEINEN, 1990, S. 19 oder ULRICH, 1970, S. 154 und zur Kritik an einer zu starken Verallgemei-
nerung SCHANZ, 1990, S. 105ff.
44 GUNTRAM, 1985, S. 297.
45 Zur Beurteilung der Anwendung des Systemansatzes in der Soziologie vgl. WILLKE, 1996, S. 1ff. und
in der Betriebswirtschaftslehre vgl. RAFFÉE, 1993, S. 86ff.
2.1.2 Die Unternehmung als System
Aus systemtheoretischer Sicht läßt sich die Unternehmung als „... ein äußerst komplexes, künstlich durch menschliche Gestaltungshandlungen geschaffenes ...“ 46 , offenes und zielgerichtetes soziotechnisches System beschreiben. Dabei soll unter einem System „... eine geordnete Gesamtheit von Elementen [verstanden werden], zwischen denen irgendwelche Beziehungen bestehen oder hergestellt werden können.“ 47 .
Komplexität meint, daß eine Unternehmung aus einer Vielzahl von Elementen und Subsystemen besteht und selbst wiederum Subsystem seiner Umwelt ist 48 . Die Elemente einer Unternehmung lassen sich differenzieren in Menschen und in Maschinen bzw. Betriebsmittel. Folglich existieren drei Arten von Subsystemen 49 :
1. soziale Systeme (Mensch-Mensch-Systeme), 2. technische Systeme (Maschine-Systeme) und 3. sozio-technische Systeme (Mensch-Maschine-Systeme).
Zwischen den integrierten Elementen und Subsystemen bestehen vielfältige Beziehungen, wobei einzelne Elemente gleichzeitig mehreren (Sub-)Systemen angehören können. Diese Beziehungen manifestieren sich im Austausch der Strömungsgrößen Information, Energie, Dienstleistungen, Sachgüter und Zahlungsmittel, welche von Elementen und Subsystemen der Unternehmung fortwährend aufgenommen, transformiert, produziert oder abgegeben werden können 50 . Da diese Strömungsgrößen e benfalls aus der Umwelt aufgenommen und an die Umwelt abgegeben werden, handelt es sich um ein offenes System. Aufgrund einer wechselseitigen und variablen Beziehung zwischen dem System Unternehmung und seiner Umwelt kann man gleichzeitig von einem dynamischen System sprechen. Ihre Elemente und Subsysteme und deren Beziehungen
46 FUCHS, 1973, S. 141ff. Vgl. auch z.B. HEINEN, 1990, S. 20f. und ULRICH, 1984, S. 24ff.
47 ULRICH, 1970, S. 105. Die Darstellung der Unternehmung als System erfolgt an dieser Stelle zunächst
in erster Linie mittels des strukturell-funktionalen Ansatzes der Systemtheorie. Im weiteren Verlauf der
Arbeit wird diese Sichtweise modifiziert.
48 Zur Gliederung der Subsysteme einer Unternehmung vgl. RAFFÉE, 1993, S. 92f.
49 Vgl. GROCHLA, 1966, S. 76.
50 Vgl. ALEWELL/BLEICHER/HAHN, 1972, S. 218ff. oder GROCHLA, 1974, S. 13.
unterliegen ebenso einem permanenten Wandel wie ihre Umweltbeziehungen. Die Unternehmung kann sich an Umweltveränderungen anpassen und gesetzte Ziele erreichen 51 . Betrachtet man eine Unternehmung als System, so ist die Lebensfähigkeit ihr zentrales Wesensmerkmal. Damit eine System lebensfähig ist, muß es seinen Systemzustand selbständig durch sogenannte funktionale Erfordernisse relativ stabil halten können. Will man solche Eigenschaften für die Abgrenzung einer Unternehmensgründung heranziehen, so muß an dieser Stelle gefragt werden, welches die funktionalen Erfordernisse einer Unternehmung sind. In diesem Zusammenhang führt HEINEN drei Fähigkeiten einer Unternehmung an, die er für funktionale Erfordernisse hält und sie als „Systembedürfnisse“ 52 bezeichnet:
1. die Fähigkeit zur produktiven Gestaltung der ablaufenden Prozesse, 2. die Fähigkeit zur Selbsttransformation unter dem Einfluß wechselnder Umweltbedingungen und 3. die Fähigkeit zur ganzheitlichen Verbindung der Elemente.
Bei einer genaueren Betrachtung des ersten Punktes wird deutlich, daß HEINEN ein funktionales Erfordernis nicht berücksichtigt hat. Unternehmungen haben keinen Selbstzweck, sondern „... sie erfüllen produktive Funktionen in ihrer Umwelt ...“ 53 . Die Grundfunktion einer Unternehmung ist „... die Schaffung von ökonomischen Werten durch die Erstellung entgeltlicher Leistungen ...“ 54 und deren Abgabe an Institutionen und Individuen ihrer Umwelt. Berücksichtigt man, daß innerhalb dieses Prozesses die drei Funktionsbereiche Betriebsmittelbeschaffung, Marktleistungserstellung und Marktleistungsverwertung im Mittelpunkt stehen 55 , so fällt auf, daß sowohl die Betriebsmittelbeschaffung als auch die Marktleistungsverwertung der Bedingung der Marktprozeßfähigkeit im Sinne SCHNEIDERs unterliegen 56 . Betrachtet man die Unternehmung als produktives soziales System, so muß zusätzlich die Marktprozeßfähigkeit als noch vorgelagertes funktionales Erfordernis eingeführt werden.
51 Vgl. HEINEN, 1990, S. 21ff.
52 HEINEN, 1990, S. 25.
53 ULRICH, 1984, S. 24.
54 ULRICH/FLURI, 1988, S. 16.
55 ULRICH, 1984, S. 46.
56 Siehe den vorhergehenden Abschnitt 2.1.1 dieser Arbeit
Während die Integrationsfähigkeit, die bei HEINEN als drittes funktionales Erfordernis aufgezählt wird, schon in der Systemeigenschaft einer Unternehmung enthalten ist und keiner expliziten Herausstellung bedarf, gewinnt die Fähigkeit zur Selbsttransformation in einer zunehmend komplexen und dynamischen Umwelt immer mehr an Bedeutung und soll hier um den Begriff Selbstreproduktion ergänzt werden. Das System Unternehmung muß sich nicht nur an eine sich wandelnde Umwelt anpassen können, sondern auch reproduktive Fähigkeiten in dem Sinne aufweisen, daß es sich über „... den Wertumlauf als kontinuierlichen [Wertschöpfungs]Prozeß ...“ 57 selbst erhalten bzw. reproduzieren kann. Es müssen also so viele Geldwerte entstehen, daß genügend davon in Form von Einkommen, Produktionsfaktoren etc. in der Unternehmung verbleiben, um alle Funktionen aufrecht erhalten zu können, die eine immer neue Leistungserstellung und -verwertung ermöglichen und eine Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen erlauben. Eine Unternehmung muß sich also durch einen gewissen Grad relativer Stabilität auszeichnen.
Im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit soll eine Unternehmung als offenes, zielgerichtetes und innovatives soziotechnisches System verstanden werden, dessen zentrales Wesensmerkmal die Lebensfähigkeit ist. Die Unternehmung als lebensfähiges System muß die funktionalen Erfordernisse Leistungserstellung, Marktprozeßfähigkeit sowie die Fähigkeit zur Selbsttransformation und -reproduktion aufweisen.
2.1.3 Kleine und mittlere Unternehmen
Bei einer Unternehmensgründung handelt es sich um die Schaffung eines (wenigstens zunächst) kleinen Unternehmens 58 . Die Gründungsproblematik scheint von der charakteristischen Problematik kleiner Unternehmen nicht zu trennen zu sein.
Obwohl zwischen kleinen und mittleren Unternehmen Unterschiede existieren, die über ungleiche Größenmerkmale hinausgehen 59 , werden sie trotzdem innerhalb einer speziellen Betriebswirtschaftslehre zu einem Forschungsfeld zusammengefaßt. Argumente dafür sind die fließenden Grenzen zwischen kleinen und mittleren Unternehmen und die überwiegend
57 NICKLISCH, 1932, S. 164.
58 Vgl. z.B. BINKS/COYNE, 1983, S. 18 und WENZ, 1993, S. 9.
59 Vgl. z.B. KEMMETMÜLLER, 1982, S. 206.
gemeinsamen Phänomene, die eine betriebswirtschaftliche Subdisziplin erfordern, die sich vom Fokus auf betriebliche Großstrukturen loslöst und kleinere Wirtschaftseinheiten ins Zentrum der Betrachtung rückt.
In der betriebswirtschaftlichen Literatur finden sich für den Begriff KMU zahlreiche Synonyme, wie z.B. Klein- und Mittelbetriebe, mittelständische Unternehmungen oder Mittelstand. In der vorliegenden Arbeit sollen diese Begriffe bewußt nicht übernommen werden, um deutlich zu machen, daß Freiberufler, große Unternehmungen mit mittelständischem Charakter, Konzerntöchter und öffentliche Betriebe nicht betrachtet werden. Darüber hinaus soll eine Verwechslung mit einem eher soziologisch orientierten Mittelstandsbegriff im Sinne eines „gesellschaftlichen Mittelstandes“ 60 , der beispielsweise auch leitende Beamte und angestellte Qualifikationsträger beinhaltet, ausgeschlossen werden. KMU sind keine Großunternehmen im Miniaturformat, sondern weisen spezifische Merkmale, Merkmalsausprägungen und Probleme auf, die innerhalb einer Gründungsbegleitung Berücksichtigung finden müssen. Hieraus ergeben sich zwei Aufgaben: Erstens müssen Merkmale mit signifikant unterschiedlichen Ausprägungen eruiert werden, und zweitens müssen diesbezüglich die Grenzen zwischen KMU und Großunternehmen festgelegt werden 61 . Für den Versuch einer definitorischen Lokalisierung des KMU-Sektors steht zwar eine Vielzahl von Abgrenzungskriterien zur Verfügung, aufgrund seiner Heterogenität ermöglichen diese aber einzeln betrachtet keine scharfe Trennung 62 . Es handelt sich lediglich um vereinfachende Orientierungswerte oder Indikatoren. Eine Abgrenzung kann nur von Fall zu Fall erfolgen und hängt nicht nur von geographischen oder branchenspezifischen Gesichtspunkten, sondern auch von der jeweils zugrundeliegenden Problemstellung ab. Die Bezeichnungen klein, mittel und groß legen eine quantitative Abgrenzung nahe. Durch Untersuchung bestimmter Merkmalsausprägungen werden Rückschlüsse auf das Vorliegen einer bestimmten Unternehmensgröße gezogen. Die gebräuchlichsten Kriterien in quantitativer Hinsicht sind die Umsatzhöhe und die Beschäftigtenzahl einer Unternehmung, seltener finden z.B.
60 HAMER, 1990, S. 23f.
61 Zu den Vor- und Nachteilen einer scharfen bzw. weichen Abgrenzung vgl. BORNMANN, 1981, S. 2.
62 Ein umfangreicher Merkmalskatalog findet sich z.B. bei PFOHL/KELLERWESSEL, 1982, S. 29ff.
Marktanteil, Anlagevermögen und Wertschöpfung Das
BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT verwendet als Arbeitsdefinition folgende Einteilung, die auf das INSTITUT FÜR MITTELSTANDSFORSCHUNG zurückgeht:
Tab. 1: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in Deutschland
Anläßlich neuer Grundsätze für die Genehmigung von Beihilfen durch die Mitgliedsstaaten gelangte die Kommission der Europäischen Union 1996 zu folgender Definition:
Tab. 2: Abgrenzung der Unternehmen nach Größenklassen in der Europäischen Union
Solche Abgrenzungen anhand quantifizierbarer Kriterien scheinen sinnvoll, da mit der Größe und insbesondere mit der Beschäftigtenzahl spezielle Organisationsphänomene und eigene Risiken und Chancen einhergehen. Gleichzeitig sind diese Abgrenzungen aber willkürlich und kaum allgemeingültig. Sie bietet zwar eine Art Faustformel zur Bestimmung der Unternehmensgröße, die jedoch im Einzelfall einer genaueren Prüfung bedarf. Bei einer Beurteilung im Einzelfall eignen sich zusätzlich qualitative Kriterien, die sich meistens an ö konomischen oder soziologischen Merkmalen der Unternehmerperson orientieren 64 . Im Rahmen einer Gründungsbegleitung interessant und für KMU typisch ist das Vorliegen einer starken Funktionsbündelung des Inhabers der Unternehmung 65 . In der Regel ist
63 All diese Kriterien überzeugen allerdings weniger durch ihre gute Eignung als durch ihre gute statisti-sche Erfaßbarkeit. Vgl. z.B. GRUHLER, 1994, S. 23.
64 Vgl. z.B. SCHUSTER, 1991, S. 17ff.
65 Vgl. PIETSCH, 1995, S. 26.
„... speziell die Existenz- und Leistungsfähigkeit kleiner ... Betriebe aufs engste mit der Qualifikation des personalen Mittelpunktes verknüpft ...“ 66 . Eine qualitative Abgrenzung der KMU ist allerdings insofern nicht unproblematisch, da sich qualitative Größen in der Regel schlecht messen lassen.
Für die vorliegende Arbeit genügt die Charakterisierung von KMU als Unternehmen, die:
1. nach Tab. 1 tendenziell klein oder mittelgroß sind und 2. von privaten Eigentümern geführt und geprägt werden.
Es muß allerdings berücksichtigt werden, daß im folgenden auch auf Autoren zurück-gegriffen wird, die andere Definitionen verwenden. Deren Ergebnisse können also nur mit Vorsicht und nicht immer vollständig übernommen werden 67 .
2.2 Die Gründung
KIRSCHBAUM bezeichnet Gründung als einen „... Prozeß der Schaffung eines gegenüber seiner Umwelt qualitativ abgegrenzten und vorher in gleicher Struktur nicht existierenden Systems.“ 68 . In einer etymologischen Ableitung des Begriffes wird jedoch noch eine andere Dimension, nämlich die Bedeutung der Gründung für die weitere Existenz des Gegründeten sichtbar. Unter dem Begriff Grund versteht man das „... Fundament, [die] Grundlage, das innerste, tiefste Wesen ...“ 69 einer Sache. Gründen meint dann „... den Grund zu etwas legen, errichten, ins Leben rufen ...“ 70 . Eine Gründung muß also eine sichere Grundlage für die weitere Existenz und Entwicklung der Unternehmung schaffen.
JÄGER differenziert die Unternehmensgründung in einen finanziell-juristischen und einen technisch-organisatorischen Akt 71 . Während der finanziell-juristische Akt Aspekte wie Rechtsformwahl, Verträge und Satzungen meint, bezieht sich der technisch-organisatorische Akt
66 MORTSIEFER, 1980, S. 2.
67 Diese Stellen werden im folgenden in den Fußnoten mit einem ,[sic]‘ gekennzeichnet.
68 KIRSCHBAUM, 1982, S. 32.
69 PFEIFER, 1993, S. 484.
70 DUDEN, 1963, S. 239.
71 Vgl. JÄGER, 1976, Sp. 788.
auf die Bereitstellung der Produktionsfaktoren 72 . Die benutzten Kategorien sind jedoch weder vollständig noch lassen sie sich immer sinnvoll voneinander abgrenzen. Die vorliegende Arbeit löst sich von dieser Betrachtung der Gründung als Akt und widmet sich im folgenden einer prozeßhaften Sichtweise.
2.2.1 Die Unternehmensgründung als Prozeß
Unter dem Begriff Prozeß soll der Ablauf einer Entwicklung verstanden werden, dem ein Anfang und ein Ende zugeordnet werden können 73 . Der Prozeß einer Unternehmensgründung beinhaltet verschiedenartige Aufgabenstellungen, die sich einzelnen sukzessiven Gründungsphasen zuweisen lassen. Eine solche Phaseneinteilung kann aufgrund gleichläufiger Entwicklungslinien relativ unabhängig von der Gründungsart vorgenommen werden 74 . Dabei finden sich bei verschiedenen Autoren sehr unterschiedliche Phasenmodelle 75 . Zunächst sollen Anfang und E nde des Gründungsprozesses festgelegt werden.
Der Beginn des Gründungsprozesses wird in der Gründungsliteratur häufig im Gründungsentschluß gesehen 76 . Gerade unter dem Aspekt einer möglichen Gründungsbegleitung kann aber auf eine Betrachtung des Zeitraumes vor dem Entschluß nicht verzichtet werden. Hier liegt der erste Beratungs- und Unterstützungsbedarf vor. Bei einem fehlenden Beratungsangebot zu diesem Zeitpunkt bestehen zwei Gefahren. Entweder kann es zum Gründungsentschluß und somit zu Folgekosten kommen, obwohl die vorliegenden Bedingungen einen Gründungserfolg unwahrscheinlich machen, oder der Schritt zur Gründungsentscheidung wird trotz aussichtsreicher Situation nicht gewagt. In der vorliegenden Arbeit wird der Zeitpunkt als Anfang des Gründungsprozesses betrachtet, in dem ein potentieller Gründer 77 eine Gründungsidee hat 78 .
72 Zur Kritik an dieser Sichtweise vgl. SZYPERSKI/NATHUSIUS, 1977, S. 26.
73 Der Gründungsprozeß dauert in der Regel ein halbes bis ein Jahr und kann als Prozeß verstanden wer-
den, der dem der Genese natürlicher Systeme gleicht. „Die Gründung ist danach ein Geburts- akt ...“
(NATHUSIUS, 1990a, S. 31).
74 Vgl. HUNSDIEK/MAY-STROBL, 1986, S. 127.
75 Eine ausführliche Auflistung verschiedener Einteilungen des Gründungsprozesses findet sich bei
DIETZ, 1989, S. 35ff.
76 Vgl. z.B. KULICKE, 1987, S. 7 oder UNTERKOFLER, 1989, S. 37.
77 Eine Vielzahl von Unternehmensgründungen werden von mehreren Gründern durchgeführt. Trotzdem
soll im folgenden aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung von nur einem Gründer gesprochen
Eine Gründungsidee soll hier definiert werden als gezielte oder zufällige Entdeckung einer Chance zu selbständigem unternehmerischem Handeln mittels der Durchsetzung „neuer Kombinationen“ 79 im Sinne SCHUMPETERs. Jede Unternehmensgründung ist dann „... die Schaffung eines Systems zur Realisierung und Vermarktung dieser [Gründungs-] Idee.“ 80 und stellt somit eine Innovation per se dar. Wenn jedoch im weiteren Verlauf dieser Arbeit von innovativen Unternehmensgründungen die Rede ist, so soll damit immer ein besonders hoher Innovationsgrad angesprochen werden 81 . Unternehmen, die sich auf eine relativ standardisierte und imitative Idee und die Wiederholung vorhandener und bewährter Konzepte gründen, sollen dagegen nicht direkt Gegenstand der Untersuchung sein.
Geht man vereinfachend davon aus, daß es sich um die Gründung einer Ein-Produkt-Unternehmung handelt, die ein bis dahin noch nicht existentes Produkt produziert und vertreibt, so läßt sich der Gründungsprozeß mit Hilfe des Produkt-Lebenszykluskonzeptes darstellen 82 . Der Produkt-Lebenszyklus ist ein Modell, in dem bestimmte auf das Produkt bezogene Erfolgsgrößen als abhängige Variablen und die Zeit als erklärende Variable fungieren 83 . Der Lebenszyklus des entstehenden Unternehmens gestaltet sich derart, daß bis zur Geschäftsaufnahme eine progressiv steigende Kostenzunahme durch zunehmende Planungs- und Errichtungstätigkeiten zu verzeichnen ist 84 . Im folgenden können die ersten Umsätze getätigt werden. Markterschließungs- und Marktsicherungskosten sowie Fremdkapitalzinsen führen jedoch noch zu einem mehr oder weniger dauerhaft negativen Ergebnis. Erst wenn das Produkt sich am Markt durchgesetzt hat und es zu erheblichen Umsatzzuwächsen kommt, können erste Gewinne realisiert werden.
Abb. 3: Unternehmens-Lebenszyklus einer Ein-Produkt-Unternehmung
werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung können aber sowohl für Einzelgründungen
als auch für sogenannte Teamgründungen gelten.
78 Im allgemeinen Sprachgebrauch konkurrieren zwei Bedeutungen des Begriffes Idee miteinander: Idee
als subjektiver Gedankenentwurf und Idee als Leitbild. Bemerkenswerterweise sind im Begriff der
Gründungsidee beide Aspekte enthalten.
79 SCHUMPETER, 1964, S. 100ff.
80 HORVÁTH/WINDERLICH/ZAHN, 1984, S. 142.
81 Siehe Abb. 2 dieser Arbeit (S. 14).
82 Zur Kritik am Produkt-Lebenszykluskonzept vgl. DIETZ, 1989, S. 155ff.
83 Vgl. z.B. NIESCHLAG/DICHTL/HÖRSCHGEN, 1991, S. 170ff.
84 Siehe Abb. 3 dieser Arbeit (S. 26).
Innerhalb dieses Produkt- bzw. Unternehmens-Lebenszyklus grenzen SZYPERSKI und NATHUSIUS die Gründungsphase als den Bereich ab, der zeitlich vor der Umsatztätigkeit liegt und lediglich alle „... Planungs- und Vorbereitungsschritte, die zur Geschäftsaufnahme führen.“ 85 , umfaßt. Demnach ist die Gründungsphase also mit dem Markteintritt und den ersten Umsätzen abgeschlossen. Dieser Sichtweise schließt sich die vorliegende Arbeit nicht an. Wie in Abschnitt 2.1.2 dieser Arbeit dargelegt, ist die Lebensfähigkeit das zentrale Wesensmerkmal der Unternehmung a ls System. Da die Unternehmensgründung allgemein als „... mehrstufiger, interaktiver und interdisziplinärer Prozeß verstanden [werden kann], der grundsätzlich alle Aktivitäten ... beinhaltet, die notwendig sind, um eine Idee (Gründungsidee) durch Schaffung eines lebensfähigen (i.S.e. marktfähigen) Unternehmens ... technisch zu realisieren und wirtschaftlich zu vermarkten ...“ 86 , endet die Gründungsphase erst mit der Lebensfähigkeit der Unternehmung. Analog zu ALBACH läßt sich sagen, daß eine Unternehmung genau dann lebensfähig ist, wenn sie zahlungsfähig ist 87 . Die funktionalen Erfordernisse der Leistungserstellung und der Marktprozeßfähigkeit ermöglichen zwar die ersten Umsätze, da aber auch erhebliche Kosten und Tilgungen anfallen, ist eine Zahlungs- bzw. Lebensfähigkeit nicht sofort garantiert. Erst wenn die Unternehmung durch einen kontinuierlichen Wertschöpfungsprozeß eine dauerhafte Zahlungsfähigkeit erreicht, die sie befähigt, sich selbst zu reproduzieren und an die Umwelt
85 SZYPERSKI/NATHUSIUS, 1977, S. 30ff.
86 UNTERKOFLER, 1989, S. 35 ( runde Klammern im Original).
87 Entsprechend stellt ALBACH (1987, S. 9) die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens mit dessen Tod
gleich.
anzupassen, liegt Lebensfähigkeit vor. Der Beginn der Lebensfähigkeit soll vereinfachend als der Zeitpunkt festgelegt werden, in dem die ersten Gewinne realisiert werden 88 . Im folgenden soll die im Aufbau befindliche, aber noch nicht selbständig lebensfähige Unternehmung als Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit als Gründungsunternehmen, im folgenden GU, bezeichnet werden. Mit den ersten Gewinnen entwickelt sich das GU schließlich zum Jungunternehmen 89 .
2.2.2 Eine entscheidungstheoretische Sichtweise der Unternehmensgründung
„Die Gründung eines Unternehmens ist ein komplexer Planungs- und Entscheidungsprozeß unter Unsicherheit.“ 90 . Diese Sichtweise legt nahe, die Unternehmensgründung innerhalb des Lebenszykluskonzeptes mit Hilfe eines entscheidungstheoretischen Rahmens in einzelne Phasen zu zerlegen. Eine Übertragung eines z.B. aus der Marketingplanung bekannten Entscheidungsprozesses 91 ist aber nicht uneingeschränkt möglich, da Gründer operative und strategische Entscheidungen gleichzeitig zu treffen haben. Im folgenden soll die Situation des Gründers im Gründungsprozeß mit Hilfe entscheidungstheoretischer Grundlagen betrachtet werden.
Als Entscheidungstheorie bezeichnet man die logischen und empirischen Analysen des rationalen Entscheidungsverhaltens 92 . Zunächst soll ein deskriptives und a ufbauorientiertes Grundmodell der Entscheidung dargelegt werden. Demnach ist eine Entscheidung ein durch Information unterstützter Denkvorgang, der anhand eines bestimmten Kriteriums eine Auswahl zwischen Alternativen trifft. Modellhaft läßt sich eine Entscheidung als Interaktionsprozeß zwischen einem Subjekt- und einem Objektsystem darstellen 93 . Das Objektsystem umfaßt das Entscheidungsfeld, also vom Entscheidungsträger durch Aktionen beeinflußbare Personen und Sachen sowie Gesetzmäßigkeiten, die zwar nicht durch Aktionen beeinflußbar sind, aber ihrerseits die Ergebnisse der Aktionen beeinflussen können.
88 Entspricht Punkt G in Abb. 3 dieser Arbeit (S. 26).
89 Siehe auch Abb. 6 dieser Arbeit (S. 30).
90 HUNSDIEK, 1987, S. 15.
91 Vgl. z.B. NIESCHLAG/DICHTL/HÖRSCHGEN, 1991, S. 826ff.
92 Vgl. BAMBERG/COENENBERG, 1996, S. 1.
93 Siehe Abb. 4 dieser Arbeit (S. 28).
Abb. 4: Die Entscheidung als Interaktionsprozeß
Das Subjektsystem einer Unternehmensgründung ist ihr Entscheidungsträger. Dabei kann es sich um eine einzelne Gründerperson, ein Gründerteam oder ein Entscheidungsgremium handeln. Das Objektsystem wird als relevante Umwelt des Subjektsystems in dessen Informationssystem a bgebildet. Das Informationssystem verarbeitet Nachrichten über Umweltzustände. Dabei kann man die Informationsstrukturen Sicherheit, Risiko und Ungewißheit unterscheiden 94 . Welche Informationen aufgenommen werden, unterliegt unter anderem dem Einfluß der Personenmerkmale des Entscheidungsträgers, insbesondere seiner motivationalen Lage, also Einstellungen, Motiven etc. 95 . Neben dem Informationssystem beinhaltet das Subjektsystem Entscheidungsdeterminanten und versucht, das Objektsystem durch zielentsprechende Aktionen in einen wünschenswerten Zustand zu transformieren 96 . In ein Entscheidungsmodell der Gründung gehen zwei Kategorien von Daten ein: Daten über das Zielsystem (wertende Prämissen) und über das Entscheidungsfeld (faktische Prämissen) 97 . Das Entscheidungsfeld einer Unternehmensgründung ist durch drei Merkmale
94 Vgl. BAMBERG/COENENBERG, 1996, S. 21f. und KIRSCH, 1970, S. 29f.
95 Die Erweiterung der Darstellung von BAMBERG/COENENBERG um die Personenmerkmale ist nur sinn-voll, wenn es sich beim Entscheidungssubjekt um eine oder mehrere Personen handelt. Im Bereich der
Gründungsbegleitung existieren allerdings auch Versuche, das Subjektsystem teilweise durch Exper-tensysteme zu ersetzen. Für diesen Fall spielen Personenmerkmale keine Rolle. Vgl. MÜLLER-BÖLING/
KIRCHHOFF, 1991, S. 231ff.
96 Vgl. SEGLER, 1985, S. 23.
97 Vgl. BAMBERG/COENENBERG, 1996, S. 2.
gekennzeichnet: den Aktionenraum, den Zustandsraum und eine Zuordnung, die für jede Gründungshandlung und jeden Umweltzustand die Konsequenzen angibt. Der Aktionenraum als beeinflußbarer Teil des E ntscheidungsfeldes umfaßt die Menge alternativer Gründungshandlungen. Der Zustandsraum beinhaltet die Menge aller gründungsrelevanten Umweltzustände.
Im Gegensatz zum Entscheidungsfeld ist das Zielsystem entscheidungsträgerbedingt. Ziele lassen sich als „generelle Imperative“ 98 nur mittelbar in eine Handlung übertragen. Das Zielsystem liefert Wertprämissen, die zur zielorientierten Informationsgewinnung undverarbeitung gebraucht werden. Notwendige Bestandteile des Zielsystems sind zum einen Zielgrößen im Sinne von Ergebnisdefinitionen und zum anderen Präferenzrelationen bezüglich unterschiedlicher Ergebnismerkmale. Wenn sich dadurch der Entscheidungsaufwand überproportional verringern läßt oder der Entscheidungsprozeß der Gründung durch Zeitdruck gekennzeichnet ist, kann es sinnvoll sein, das Anspruchsniveau der Zielerreichung zu senken 99 . Eine Gründerperson als Entscheidungsträger muß Informationen über ihre gründungsrelevante Umwelt einholen und eine Prognose erstellen, zu welchen Konsequenzen bezüglich der Ziele die einzelnen Gründungsaktionen führen 100 . Die Bewertung der prognostizierten Konsequenzen erfolgt durch eine Nutzenfunktion, die jeder Konsequenz genau einen Nutzenwert zuordnet, und läßt sich in einer Entscheidungsmatrix darstellen 101 . Gründungsentscheidungen sind aufgrund der Komplexität und Dynamik der Umwelt, insbesondere der Märkte, und unvollkommener Informationen als indeterminiert zu bezeichnen.
98 HEINEN, 1971, S. 51.
99 Vgl. PFOHL, 1977, S. 44f.
100 Siehe Abb. 5 dieser Arbeit (S. 30).
101 Vgl. MEFFERT , 1980, S. 67.
Abb. 5: Das Grundmodell der Entscheidungslehre im Gründungskontext
Wie im vorherigen Abschnitt dieses Kapitels dargelegt, behandelt die vorliegende Arbeit die Unternehmensgründung als Prozeß. Dieses Vorgehen legt zusätzlich zu der aufbauorientierten Betrachtung der Gründungsentscheidungen eine ablauforientierte Betrachtung nahe. Im folgenden soll eine entscheidungstheoretische Phaseneinteilung von RAFFÉE zugrunde gelegt werden, in der er Anregungsphase (1), Suchphase (2), Phase der Alternativen-Bewertung (3), Realisationsphase (4) und Kontrollphase (5) unterscheidet 102 .
Abb. 6: Entscheidungsphasen des Gründungsprozesses
102 RAFFÉE, 1993, S. 96. Siehe Abb. 6 dieser Arbeit.
(1) Die Anregungsphase ist durch einen Anlaß gekennzeichnet, der einen Entscheidungs- bzw. Gründungsprozeß auslöst. Ein solcher Impuls geht von Anregungsinformationen oder der motivationalen Lage des potentiellen Gründers aus 103 . Häufige Impulse, die sich aus der motivationalen Lage potentieller Gründer ergeben, sind beispielsweise auf Arbeitsunzufriedenheit 104 , Leistungsbedürfnis 105 und Streben nach Unabhängigkeit 106 , aber auch auf die Wahrnehmung von „Pseudovorteilen“ 107 einer Gründung zurückzuführen. Bemerkenswerter weise stehen finanzielle Motive n ur an nachrangiger Stelle 108 . Risikoaversion und andere negative Motivationen können dagegen diesen Impuls hemmen 109 . Von der motivationalen Lage hängt ab, welche Informationen als Anregungsinformationen fungieren und vom Informationssystem aufgenommen werden, Anregungsinformationen ihrerseits können die motivationale Lage beeinflussen. Anregungsinformationen ergeben sich aus der „generellen“ und der „individuellen Gründersituation“ 110 , die im Informationssystem des Subjektsystems abgebildet werden.
Abb. 7: Impulse in der Anregungsphase des Gründungsprozesses
103 Siehe Abb. 7 dieser Arbeit. Zu motivationstheoretischen Aspekten vgl. z.B. BAAKEN, 1989, S. 199ff.;
Klandt, 1984a, S. 122ff. und SHAPERO, 1975, S. 84ff.
104 Vgl. z.B. STOREY, 1982, S. 110f.
105 Vgl. z.B. MCCLELLAND/WENDT/ FLEISCHMANN, 1966, S. 23ff. oder KLANDT, 1990, S. 88ff.
106 Vgl. z.B. MEYERHÖFER, 1982, S. 26f. oder SZYPERSKI/KLANDT, 1981, S. 96ff.
107 UNTERKOFLER, 1989, S. 111. Pseudovorteile sind scheinbare Vorzüge, die der Gründer zu besitzen
glaubt und aufgrund derer er sich überschätzt.
108 Vgl. KIRSCHBAUM, 1990, S. 80.
109 Vgl. SZYPERSKI/NATHUSIUS, 1977, S. 46.
110 KLANDT, 1980, S. 322 oder KIRSCHBAUM, 1990, S. 85f.
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Till Grothus, 1999, Aspekte einer Gründungsbegleitung für KMU: typische Probleme und besondere Chancen, München, GRIN Verlag GmbH
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