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Zygmunt Bauman und die Ambivalenz der Moderne

Seminararbeit, 1999, 29 Seiten
Autor: Anka Gehre
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen

Details

Veranstaltung: Hauptseminar "Theorien und Diagnosen der 2. Moderne"
Institution/Hochschule: Technische Universität Chemnitz (Soziolgie)
Tags: Zygmunt, Bauman, Ambivalenz, Moderne, Hauptseminar, Theorien, Diagnosen, Moderne
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1999
Seiten: 29
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V27386
ISBN (E-Book): 978-3-638-29448-5

Dateigröße: 267 KB


Textauszug (computergeneriert)

Zygmunt Bauman und die Ambivalenz der Moderne

von: Anka Gehre

 


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG 4

2. KLÄRUNG DER BEGRIFFE, BEDEUTUNG DIESER FÜR DAS MODERNE DENKEN 5

3. DIE UMSETZUNG IN DIE PRAXIS 6

3.1. Der Gärtnerstaat 7
3.2. Der Fremde 8
3.3. Assimilation vs. Ausgrenzung 10
3.4. Der Vorgeschmack der Postmoderne 12
3.5. Die Selbsttäuschung 13

4. DER HOLOCAUST 14

4.1. Moderne Verwandtschaften 14
4.2. Unterschiede zwischen moderner und mittelalterlicher Judenverfolgung 15
4.3. Der wissenschaftliche Anspruch 16
4.4. "Umnebelung"? 18

5. AMBIVALENZ WIRD PRIVATISIERT 20

5.1. Die schwierige Selbstfindung 20
5.2. Soziale Systeme als Lösung? 21
5.3. Die Entstehung des Expertentums 22
5.4. Technologie 24

6. DIE POSTMODERNE 26

6.1. Solidarität als Notwendigkeit 26
6.2. Die neuen Stämme 28
6.3. Postmoderne als Chance 29

7. LITERATURVERZEICHNIS 30


 

 

1. Einleitung

Die Aufklärung als erster Schritt in eine moderne Existenz, so haben wir gelernt, war der wichtigste Baustein zur Befreiung des Menschen aus seinem Gefängnis der Traditionen und der Unkenntnis von der Welt, hin zu einer menschenwürdigen Existenz, geprägt von den humanistischen Idealvorstellungen. Der Schleier der Unwissenheit wurde uns genommen, nunmehr sollte die Wahrheit in all ihrem Glanz erstrahlen. Der Mensch sollte sich der Gabe zur Vernunft bewußt werden. Zygmunt Bauman läßt in seinem Buch "Moderne und Ambivalenz" jedoch die andere, realere Seite der Moderne zum Vorschein kommen, indem er aufdeckt und erklärt, welche Folgen diese Ideen für die menschliche Existenz hatten. Bauman erklärt die fatalen Konsequenzen des Verfolgens moderner Ideen am Beispiel Holocaust, den er als Archetyp des modernen Vorgehens gegen Unklarheit und Unordnung sieht. In dieser Seminararbeit wird diesem Sachverhalt auch ein Großteil der Aufmerksamkeit geschenkt. An Stellen, die ich dafür geeignet hielt, lasse ich Viktor Klemperer zu Wort kommen, dessen Überlegungen in "LTI" oftmals Baumans Aussagen bestätigen, manchmal auch ergänzen können. Seine Ausführungen zum Alltagsleben und der Sprache in der Zeit des Dritten Reiches halte ich gerade in Verbindung mit Baumans soziologischen Überlegungen für besonders lehrreich bei der Betrachtung auch unserer "postmodernen" Epoche, decken beide zusammen doch viele Denkfallen, die schon im alltäglichen Sprachgebrauch, vor allem aber von Medien übertragen werden, auf und zeigen, wie über nicht allzu große Zeiträume hinweg Denkweisen beeinflußt, ja verändert werden können. Zuvor jedoch erfolgt erst einmal eine Klärung der grundlegenden Begriffe, wie auch Bauman sie vorgenommen hat. Begriffe wie Ordnung und Ambivalenz gehen uns leicht über die Lippen, um sich der Tragweite dieser Worte für unser Handeln, ja für unser Denken aber bewußt zu werden, müssen sie zuerst aufgeschlüsselt werden. Daran anschließend die Betrachtung des Holocaust, wie oben schon erwähnt wurde.

Im Anschluß an die Ausführungen zum Holocausts mit besonderem Bezug auf Klemperer werde ich wieder zu ausschließlichen Betrachtung von Baumans Überlegungen wechseln, der mit der Erkenntnis der Unmöglichkeit des modernen Projektes die Möglichkeit zur Entwicklung einer postmodernen Existenz sieht, einer Existenz, die Verschiedenheit als ihren Grundbaustein ansieht und gelernt hat, mit Ambivalenz zu leben. Dennoch ist diese Postmoderne keine logische Folge der Moderne, es gibt Fallen, die überwunden werden wollen, soll die Moderne nicht wieder rehabilitiert werden. Die Postmoderne erscheint als ein höchst fragiles Gebilde, ständig in Gefahr, sich selbst zu zerstören, da Sicherheit und Gewißheit, etwas, wonach jeder Einzelne strebt, ihren eigenen Grundsätzen zuwiderlaufen. Was bleibt, ist unsere Chance, die Postmoderne zu gestalten.

2. Klärung der Begriffe, Bedeutung dieser für das moderne Denken

Dreh- und Angelpunkt für Baumans Ausführungen ist der Begriff der Ambivalenz. Dieses Wort bedeutet allgemein Doppel- oder Mehrdeutigkeit, etwas ist nicht klar zuzuordnen, nach Bauman auch ein Versagen der "Nenn- (Trenn-) Funktion" (Bauman, S. 13) der Sprache. Der moderne Mensch empfindet Ambivalenz in jeder Hinsicht als störend und unangenehm, da sie die wohlbehütete Ordnung der Dinge bedroht. Ordnung ist also das Gegenteil der Ambivalenz und genau das, was sich die Moderne von Anfang an zur Aufgabe gemacht hat. Entmythologisierung und Verwissenschaftlichung stellten eine unanfechtbare Ordnung der Welt in Aussicht. Paradoxerweise wachsen jedoch mit jeder Anstrengung in dieser Richtung Widersprüchlichkeiten, eine gelöste Frage wirft tausend neue auf, das Dickicht wird immer undurchschaubarer. Dies gilt sowohl für Naturwissenschaften, als auch für Politik und die Gesellschaft als solche. Ambivalenz vs. Ordnung, bzw. Chaos - das sind für Bauman "moderne Zwillinge" (Bauman, S. 17), beide bedingen einander, Chaos ist nicht durch ordnen zu beseitigen, sondern wächst ebenso schnell wie die Ordnungsversuche sich ausdehnen.

Eng verbunden mit dem Ordnungsbestreben ist die Sicherheit, das Gegenteil von Zufälligkeit. Sind alle Dinge ihrer Logik entsprechend geordnet, kann man zukünftige Entwicklungen mit Sicherheit vorhersagen. Die Realität beginnt Ähnlichkeiten mit einer Zahlenkette zu entwickeln. Laut Bauman tendiert der Mensch schon aufgrund seiner Lern- und Erinnerungsfähigkeit dazu, Beziehungen zwischen Situationen und Folgen der Handlungen als konstant anzunehmen und daraus die relative Vorhersagbarkeit und Berechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen zu schließen (ebd. S. 14). Die Erfahrung der Ambivalenz wirkt in dieser Hinsicht unangenehm, die Einsicht, daß der Zufall eine Hauptrolle in vielen Bereichen des Lebens spielt, wirkt absolut bedrohlich. Wir haben keine Kontrolle mehr, weder über die Folgen unseres Tuns, noch über die Entwicklung der Dinge generell. Das Ergebnis dieser Erkenntnis ist jedoch stets das selbe: Die alten Kategorien, nach denen alles geordnet werden sollte, waren eben zu grobmaschig, neue, genauere Ordnungsmuster müssen her, die, wie schon angedeutet, ihrerseits noch mehr Unordnung erzeugen. Daneben ist Ordnung auch immer eine Funktion des Ein- und Ausschließens, der Kategorien- und Klassenbildung. Ordnung steht gegen Unordnung, Wahr gegen Falsch, Freund gegen Feind. "Die Welt ist modern, insofern sie die Alternative von Ordnung und Chaos enthält" (Bauman S. 19). Wobei Ordnung in keinster Weise eine natürliche, sondern eine von Menschen erdachte und durchzusetzende Kategorie ist (siehe Zitat von Collin in Bauman S. 17/18). Diese Unnatürlichkeit, die letztendlich doch nur willkürliche Unterscheidung der Dinge, ist von zentraler Wichtigkeit für Baumans weiteren Argumentationsgang.

3. Die Umsetzung in die Praxis

[...]


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