Inhalt
1. Einleitung. 2
2. Interpretation. 3
2.1. Struktur und intertextuelle Interpretation. 3
2.2. Symbolik 6
2.3. Die Epoche: Expressionismus und die gesellschaftliche Deutung 7
2.4. Bibliografische Deutung 9
2.5. Zusammenfassung 15
3. Literaturverzeichnis. 17
4. „Die Brücke“ von Franz Kafka (geschrieben im Dez. 1916) 18
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1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Interpretation von „Die Brücke“, die 1916 / 1917 von Franz Kafka geschrieben wurde. Diese Erzählung wurde von Max Brod aus dem Nachlass des Autors veröffentlicht und mit einem Titel versehen. Das Motiv dieser Erzählung ist mit dem der „Verwandlung“ zu vergleichen: ein Ding, das zugleich Mensch ist. Kafka verzichtet jedoch bei der Erzählung „Die Brücke“ gänzlich auf eine Erklärung des „Doppelcharakters“. Verstärkt wird die Paradoxie durch die Wahl der Ich- Erzählung und die Tempuswahl des Präteritums. Der Schluss dieser Erzählung wirkt besonders absurd, da das erzählende Ich sich selbst überlebt, so dass es seinen eigenen Tod aus der Distanz des epischen Präteritums mitteilen kann.
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2. Interpretation
2.1. Struktur und intertextuelle Interpretation
Der Kurztext „Die Brücke“ lässt sich in drei Abschnitte aufteilen: 1.) Skizzierung der verzweifelten Ausgangssituation (Z.1-9) 2.) Weiterführung der Handlung, die auf eine positive Lösung zuzulaufen scheint (Z. 10-18)
3.) Der Höhepunkt, der in einer Katastrophe endet (Z. 19-31) Im ersten Abschnitt beschreibt der Autor die sinnlose Existenz der Brücke, da diese sich in einer menschenleeren Region, in einer „unwegsamen Höhe“ (Z. 6) befindet und „in den Karten noch nicht eingezeichnet“ (Z. 6/7) ist. Die Herkunft der Brücke bleibt ungeklärt. Die zeitlos andauernde, aber unhaltbare Lage („in bröckelndem Lehm....festgebissen“ Z. 3/4) ist durch Isolation, Kälte, Starre und Bedrohtheit gekennzeichnet. Der Blick der Brücke ist nach unten gerichtet, „in der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach“ (Z. 5). Der Blickkreis der Brücke ist sehr eingeengt, so dass sie diese Außenwahrnehmungen, die auf akustischen Signalen basieren, nur vermuten kann.
Seelische Regungen bzw. Gefühlszustände werden nur angedeutet und beim Leser indirekt durch die physischen Korrelate („steif und kalt“, „festgebissen“ etc. Z. 1, 3/4) evoziert. Erst im dritten Abschnitt wird der „Umschwung“ („und ich drehte mich um, ihn zu sehen“ Z. 27) mit dem „erschauern“(Z. 24) begründet, das zwar auf etwas Physisches („wilder Schmerz“ Z. 25) zurückgeht, aber von seiner Bedeutung in den Bereich der Emotionalität hineinreicht. Die Brücke, die optisch ein materieller Gegenstand ist, wird personifiziert. Sie hat ein menschliches Bewusstsein, übt aber nur eine passive Rolle aus - wodurch wieder ihr statischer und künstlicher Charakter unterstrichen wird. Auf der anderen Seite aber werden ganz bewusst menschliche Züge und ein menschliches Bewusstsein in den Vordergrund gestellt: „Fußspitzen“(Z.2), „Hände“ (Z.3), „festgebissen“ (Z. 3/4), „die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten“ (Z.4), „so lag ich und wartete. Ich musste warten“ (Z. 7/8). In dem letzten Satz des ersten Abschnittes, wird noch mal das menschliche Bewusstsein in den Mittelpunkt evoziert: „Ohne einzustürzen kann keine einmal
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errichtete Brücke aufhören, Brücke zu sein“ (Z. 8/9). Dieser doch relativ unsinniger Satz ist eine Art Gesetz oder Aufgabe für die Brücke. Der Satzbau besteht aus schlichten asyndetischen Parataxen. Es kommt kein einziger Nebensatz vor. Der innere Zusammenhalt der Sätze wird durch die „Beschreibung“ erzeugt. Erst ab Zeile 7, nach dem Gedankenstrich, folgt eine zusammenfassende Akzentuierung der Unabänderlichkeit des Existenzzustandes („ich musste warten“ Z. 7/8), die durch eine allgemeingültige Reflexion („ohne einzustürzen...“ Z. 8) implizit begründet wird.
Die Lexik ist durchgehend so gewählt, dass negative Assoziationen hervorgerufen werden: steif, kalt, eingebohrt, wehten, lärmte, eisig. Diese, zur Beschreibung der Umgebung, verwendeten Wörter, verdeutlichen deren Aktivität, die im Kontrast zu der Passivität der Brücke steht, die steif ist und nur warten kann. Eine weitere Dichotomie ist in der zweiten Zeile zu finden: „Diesseits“ und „Jenseits“. Die geradezu ironische Beschreibung der eigenen Brückengröße, soll als ein lustiger Moment aufgefasst werden und steht gleichzeitig auch für ein überformtes, oder besser verfremdetes, Blickfeld. Diese sehr zugespitzten und übertriebenen Beschreibungen sind sowohl an der Brücke wiederzufinden („Diesseits,Jenseits“Z.2), als auch in der beschreibenden Umgebung („in der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach, unwegsame Höhe“ Z. 5).
Der zweite Abschnitt besteht zunächst auch aus beschreibenden Elementen, d.h. die innere Situation der zeitlichen und gedanklichen Desorientierung. Diese Richtungslosigkeit des verworrenen Satzbaus spiegelt diesen Inhalt sprachlich wider, d.h. durch die Parenthese und den Satzbruch.
Eine Durchbrechung der Desorientierung wird durch ein Ereignis („Einmal gegen Abend war es“ Z. 10), welches im zweiten Satz fortgeführt und durch diese Wiederaufnahme betont wird, erreicht. Der zweite Satz (Z. 12f.) hat eine ähnliche Struktur wie der erste. Nach dem Ereignis - Ansatz (diesmal erweitert um die Angabe „im Sommer“ (Z.12/13) schiebt sich ein Hauptsatz als verzögernde Parenthese ein („dunkler rauschte der Bach“ Z. 13). Die zweite Wiederaufnahme „da“ (Z. 13) leitet das zentrale Erlebnis ein („hörte ich einen Mannesschritt! “ Z. 13/14). Daraufhin wird eine Kette erregter Selbst - Appelle ausgelöst, die euphorisch die erwartete und ersehne Begegnung vorwegnehmen. Das Gefühl der Ohnmacht, Sinnlosigkeit und Fixiertheit wird von einem überzogenen Selbstbewusstsein („wie ein Berggott“ Z. 17) verdrängt. Dieser Wandel existiert jedoch nur für einen kurzen
Augenblick, der auch zeitlich durch Imperativformen und Präsens, in dem überwiegend im Präteritum gehaltenen Text, herausgehoben ist. Dieser innere Monolog (Z. 14-18), spiegelt den Gemütszustand der Brücke wider und ist durch durchgehende Selbstbefehle gekennzeichnet: „Streck dich, Brücke, setze dich in Stand“ (Z. 14/15, im Imperativ). Es ist eine Klimax bei dem inneren Monolog der Brücke zuerkennen, die am Ende sogar in einem ekstatischen Zustand endet: „gleiche unmerklich aus“ (Z. 16), „Gib dich zu erkennen“ (Z. 17), „schleudere ihn ans Land“ (Z. 17/18). Hier wird auch seine Entwicklung von der zurückhaltenden und passiven Rolle, zum aktiven und fast brutalen Vorhaben, deutlich. Alle
vorweggenommenen Verhaltensweisen, die ein Gelingen versprechen, führen jedoch nicht zum erwünschten Erfolg.
Die Lexik im zweiten Abschnitt ist ebenfalls negativ: „dunkler rauschte der Bach“ (Z.13), wobei hier viel mehr die sprachliche und inhaltliche Verwirrung im Vordergrund steht: „war es der erste, war es der tausendste, ich weiß nicht“ (Z.10/11). Eine Dichotomie ist in Zeile 11/12 zu erkennen: „meine Gedanken gingen immer in einem Wirrwarr und immer in der Runde“. Die Ironie steckt in der Wiederholung „immer“, da damit beide Zustände, Wirrwarr und Runde, gleichzeitig existieren, obwohl beide Eigenschaften einander ausschließen. Im letzten und dritten Abschnitt ist der Höhepunkt dieser Erzählung, in der die Begegnung mit der vorangekündigten Person erfolgt. Eine genau Kennzeichnung der Person ist nicht möglich, da die Brücke durch den Tod keine Gewissheit über die Identität des Fremden erhält. Der Fremde scheint kein Vertrauen zu der Brücke zu haben, da er mit seiner Stockspitze diese beklopft und mit ihr auf der Brücke herumfährt. Die Prüfung führt dazu, dass er diese Brücke nicht benutzt. Stattdessen erfolgt ein Akt der unbegründeten und unverständlichen Gewalt, die etwas Selbstmörderisches an sich hat.
Der Versuch der Brücke zur Hinwendung zu dem Fremden bewirkt den Einsturz dieser und wahrscheinlich auch des Fremden. Dies wird nur von der Brücke in Zeile 26 angedeutet: „Ein Selbstmörder?“. Die beiden zentralen Akte, die Aggression des Fremden und die Reaktion der Brücke, werden durch eine eingelagerte Parenthese („gerade träumte ich ihm nach über Berg und Tal“, Z. 23 und „Brücke dreht sich um!“, Z. 28) unterbrochen. Der schnelle Einsturz der Brücke wird durch die Verknüpfung der parataktischen Satzkette („noch nicht - da schon - und schon“ Z. 28/29) und durch die Wiederholung des Verbs („stürzte“ Z. 28/29) sprachlich gespiegelt.
Arbeit zitieren:
Johanna Uminski, 2004, "Die Brücke" von Franz Kafka - Interpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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