Universität Leipzig
Institut für Kulturwissenschaften
“Ästhetik im 19.Jahrhundert”
- Wahrnehmungen der modernen Welt und ästhetische Reflexionen -
Vorlesung/Seminar WS 1996/97
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Auf den nachfolgenden Seiten werde ich versuchen, eine Theorie der romantischen Ironie zu entwerfen, indem ich verschiedene Schriften heranziehe, unter anderem von Friedrich von Schlegel, Karl Wilhelm Ferdinand Solger und von Jean Paul Friedrich Richter, um aus diesen einen Zusammenhang zur Ironie feststellen und genauer erläutern zu können. Damit man sieht, in welcher Zeit eine solche Konzeption zustande kommen kann, soll gleich als erstes die Romantik als Epoche betrachtet, und eine Begriffsklärung dieser Epoche vollzogen werden. Anschließend kommt die Ironie ins Spiel. Vorerst aber nur, um im Vergleich mit nahestehenden Begriffen eine erste Klärung vornehmen zu können, bevor die Entwicklung des Ironie-Begriffs bis zur Romantik beschrieben werden kann.
Im angrenzenden Hauptteil der Arbeit komme ich dann zum eigentlichen Thema, nämlich zur romantischen Ironie. So werden von mir darin, verschiedene synonyme Begriffe, wie Schlegels romantischer Ironie-Begriff, Solgers künstlerischer Ironie-Begriff und Jean Pauls Humor-Begriff aus ihren Schriften her bestimmt und vorgestellt, um sie in einer kurzen Zusammenfassung miteinander zu vergleichen.
Es gab jedoch auch Zeitgenossen und Nachfolger, welche die Romantik und speziell die uns hier interessierende romantische Ironie heftigst ablehnten. Damit die romantische Ironie vollständig in die Geschichte der eigentlichen Ironie eingeordnet werden kann, möchte ich auch diesen Kritikern in einem abschließenden Absatz Platz in meiner Arbeit einräumen.
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‘Romantisch’ stammt etymologisch aus den altfranzösischen Substantiven ‘romanz’ und ‘roman’, und bezeichnet die in der Volkssprache geschriebenen höfischen Versromane. Die Sprachbezeichnung wird schließlich als Gattungsbegriff verwendet. Im 17.Jahrhundert bedeutete ‘romantisch’ sinngemäß ‘wie in Romanen’. Gegen Ende des 18.Jahrhunderts hatte das Wort eine eher sentimentale Bedeutung. In diesem Sinn spricht Werther von der lieben romantischen Höhle. In der Empfindsamkeit war das Romantische dem Nüchternen, Philisterhaften entgegengesetzt, und diesen Wortgebrauch griffen auch die Romantiker auf. August Wilhelm von Schlegel allerdings verstand den Begriff historisch zur Bezeichnung der mittelalterlichen und neuzeitlichen, im Gegensatz zur klassisch-antiken Literatur. Eine andere Bedeutung erhielt der Begriff bei Friedrich von Schlegel und Novalis, für welche die Poesie im Gegensatz zur Nachahmung der Natur (Wirklichkeitsabbildung) stand. In ihrem Sinn war ‘romantisch’ gleichbedeutend mit ‘poetisch’. Im Verlauf unterscheidet man drei verschiedene Phasen: 1. Frühromantik 2. Hochromantik 3. Spätromantik
Ein großer Teil der zur Frühromantik (1797-1804) gezählten Dichter hatte sich 1798 in Dresden getroffen. Ein Jahr später kam es zur Begegnung in Jena. 1798 begannen auch die Gebrüder Schlegel mit der Herausgabe der Zeitschrift “Athenäum”.
1806 war das Jahr des preußischen Zusammenbruchs nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt. Eine andere Gruppe von Dichtern hatte 1805/06 eine Sammlung von Volksliedern unter dem Titel “Des Knaben Wunderhorn” herausgebracht. Achim von Arnim und Clemens Brentano, die beiden Herausgeber, gehörten zu dem Zentrum, das in Heidelberg entstand (Heidelberger oder Hochromantik 1805-1815). Ihnen ging es darum, durch den Rückgriff auf die volkstümliche Literatur die schöpferischen Kräfte des deutschen Volksgeistes zu erwecken. Auch Berlin war Mittelpunkt romantischer Gruppierungen: August Wilhelm und Friedrich von Schlegel, Adalbert von Chamisso, E.T.A. Hoffmann, Achim von Arnim und Clemens Brentano, sowie Heinrich von Kleist, gehörten zu unterschiedlichen Zeiten dazu. Der Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach Poesie und der Prosa des bürgerlichen Alltags prägte noch einmal im romantischen Sinne nach 1820 veröffentlichte Dichtungen, zum Bei-
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spiel Joseph von Eichendorff, den man der Spätromantik (1815-1830) zuordnet, der aber im Bewußtsein der Nachwelt der romantischste der romantischen Dichter geworden ist.
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Im Hinblick auf verwandte oder benachbart erscheinende Worte, wie die Satire, Humor, die Komik und das Komische, Witz, das Paradoxon und die Parodie, sowie das Groteske, sollen nun erst einmal jene Begriffe in ihrem Wesen kurz beschrieben werden: Die 6DWLUH bezeichnet eine Kunstform, die sich an einer Norm orientiert und auf indirektästhetische Weise Mißstände, besondere Ereignisse und Personen in der Literatur, im Bild und heute ebenfalls in Film und Fernsehen verspottet. Sie kann liebenswürdig, humorvoll, komisch, aber auch ironisch, zornig und scharfzüngig-bissig sein, und lebt aus der Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit, kann also auch demnach als versuchte Gestaltung und Kritik des Normwidrigen angesehen werden. Stilmittel sind unter anderem Übertreibung und Verzerrung ins Lächerliche, sowie Überbetonung der negativen Aspekte. Der +XPRU als heiter ausgelassene Gemütsverfassung wurde nach der mittelalterlichen Einarbeitung in das menschliche Wesen und seine Stimmung zur Bezeichnung für eine Dich-tungsform, die komische Inhalte verarbeitete. Im 18.Jahrhundert entwickelten sich Wort und Begriff zum Ausdruck für eine seelische Grundhaltung, die in den Mißständen des Lebens menschliche Unzulänglichkeiten erkennt und lachend verzeiht. Die .RPLN und das .RPLVFKH sind Darstellungen, die in Wort und Bild überraschend das Illusionäre einer Erscheinung zeigen und dadurch dem Lachen des Publikums preisgeben. Sie beziehen sich auf hohe, echte, sittliche Werte, die zwar lächerlich gemacht, aber keineswegs zerstört werden.
Der :LW] ist eindeutig eine Abgelegenheit des Geistes. Dieser läßt ein Wortgefüge entstehen, in dessen Verlauf der Sinn von einer Ebene auf eine völlig andere und unerwartete Ebene ü-
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berspringt. Der Unterschied zwischen beiden Ebenen und die Überraschung wollen Heiterkeit auslösen.
Auch das 3DUDGR[RQ enthält immer einen Überraschungsmoment. Eine zunächst scheinbar widersinnige Behauptung, die aber bei genauerer Betrachtung auf eine höhere Wahrheit hinweist, wird durch die rhetorische Figur des Unerwarteten stilisiert. Als 3DURGLHwird ein Werk bezeichnet, welches eine bei den Adressaten als bekannt vorausgesetzte Vorlage unter Beibehaltung charakteristischer Formmerkmale mit satirisch-kritischer Absicht nachahmt. Gewöhnlich wird ein ernster oder erhabener Inhalt durch einen banalen oder komischen ersetzt. Der Effekt ist um so größer, je weiter Form und Inhalt auseinanderklaffen.
Das *URWHVNH hat in der Ästhetik die Bedeutung einer Art des Komischen, bei der Unvereinbares nebeneinandergestellt wird und die individuellen Eigentümlichkeiten bewußt übertrieben und verzerrt werden. Dabei handelt es sich um ein geistreich-intellektuelles Formspiel, um eine befremdende Interpretation von Geist und Form alles Lebenden und Gestalteten. “Mehrfach, so beobachten wir, befinden wir uns im Umkreis der Ironie und ihr nahestehender Begriffe im Bereich philosophischer Spekulationen und Weltdeutungen; denn Humor und Komik, Satire und das Groteske sind Ausdrucksweisen bestimmter Welteinstellungen und Lebensbetrachtungen oder kritischer Stellungnahmen zum Menschen, seinen Eigenschaften und Leistungen, seinem Wollen, Vermögen und Wirken.” 1 %HJULIIVNOlUXQJLQGHU*HVFKLFKWHGHVlVWKHWLVFKHQ'HQNHQVELV]XU5RPDQWLN ,521,(JULHFKLVFKHLURQHLD 9HUVWHOOXQJ
Die Ironie entzieht sich als Begriff einer eindeutigen Definition. Doch lassen sich folgende Bedeutungen herausheben: 1. Allgemeine Definition
1 Helmut Prang Ä'LHURPDQWLVFKH,URQLH´ S.7
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Arbeit zitieren:
M.A. Annett Rischbieter, 1996, Die romantische Ironie, München, GRIN Verlag GmbH
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