Diagnostik in der klinischen Psychologie - DSM IV und ICD 10
von: A. Dörpinghaus
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Grundlagen der Diagnostik 4
2.1 Diagnostik und ihre Prinzipien 4
2.2 Klassifikation 5
3. IDC-10 6
3.1 Geschichte und Hintergründe der ICD-10 6
3.2 Die Achsen der ICD-10 7
3.3 Kategorisierung 8
4. DSM-IV 10
4.1 Geschichte und Hintergründe des DSM-IV 10
4.2 Vorgehen bei der Differentialdiagnostik 11
4.3 Die Achsen des DSM-IV 12
5. Vergleich der ICD-10 und des DSM-IV 13
6. Anhang 15
7. Bibliographie 16
1. Einleitung
Ärzte, Psychologen und andere im Gesundheitswesen Tätige stehen immer wieder vor der Aufgabe, eine exakte Diagnose oder Prognose zu erstellen, aber auch Symptome und Störungsbilder unmissverständlich und differenziert darzustellen. Dazu wurden in den 90er Jahren zwei wesentliche Instrumente entwickelt, zum einen das DSM-IV (Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders ) und zum anderen das ICD- 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). Beide sind standardisierte Verfahren und bieten einen symptomorientierten Zugangsweg zu psychischen Störungen sowie deren Diagnose. Im Folgenden möchte ich beide Differentialdiagnostik-Verfahren einzeln vorstellen und einen Einblick in die Arbeit mit diesen Systemen geben. Abschließend werde ich die ICD-10 dem DSM-IV gegenüberstellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede noch einmal deutlich hervor zu heben.
2. Grundlagen der Diagnostik
2.1 Diagnostik in der klinischen Psychologie
In der klinischen Psychologie, also jener Teildisziplin, die sich mit der Erforschung psychologischer Störungen und abweichenden Verhaltens, deren Diagnose und Behandlung, sowie Ursachenforschung und Prävention befasst, stehen Psychologen wie auch Ärzte vor der Frage: wie können Störungen exakt diagnostiziert und später verbal kommuniziert werden. Es kann grob zwischen zwei klinisch- diagnostische Methoden unterschieden werden. Zum einen werden Beobachtungssysteme angewandt. Dabei stehen körperliche Signale wie physiologische Erregung im Vordergrund, aber neben dem Verhalten, das der Patient zeigt (z.B. Vermeidung) auch seine Gedanken und Gefühle, die er verbalisiert (Hoffnungslosigkeit etc.) Dem gegenüber steht der diagnostischer Zugang, der über Gespräche stattfinden kann. Diese sind entweder (halb-) offen, um flexibel auf die jeweilige Situation eingehen zu können, oder strukturiert und standardisiert, um einem objektiven Standard gerecht zu werden. Außerdem werden Fragebögen und Testverfahren eingesetzt. Zu einer objektiven klinisch-psychologischen Diagnose gehören neben der Betrachtung der Symptome, auch die der Häufigkeit des Auftretens und deren Intensität, Dauer und Einflussfaktoren. Eine biographische Exploration sollte ebenfalls einbegriffen sein, die die lebensgeschichtlichen Bedingungen für den krankhaften Zustand betrachtet. Zudem soll die Störung in ein System eingeordnet werden und eine Verlaufsdiagnostik erstellt werden, um die Veränderung der Symptome während des Therapieverlaufes nachvollziehen zu können. Dies erleichtert anschließend auch die dazugehörige Therapie- Evaluation, die den Therapieerfolg überprüft.
Eine moderne klassifikatorische und operationalisierte Diagnostik lässt sich an einigen grundlegenden Prinzipien erkennen. Zu diesen gehört u.a. der atheoretische Ansatz, d.h., dass eine Störung anhand der Beschreibung der klinischen Merkmale definiert wird, da es bei den meisten Krankheitsbildern noch keine einheitliche Ätiologie gibt. Ein weiteres Prinzip ist der kriterienorientierte Ansatz, d.h. dass die Diagnose sich an beobachtbaren und explorierbaren Symptomen orientieren muss, die durch inhaltliche und zeitliche Faktoren operationalisiert sind. Ein weiteres Merkmal ist die Manifestierung einer Diagnose aufgrund ausreichender Reliabilität sowie das Konzept der Multiaxialität, dass klinisch relevante Faktoren, die jedoch kein Syndrom darstellen, auf mehreren Achsen festgehalten werden. Auch das Komorbiditätsprinzip1 ist notwendig für eine operationalisierte Diagnostik. Das heißt jedem Patienten werden so viele Diagnosen erteilt, wie sie notwendig sind, um die gesamte Symptomatik zu erfassen, wobei jedoch eine, nämlich die mit der größten aktuellen klinischen Bedeutung, als Hauptthese gilt.
2.2 Klassifikation
Für ein alltäglich verwendbares Diagnostiksystem, sind Klassifikationen unumgänglich. Aussagen wie „Der spinnt ja!“ oder „Der ist ja verrückt!“ entsprechen keiner wissenschaftlich begründeten Diagnostik und Klassifikation. Wichtig zu beachten ist, dass auch Diagnosen und Klassifikationen nur Konstrukte zur Vereinfachung sind. In diesem Zusammenhang hört man daher oft „Menschen haben nicht eine psychische Störung, sondern sie erfüllen nur Kriterien einer psychischen Störung!“ Eine Klassifikation, wie sie in der hier angesprochenen Diagnostik verwendet wird, basiert auf vier Faktoren. Zum einen gehören dazu Emotionen (z.B. Ängstlichkeit, Verzweiflung, Bedrückung, etc.), Gedanken (z.B. unlogische Gedankenketten, die wahnhaft, formal oder unrealistisch sein können), Verhalten (z.B. aggressives, verlangsamtes, wiederholtes, etc.) aber auch körperliche Funktionen und Empfindungen (z.B. Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Herzrasen).
Bei einer klassifikatorischen Diagnostik einer psychischen Störung werden jedoch nicht alle Verhaltensaspekte berücksichtigt, sondern nur jene, die als diagnostisch relevante Symptome definiert wurden. Diese werden dann aufgrund der Nosologie, der Störungslehre, zunächst in Syndrome und schließlich mit Hilfe der Differentialdiagnostik zu einer Diagnose verarbeitet. Da psychische Störungen immer eine subjektive oder objektive Beeinträchtigung der Lebensqualität nach sich ziehen, lassen sie sich anhand einiger Kriterien ausmachen. Zu diesen Kriterien gehört der individuelle Leidensdruck, Unangepasstheit, Irrationalität, Unvorhersagbarkeit, Unbehagen beim Beobachter sowie die Verletzung moralischer Normen. Um eine objektive Diagnose erstellen zu können, wurden verschiedene standardisierte Verfahren als Hilfestellung entwickelt. Zu diesen gehören auch DSM-IV und ICD-10.
[...]
1 Komorbidität: Auftreten von mehr als einer diagnostizierbaren Störung (ICD-10, DSM-IV) bei einer Person in einem definierten Zeitintervall, Wittchen, Vossen, 1995
Arbeit zitieren:
A. Dörpinghaus, 2003, Diagnostik in der klinischen Psychologie - DSM IV und ICD 10, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Interethnische Freundschaften in der Adoleszenz
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Akzeptanz psychisch-kranker Menschen in unserer Gesellschaft
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 21 Seiten
Zu: Mavis E. Hetherington: "Positive" Scheidungsfolgen für K...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hauptseminararbeit, 13 Seiten
Schizophrenie und Gewaltdelinquenz
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hauptseminararbeit, 24 Seiten
Die Bestandteile der Kartoffelpflanze und das Wachstum der Kartoffel
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Unterrichtsentwurf, 36 Seiten
Ankereffekte im Richterspruch und die Dauerhaftigkeit von Ankereffekte...
Psychologie - Sozialpsychologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die biologische Stresstheorie - Physiologische Stressreaktion
Hausarbeit, 16 Seiten
Das Burnout-Syndrom - Symptome und die Möglichkeit der Selbstanalyse
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 14 Seiten
Vergleichende Werbung in Deutschland
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 33 Seiten
Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 26 Seiten
A. Dörpinghaus hat den Text Diagnostik in der klinischen Psychologie - DSM IV und ICD 10 veröffentlicht
A. Dörpinghaus hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare