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Examensarbeit, 2003, 87 Seiten
Autor: Vanessa Pietsch
Fach: Pädagogik - Heil- und Sonderpädagogik
Details
Tags: Anthroposophische, Kunsttherapie, Menschen, Behinderung
Jahr: 2003
Seiten: 87
Note: gut
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-29513-0
ISBN (Buch): 978-3-638-72119-6
Dateigröße: 560 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Zu dem Thema "Anthroposophische Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung" gibt es meines Wissens - neben einigen Aufsätzen - nur das Buch von E.-L. Damm (1999). Ebenso, wie in den anderen Büchern zur allgemeinen anthroposophischen Kunsttherapie werden dem Leser zwar die Behandlungsanweisungen deutlich -es wird auch dargestellt, worauf sie abzielen - man erhält jedoch nicht ausreichende Informationen über den zu Grunde liegenden Hintergrund: Die Anthroposophie. Das anthroposophische Vokabular wird mit Selbstverständnis verwendet und größtenteils als bekannt vorausgesetzt. Dies erschwert erheblich, die beschriebenen Vorgehensweisen nachzuvollziehen. Daraus ergibt sich die Zielsetzung dieses Buches, die „anthroposophische Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung“ auch „Nichtanthroposophen“ verständlicher und durchschaubarer zu machen. Zum besseren Verständnis ist das vorliegende Buch in drei aufeinander aufbauende Stufen gegliedert. Auf der ersten Stufe sollen die für die Kunsttherapie relevanten anthroposophischen Hintergründe und Begriffe, die auf den Geisteswissenschaften Rudolf Steiners beruhen, erklärt werden. Auf der zweiten Stufe werden die Grundlagen der allgemeinen anthroposophischen Kunsttherapie für Kranke beschrieben, die wiederum die Basis für den Behandlungsansatz, der auf Menschen mit geistiger Behinderung abzielt, darstellt. Auf der dritten Stufe wird das anthroposophische Verständnis von „Geistiger Behinderung“ geklärt. So kann der spezifische Behandlungsansatz der „anthroposophischen Kunsttherapie für Menschen mit geistiger Behinderung“ nachvollziehbar und verständlich dargestellt werden. Zum Abschluss des Buches soll anhand von drei Fallbeispielen veranschaulicht werden, wie dieses Kunsttherapiekonzept mit Menschen mit geistiger Behinderung in der Praxis umgesetzt werden kann. Hinweis: Das anthroposophische Welt- und Menschenbild wird in diesem Buch weder hinterfragt noch beurteilt. Es geht um eine wertfreie Darstellung eines Therapieansatzes.
Textauszug (computergeneriert)
Wissenschaftliche Hausarbeit
Zur ersten Staatsprüfung
für das Lehramt an Sonderschulen
Anthroposophische Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung
- Die Grundlagen und Hintergründe der anthroposophischen
Kunsttherapie aufgezeigt an drei Fallbeispielen –
vorgelegt von
Vanessa Pietsch
Kiel, im September 2003
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung ... 1
II. Hintergründe der anthroposophischen Kunsttherapie ... 3
II.1 Definition: Hintergründe ... 3
II.2 Die Lehre der Anthroposophie ... 3
II.2.1 Der kosmische Ursprung des Menschen ... 5
II.2.2 Reinkarnation und Karma ... 6
II.2.3 Die Dreigliederung des Menschen ... 7
II.2.4 Die Viergliederung des Menschen ... 9
II.2.5 Die Sinne nach Rudolf Steiner ... 13
II.2.6 Die Stufen der Erkenntnis nach Rudolf Steiner ... 14
III. Grundlagen der anthroposophischen Kunsttherapie ... 17
III.1 Definition: Grundlagen ... 17
III.2 Definition Kunsttherapie ... 17
III.3 Anthroposophische Kunsttherapie ... 18
III.3.1 Zum Grundverständnis der anthroposophischen Kunsttherapie ... 18
III.3.2 Was bedeutet künstlerisches Arbeiten in der Anthroposophie? ... 19
III.3.2.1 Die Bedeutung der Sinne beim künstlerischen Tun ... 20
III.3.3 Die Hauptkünste ... 21
III.3.3.1 Malen ... 22
III.3.3.1.1 Die Bedeutung der Farbe beim Malen ... 24
III.3.3.2 Zeichnen ... 26
III.3.3.2.1 Formenzeichnen ... 26
III.3.3.2.2 Dynamisches Zeichnen ... 27
III.3.3.3 Farben und Formen ... 28
IV. Anthroposophische Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung ... 29
IV.1 Begriffsklärung: Geistige Behinderung ... 29
IV.2 Menschen mit geistiger Behinderung aus anthroposophischer Sicht ... 30
IV.2.1 Drei Behinderungsbilder aus anthroposophischer Sicht ... 32
IV.2.1.1 Der Menschen mit Autismus ... 32
IV.2.1.2 Der Menschen mit Epilepsie ... 34
IV.2.1.3 Der mongoloide Mensch ... 36
IV.3 Anthroposophische Kunsttherapie mit Seelenpflege–bedürftigen Menschen ... 37
IV.3.1 Zum Grundverständnis der anthroposophischen Kunsttherapie mit Seelenpflegebedürftigen Menschen ... 37
IV.3.2 Die Hauptkünste in Bezug auf die therapeutische Arbeit mit Seelenpflegebedürftigen Menschen ... 39
IV.3.2.1 Malen ... 39
IV.3.2.1.1 Nass-in-Nass Malen ... 39
IV.3.2.2 Zeichnen ... 41
IV.3.2.2.1 Formenzeichnen ... 42
IV.3.2.2.2 Dynamisches Zeichnen ... 42
IV.4 Phänomenologische Beobachtung und ihre Interpretation ... 42
IV.4.1 Interpretation der phänomenologischen Beobachtung in Bezug auf die Drei- und Viergliederung ... 43
IV.4.2 Punkt- und Kreistendenz ... 47
V. Anthroposophische Kunsttherapie mit Seelenpflege–bedürftigen Menschen, aufgezeigt an drei Fallbeispielen ... 50
V.1 Rahmenbedingungen ... 50
V.1.1 Institution Camphill ... 50
V.1.2 Mein Praktikum in der Camphill-Lebensgemeinschaft Alt Schönow ... 50
V.2 Fallbeispiele ... 51
V.2.1 Zum Begriff: „Fallbeispiel“ ... 51
V.2.2 Vorbemerkungen zu den Fallbeispielen ... 52
V.2.3 Fallbeispiel 1: Mario – Ein Mensch mit Autismus ... 52
V.2.3.1 Angaben zur Person ... 52
V.2.3.2 Phänomenologische Beobachtung und Interpretation ... 53
V.2.3.2.1 Phänomenologische Beobachtung ... 53
V.2.3.2.2 Interpretation nach der Dreigliederung ... 54
V.2.3.2.3 Interpretation nach der Viergliederung ... 54
V.2.3.2.4 Interpretation nach der Punkt- und Kreistendenz ... 55
V.2.3.3 Zur allgemeinen Therapieplanung ... 56
V.2.3.4 Zur Therapiestunde ... 57
V.2.3.4.1 Planung ... 57
V.2.3.4.2 Stundenverlauf ... 58
V.2.3.4.3 Abschließende Bemerkung ... 61
V.2.4 Fallbeispiel 2: Gesa –ein Mensch mit Epilepsie und Athetose ... 61
V.2.4.1 Angaben zur Person ... 61
V.2.4.2 Phänomenologische Beobachtung und Interpretation ... 62
V.2.4.2.1 Phänomenologische Beobachtung ... 62
V.2.4.2.2 Interpretation nach der Dreigliederung ... 63
V.2.4.2.3 Interpretation nach der Viergliederung ... 63
V.2.4.2.4 Interpretation nach der Punkt- und Kreistendenz ... 64
V.2.4.2.5 Interpretation nach den Vier Elementen ... 64
V.2.4.3 Zur allgemeinen Therapieplanung ... 65
V.2.4.4 Zur Therapiestunde ... 65
V.2.4.4.1 Planung ... 66
V.2.4.4.2 Stundenverlauf ... 67
V.2.4.4.3 Abschließende Bemerkung ... 69
V.2.5 Fallbeispiel 3: Pia –ein Mensch mit Epilepsie und Athetose ... 70
V.2.5.1 Angaben zur Person ... 70
V.2.5.2 Phänomenologische Beobachtung und Interpretation ... 71
V.2.5.2.1 Phänomenologische Beobachtung ... 71
V.2.5.2.2 Interpretation nach der Dreigliederung ... 71
V.2.5.2.3 Interpretation nach der Viergliederung ... 72
V.2.5.2.4 Interpretation nach der Punkt- und Kreistendenz ... 72
V.2.5.3 Zur allgemeinen Therapieplanung ... 73
V.2.5.4 Zur Therapiestunde ... 75
V.2.5.4.1 Planung ... 75
V.2.5.4.2 Stundenverlauf ... 76
V.2.5.4.3 Abschließende Bemerkung ... 77
VI. Schlussbetrachtung ... 78
VII. Literatur ... 79
I. Einleitung
Vor Beginn meines Studiums absolvierte ich ein einjähriges Praktikum in der Dorfgemeinschaft Camphill Copake/New York. Camphill ist eine Lebensgemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung, die auf der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie beruht. In dieser Einrichtung leben die Mitarbeiter mit den zu betreuenden Menschen in überschaubaren familienähnlichen Strukturen zusammen. Der gesamte Tagesverlauf ist auf die Bedürfnisse der zu Betreuenden ausgerichtet. Ich erlebte aus meiner damaligen Sichtweise ein optimal gestaltetes, ganzheitliches heilpädagogisches Konzept.
Nach einiger Zeit tauchten Fragen über bestimmte Vorgehensweisen auf, die für mich als Außenstehender nicht logisch nachzuvollziehen waren. In besonders komprimierter Form erlebte ich dies während meiner Hospitationen im kunsttherapeutischen Bereich. Die starr vorgegebene und streng angeleitete Behandlungsmethode ließ nach meinen Beobachtungen keine Entscheidungsfreiheit für den zu therapierenden Menschen. Farben, Themen, Technik usw. wurden vorgegeben. Selbst der Bewegungsablauf des Malens und Zeichnens durfte häufig nicht selbst vollzogen werden. Oft übernahm der Therapeut die Handführung. In dieser Therapie wurde kein Raum gegeben, Emotionen auszuleben. Währenddessen wurde mir deutlich, dass die anthroposophische Kunsttherapie nicht auf medizinische und psychologische Erkenntnisse aufbaut, sondern ausschließlich weltanschaulich abgeleitet wird.
Hier liegt der Ursprung meines Interesses, mich mit der „anthroposophischen Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung“ auseinander zu setzen.
Speziell zu diesem Thema gibt es meines Wissens - neben einigen Aufsätzen - nur das Buch von E.-L. Damm (1999). Ebenso, wie in den anderen Büchern zur allgemeinen anthroposophischen Kunsttherapie werden dem Leser zwar die Behandlungsanweisungen deutlich -es wird auch dargestellt, worauf sie abzielen - man erhält jedoch nicht ausreichende Informationen über den zu Grunde liegenden Hintergrund: Die Anthroposophie. Das anthroposophische Vokabular wird mit Selbstverständnis verwendet und größtenteils als bekannt vorausgesetzt. Dies erschwert erheblich, die beschriebenen Vorgehensweisen nachzuvollziehen.
Daraus ergibt sich die Zielsetzung meiner Arbeit, die „anthroposophische Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung“ auch „Nichtanthroposophen“ verständlicher und durchschaubarer zu machen.
Zum besseren Verständnis ist die vorliegende Arbeit in drei aufeinander aufbauende Stufen gegliedert.
Auf der ersten Stufe sollen die für die Kunsttherapie relevanten anthroposophischen Hintergründe und Begriffe, die auf den Geisteswissenschaften Rudolf Steiners beruhen, erklärt werden.
Auf der zweiten Stufe werden die Grundlagen der allgemeinen anthroposophischen Kunsttherapie für Kranke beschrieben, die wiederum die Basis für den Behandlungsansatz, der auf Menschen mit geistiger Behinderung abzielt, darstellt.
Auf der dritten Stufe wird das anthroposophische Verständnis von „Geistiger Behinderung“ geklärt. So kann der spezifische Behandlungsansatz der „anthroposophischen Kunsttherapie für Menschen mit geistiger Behinderung“ nachvollziehbar und verständlich dargestellt werden.
Zum Abschluss der Arbeit soll anhand von drei Fallbeispielen veranschaulicht werden, wie dieses Kunsttherapiekonzept mit Menschen mit geistiger Behinderung in der Praxis umgesetzt werden kann.
Für diese Erprobung absolvierte ich ein fünfwöchiges Praktikum in der Camphill-Lebensgemeinschaft Alt Schönow in Berlin.
Hinweis:
Das anthroposophische Welt- und Menschenbild wird in dieser Arbeit weder hinterfragt noch beurteilt. Es geht um eine wertfreie Darstellung eines Therapieansatzes.
II. Hintergründe der anthroposophischen Kunsttherapie
Die Hintergründe der anthroposophischen Kunsttherapie sind die Weltanschauung und das besondere Menschenbild, das Rudolf Steiner seiner Lehre der Anthroposophie zugrunde legt.
Nach der Definition „Hintergründe“ sollen in diesem Kapitel die Elemente der Anthroposophie dargestellt werden, die für die anthroposophische Kunsttherapie relevant sind.
II.1 Definition: Hintergründe
Der Begriff „Hintergrund“ kann laut Duden folgende Bedeutung tragen: „Hintergrund“ bezeichnet die gering hervortretenden Voraussetzungen im Zusammenhang mit einer Begebenheit oder einem Ereignis (Duden, 1999)
Der Hintergrund der „allgemeinen“ anthroposophischen Kunsttherapie und damit auch der der „anthroposophischen Kunsttherapie mit Menschen mit geistiger Behinderung“ ist demnach die Lehre der Anthroposophie. Dazu zählen insbesondere der Ursprung des Menschen, die Reinkarnation und das Karma, die Drei- und Viergliederung des Menschen, die Lehre der Sinne sowie die verschiedenen Erkenntnisstufen nach Rudolf Steiner. Ohne die Kenntnisse der genannten Hintergründe sind die Ansätze der anthroposophischen Therapie nicht nachvollziehbar, ebenso wenig das Verständnis der besonderen Auffassung über den Personenkreis „Menschen mit geistiger Behinderung“, die bei den Anthroposophen als „Seelenpflege-bedürftige Menschen“ angesehen werden.
II.2 Die Lehre der Anthroposophie
Das Wort „Anthroposophie“ hat seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet „Menschenweisheit“ (anthropos = Mensch, sophia = Weisheit).
Bei der Lehre der Anthroposophie handelt es sich um eine Geisteswissenschaft, die von dem Philosophen und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner1 1913 begründet wurde (vgl. Microsoft Enzyklopädie 2001).
Anfänglich gehörte Rudolf Steiner der Theosophischen Gesellschaft an. Er distanzierte sich von dieser und gründete im Februar 1913 die Anthroposophische Gesellschaft (Steiner, 1974).
[...]
1 Rudolf Steiner, geb. am 27.02.1861 in Kraljevic/Kroatien ; gestorben am 30.03.1925 in Dornach/Schweiz.
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