Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Fachbereich 6: Philologie, Institut für Germanistik
Hauptseminar: Literarische Romantik. Ideen, Autoren, Werke
Künstler und Bürger in Joseph von Eichendorffs Novelle
"Aus dem Leben eines Taugenichts"
von: Sinan Beygo
0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 02
2. Bürger S. 03
2.1 Der Philister in der Romantik S. 04
2.2 Der Philister im Taugenichts S. 05
2.2.1 Der Vater des Taugenichts S. 05
2.2.2 Der Gärtner und der Portier S. 06
2.2.3 Weitere Philister-Figuren S. 07
3. Künstler S. 07
3.1 Der Gegenentwurf zum Philister in der Romantik S. 07
3.2 Der Künstler im Taugenichts S. 08
3.2.1 Der Maler in Rom S. 08
3.2.2 Maler Eckbrecht S. 09
3.2.3 Die Prager Studenten S. 10
4. Der Taugenichts als Künstler? S. 10
4.1 Der Taugenichts und die bürgerliche Welt S. 10
4.2 Der Taugenichts und die Welt der Künstler S. 12
5. Fazit S. 14
6. Literaturverzeichnis S. 16
1. Einleitung
Die Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph Freiherr von Eichendorff erschien erstmals im Jahr 1826. Entstanden ist das Werk jedoch schon einige Jahre vorher. Erste Hinweise auf den Ta ugenichts gab es bereits 1817, sechs Jahre später erschienen die ersten beiden Kapitel als Zeitschriftenaufsätze. (Vgl. Korte 2000, S. 93) In der Zeit der Entstehung stand Eichendorff an einem Wendepunkt in seinem Leben: Zwar hatte er sein Studium mit dem juristischen Staatsexamen beendet, aber das Vermögen der Eltern ging zur Neige, so dass Eichendorff anfangs nicht wusste, wie er sich seinen Lebensunterhalt im unbezahlten juristischen Referendariat sichern sollte. Trotz dieser Probleme entschied sich Eichendorff dafür, das Referendariat anzutreten. Im Jahre 1819 trat er seine erste Stelle als Beamter der Königlichen Regierung an, und er blieb bis zu seiner Pensionierung dem Staatsdienst treu.
Dieser kurze Einblick in die Biographie des Dichters soll verdeutlichen, dass Eichendorff einen Großteil seines Lebens durchaus sehr bürgerlich verbracht hat. Dies ist umso erstaunlicher, da die Romantiker, zu denen Eichendorff gezählt wird, das Bürgertum scharf kritisierten. Das Bürgertum wird in der Romantik durch den Philister dargestellt1. Konfrontationen mit dem Bürgertum erlebte Eichendorff vor allem während seiner Studienzeit in Halle und Heidelberg. Tagebücher berichten von „Anekdoten, Studentenulk, Episoden von Prügeln und Saufen sowie anhaltenden Konflikten mit Bürgern, die man in der Studentensprache „Philister“ nannte.“ (Korte 2000, S. 21) Paul Stöcklein bezeichnet das Verhältnis Eichendorffs zu den Philistern sogar als „Feindschaft, die sein Blut reizt[e],“ die „aber schließlich eine sehr geistig-klarsichtige Feindschaft geworden“(Stöcklein 1966, S. 248) war. Inwieweit nun dieser Konflikt zwischen bürgerlicher Lebensweise und Ablehnung des Bürgertums in der Welt des Dichters eine Rolle gespielt hat, soll nicht Thema dieser Arbeit sein. Vielmehr soll geklärt werden, welche Gegenbilder zum Bürgertum in der Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts dargestellt werden und welche Rolle dabei der Taugenichts selber einnimmt, denn der „Taugenichts [ist] ein einziger, wenn auch sehr liebenswürdiger wandernder Prostest [...] gegen die philiströsen Arbeiterversklavungen unserer Welt.“ (Emrich 1966, S. 60)
Die Literatur zu Joseph von Eichendorff im Allgemeinen und zu der Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts im Besonderen ist sehr umfangreich. Dafür sorgt schon allein das seit 1942 jährlich erscheinende Eichendorff-Jahrbuch Aurora, in dem Beiträge zu Eichendorffs Leben und Werk dargestellt sind. Auch weitere Interpretationen zum Werk sind sehr zahlreich, so dass genügend Material für die Herstellung dieser Arbeit zur Verfügung stand. Gerne hätte ich auch Interpretationen von Georg Lukács und Carel ter Haar verwendet, da in der Literatur sehr oft darauf verwiesen wurde und sie diese Arbeit sicherlich noch um einige interessante Aspekte erweitert hätten. Leider waren mir diese Werke trotz intensiver Recherche in der Zeit der Bearbeitung nicht zugänglich, so dass bedauerlicherweise darauf verzichtet werden musste.
2. Bürger
„‘Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt, Dem will er seine Wunder weisen In Feld und Wald und Strom und Feld. Die Trägen, die zu Hause liegen, Erquicket nicht das Morgenrot, Sie wissen nur vom Kinderwiegen, Von Sorgen, Last und Not um Brot.’“ (Eichendorff 1982, S. 4)
In diesem Lied, das sich gleich am Anfang der Taugenichts-Erzählung befindet, zeigen sich schon die unterschiedlichen Lebensweisen von Philister und Nicht- Philister aus der Sicht des Taugenichts. Es unterscheidet zwischen den „Trägen, die zu Hause liegen“ und denen, die wie der Taugenichts aufbrechen ins Ungewisse. Eine genauere Untersuchung über die Eigenschaften dieser „Trägen“ wird im folgenden Kapitel vorgenommen.
2.1 Der Philister in der Romantik
In der romantischen Literatur war das Thema der Kritik am Bürgertum stets präsent. Clemens Brentano verfasste sogar eine ganze Abhandlung mit dem Titel Der Philister vor, in und nach der Geschichte. In dieser scherzhaften Abhandlung beschreibt er den Musterphilister: Der Tabak und die Pfeife gehören zur Grundausstattung des Philisters, ebenso wie „seine weiße, baumwollene Schlafmütze, zu welchen diese Ungeheuer große Liebe tragen“ (Brentano 1988, S. 51). Wenn der Philister morgens aufwacht, „denkt er daran, der Welt nützlich zu sein“ (ebd.). Auch in der Liebe verhält sich der Philister nicht sehr romantisch. Um seine zukünftige Braut wirbt er nicht selber, sondern schickt andere vor, für ihn zu werben. Beim Rendezvous erzählt er Anekdoten, die er vorher aus einem französischen Grammatikbuch gelernt hat. Ist seine Werbung nicht von Erfolg gekrönt, ist er zwar pikiert, denkt aber nicht daran, um die Dame zu kämpfen (vgl. ebd., S. 54).
[...]
1 Vgl. Bormann 1970/71, S. 94 und insbesondere zur Herkunft der Bezeichnung: Schultz 2001, S. 36f
Arbeit zitieren:
Sinan Beygo, 2004, Künstler und Bürger in Joseph von Eichendorffs Novelle "Aus dem Leben eines Taugenichts", München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Joseph von Eichendorff: - Aus dem Leben eines Taugenichts
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