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Hauptseminararbeit, 2004, 21 Seiten
Autor: Magistra Artium Katharina Kirsch
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Tags: Mensch, Metropole, Rolle, Großstadt, Roman, Neuen, Sachlichkeit, Literatur, Weimarer, Republik
Jahr: 2004
Seiten: 21
Note: 1,5
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-31505-0
Dateigröße: 560 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Hauptseminar im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft:
Literatur der Weimarer Republik
Studiensemester 07
Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt
im Roman der Neuen Sachlichkeit
von: Katharina Kirsch
Inhalt
1. Einleitung S.1
2. Provinz versus Metropole – Anti-Moderne und Anti-Urbanismus S.3
3. Mensch und Metropole im Programm der Neuen Sachlichkeit
3.1 Urbane Ästhetik S.5
3.2 Roman-Typen und die Metropole
3.2.1 Das „Girl“ und die „Neue Frau“ am Beispiel Irmgard Keuns S.7
3.2.2 Urbane Kinderliteratur am Beispiel Erich Kästners S.10
3.2.3 Der Angestellte im Roman am Beispiel Hans Falladas S.12
3.2.4 Hauptrolle: Großstadt am Beispiel Alfred Döblins S.14
4. Ergebnis S.15
Literaturnachweis S.17
1. Einleitung
„Die Weltstadt selbst liegt als Extrem von Anorganischem inmitten der Kulturlandschaft da, deren Menschentum sie von seinen Wurzeln löst, an sich zieht und verbraucht.“1 In seiner „deutschen Philosophie“2, der Utopie vom „Untergang des Abendlandes“ spiegelt sich bei Oswald Spengler eine als allgegenwärtig empfundene Unsicherheit und Sinnleere wider, die er in der mechanischen, „seelenlosen“ Zivilisation der Gegenwart begründet sieht3. Zentrum dieser "Seelenlosigkeit" ist die Weltstadt, die der „organisch gewachsenen Provinz“ das Leben aussaugt. „Der Untergang des Abendlandes“, erstmals erschienen 1918, spiegelt in vielen Bereichen eine Unsicherheit wider, die für die Menschen der Weimarer Republik allgegenwärtig war.
Das schon um die Jahrhundertwende mit der zunehmenden Entmythisierung der Welt durch die Naturwissenschaften von Vertretern der jungen Avantgarde als Aufbruch in die Moderne empfundene veränderte Menschen- und Weltbild4 ruft unter Zeitgenossen große Verunsicherung und Skepsis hervor. Die u.a. von Bloch proklamierte „Krise des Ich“5 scheint sich weiter fortzusetzen, insbesondere auf die Großstadt mit ihren vielfältigen Umweltreizen und -forderungen kann das „Individuum“ scheinbar nur noch reagieren, auch in der – nicht mehr nur industriellen – Arbeitswelt stellt der Einzelne nichts als eine Funktion dar. Dem klassischen Ideal der selbstbestimmten Persönlichkeit scheint kein Raum mehr gelassen in einer Massenkultur.6 Die Großstadt, in Deutschland synonym für Berlin, ist Zentrum der Avantgarde. Die frühexpressionistischen Künstler der „Brücke“ etwa stellen die Metropole gern als Moloch und Dämon dar7, gleichzeitig ziehen sie 1910 von Dresden nach Berlin um. Moderne und Metropole bedingen sich. Expressionistische düstere Visionen von der Großstadt, konkret umgesetzt in Bildern von „stürzenden Häuserfronten und torkelnden Straßen“8, unterscheiden sich zwar deutlich in ihren Umsetzungen von denen der Neuen Sachlichkeit, die Beschäftigung der neusachlichen Künstler mit dem Phänomen Metropole ist jedoch nicht weniger intensiv.
„Auch wenn sich die Modernebewegungen [...] des Frühexpressionismus und Dadaismus in der Kontinuierungsphase einer modernen Industriegesellschaft formieren, die Neue Sachlichkeit jedoch an eine fortgeschrittene, kapitalisierte Zivilisationsgesellschaft gebunden ist, läßt sich die Kontinuität der in Auseinandersetzung mit einer veränderten Realität, vorzugsweise mit dem urbanisierten Lebensraum, entworfenen literarischen Strategien kaum übersehen.“9 Das Sujet Großstadt ist allgegenwärtig. Berlin – im Deutschland der Weimarer Republik das Synonym für Großstadt – ist ein Ort, an dem literarisches Leben stattfindet, und Berlin ist selbst Gegenstand der Literatur: „Im Verlaufe der zwanziger Jahre vergrößert sich die Zahl künstlerischer Werke, in denen die Stadt Berlin Handlungsort ist, Schauplatz von persönlichen oder historischen Ereignissen, ja, in denen die Stadt selbst aktiv die Ereignisse des Geschehens mitbestimmt.“10
Man sprach von der Metropole und meinte Berlin – mit über vier Millionen Einwohnern war Berlin eine der größten Städte der Welt. Und wie sich progressive Moderne und Metropole bedingen, wenden sich national-völkische und rechts-konservative Schriftsteller und Intellektuelle von Berlin ab. Gerade auch demokratiefeindlichen Kräften war die Stadt suspekt. Hier wurde am 9.November 1918 gleich zweimal die Republik ausgerufen, schließlich wurde Berlin zur Hauptstadt der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Die Befürchtungen der Provinz konnten die Entwicklung Berlins vorerst jedoch nicht aufhalten. Immer mehr Leute kamen in die Stadt. Im Gegensatz zu natürlich wachsenden Städten wie Köln oder München wuchs Berlin vor allem durch Zugezogene aus ganz Deutschland sowie durch Einwanderer, deren erster Anlaufpunkt die Stadt häufig war. Die Reflexion dieses „urbanisierten Lebensraumes“, der Gegenüberstellung von Provinz und Metropole, der allgemeinen und individuellen Problemdarstellungen des Großstadtlebens in unterschiedlichen Romanen, die in eine Zeit fallen, in der eindeutig die ästhetischen Grundsätze der Neuen Sachlichkeit dominieren11, möchte ich in dieser Arbeit untersuchen. Die ausgewählten Beispiele scheinen mir deshalb für eine solche Untersuchung geeignet, da es sich bei allen um eine Art „Aufbruchsroman“ mit dem Weg aus der Provinz in die Großstadt handelt und durch den – teils scheinbar naiven – Blick der Hauptfigur diese beiden Lebensräume – in noch zu untersuchender Weise – voneinander abgrenzt. Welche Bedeutung hat das Phänomen Metropole/Berlin für die Literatur der ausgehenden Weimarer Republik?
2. Provinz versus Metropole – Anti-Moderne und Anti-Urbanismus12
[...]
1 Spengler: Der Untergang des Abendlandes, ab Kap. VI
2 Spengler: Der Untergang des Abendlandes, S.IX
3 Spengler: Der Untergang des Abendlandes, ab Kap. VI
4 Leiß/Stadler: Deutsche Literaturgeschichte, S.5
5 Ebd., S.28
6 Ebd., S.29
7 Ebd., S.39
8 Leiß/Stadler: Deutsche Literaturgeschichte, S.39
9 Becker: Neue Sachlichkeit, S.360
10 Kähler: Berlin – Licht und Asphalt, S.72
11 Becker: Neue Sachlichkeit, S.359f.
12 Midgley: Writing Weimar, S.261
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