Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: 3
1.1. Was ist eine architektonische Utopie? 3
1.2. Das Verhältnis des Menschen zur Architektur: 4
2. Beispiele für utopische Architektur: 6
2.1. Renaissance: 6
2.2. Die Gartenstadt: 7
2.3. Architektur und Städtebau mit utopischem Gehalt nach dem 1. Weltkrieg: 7
2.3.1. Bauhaus 8
2.4. Utopische Architektur in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts:
„Archigram“: 10
3. Hat die architektonische Utopie eine Zukunft? 15
4. Schlussbemerkung: 20
Literaturverzeichnis : 22
2
1. Einleitung:
Anhand des Referates über architektonische Utopien soll die Relevanz der Thematik für die Soziologie differenziert beleuchtet werden. Schwerpunkt der Arbeit bildet dabei die Frage, ob es überhaupt jemals eine „Architektur des Glücks“ gab und inwieweit eine Einflussnahme der Architektur auf den Menschen und die Gesellschaft möglich war, ist und sein könnte. Zunächst steht der Begriff der architektonischen Utopie im Mittelpunkt der Betrachtungen. Dabei werden verschiedene gedankliche Entwicklungen im Bezug auf den Wirkungszusammenhang von Mensch und Umwelt angerissen. Es folgen einige Beispiele für architektonische Utopien oder Städtebau mit utopischem Gehalt und Überlegungen zu ihrer Effektivität.
Anschließend wird die gegenwärtige Situation des Städtebaus, ihre Trends und ihre mögliche Weiterentwicklung untersucht. In dem Zusammenhang soll auch auf die daraus resultierenden Probleme und Veränderungen für die Gesellschaft und Umwelt eingegangen werden.
In der Schlussbemerkung werden Vorschläge für eine mögliche bessere Architektur formuliert.
1.1. Was ist eine architektonische Utopie?
Ursprünglich gab es keine selbständigen architektonischen Utopien, sie waren vielmehr Beiwerk anderer, komplexerer Utopien, wie z. B. von Staatsutopien oder Sozialutopien.
Grundsätzlich gibt es einige architektonische Utopien, die sich in zwei Kategorien unterteilen lassen: In die technische Stadtutopie und in die politisch-soziale Stadtutopie.
Die technische Stadtutopie umfasst allein das materiell-räumliche, die greifbar baulichen Elemente, also das äußere Erscheinungsbild einer Stadt. Die politisch-soziale Stadtutopie bezieht zusätzlich mehrere Teilbereiche ein. Die einzelnen räumlichen Konstellationen, die spezifischen Ausprägungen und die Zuordnung der technischen Elemente in der Stadt sind in ihrer Entstehung und Nutzung mit politisch-sozialen Aspekten verknüpft. Die politisch-soziale Stadtutopie interessiert sich also auch für die Wirkung der Architektur auf Mensch und Gesellschaft.
3
Ziel der architektonischen Utopien ist es, durch das Schaffen einer idealen Umwelt oder Architektur einen „neuen“ oder idealen Menschen bzw. ganze Gesellschaften zu formen.
Bis in die 70er Jahre waren Architekten und Stadtplaner der Meinung, dass bauliche Strukturen sowohl individuelles als auch soziales Verhalten eines Menschen maßgeblich verändern können. Diese Denkweise entspricht dem „Umweltdeterminismus“ 1 .
Der Wirkungszusammenhang von Architektur und menschlichem Verhalten, das haben weitergehende Forschungen auf diesem Gebiet ergeben, ist jedoch viel komplexer.
In den 20er und 30er Jahren entwickelte sich eine neue Denkweise, die mit „Possibilismus“ 2 bezeichnet wird. Diese geht davon aus, dass die physische Umwelt den Rahmen mit bestimmten Angeboten bildet. Der Mensch wählt aus und handelt darin aufgrund anderer, kultureller Kriterien.
Heute dominiert die „probabilistische“ 3 Sichtweise. Diese besagt, dass die Umwelten gewisse Verhaltensmöglichkeiten anbieten, jedoch nicht determinieren. Bestimmte Verhaltensweisen und Aneignungsstrategien sind durch sie aber nahegelegt und damit wahrscheinlicher.
Aus dieser Perspektive wird der Umwelt eine gewisse prägende Kraft zuerkannt, deren Wirkung aber von vielen Faktoren verändert und beeinflusst werden kann. Räumliche Strukturen können soziales Verhalten also beeinflussen, bestimmen es aber nicht.
1.2. Das Verhältnis des Menschen zur Architektur:
Der Mensch muss, um leben zu können, einen „Ausschnitt der Welt“ 4 bearbeiten, sich ein Umfeld, einen Lebensraum schaffen, der ihm die Sicherheit gibt, seine Bedürfnisse langfristig befriedigen zu können.
1 Heike Lauer. In: Leben in Neuer Sachlichkeit: Zur Aneignung der Siedlung Römerstadt in Frankfurt
am Main. Frankfurt am Main: Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, 1990.
2 ebenda
3 ebenda
4 ebenda
4
Der Mensch tut das als Mitglied einer kulturellen Gruppe, jede Gruppe wiederum auf ihre Weise. Jede kulturelle Gruppe hat ein spezifisches Werte- und Normensystem, durch dessen Aneignung die Umwelt ein kulturadäquates Gepräge erhält. Jede kulturelle Gruppe hat auch eine eigene Symbolik, die sich z. B. in der eigenen Sprache ausdrückt.
Die Symbolsprache und die gemeinsamen Werte und Normen wirken integrativ auf die kulturelle Gruppe ein. Das Verständnis der „Sprache des Raumes“ 5 und die Übereinstimmung mit dem darin zum Ausdruck kommenden Werte- und Normensystem bilden die Voraussetzung für eine befriedigende Beziehung zwischen Menschen und ihren Umwelten (die dann kulturspezifische sind).
Doch bevor sich die These des Probabilismus in weiten Teilen der Architektur und Sozialwissenschaft durchsetzte, wurden in fast allen Epochen der
Menschheitsgeschichte Versuche unternommen, die Menschen durch gebaute Umwelt zu verändern, im Selbstverständnis der Planer zu verbessern und damit in eine verheißungsvolle Zukunft zu führen. Um einen Eindruck und ein besseres Verständnis von architektonischen Utopien und ihren Ansätzen zu erlangen, sollen im Folgenden einige dafür repräsentativen Beispiele aus der Vergangenheit angeführt und ihre Erfolgsaussichten untersucht werden.
5 ebenda
5
2. Beispiele für utopische Architektur:
2.1. Renaissance:
Mit der Renaissance begann die Hinwendung zu machbaren und planbaren Städten. In der utopischen Architektur dieser Epoche wurde großer Wert auf Geometrie und Symmetrie gelegt.
Das Zauberwort unter den Architekten hieß „Begradigung“: „Der schöne Mensch, das symmetrische Gebäude, die regelmäßige Stadtanlage, mathematisch nachvollziehbare Formen, beim Körper und beim Staatsgebilde, galten lange als Grundlage irdischen Glücks.“ 6
Es wurde eine Gleichung aufgestellt, die besagt, dass derjenige, der in der Geometrie lebt, vom Wesen her sanft und berechenbar wird. Die Utopisten Thomas Morus und Campanella gingen davon aus, dass ein idealer Stadtplan eine ideale Gesellschaft hervorbringen müsse. „Die Menschen sollten mit rechten Winkeln auf den rechten Weg gebracht werden. 7 Die Utopisten und Architekten der Renaissance waren Gleichgewichtsfanatiker, die das Chaos hassten. Sie wollten „das Leben durch rationale Muster regulieren und meistern“. Die Geometrisierung ist vielleicht als Versuch zu sehen, das den Menschen umgebende Chaos in eine Ordnung einzufügen und somit das innere Chaos einzudämmen.
Ziel der architektonischen Utopien der Renaissance war die totale Überschaubarkeit: „wer eine Stadt kennt, kennt sie alle!“ oder „wo alles gleich ist, ist man auch zugleich an jedem Ort“ Man wollte die Welt so einrichten, dass der entfernteste Ort und die entfernteste Zukunft überschaubar ist.
Bemerkenswert ist dabei, dass in der ersten Idealstadt niemand wohnen wollte. Man musste Sträflinge dort ansiedeln.
Dies zeigt, dass die utopische Stadt der Renaissance nur in der Vorstellung der Architekten ein Paradies unter den Städten war. Normale Menschen konnten sich dort nicht wohl fühlen. Totale Überschaubarkeit durch geometrische Formen hat auch einen kalten und unmenschlichen Beigeschmack. Vielleicht war diese starke
6 Michael Winter: Idealstädte (2): Durchblick zum Glück: Wie Visionäre und Architekten das Heil der
Menschen in der Liebe zur Geometrie suchen. München: Süddeutsche Zeitung, 7.1.1999. Alle
nachfolgenden Zitate beziehen sich auf diesen Artikel.
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Arbeit zitieren:
Magistra Artium Julia Schröder, 1999, Architektonische Utopien, München, GRIN Verlag GmbH
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