Gliederung:
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1. Einleitung 2
2. Die Sich-selbst erfüllende Prophezeiung 4
3. Erwartungen 7
3.1 Was sind Erwartungen 7
3.2 Phasen der Bestätigung einer Erwartung 8
4. Studien zu Erwartungseffekten 10
4.1 Ratten im Labyrinth 11
4.2 Planarien in der Schale 12
5. Begriffsklärungen 13
5.1 Der Halo-Effekt 13
5.2 Der Hawthorne-Effekt 14
5.3 Der Placebo-Effekt 15
5.4 Der Pygmalion-Effekt 15
6. Pygmalion im Unterricht Die ROSENTHAL JACOBSEN Studie 16
6.1 Durchführung 16
6.2 Auswertung des Experimentes 19
7. Zur Kritik an der ROSENTHAL JACOBSEN Studie 26
8. Konsequenzen für pädagogische Arbeit 29
9. Abschließende Bemerkungen 32
10. Literaturverzeichnis 35
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1. Einleitung
„Es ist unmöglich, nur beobachtbare Größen in eine Theorie aufzunehmen. Es
ist vielmehr die Theorie, die entscheidet, was man beobachten kann.“
(Einsteins Bemerkung in einem Gespräch mit Heisenberg; In: WATZLAWICK 2000, S.97)
Ist es möglich, dass Erwartungen, die an eine Person gerichtet sind, ihr Verhalten in einer Art und Weise beeinflussen, dass diese Person sich letztlich unbewusst den Erwartungen entsprechend verhält? Wenn dies der Fall ist, welche Prozesse laufen dann in der zwischenmenschlichen Interaktion ab, die diese Form der Erwartungsübernahme bedingen? Und welche Folgen hat das dann für die Arbeit von Pädagogen?
Der erstmals von ROBERT ROSENTHAL und LENORE JACOBSEN (1971) untersuchte Pygmalion-Effekt – als ein Phänomen im Schulunterricht - beschreibt die Auswirkungen der Lehrererwartungen auf das Verhalten ihrer unterrichteten Schüler.
Die zentrale Frage, die in dieser Arbeit beantwortet werden soll, ist jene, warum der Pygmalion-Effekt bei der pädagogischen Arbeit eine besondere Rolle spielt und welche Konsequenzen er für das Handeln und die Denkweise von Pädagogen in Bezug auf ihre Klienten hat. Durch die Kenntnis dieses Effektes sollten Pädagogen ihre an die Klienten gerichteten Erwartungen kritisch hinterfragen können und durch Reflexion ihrer Arbeit ihr Handeln verantwortungsvoller gestalten.
Benannt wurde der Pygmalion-Effekt nach einem in der griechischen Mythologie bekannten König von Zypern, der ein begabter Bildhauer war. Keine noch so schöne Frau konnte seinen hohen Ansprüchen genügen, so dass er sich schließlich aus Elfenbein nach seinen eigenen Idealvorstellungen selbst ein Bildnis von einer Frau schuf, in das er sich dann verliebte. Voller Verzweiflung bat er die Liebesgöttin Aphrodite, seine Statue zum Leben zu erwecken, die ihn schließlich erhörte. Pygmalion nahm das Mädchen zur Frau,
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und sie gebar ihm sogar eine Tochter (vgl. Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation).
Der Pygmalion-Effekt kann als Spezialfall der „Sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung“ gesehen werden, weshalb ich im anschließenden Abschnitt kurz auf diese Form der Prophezeiungen eingehen werde. Aber es ist auch notwendig zu klären, wie der Pygmalion-Effekt zustande kommt, was eine Erläuterung von Erwartungsbildung und ihrer Bestätigung voraussetzt.
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2. Die „Sich – selbst - erfüllende Prophezeiung“
Wenn die Nachricht über eine drohende Benzinknappheit in den Medien kursiert und sich demzufolge jeder, der ein motorisiertes Gefährt sein Eigen nennt, Hals über Kopf noch schnell zur Tankstelle begibt, um noch etwas von dem bald kostbaren und seltenen Gut zu ergattern, dann kommt es auch wirklich schnell zu einer Verknappung des Benzins. So geschehen im März 1979, als kalifornische Zeitungen durch ihre Berichte nicht nur lange Warteschlangen an den Tankstellen mit stundenlanger Wartezeit zur Folge hatten, sondern auch eine Erschöpfung der enormen nationalen Benzinreserven bewirkten (vgl. WATZLAWICK 2000, S. 92 ).
Ein weiteres Beispiel ist die i n der Literatur zu „Sich-selbst-erfüllenden Prophezeiungen“ häufig verwendete Geschichte von Viktor Frankl, der in seinem Buch „…trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ (1977) von einem KZ-Mithäftling berichtet, der seinen Lebenswillen verlor, als sich seine eigene, im Traum erlebte Vorhersage über das Ende des Krieges nicht erfüllte (vgl. WATZLAWICK 2000, S.102f). Dieser Häftling trat an Frankl heran:
„ich möchte dir gern etwas erzählen. Ich habe da neulich einen merkwü rdigen Traum gehabt. Eine Stimme hat mir gesagt, ich dürfe mir etwas wünschen – ich soll ihr nur sagen, was ich gern wissen möchte, sie wird mir jede Frage beantworten. Und weißt du, was ich das gefragt habe? Ich möchte wissen, wann der Krieg für mich zu Ende sein wird! Das heißt, ich wollte wissen, wann wir, wann unser Lager befreit wird, also wann unsere Leiden aufhören werden.“ […] Und leise, geheimnisvoll, flüstert er mir zu: „Am 30. März…“. “ (in:
WATZLAWICK 2000, S.102)
Jedoch als der Tag der Erfüllung der Prophezeiung immer näher rückte, ein Ende des Krieges aber noch längst nicht bevorstand, verlor der enttäuschte Häftling seinen Lebensmut. Er erkrankte am 29. März plötzlich an hohem Fieber. Am 30. März begann er schwer zu delirieren und starb am nächsten Tag an Fleckfieber. In diesem Sinne wurde seine Prophezeiung doch zur Wirklichkeit, da der Krieg mit seinem Tod für den Mann beendet war.
Die genannten Beispiele dienen zur Illustration der so genannten „Sich-selbst- erfüllenden Prophezeiungen“. Dieser Begriff wurde ursprünglich 1957 von
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MERTON geprägt. So erklärt er dieses Phänomen als anfänglich falsche
Situationsdefinitionen, „ die Verhaltensweisen hervorrufen, die das fälschlicherweise erwartete Ereignis eintreten lassen und somit zum Beweis dafür werden, daß die Erwartung von Anfang an zutreffend war“ (vgl. BIERHOFF 1984, S. 154). Demnach sollte man also annehmen, dass diese Prophezeiung als falsche Zukunftserwartung verstanden wird, die sich dann auch noch „fälschlicherweise“ erfüllt. Dennoch i st zweifelhaft, ob die Erwartung wirklich falsch gewesen sein muss, denn sie beweist ja durch ihre Erfüllung ihre Richtigkeit. Da man zur Zeit noch nicht in der Lage ist, „treffsicher“ auf zukünftige Ereignisse blicken zu können, kann man auch nicht genau wissen, ob eine Voraussage wirklich falsch ist oder nicht. Und weil sich diese Form der Prophezeiung durch ihre Erfüllung als richtig erweist, kann nicht behauptet werden, dass sie eine falsche Voraussage gewesen wäre. Deshalb möchte ich mich der meines Erachtens eher zutreffenden Definition von Paul WATZLAWICK anschließen:
„Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist eine Annahme oder Voraussage,
die rein aus der Tatsache heraus, daß sie gemacht wurde, das angenommene,
erwartete oder vorhergesagte Ereignis zur Wirklichkeit werden lässt und so ihre
eigene „Richtigkeit“ bestätigt.“ (WATZLAWICK 2000, S.91) Der interessante Punkt dabei ist also nicht die angenommene – und ohnehin nicht entscheidbare – Falschheit oder Richtigkeit einer Voraussage, sondern vielmehr ihre Eigenschaft als Phänomen, das eine Wirklichkeit erschaffen kann.
Das Modell, das diesem Phänomen zugrunde liegt, weicht vom traditionellen Ursache-Wirkungs-Denken ab, bei welchem eine Ursache das Eintreten ihrer Wirkung in der Zukunft zur Folge hat. Der Ablauf dieses Prozesses erfolgt zeitlich linear.
Ursache
Bei der „Sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung“ jedoch scheint sich der zeitliche Ablauf umzukehren. Das prophezeite Ereignis w irkt auf seine Ursache (die Prophezeiung also) zurück, indem es die Voraussage bestätigt. „Wer zum Beispiel – aus welchen Gründen auch immer – annimmt, man
missachte ihn, wird sich eben deswegen in einer überempfindlichen,
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unverträglichen, mißtrauischen Weise verhalten, die in den anderen genau jene
Geringschätzung hervorruft, die seine schon immer gehegte Überzeugung
erneut „beweist“.“ (WATZLAWICK 2000, S.91)
Dieses Phänomen lässt sich in einer Art Kreisförmigkeit begreifen, bei der es weder einen Anfangs- noch einen Endpunkt gibt: die Wirkung kann zugleich Ursache sein, aber auch umgekehrt.
„Man meidet und
missachtet mich.“
So erklärt sich, dass beim Pygmalion-Effekt – als eine Sonderform der „Sich- selbst-erfüllenden Prophezeiung“ – die Lehrer, die an ihre Schüler bestimmte Erwartungen richten (seien sie positiver oder negativer Art), sich den Kindern gegenüber in einer Art und Weise verhalten werden, die g enau das Gegenverhalten hervorruft, das die Lehrer bereits erwartet hatten: einem Kind, dem Dummheit nachgesagt wird, wird sich der Lehrer in einer weniger hoffnungsschaffenden, anregenden Weise verhalten, und vielleicht – so soll es ja vorkommen - sagt er dem Kind auch vor versammelter Klasse, dass seiner Meinung nach nie etwas aus ihm werden würde und es ewig ein Versager bliebe, was sicherlich in dem Schüler Resignation hervorrufen wird oder sein Interesse am Unterricht erheblich dämpfen kann, so dass es letztlich aufgrund seiner daraus resultierenden mangelhaften Leistungen als dumm bewertet wird. Womit sich der Kreis wieder schließt.
Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass nur eine geringe Anzahl von Prophezeiungen selbst erfüllend ist, da diese nur konkret auf die Gegenwart wirken können, wenn sie geglaubt und als eine in der Zukunft bereits
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eingetretene Tatsache gesehen werden. Fehlt der Glaube an die Richtigkeit der Voraussage, wird diese sich auch nicht erfüllen (vgl. WATZLAWICK 2000, S.95). Demnach ist es notwendig, dass das prophezeite Ereignis auch erwartet wird, damit es eintreten kann, was die nun folgende Klärung des Begriffs Erwartung erforderlich macht.
3. Erwartungen
Da der Pygmalion-Effekt als eine Sonderform von Erwartungseffekten zu verstehen ist, ist es notwendig sich genauer mit dem Begriff „Erwartung“ zu beschäftigen. Ich möchte dabei der Frage nachgehen, was man unter dem Begriff verstehen kann und werde dann im Weiteren den Prozess der Erwartungsbestätigung analysieren.
3.1 Was sind Erwartungen?
Da in der mir zur Verfügung stehen Literatur, in der zwar oftmals über Erwartungen und ihre Rolle in bestimmten sozialpsychologischen Prozessen, Erwartungsbestätigung oder ähnliches geschrieben wird, leider jedoch nirgends eine Definition oder Erläuterung zu dem Begriff Erwartung gegeben wird, werde ich versuchen, diesen Begriff selbst zu beschreiben.
Aufgrund des Wortstammes warten bezieht sich dieses Wort auf eine Handlung, die das Eintreten zukünftiger Ereignisse als gesichert ansieht. Mit dem Präfix er- erhält dieses so entstandene Verb eine Verstärkung bezüglich seiner Bedeutung für Prozesse in der Zukunft. Wenn jemand etwas erwartet, so ist er davon überzeugt, dass dieses erwartete Ereignis auch eintritt. So kann man einen Brief erwarten, von dem man weiß, dass er bereits abgeschickt wurde (oder es definitiv noch wird), oder man kann den Zug erwarten, von dem man weiß, dass er wie laut Fahrplan festgelegt, zu einer bestimmten Zeit ankommen wird. Aufgrund eines bestimmten Vorwissens und bereits gemachter Erfahrungen, die ermöglichen, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens bestimmter Ereignisse abzuschätzen, können Erwartungen gebildet werden, da man gewöhnlich davon überzeugt ist, dass sie sich auch erfüllen werden.
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Arbeit zitieren:
Kathleen Hilpert, 2003, Der "Pygmalion-Effekt", München, GRIN Verlag GmbH
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