Inhaltsübersicht
1. EINLEITUNG 4
1.1 ERWARTUNGEN VOR DEM PRAKTIKUM 6
2. BEMERKUNGEN ZUR SCHULE 7
2.1 DIE KOOPERATIVE GESAMTSCHULE RASTEDE 7
2.2 EIN SCHULKONZEPT IM UMBRUCH? 8
3. HOSPITATIONEN MIT AUSWERTUNG 10
3.1 POLITI,K KLASSE 9 GESETZGEBUNGSVERFAHREN IN DER EU 11
3.1.1 AUSWERTUNG UND BEOBACHTUNGSSCHWERPUNKT 14
3.2 DEUTSCH, KLASSE 9 GOETHES „NÄHE DES GELIEBTEN“ 15
3.2.1 AUSWERTUNG UND BEOBACHTUNGSSCHWERPUNKT 18
3.3 KUNST, KLASSE 8 SIMULTANANSICHT 20
3.3.1 AUSWERTUNG UND BEOBACHTUNGSSCHWERPUNKT 22
3.4 DEUTSCH, KLASSE 12 BÜCHNERS „WOYZECK“ 24
3.4.1 AUSWERTUNG UND BEOBACHTUNGSSCHWERPUNKT 26
4. EIGENER UNTERRICHT - AUSFÜHRLICHE STUNDENBETRACHTUNGEN 27
4.1 DEUTSCH, KLASSE 11 DIE VERANTWORTUNG DES WISSENSCHAFTLERS 27
4.1.1 BEMERKUNGEN ZUR LERNGRUPPE 27
4.1.2 DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN 28
4.1.3 METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN 33
4.1.4 LERNZIELE DER STUNDE 34
4.1.5 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 35
4.1.6 STUNDENREFLEXION 38
4.2 DEUTSCH, KLASSE 11 SZENISCHE INTERPRETATION 39
4.2.1 DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN 39
4.2.2 METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN 41
4.2.3 LERNZIELE DER STUNDE 42
4.2.4 VERLAUFSÜBERSICHT UND ERGEBNISSE DER GRUPPENARBEIT 42
4.2.5 STUNDENREFLEXION 49
4.3 DEUTSCH, KLASSE 11 SACHTEXTANALYSE 51
4.3.1 DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN 51
4.3.2 METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN 53
4.3.3 LERNZIELE DER STUNDE 54
4.3.4 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 54
4.3.5 STUNDENREFLEXION 58
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5. EIGENER UNTERRICHT - WEITERE STUNDEN IN KURZFORM 59
5.1 DIE PHYSIKER - HINFÜHRUNG AN DIE GANZSCHRIFT 59
5.1.1 VERLAUFSÜBERSICHT 59
5.1.2 STUNDENREFLEXION 62
5.2 HANDLUNGS- UND PRODUKTIONSORIENTIERTE METHODEN IM VERGLEICH 64
5.2.1 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 64
5.2.2 STUNDENREFLEXION 67
5.3 GATTUNGSFELD DRAMA 68
5.3.1 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 68
5.3.2 STUNDENREFLEXION 72
5.4 METHODENEXPERIMENT UND SZENENANALYSEN 75
5.4.1 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 75
5.4.2 STUNDENREFLEXION 81
5.5 ENTSTEHUNGSKONTEXT UND FIGURENDARSTELLUNG 83
5.5.1 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 83
5.5.2 STUNDENREFLEXION 86
5.6 DIE PHYSIKER - WISSENSCHAFTSPUBLIZISTISCHE EINFLÜSSE 87
5.6.1 VERLAUFSÜBERSICHT UND ARBEITSMATERIAL 87
5.6.2 STUNDENREFLEXION 90
6. EIGENER UNTERRICHT - DIE ABSCHLUSSKLAUSUR 92
7. REFLEXION ZUM FACHPRAKTIKUM 96
7.1 ALLGEMEINE ÜBERLEGUNGEN 96
7.2 STELLENWERT DES PRAKTIKUMS INNERHALB DES LEHRAMTSSTUDIUMS 97
7.3 BETRACHTUNGEN ZU UNTERRICHT UND BETREUUNGSSITUATION 98
7. BIBLIOGRAPHIE 100
7.1 HAUPTÜBERSICHT DER VERWENDETEN LITERATUR 100
7.1 PRIMÄRTEXTE IN DEN UNTERRICHTSEINHEITEN UND HOSPITATIONEN 101
8. ANHANG / BILDTEIL 101
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1. Einleitung
In den Lehramtsstudiengängen der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg stellt das so genannte Fachpraktikum einen verpflichtenden Bestandteil des zweiten Studienabschnittes dar. Dieses Praktikum konzentriert sich neben dem Allgemeinen Schulpraktikum, welches im Grundstudium allgemeine Einblicke in die Schulwirklichkeit vermittelt, schwerpunktmäßig auf den Fachunterricht eines der studierten Langfächer.
Als Studierender der Fächer Germanistik und Kunst für das gymnasiale Lehramt entscheide ich mich im Wintersemester 2003 / 2004 dieses Praktikum im Fach Deutsch zu absolvieren. Fester Bestandteil des Praktikums ist im Vorfeld der Besuch eines Vorbereitungsseminars an der Hochschule, welche sich über ein Semester erstreckt.
Die Zuteilung einer Praktikumsschule erfolgt durch das didaktische Zentrum der Universität Oldenburg. Zusammen mit einem Kommilitonen im gleichen Fach teilt man mich der Kooperativen Gesamtschule Rastede zu. Diese Schule befindet sich in einer ländlichen Anrainergemeinde der Stadt Oldenburg.
Bereits mehrere Monate vor dem Praktikumsbeginn werden erste Kontakte mit dem betreuenden Lehrer an der Schule geknüpft. Diese Vorabgespräche mit dem Mentor dienen überwiegend dem ersten Kennen lernen sowie dem Austausch allgemeiner Informationen, beispielsweise zur Praktikumsschule, dem Lernumfeld oder den unterrichteten Klassen. Mein Mentor unterrichtet an der KGS Rastede die Fächer Deutsch, Politik und darstellendes Spiel. Zum Praktikumszeitpunkt konzentriert sich sein unterrichtliches Handeln meistenteils auf Lerngruppen in der Oberstufe. Neben dem Fachunterricht nimmt er in einer 11. Klasse die Aufgabe des Klassenlehrers wahr, daneben in einem Deutschleistungskurs der 12. Jahrgangsstufe die des Tutors.
Darüber hinaus begleitet der Mentor verschiedene zusätzliche Ämter innerhalb der Schule. Unter anderem ist er als Fachbereichsleiter Deutsch sowie im Personaltrat tätig. Diese Aufgabenvielfalt überrascht mich und meinen Kommilitonen zu Anfang ein wenig, da sie einen nicht unerheblichen Zeitaufwand neben dem Unterricht mit sich bringt.
Während der Gespräche mit dem Mentor kristallisieren sich rasch diejenigen Lerngruppen und Klassen heraus, in denen Unterrichtsversuche möglich erscheinen. Mehrere Wochen vor dem Durchführungszeitraum fällt die Entscheidung für die 11. Klasse, in welcher der Mentor auch als Klassenlehrer tätig ist, sowie den Deutschleistungskurs der 12. Jahrgangsstufe. In Absprache mit meinem Kommilitonen entscheide ich mich für die 11. Klasse. Die weitere Grobplanung sieht anschließend vor, diese Lerngruppen in der ersten Praktikumswoche
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umfassend zu besichtigen. Dadurch ist gewährleistet, dass bereits im Vorfeld eine Beziehung zur jeweiligen Lerngruppe aufgebaut werden kann. Ab der zweiten Woche beginnen schließlich die in sich geschlossenen Unterrichtseinheiten. Die Themenschwerpunkte indes ergeben sich bezüglich beider Lerngruppe erst wenige Wochen vorher. In beiden Fällen steht die Behandlung einer Ganzschrift an. Für die 11. Klasse ist Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ vorgesehen, im Leistungskurs Fontanes Roman „Effi Briest“.
Aufgrund zahlreicher universitärer Verpflichtungen zum Semesterende sowie einer fachpraktischen Prüfung in meinem Zweitfach fehlt die Zeit für eine umfassende und vertiefte inhaltliche Einarbeitung. Dies geschieht schließlich schwerpunktmäßig parallel zu den Hospitationen der ersten Praktikumswoche.
Im Vorbereitungsseminar werden unterdessen verschiedene methodische und didaktische Ansätze und Aspekte des Deutschunterrichts behandelt und erprobt. Zahlreiche Beispiele und Simulationen wirken sich auch wegbereitend auf den eigenen Unterricht aus. Schnell bereichern auch die Themenvorschläge anderer Studierender das Seminar und münden teilweise in die Konstruktion fertiger Einzelstunden und Reihen. Exemplarisch werden einige Ideen in wenn auch kurze Unterrichtssimulationen umgesetzt. Der knapp bemessene Zeitrahmen des Seminars von nur einem Semester beschränkt die Arbeit massiv. Dennoch zeichnet sich die Vorbereitung durch eine enorme Materialfülle und methodischdidaktische Vielfalt aus.
In einer Blockveranstaltung unmittelbar vor Praktikumsbeginn berichten darüber hinaus Studierende des vorjährigen Durchganges von ihren Erfahrungen und stehen für Fragen zur Verfügung. Das Praktikum beginnt schließlich nach der letzten Vorlesungswoche des Wintersemesters und ermöglicht für sechs Wochen Einblick in die Berufsrealität eines Deutschlehrers.
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1.1 Erwartungen vor dem Praktikum
Die Erwartungen bezüglich des Fachpraktikums gestalten sich in meinem Fall vorerst ambivalent. Im Vorfeld dominiert sowohl die Neugier darauf, für wenige Wochen in die Rolle des angestrebten Berufes zu schlüpfen und als Fachlehrer den Unterricht einer Klasse zu gestalten.
Doch auch vermischte Gefühle stellen sich ein. Beispielsweise Unsicherheiten bezüglicher der Frage, ob die im Studium und den vorangegangenen Praktika erworbenen unterrichtspraktischen Fähigkeiten ausreichen, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Nicht zuletzt auch Bedenken gegen die Freiheit und Herausforderung, eine in sich geschlossene Unterrichtsreihe selbständig zu gestalten. Schließlich sehen die Vorgaben des didaktischen Zentrums zwar Unterrichtsversuche im genannten Umfang vor, doch sicherlich ist eine vollständige Unterrichtsreihe als erhöhte Anforderung anzusehen. Die bisherigen Erfahrungen in der Lehrerrolle sind dünn gesät. In nur wenigen Seminaren geschieht eine Verknüpfung der Inhalte mit dem Berufsfeld Schule. Nur selten bieten sich Möglichkeiten zu Hospitationen oder gar eigenem Unterricht. Hinzu kommt die stark fachwissenschaftliche Orientierung des Studiums für das Lehramt an Gymnasien. Meine überwiegend positiven Erfahrungen in der Lehrerrolle sowie im Umgang mit Schülern resultieren zum einen aus Praktika und Einzelunterricht an der IGS Wilhelmshaven und der KGS Wiesmoor, zum anderen aber auch aus der Betreuung zahlreiche Sprachreisen und Klassenfahrten mit Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschülern 1 . Sie sorgen für einen hohen Grad an Motivation und verdrängen bzw. überlagern vorhandene Bedenken. Nicht zuletzt zeichnet sich das Fachpraktikum durch eine besondere Relevanz aus, da es als überwiegend alleinige Überprüfungsinstanz innerhalb des Studiums eine zumindest vorläufige Einschätzung über die spätere erfolgreiche Tätigkeit als Lehrerin bzw. Lehrer bietet. Mentor, Schule und Hochschullehrende bescheinigen zum Ende des Praktikums, ob die gezeigten unterrichtspraktischen Fähigkeiten eine spätere erfolgreiche Tätigkeit im Schuldienst erwarten lassen. Vor diesem Hintergrund ergibt sich auch erstmalig im Lehramtsstudium eine verlässliche Aussage über die getroffene Berufsentscheidung.
1 Die Bezeichnung Schülerinnen oder Schüler sowie Lehrerinnen oder Lehrer erfolgt eingedenk der Tatsache, dass Universität und Schulen selbstverständlich von männlichen und weiblichen Personen besucht werden. Zur Übersichtlichkeit des Textbildes werden in diesem Bericht entweder nur die weibliche, nur die männliche oder beide Formen nacheinander verwendet. Die gewählte Form enthält somit keine geschlechtsdifferenzierende Aussage; anderenfalls wird an entsprechender Stelle gesondert darauf hingewiesen.
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2. Bemerkungen zur Schule
2.1 Die Kooperative Gesamtschule Rastede
Die KGS Rastede ist eine der großen kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen. Zu Beginn des Schuljahres 1974 / 75 haben erstmals Schülerinnen und Schüler die dortige Orientierungsstufe besucht. Dieser Jahrgang wurde zwei Jahre später als erster in die Klasse 7 der neu gegründeten KGS aufgenommen. Zuvor gab es in der Gemeinde Rastede kein vollständiges Schulangebot. Lediglich eine Real- und eine Grundschule waren vorhanden. Insbesondere zum Besuch weiterführender Schulen mussten die Kinder und Jugendlichen mit zum Teil nicht unerheblichen Fahrtaufwendungen auf die umliegenden Städte und Gemeinden, beispielsweise Oldenburg, ausweichen.
Mit Einrichtung der KGS Rastede wurde diese Angebotslücke geschlossen. Um einen rentablen Betrieb des vollständigen Schulangebotes in der Flächengemeinde zu gewährleisten, ordnete man auch Nachbargemeinden, beispielsweise Wiefelstede, dem Angebot der KGS zu. Dies betrifft überwiegend den gymnasialen Zweig.
In den nunmehr 25 Jahren ihres Bestehens ist die KGS Rastede kontinuierlich gewachsen und einer ständigen Veränderung unterlegen. Heute besuchen mehr 1500 Schülerinnen und Schüler diese Schule. Als Angebotsschule erreicht die KGS mehr 90 % der vor Ort ansässigen Kinder und Jugendlichen.
Am Standort Feldbreite ist die noch existierende Orientierungsstufe mit den Jahrgängen 5 und 6 untergebracht, in der Wilhelmstrasse, dem ursprünglichen Standort, die Jahrgänge 7 bis 13. Das Kollegium der Schule umfasst ca. 110 Lehrerinnen und Lehrern, mehrere Sekretärinnen, je zwei Schulassistenten, Hausmeister und Gärtner.
Der Hauptstandort Wilhelmstrasse besteht aus einer Kumulation mehrerer Bauabschnitte um den alten Kern der Realschule. Diese spiegeln verschiedene Architekturtrends wider. Als neuester Bauteil präsentiert sich die in den 90er Jahren errichtete Cafeteria, ein lichtdurchfluteter Großraumbereich.
Die Cafeteria ist gleichzeitig Bestandteil eines hochaktiven Schullebens, an dessen Gestaltung auch mehrere Institutionen aus der Gemeinde beteiligt sind. Ein Großbäcker beliefert die Cafeteria mit Backwaren zum Selbstkostenpreis. Mehr als 50 Eltern sorgen an 5 Tagen pro Woche im Schichtbetrieb vormittags für das leibliche Wohl von SchülerInnen und Lehrerkollegium. Außerdem pflegt die Schule zahlreiche Kontakte mit regionalen Betrieben, Institutionen und Vereinen und unterhält mehre Bands und Theatergruppen.
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2.2 Ein Schulkonzept im Umbruch?
Die KGS Rastede ist eine Gesamtschule, in der gemeinsames Lernen aller Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulzweige auf einem Campus praktiziert wird. Verschiedene schulzweigunabhängige Kurse fördern die gegenseitige Anerkennung und Achtung untereinander. Dieser gemeinsame Unterricht findet im Bereich der musisch - kulturellen Bildung statt, außerdem in Sport sowie verschiedenen Arbeitsgemeinschaften. Die gemeinsame Lernerfahrung ist der kooperativen Gesamtschule ein besonderes Anliegen. Zwecks Intensivierung schulzweigübergreifender Kontakte bilden je eine Hauptschul-, eine Realschul- sowie eine Gymnasialklasse ein gemeinsames Haus. Diese organisatorische Einheit spiegelt sich sowohl hinsichtlich der Klassenlage im Gebäude als auch der Überlegungen zum Lehrereinsatz wieder.
Die KGS gleicht dem traditionellen Schulwesen damit insofern, als die Schulzweige Hauptschule, Realschule und Gymnasium nebeneinander in einem Gebäude bestehen und die gleichen Rahmenrichtlinien, Anforderungen an die Schüler, gleiche Versetzungsordnungen und gleiche Abschlüsse wie bei herkömmlichen Schulen zugrunde liegen. Im Gegensatz zur bloßen räumlichen Nebeneinandergruppierung dreier Schulformen existiert jedoch nur lediglich eine Schulordnung, ein Kollegium für alle Schulzweige, ebenso nur eine Schulleitung. Es finden gemeinsame Gesamt- und Fachkonferenzen statt, schulzweigübergreifende Eltern- und Schülervertretung sowie gemeinsame Klassenfahrten und Stundentafeln sind Bestandteil integrativer Bestrebungen.
Wichtiger Aspekt ist die Durchlässigkeit der Schullaufbahnen. Bis zur 9. Jahrgangsstufe können Schülerinnen und Schüler die Schulzweige problemlos wechseln, da die Schulzweigcurricula aufeinander abgestimmt sind. Dies beinhaltet die Chance, Fehler bei der Wahl der Schulform problemlos korrigieren zu können. Ein Schulformwechsel bringt keine Veränderung der gewohnten Schulumgebung mit sich, die bestehenden sozialen Kontakte bleiben erhalten.
Zurzeit besuchen ca. 30 % aller Schüler den Hauptschulzweig, ebenso ca. 30 % den Gymnasialzweig. Damit ist die Realschule insgesamt zahlenmäßig am stärksten vertreten. Die Verteilung an der KGS weicht damit deutlich von der Verteilung im eher urbanen Oldenburger Raum ab, wo deutlich weniger Schülerinnen und Schüler die Haupt- und Realschule anwählen.
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Die Kooperation der Schulzweige auf einem Campus erscheint indes nicht nur aus pädagogischer Sicht sinnvoll. Auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ist der Schulform KGS eine weitgehend positive Erscheinung zu attestieren. So liegen beispielsweise die Kosten pro Kopf für die Schüler in allen Zweigen deutlich niedriger, als bei vergleichbaren autonomen Schulformen. Gleiches gilt für die Effizienz in der Verteilung von Lehrdeputaten. Nicht zuletzt schneidet die Schulform KGS in der Raumökonomie und den Nebenkosten durchaus günstig ab. Ein Gebäudekomplex inklusive Hauspersonal für 1500 Schüler ist kostengünstiger, als drei Einzelkomplexe für jeweils 500.
Auch bei den Lehr- und Lernmitteln profitieren die Schulzweige voneinander. Als Beispiel sind hier insbesondere Anschaffungen des Gymnasialzweiges in den Naturwissenschaften zu nennen, von denen dann auch der Biologie-, Physik- und Chemieunterricht in den anderen Zweigen nutznießt. In autonomen Real- und Hauptschulen stünden solche Lernmittel in aller Regel nicht zur Verfügung.
Die positive Bilanz der kooperativen Gesamtschule stützt sich jedoch offensichtlich in naher Zukunft überwiegend nur noch auf die zuletzt genannten Aspekte. Die anstehende Schulstrukturreform sowie massive Streichungen im Bildungswesen sind Hauptthema zahlreicher Gespräche und Konferenzen während meines Praktikumszeitraumes. Sollten die die geplanten Einsparungen in letzter Konsequenz umgesetzt werden, muss die Schule einen nicht unerheblichen Teil ihrer integrativen Bestrebungen aufgeben. Ebenso leidet die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. Förderstunden, Projektarbeit oder Hausaufgabenbetreuung sind nur einige Punkte, die infolge der aktuellen Debatte gefährdet erscheinen.
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3. Hospitationen mit Auswertung
Die Hospitationen als wichtiger Bestandteil des Fachpraktikums erfolgen über den gesamten Praktikumszeitraum verteilt, an vielen Schultagen auch parallel zu den eigenen Unterrichtsversuchen. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der ersten Woche, in der noch kein eigener Fachunterricht stattfindet. Vor allem diejenigen Lerngruppen, die anschließend von mir und meinem Kommilitonen unterrichtete werden sollen, werden einer vertieften Beobachtung unterzogen. Trotz des Praktikumsschwerpunkts im Fach Deutsch bemühe ich mich auch um die Besichtigung einer Reihe von Stunden in meinem Zweitfach Kunsterziehung.
Bei den besichtigten Stunden handelt es sich um Klassen und Lerngruppen der Sekundarstufe I und II, in der Oberstufe auch um verschiedene Kursformen wie Grund, Prüfungs- und Leistungskurse. Darüber hinaus nehme ich ebenso regelmäßig am weiteren Fachunterricht meines Mentors teil.
Neben allgemeinen Aspekten der Unterrichtsbeobachtung lege ich für die meisten Besichtigungen einen Beobachtungsschwerpunkt fest, welcher auch in der Stundendarstellung und Auswertung festgehalten ist. Viele Fachlehrer stehen vor oder nach dem Unterricht für Besprechungen zur Verfügung und gewähren dabei auch Einblick in ihre Planungen. Von besonderem Interesse ist oftmals die Differenz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Daneben experimentiere ich mit Formen von Beobachtungsrastern, wie sich auch bei der Planung eigenen Unterrichts zum Einsatz kommen.
Manche Fachlehrerinnen und Fachlehrer empfinden einen Unterrichtsbesuch zu meinem und unserem Bedauern als eher unangenehm. So erhalten wir auf verschiedene Anfragen dauernden Aufschub oder verschiedene ausweichende Absagen. Manche KollegInnen reagieren gar überhaupt nicht auf entsprechende Anfragen. Offensichtlich wird eine Stundenbesichtigung mitunter als Störung der intimen Unterrichtsatmosphäre erlebt. Dennoch sind die Reaktionen des Kollegiums auf uns als Praktikanten insgesamt sehr positiv. Eine Auswahl von vier exemplarischen Stunden soll im Folgenden präsentiert werden.
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3.1 Politik, Klasse 9 - Gesetzgebungsverfahren in der EU
Hospitation im Fach Politik
Klasse 11 C, 21 Schülerinnen und Schüler. 6 Jungen, 15 Mädchen.
Thema der Stunde: Gesetzgebungsverfahren in Deutschland und der EU Thema der Reihe: Die EU und ihre Institutionen
Stundenziel: Schüler sollen Gesetzgebungsverfahren in Deutschland reproduzieren und
vertiefen, um anschließend einen Transfer auf die europäische Ebene zu leisten. Voraussetzungen: Leistungs- und Wissensstand im Fach noch eher niedrig. Kurz vor der anstehenden Klausur müssen noch wichtige Aspekte zum Thema nachgeholt werden.
Verlaufsübersicht:
Einstiegsphase:
• Auswertung der gestellten ersten Hausaufgabe. Ca. 1/3 der Lerngruppe hat die Hausaufgaben nicht ausgeführt, Lehrer notiert
• Schüler referiert das Gesetzgebungsverfahren in Deutschland, verschiedene andere SchülerInnen ergänzen.
• Kleiner Exkurs in Aufbau des Bundesrates in Vortragsform. Lehrer stellt Frage, wie sich der BR zusammensetzt. Anschließend kommt es zu Begriffsklärungen bezüglich Mehrheiten bei Grundgesetzänderungen, Ältestenrat , Fraktionen, Lesungen im BT
Erarbeitungsphase:
• Aufbau eines Tafelbildes zur Gesetzgebung von der Gesetzesinitiative bis zum Inkrafttreten. Unterrichtsgespräch und Lehrervortrag wechseln sich dabei ab
• Lehrer gibt weitere Impulse: Was ist ein Entscheidungsgesetz? Wo liegen die Stärken und Schwächen dieses Systems? Wo liegen die Vorteile des Föderalismus? Schüler referieren: Schwächen (Dauer von Gesetzgebungsverfahren) und Stärken (zahlreiche Kontrollinstanzen, Schutz vor Populismus durch Zeitversetzte Wahlen Bund / Länder)
• Anschließend Möglichkeit, das Tafelbild abzuschreiben
Große Pause 15 Minuten
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• Unterrichtsgespräch, angestoßen durch weitere Impulse: Was ist Föderalismus? Wo liegen die Vorteile des Föderalismus? Heftige Unterbrechung des Gespräches durch Zeugensuche eines Belästigungsfalls per Lautsprecher sowie einen Schüler, der schwere Rucksäcke gegen die Tür des Klassenraumes wirft. L. greift disziplinarisch ein.
Vertiefung / Transfer:
• L. fragt nach dem zweiten Teil der Hausaufgabe. Schüler referieren
• Impulse: Welche Rolle spielt das Europaparlament? Welche Rangfolge der Politikfelder sehr ihr? Schüler erhalten Zeit, ihre Beiträge zu formulieren
• Vergleich der EU mit Bundesinstanzen: Erörterung der Verhältnisse von Volksnähe, Demokratie,
• Thematisierung der Problematik der möglichen Bevorzugung kleinerer Staaten durch den Ministerrat. Verfolgung übernationaler und volksnaher Interessen durch das Europaparlament
• Ausblick: Verortung des IST Zustandes im Verhältnis zu bisherigen Entwicklungen in Europa: Gründung der Bundesrepublik, Aufnahme der BRD in die EWG, Einführung des Euro. Evaluation des europäischen Einigungsprozesses
3.1.1 Auswertung und Beobachtungsschwerpunkt
Die Doppelstunde Politik findet an einem Donnerstagmorgen in den ersten beiden Unterrichtstunden statt und ist Bestandteil des Fachunterrichts meines Mentors. Insgesamt sind die beiden Stunden von der Methode des Unterrichtsgespräches dominiert. Lehrervortrag und Moderation wechseln einander ab, die Ergebnisse werden an der Tafel fixiert, um die spätere Reproduzierbarkeit insbesondere im Hinblick auf die anstehende Klausur zu gewährleisten. Es ergeben sich hochinteressante, vertieft - verdichtete Gesprächsansätze, teilweise mit dem Charakter eines Exkurses, die der Lehrer aus didaktischen Gründen trotz Zeitknappheit ermöglicht und durch entsprechende Impulse forciert.
Beobachtungsschwerpunkt ist in dieser Stunde Anzahl und Verteilung der Schüleräußerungen. Es handelt sich dabei um eine quantitative Erhebung. 2
In beiden Stunden beteiligen sich insgesamt ungefähr die Hälfte alle Schülerinnen und Schüler mit mindestens einer Wortmeldung. Interessanterweise ist dabei eine signifikante Verschiebung der Beiträge in der zweiten Stunde zu beobachten. Während in der ersten Stunde die Gesamtzahl der 25 Meldungen auf ein breiteres Spektrum verteilt ist, konzentriert sich ein Großteil der 42 Wortbeiträge in der zweiten Stunde auf weniger Schüler. Deutlich ist, dass mündlich schwächere Lerner ihre Äußerungen eher in der ersten Stunde tätigen. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Nachgespräch mit dem Mentor.
Mögliche Erklärungsansätze liegen hier einerseits in der Disposition der Stunden im Schulvormittag. Die erste Stunde als morgendlicher Unterrichtseinstieg zieht hier eine deutlich schlechtere Bilanz. Andererseits tragen möglicherweise unterrichtsstrukturelle Gründe zu diesen Differenzen bei. So dominieren in den Unterrichtsgesprächen in Stunde eins eher die Anforderungsbereiche I und II, während der Schwerpunkt von Stunde zwei überwiegend im Anforderungsbereich II und III liegt.
Diese Schlussfolgerungen dürfen sich jedoch nicht auf monokausale Erklärungsmuster stützen. Zahlreiche weitere Einflussfaktoren wie beispielsweise Tagesform und Lernatmosphäre oder auch eine mögliche Beeinträchtigung der Lerner durch die Hospitation selbst bleiben bei der Besichtigung nur einer Stunde weitgehend verborgen.
2 Siehe Diagramm.
3.2 Deutsch, Klasse 9 - Goethes „Nähe des Geliebten“
Klasse 9 A3, 20 Schülerinnen und Schüler. 8 Jungen, 12 Mädchen.
Thema der Stunde: Lyrikanalyse und -Interpretation
Voraussetzungen: Extrem lebhafte Lerngruppe; besondere Disziplinprobleme mit
Verlaufsübersicht:
Einstiegsphase:
• Bekanntgabe der Klausurauswertung, Anschreiben des Zensurenspiegels sowie der Fehlerwertung; Schüler übernehmen Tafelbild
• Anschließend nochmals Klärung von Fragen zur Klassenarbeit
• Überleitung zur Erarbeitungsphase
Textgrundlage:
Erarbeitungsphase
• Aufgriff des Gedichtes von Goethe „Nähe des Geliebten“ sowie der produktionsorientierten Hausaufgabe, eine Strophe hinzuzudichten
• Schüler bilden einen Stuhlkreis um die Pinwand, an welcher die handschriftlichen Ergebnisse angebracht sind; die jeweiligen Urheber tragen ihre Version vor; Lehrperson kommentiert teilweise mit Worten wie „gut“, „schön“, „wunderbar“ und ermuntert weitere Schülerinnen und Schüler zum Vortragen
• Lehrerfrage: „Welches Gedicht gefällt Euch am meisten und warum?“ Forcierung von Kriterienbildung, beispielsweise Silben, Melodie, Reimform (…)
• Lehrerfrage II: „Welche Strophen der selbst verfassten Gedichte fügen sich besonders harmonisch in das Gedicht von Goethe ein?“; Begründung; weitere Verfestigung von Kriterien: Reimschema, Inhalt, Abstraktionsgrad, Vergleiche, Metaphern, Form (…); anschließend Versuch einer Systematisierung der Nebensätze im Gedicht: Nennung von Temporal-, Konditional-, Kausalsätze (…)
• Wechsel der Sozialform in Tafelrichtung: Einführung und Erläuterung des Begriffs „Lyrisches Ich“; anschließende Lehrerfrage: „Wen mag das lyrische Ich ansprechen?“ „Welche der produktiven Ergebnisse passen zum lyrischen Ich?“; Resümee durch Lehrperson: Vergleiche bieten die Möglichkeit, Gestaltungsmerkmale herauszuarbeiten
Vertiefung / Transfer:
• Untersuchung des Gedichtaufbaus (Strophen, Verse, Reim, Silbenzahl (…)); Erarbeitung durch Schülerbeiträge, Fixierung als Tafelbild
• Lehrervortrag über die Entstehungsvoraussetzungen von Lyrik bei Goethe, anschließend Frage: „Was glaubt ihr, warum Goethe ein sehr regelmäßiges Gedicht (Assoziation Ruhe) verfasst hat?“ Problematisierung der Konstruktion, anschließend offene Fragen mit Unterrichtsgespräch: „An wen könnte das Gedicht gerichtet sein? Ist das lyrische Ich traurig oder eher fröhlich?“; Problematisierung des Sehnsuchtsbegriff, Positiv - Negativ
PAUSE - 10 Minuten
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• Lehrperson spricht Ersatzproben an: „Was vermag die Sonne?“ Scheinen, Strahlen = neutral / Glitzern = Positiv / brennen, knallen = Negativ
• Problematisierung von Klangfarben: Lehrerfrage: „Welche Vokale sind hell, welche dunkel?“, Schülerbeiträge, mündliche Systematisierung
• Lehrerfrage: Warum wird ein Geliebter (männlich) angesprochen? Feststellung: Lyrisches Ich ist ungleich Autor
• Ansprechen der Problematik der Autorintention im offenen Unterrichtgespräch; Bewusstes oder unbewusstes Verdecken, Verstecken von Aussagen, Wortumstellung aus Reimgründen; Lehrervortrag: Gedicht als Kommunikationsschritt, Visualisierung an der Tafel: Goethe Text Leser; Text, Leser und Autor sind demnach Teile einer Kommunikation, insofern ist weniger wichtig, was gemeint wurde sondern eher, was daraus verstanden wird
• Abschlussresümee: Überprüfung des Vorverständnisses anhand des Textes, Aneignung von Werkzeugen und Analyseschlüssel im DU
Anschnitt neues Thema:
• Erich Fried: „Es ist was es ist“ (Deutschbuch), Rezitieren, Vortrag
• Sammeln der Leseeindrücke
• Kurzes Unterrichtsgespräch über inhaltliche Aspekte, z.B. personifizierte Instinkte, philosophische Fragen („Ist Vernunft gegeben?“)
• Wechsel der Sozialform zur Gruppenarbeit; Aufgabenstellung: „Beschreibt den inhaltlichen und formalen Aufbau des Gedichtes!“
• Nach zehnminütiger Arbeitsphase erteilt Lehrer d. Anweisung, den verbleibenden Rest der Aufgabe als Hausaufgabe zu lösen
• Kurzfristige Besprechung der anstehenden Englischklausur
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3.2.1 Auswertung und Beobachtungsschwerpunkt
Die Hospitation erfolgt an einem Freitagvormittag in der dritten und vierten Stunde. Zu diesem Zeitpunkt verhält sich die Lerngruppe sehr lebhaft. Die besichtigte Deutschstunde liegt unmittelbar nach einer Klassenarbeit. Bei zahlreichen Schülerinnen und Schülern besteht noch Klärungsbedarf zum Umgang mit Fehlern und der geforderten Berichtigung. Als weiterer Ablenkungsgrund ist zu nennen, dass während der Stunde eine öffentliche Schuldurchsage wegen sexueller Belästigung einer Schülerin im Forum sowie Zeugensuche erfolgt.
Als Beobachtungsschwerpunkt wähle ich kurzfristig die Disziplinproblematik mehrer männlicher Schüler, sowie ihre Auswirkungen auf das Unterrichtsgeschehen und den Rest der Lerngruppe. Weitere wichtige Aspekte der Stundenbesichtigung sind die sehr gleichmäßige und breit verteilte mündliche Beteiligung der Schülerinnen und die Verknüpfung produktionsorientierter und analytischer Zugangsweisen zur Lyrikinterpretation sowie die außerordentliche Ruhe und Präsenz, welche der betreffende Lehrer ausstrahlt.
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Innerhalb der Klasse existiert eine Gruppe von sieben Jungen, die, wie auf dem Sitzplan 3 zu erkennen ist, auf der Türseite des Klassenraumes sitzen. Einige dieser Jungen scheinen ausländischer Herkunft zu sein; es zeigen sich Defizite in der mündlichen Sprachbeherrschung. Bereits zu Beginn der Stunde strahlt diese Kleingruppe sehr viel Unruhe aus. Durch Zwischenrufe, lautes Lachen und offensichtliche, desinteressierte Nebengespräche stören diese Jungen den Unterricht nahezu permanent. Auch vermehrte, zum Teil vehemente Aufforderungen des Lehrers, diese Störungen zu unterlassen, halten sie zumindest nicht davon ab, weitere lautstarke Nebengespräche zu führen. Innerhalb der Doppelstunde erfolgen verschiedene Störungsphasen unterschiedlicher Intensität, an deren Höhepunkt es meist zu einem Eingriff durch den Lehrer kommt. Insgesamt vollzieht sich eine Steigerung der Unruhe.
Während der Auswertung der selbst verfassten Strophen verhalten sich die Jungen noch verhältnismäßig ruhig und fallen im Stuhlkreis kaum auf. Keiner der Jungen hat die Hausaufgabe gemacht. Die Lehrperson versucht durch gezieltes Drannehmen, spontane Äußerungen zu den vorhandenen Strophen zu generieren.
Nach der Rückkehr in die normale Sitzordnung beeinträchtigt die Gruppe massiv die Unterrichtsgespräche. Der Störungsgrad ist hierbei dermaßen hoch, dass sogar Mitschülerinnen versuchen, dem durch Querrufe Einhalt zu gebieten. Dies zeigt sich deutlich wirksamer als die Lehrerintervention.
Während der Unterrichtsgespräche versucht die Lehrperson durch gezieltes Auffordern einiger Jungen deren Aufmerksamkeit auf das Unterrichtsgeschehen zu lenken. Da sie spontan nicht zu einer Äußerung in der Lage sind, gewährt er ihnen zur Formulierung von Wortmeldungen einige Minuten Zeit.
Die darauf folgenden Beiträge weisen erwartungsgemäß deutliche inhaltliche Schwächen sowie Wissensdefizite auf. Bei zwei der sieben Jungen verfügen sie allerdings über eine außerordentliche destruktive Qualität. Auch in den mündlichen Beiträgen versuchen diese Jungen fortwährend, die Klasse durch Wortwitz auf sich aufmerksam zu machen. Sie gestalten ihre Äußerung auch als indirekten Angriff auf den Lehrer. Die eher stilleren, als mitverantwortliche Störer auftretenden Schüler sind auch nach mehrfacher Aufforderung kaum zu einer Aussage in der Lage.
Den Höhepunkt der disziplinarischen Ereignisse bildet die Arbeitsverweigerung während der Gruppenarbeitsphase. Nun greift der Lehrer massiv ein und droht den sieben Jungen bei
3 Meine Beobachtungsposition entspricht dem Kreuz auf dem Sitzplan.
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weiterer Störung mit sofortigem Unterrichtsausschluss sowie einer schlechten Note. Diese Intervention hat schließlich Erfolg für den Rest der Stunde.
Aus den getätigten Beobachtungen lassen sich unterschiedliche Schlüsse ziehen. Eine Annahme ist, dass höchstens zwei bis drei Jungen innerhalb der Kleingruppe eine Leitfunktion übernehmen. Bei ihnen liegt ein Großteil des Störungspotenzials. Sie fordern die stilleren Jungen gezielt zu auffälligem Verhalten auf respektive beziehen sie in Störungen mit ein. Innerhalb der Gruppe entsteht darüber hinaus eine Form von Wettstreit über die effizienteste Störform. Die so angestachelten Jungen führten vermutlich kaum eine Unterrichtsstörung in Eigenregie durch.
Interessanterweise erscheinen diejenigen Schüler als die aktivsten Störer, deren Wortmeldungen sich durch destruktiven Charakter auszeichnen. Möglicherweise ist hier von einer Unterforderung der betreffenden Jungen auszugehen. Ihr abgelenktes Verhalten wirkt sich auf die restlichen Jungen der Kleingruppe aus und lässt hier eine größere Zone von Unruhe entstehen.
Für eine verlässliche Aussage bzw. die Untermauerung dieser oder anderer Ansätze systemischer Sichtweisen ist jedoch eine gezielte und ausgedehnte Beobachtung notwendig. Der Zeitraum von nur einer Doppelstunde erscheint für eine differenzierte Betrachtung kaum ausreichend.
3.3 Kunst, Klasse 8 - Simultanansicht
Hospitation im Fach Kunst
Zusammengesetzter Kurs der 10. Klassen, bestehend aus Real- und Hauptschülern Ca. 20 Mädchen, 1 Junge
Thema der Stunde: Simultanansicht.
Stundenziel: Schüler sollen selbständig den Weg von der Darstellung des konkreten Gegenstandes hin zum Abstraktum beschreiten.
Reihenziel: Einstellung zu moderner Kunst verändern, Bewusstsein für einen Prozesscharakter entwickeln, verwerfen der Vorstellung, das könne ich / mein Kind auch. Voraussetzungen: Crashkurs durch die Kunstgeschichte anhand des Stilllebens. Erkennen, was hat sich in den Epochen verändert. Der Gegenstand und seine Reduktion.
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Einstiegsphase:
• Disziplinierung, L. wiederholt Thema der letzten Stunde. „Was ist eine Simultanansicht?“ Schülerbeiträge
• Im ersten Schritt skizzieren die Schüler die Gegenstände Flasche und Gewicht. Die Arbeitsaufträge lauten nacheinander: „Löst den Gegenstand in seine geometrischen Formen auf.“ „Überlegt Euch eine Komposition zu den Formen.“ „Lasst Euch dabei von bekannten Malereien inspirieren!“
• Lernarrangement: Gegenstände auf dem Lehrertisch; In den 15 Minuten Zeichenphase werden die Flasche und das Gewicht alle zwei Minuten in ihrer Lage zu den Schülern verändert. Die Schüler skizzieren in Einzelarbeit auf ihren Zeichenblöcken. L. klärt auftauchende Fragen, gibt Hinweise
Erarbeitungsphase:
• In einer Zwischenauswertung versammeln sich die Schüler im Stehkreis. Arbeitsauftrag: „Zeigt Euch gegenseitig die Ergebnisse. Formuliert, was Euch auffällt? Wo ist der Unterschied zum Zeichnen nur einer Ansicht? Wie verändert sich der Gegenstand?“ „Worin besteht der Unterricht zum normalen Abzeichnen?“ Zahlreiche Schülerbeiträge. Zwischenergebnis: Die Simultanansicht unterstützt das bessere Erfassen von Formen.
• L. fragt, ob S. die Übung wiederholen möchten, ob andere Techniken zum Einsatz kommen sollen. Die S. entscheiden sich für die Wiederholung der Übung, jedoch soll die Perspektive der Gegenstände schneller verändert werden
• Während der Zeichenphase präsentiert L. zusätzliche Gegenstände: Becher mit Pinseln, Emailbecher, Kleisterbürste.
• Schülerfrage: Wieso darf sich so etwas was Kunst nennen? Spontane Lehrerantwort: Kunst kann auch Experiment sein!
• L. gibt Anregungen zum Zeichnen: „Zieht Linien nicht in einem Stück durch, sondern versucht Euch an sie heranzutasten, durch zahlreiche Striche und Skribbeln 4 !“ „Übernehmt vorhandene Linien einer Ansicht und versucht, sie mit der neuen Ansicht zu verbinden!“ „Versucht in Eurem Perspektivwirrwarr einen Schwerpunkt herauszuarbeiten, indem ihr Schatten setzt!“; Klärung des Begriffs
• Einige Schülerinnen nutzen zusätzliche Techniken und Materialien wie Kreide und Kohle
4 Skribbeln = Zeichnen, Kritzeln, skizzieren.
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Arbeit zitieren:
Frank Kretschmann, 2004, Lebensraum Schule: Abschlussbericht über das Fachpraktikum Deutsch, München, GRIN Verlag GmbH
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