Inhaltsverzeichnis: Seite
1. Einleitung Seite 3
2. Der soziologische Tatbestand Seite 4
3. Die Betrachtung der soziologischen Tatbestände Seite 5
3.1 Systematisch Ausschaltung aller Vorbegriffe Seite 7
3.2 Definition einer Gruppe von Erscheinungen Seite 8
3.3 Beobachtung der Erscheinung Seite 8
4. Unterscheidung des Normalen und des Pathologischen Seite 9
5. Aufstellung der sozialen Typen Seite 12
6. Erklärung der soziologischen Tatbestände Seite 12
7. Die Beweisführung Seite 15
8. Evaluation und Einordnung Seite 16
8.1 fait social soziologischer Tatbestand Seite 16
8.2 Soziale Determination Seite 17
9. Literaturverzeichnis Seite 19
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1. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich im Rahmen des Hauptseminars „Klassiker der Soziologie“ (Sommersemester 2003) mit dem Werk „Die Regeln der soziolo- gischen Methode“ von Emile Durkheim.
In Anlehnung an die, von Durkheim vorgenommene Strukturierung, wird zunächst der Versuch unternommen, einen Überblick über die Entwicklung der Hauptideen dieses Werks zu erlangen, um anschließend auf einige, mir zentral erscheinende Fragestellungen einzugehen.
Von der ersten Eingrenzung der soziologisch relevanten Materie (soziologische Tatbestände) bis zur Beweisführung gibt Durkheim in diesem, 1895 in Paris zum ersten Mal erschienenen Buch, seinen Vorschlag für die generelle Methodik einer damals neuen wissenschaftlichen und universitären Disziplin – der Soziologie. Das Hauptaugenmerk soll sich bei dieser Arbeit auf die folgenden, von Durkheim selbst hervorgehobenen Aspekte seiner Regeln konzentrieren.
Zum einen identifiziert Durkheim in diesem Werk zum ersten Mal die, für die Soziologie als Wissenschaft relevante Materie, die soziologischen Tatbestände. 1 Zum anderen begründet er die Notwendigkeit einer Emanzipation der Soziologie, von den damals schon etablierten Wissenschaften, vor allem von der Psychologie, mit seinen Regeln zur Betrachtung und zur Erklärung soziologischer Tatbestände, welche er logisch aus seiner Definition eben dieser abzuleiten weiß. Die Fokussierung auf diese zwei Kernpunkte ist meiner Meinung nach gerechtfertigt, da sie den Schlüssel zum Verständnis dieses Werkes darstellen, welches in Gewisser Weise, wie René König in seiner Einleitung zu den Regeln bemerkte, den Beginn aller Soziologie als selbstständige Wissenschaft darstellt. (vgl. König, 1980: 4) 1 Da in der Literatur, die sich auf dieses Werk bezieht, Kritik an der Übersetzung des Bergriffes der „fait sociales“ als „soziologische Tatbestände“ vorzufinden ist (vgl. König, 1980: 38), werde ich im letzten Kapitel dieser Arbeit hierauf eingehen.
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2. Der soziologische Tatbestand
Im ersten Kapitel, welches den Namen „Was ist ein soziologischer Tatbestand?“ trägt, befasst Durkheim sich mit der Definition von soziologischen Tatbeständen und deren Abgrenzung von sonstigen allgemeinen gesellschaftlichen Phänomenen.
Grundlegende Merkmale zur Identifikation von soziologischen Tatbeständen sind laut Durkheim der, dem Individualbewusstsein gegenüber externe Charakter und der Zwang, den sie auf das individuelle Bewusstsein auszuüben in der Lage sind. Dies drückt Durkheim in seiner Definition folgendermaßen aus:
„Ein soziologischer Tatbestand ist jede mehr oder minder festgelegte Art des Handelns, die die Fähigkeit besitzt, auf den Einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben; oder auch, die im Bereiche einer gegebenen Gesellschaft allgemein auftritt, wobei sie ein von ihren individuellen Äußerungen unabhängiges Eigenleben besitzt“ (Durkheim, 1895:115) Soziologische Tatbeständen sind für Durkheim zum Beispiel Konventionen und Gewohnheiten oder die moralischen und sittlichen Vorstellungen einer Gesellschaft, wie auch deren Kristallisierte Zustände in Form von Recht und Religion die das Handeln tatsächlich von außerhalb des individuellen Bewusstseins her bestimmen. (vgl. Durkheim, 1885: 125) Da der Einzelne diese Formen des von außen festgelegten Handelns durch die Erziehung und Sozialisation internalisiert, f äll Ihm die Existenz der soziologischen Tatbestände nur auf, wenn er sich nicht konform verhält. Dann offenbart sich ihr reglementierender Charakter.
Trotz ihres permanenten Einflusses werden soziologische Tatbestände also durch ihre Internalisierung für das Individuum praktisch unsichtbar, was im Normalfall den Eindruck vermittelt, man würde von sich aus – also ohne äußeren Druck – in Einklang mit der Gesellschaft leben.
Durch diese erste Identifikation der soziologischen Tatbestände als reell existierende Kräfte, die eine gewichtigen Einfluss auf das individuelle Leben haben, kann Durkheim allerdings feststellen:
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„Wir werden von Illusionen genarrt, die uns einreden, wir hätten selbst geschaffen, was uns in Wahrheit von außen auferlegt wurde.“ (Durkheim, 1895: 108) Für Durkheim stellt diese Erkenntnis den Ausgangspunkt für seine weiter Forschung dar, welche er seiner Meinung nach am besten an den Konsolidierten Formen der sozilogischen Tatbestände, also dem Kristallisierten Leben in Form von Regeln, Gesetzen und Institutionen betreiben kann, da diese dem Betrachter einen Fixpunkt zur Beobachtung bereitstellen, der frei von subjektiven Eindrücken zu sein scheint.
3. Die Betrachtung der soziologischen Tatbestände
Im zweiten Kapitel befasst sich Durkheim mit den Regeln, nach denen die soziologischen Tatbestände wissenschaftlich zu untersuchen sind, und der Darlegung seiner allgemeinen Auffassung von Wissenschaft. Zu Beginn dieses Kapitels stellt Durkheim seine erste und grundlegende Regel auf. „Soziologische Tatbestände sind wie Dinge zu betrachten.“ (vgl. Durkheim, 1895: 115) Diese Regel soll im wissenschaftlichen Umgang mit soziologischen Tatbeständen vermeiden, dass mit bloßen Ideen von Dingen, also Vorurteilen operiert wird. „Die soziologischen Tatbestände wie Dinge zu Behandeln, heißt also im Grunde nicht mehr, als dass eine moralische Wirklichkeit mit den Mitteln der positiven Wissenschaft erfasst werden soll.“ (König, 1980: 61) Was laut Durkheim das Ding an sich von der Idee eins Dings unterscheidet ist die Tatsache, dass ein Ding durch einen bloßen Willensentschluss nicht veränderbar ist, also einen dem Individuum gegenüber externen Charakter aufweist. (vgl. Durkheim, 1895: 126) An der Nationalökonomie zur Zeit von Emile Durkheim wird die Bedeutung der ersten Regel besonders gut deutlich.
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Durkheim bemängelt den, seiner Meinung nach geringen wissenschaftlichen Anteil der Forschung in der Nationalökonomie indem er behauptet, dass in dieser Disziplin oft Gesetze nach Beziehungen bzw. Kausalitäten aufgestellt werden, die zeigen, wie sich die Realität zweckmäßig abspielen sollten, aber nicht wie sie es tatsächlich tut. (vgl. Durkheim, 1895: 124) Demnach behandelt die Nationalökonomie also ihre subjektiven Ideen der Dinge und nicht die Dinge an sich. Sie zieht empirische Daten nur zur Illustration hinzu und erteilt auf dieser Basis, je nach politischer Ausrichtung variierend, Weisheiten und Ratschläge, die nach Durkheims Auffassung rein ideologischer Natur sind und im Gegensatz zu seiner wissenschaftlichen Methode stehen. Durkheim bemängelt also die Einbeziehung von mehr oder weniger alltäglich-ideologischen Betrachtungsweisen in die Wissenschaft, welche die Funktion eines Wahrnehmungsfilters ausüben und somit die Wissenschaft von Vorneherein um eine gravierende Perspektive beschneiden, und zwar um die Zielvorstellung, die Realität objektiv beschreiben zu können.
Zur Verdeutlichung dieses Problems kann an dieser Stelle das ideologisch belastete Theorem der „ invisible Hand“ angeführt werden, welches bis heute in weiten Kreisen als Legitimation von Freihandel angesehen wird. Die in diesem Theorem aufgestellte Behauptung, dass die individuelle Nutzenmaximierung letztendlich zum Wohlstand aller führen soll, konnte auf wissenschaftlicher Basis letztendlich erst mit den unzähligen ineffizienten Nashgleichgewichten der Spieltheorie wiederlegt werden die zeigten, das individuelles Nutzenmaximierendes Verhalten nicht zwangsläufig zum effizientesten gesellschaftlichen Resultat führt. Die Spieltheorie tat schließlich innerhalb der Ökonomie genau das, was Durkheim von der allgemeinen Wissenschaft forderte. Sie nahm als Ausgangspunkt die Realität, also die Dinge, wie sie sich dem Beobachter darbieten, und entwickelte auf dieser Basis ihre Idee.
Die konstitutive Forderung Durkheims an die Soziologie, wie auch an die Wissenschaft im Allgemeinen ist also die Entideologisierung der Begriffe derer sie sich bedient und die Behandlung der soziologischen Tatbestände als
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Arbeit zitieren:
Thomas Hissel, 2003, Emile Durkheim - Die Regeln der Soziologischen Methode, München, GRIN Verlag GmbH
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