Informations- und Partizipationsmöglichkeiten
A. Einleitung
Das Internet ist für die Politikwissenschaft ein aufregendes neues Feld, denn es verspricht nicht weniger als die Ermöglichung echter direkter Demokratie. Literatur dazu gibt es erst seit einigen Jahren, was darauf zurückzuführen ist, dass das Internet erst seit Anfang der 90er Jahre existiert. Wie aber stellen sich die Wissenschaftler die neuen Möglichkeiten vor, welche sich für die politische Information und Partizipation ergeben? Dies soll im Folgenden behandelt werden.
B. Hauptteil
1. Theoretischer Teil
Im ersten Teil der Arbeit geht es um die theoretische Ein-ordnung des Internet, d.h. einige begriffliche Klärungen sowie die zentralen Eigenschaften des Internet.
1.1 Begriffe: Das Internet und seine Kommunikationsmodi
Unter dem ›Internet‹ ist nach allgemeiner Definition ein »weltweites, dezentrales Netz von miteinander verbundenen Computernetzen« zu verstehen. 1
Dabei finden verschiedene Kommunikationsmodi Verwendung, welche die Leistungen der klassischen Massenmedien um »onlinespezifische Optionen und um Teilmodi« ergänzen 2 . Die wichtigs-
1 DerBrockhaus in fünf Bänden. Mannheim; Leipzig, 1994, Bd. 6.
2 Rössler, Patrick: Medienabhängigkeit und politische Orientierung. Die Erklärungs-
kraft des Dependenzkonzepts in einem veränderten Kommunikationsgefüge. In: Gellner,
Winand / Korff, Fritz von (Hg.): Demokratie und Internet. Baden-Baden, 1998, S.
207.
ten Modi sind dabei World Wide Web, E-Mail, Usenet und Internet Relay Chat.
Das World Wide Web stellt in erster Linie einen Abrufdienst dar, der von den Usern vorwiegend zu Zwecken der
Informationsbeschaffung genutzt wird 3 ; es ist eine Form der (asynchronen) one-to-many-Kommunikation. Daneben steht das E-Mailing als typische (asynchrone) one-to-one-Kommunikation 4 , welche das Versenden und Empfangen von elektronischer Post ermöglicht. Eine Form der ( asynchronen) many-to-many-Kommunikation stellt das sog. Usenet dar -zu dem
beispielsweise auch Newsgroups gezählt werden - in dem die »Beteiligung an Diskussionsforen« innerhalb des Netzes möglich gemacht wird. Schließlich und endlich muss der Internet Relay Chat genannt werden, eines der eigentlich r evolutionären Elemente der Internet-Kommunikation, da es sich hierbei um eine synchrone many-to-many-Kommunikation, eine »sprachliche Interaktion mit anderen Nutzern« 5 handelt. Hierauf gründen sich unter anderem die großen Hoffnungen hinsichtlich neuartiger Partizipationschancen im politischen Prozess.
1.2 Zentrale Eigenschaften des Internet
Nun weist das Internet eine Reihe von spezifischen Eigenschaften auf, die es zu jener revolutionären Technik werden lassen, als die viele es sehen. Philip Stradtmann liefert in seiner Diplomarbeit 6 eine vollständige Liste, indem er die im Folgenden beschriebenen Charakteristika des Internet aufzählt. Als zentrales Kriterium lässt sich die Globalität des Internet hervorheben; das Netz erstreckt sich über den gesamten
3 vgl. ebd.
4 vlg. Marschall, Stefan: Netzöffentlichkeit - eine demokratische Alternative? In:
Gellner/Korff, 1998, S. 48.
5 Rössler in Gellner/Korff, 1998, S. 208.
6 vgl. Stradtmann, Philipp: Deutschland auf dem Weg in die elektronische Demokratie?
Das Internet als neues Medium der politischen Kommunikation und Partizipation (Dip-
lomarbeit). Hochschule für Musik u. Theater Hannover, 1998. (URL:
Erdball, »Informationen sind jederzeit und weltweit verfügbar« 7 . Hinzu kommt die Aktualität der Informationen, demzufolge das Internet eine ständige und enorm schnelle Aktualisierbarkeit der Daten ermöglicht; es ist in dieser Hinsicht schneller als Printmedien und Hörfunk und mindestens ebenso schnell wie das Fernsehen. Darüber hinaus bedeutsam ist die Kapazität der Daten, d.h.
dass Datenmaterial in großen Mengen in großer Geschwindigkeit über große Entfernungen gesendet werden kann. Ein weiteres Charakteristikum des Internet ist die multimediale Darstellung: »Es können nicht nur Texte, Bilder und Grafiken dargestellt werden, sondern neben kleinen Animationen auch Videosequenzen und Töne« 8 . Das im Internet verfügbare Datenmaterial zeichnet sich außerdem durch Konvergenz aus, d.h. Informationen und Daten aus dem Internet können in der Regel in anderen Programmen weiterverarbeitet werden. Unter den drei Stichworten der Interaktivität, Individualität und Flexibilität fasst Stradtmann die Tatsache zusammen, dass innerhalb der Internet-Kommunikation die Rollen von Sender und Empfänger nicht unveränderbar festgelegt sind: »Jeder kann sowohl Anbieter als auch Abrufer von Informationen sein« 9 . Diese Eigenschaft des Internet wird auch von zahlreichen anderen Autoren immer wieder betont, so z.B. bei Marcinkowski/Irrgang, die im Netz der Netze die Möglichkeit gegeben sehen, »dass jeder Nutzer an der Erzeugung politischer Information aktiv teilnimmt, anstatt sie, wie in den herkömmlichen Massenmedien, nur einseitig zu empfangen« 10 . Schließlich und endlich darf die Offenheit des Mediums Internet nicht unberücksichtigt bleiben. Im Vergleich zu
http://www.politik-digital.de/e-demokratie/forschung/elektronischedemokratie.shtml), Kap. 2.2.
7 ebd.
8 ebd.
9 ebd.
allen anderen Medien bietet das Internet ein bisher ungekanntes Maß an Offenheit, indem der Zugang zu ihm - ob als Anbieter oder Nachfrager von Information etc. - so gut wie unreglementiert ist 11 .
Andere Autoren fügen dieser Liste noch weitere Eigenschaften hinzu, die nur kurz genannt werden sollen. Es finden sich hier Begriffe wie »Reziprozität«, »Diskursivität« 12 , »Dezentralisierung«, »Dehierarchisierung« und »Transparenz« 13 .
2. Empirischer Teil
Nachdem wir uns die theoretischen Implikationen des Themas angesehen haben, geht es im zweiten Teil dieser Arbeit um die Frage, inwiefern sich das Internet auf politische Prozesse, insbesondere der politischen Informationsbeschaffung der Bürger und ihren Partizipationschancen, auswirkt.
2.1 Das Internet im politischen Meinungsbildungsprozess
2.1.1 Mehr Information durch das Internet
Um überhaupt jene politische Partizipation zu ermöglichen, um die es in einer Demokratie zentral geht, ist es essentiell, dass die Wähler möglichst gut über die alternativen Programme der verschiedenen Parteien bzw. Kandidaten Bescheid wissen. Von vielen Autoren wird nun behauptet, das Internet sei in dieser Beziehung quasi eine Revolution, da es sowohl besseren als auch schnelleren und direkteren Zugang zu politischen Pri-märinformationen biete. Harth zählt auf, dass das Internet »hinsichtlich der Verfügbarkeit, Aktualität, Kapazität sowie der Weiterverarbeitung und Verknüpfung der Informationen« entscheidende Vorteile den klassischen Massenmedien gegenüber
10 Marcinkowski, Frank / Irrgang, Michael: Politische Partizipation und Internet im
lokalen Raum. In: Woyke, Wichard (Hg.): Internet und Demokratie. Politische Bil-
dung, Jahrgang 32/4, 1999, S. 28.
11 vgl. Stradtmann, 1998, Kap. 2.2.
12 Marschall in Gellner/Korff, 1998, S. 45.
Arbeit zitieren:
Stefanie Agerer, 2000, Das Internet: Chancen und Risiken bezüglich neuer Informations- und Partizipationsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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