Inhaltsverzeichnis
1. Entstehungsgeschichte 5
2. Aufbau und Inhalt 6
3. Personencharakteristik 7
4. Diener-Herrscher-Verhältnis 12
5. Frage der Schuld 14
6. Dramaturgische Funktion der Gestalten 17
7. Literaturverzeichnis 18
3
Untersuchung der Personenkonstellation Franz
Grillparzers Trauerspiel „Ein treuer Diener seines
Franz Grillparzer (15.01. 1791 – 21.01. 1872) verfasste „im Rückblick auf das Vorbild der
Klassik“ 1 die dramaturgischen Werke „Sappho“ (1819), „König Ottokars Glück und Ende“ (1825), „Ein treuer Diener seines Herrn“ (1830), „Der Traum ein Leben (1834), „Libussa“
(1872), „Ein Bruderzwist in Habsburg“ (1872), „Weh dem, der lügt“ (1840) und „Des Meeres
und der Liebe Wellen“ (1840) 2 .
In seinem bürgerlichen Beruf war Grillparzer der „Beamtenkaste [zugehörig,]auf die sich die
Verwaltung der Monarchie verlassen können musste“ 3 . Aus den Erfahrungen seiner Beamtentätigkeit heraus wusste Grillparzer „zwischen den unterschiedlichen Graden der
Dienstfertigkeit von Dienern zu unterscheiden“ 4 . Mittels dieses Wissens konnte er seinem Protagonisten Bancbanus in dem Drama „Ein treuer Diener seines Herrn“ auch mit den
„Attributen eines herrschaftlichen Dieners“ 5 ausstaffieren. Trotz Grillparzers Vorkenntnisse als Staatsdiener konnte er es kaum verhindern, dass die habsburgerische Zensur nach der
Uraufführung am 28. Februar 1828 das Stück im Nachhinein der Öffentlichkeit vorenthalten
wollte. So lässt sich in den Berichten von Charles Sealfield folgende Auffassung des Kaisers
über die Aufgaben der Staatsdiener finden: „ein Beamter, der dem Zeitgeiste mehr
Aufmerksamkeit schenke, als dem ausgesprochenen Willen seines Monarchen, [taugt] nicht
zum Hofrat [...] ,seine Majestät [wünsche] nicht Kritiker, sondern treue Diener“ 6 . Aufgrund der Tatsache, dass das Drama „Ein treuer Diener seines Herrn“ „unter dem Verbot der
1 Das neue Duden-Lexikon in 10 Bänden, hrsg. v. d. Lexikonred. d. Bibliograph. Inst. [Red. Bearb.: Ingrid Adam
...], Mannheim/Wien/Zürich, Dudenverlag, 1984, Bd.4, S. 1538
2 ebd., u., Das Kindler Lexikon, ???
3 Knafl, Arnulf, „Stabilitätssystem“. Franz Grillparze rs Bancban-Figur als Aufgabe des nationalen Mythos, in:
Grillparzer einst und heute, hrsg. v. Kerekes, Gábor, Szombathely, Berzsenyi Dániel, 1993, S.22 4 ebd., S. 22 f.
5 ebd., S. 23 6 Sealsfield, Österreich, wie es ist, oder Skizzen von Fürstenhöfen des Kontinents, S.81
4
österreichischen Zensur stand“ wird von dem Stück „Rebellengeist“ 7 erwartet, eine Schlussfolgerung, die auf dieses Werk Grillparzers wahrlich nicht zutrifft. Diese These werde ich u. a. im Folgenden, in meiner Arbeit über Grillparzers Trauerspiel „Ein treuer Diener
seines Herrn“ bekräftigen können.
1. Entstehungsgeschichte
Nach Grillparzers Besuch bei Johann Wolfgang von Goethe in Weimar 1826 hatte Grillparzer
sich ursprünglich vorgenommen, sein nächstes Stück dem Dichterfürsten zu widmen. Dieses Drama wäre „Ein treuer Diener seines Herrn“ gewesen, doch die Widmung unterblieb.
Einerseits empfand Grillparzer sein Stück als „viel zu roh und gewalttätig“ 8 für eine solche Geste der Ehrerbietung, andererseits befürchtete Grillparzer nicht ohne Grund, dass sich
Goethe kaum noch an das damalige Zusammentreffen erinnern würde. 9
Den Anstoß für dieses Drama gab ein Auftrag der regierenden Kaiserin Karoline Auguste, die am 25. August 1825 in Pressburg zur Königin von Ungarn gekrönt werden sollte. Zu dieser
Festlichkeit sollte Grillparzer ein Festspiel schreiben.
Er begann sich mit dem Bancaban-Stoff zu beschäftigen. Als Quellen dienten ihm hierfür die Aufzeichnungen des ungarischen Chronisten Nikolaus Istvanfyius (1538-1615) und des
italienischen Chronisten Antonius Bonfinius Asculanus (1441-1502). 10 Aus Angst vor der Habsburgerischen Zensur entschied sich Grillparzer aber schließlich, den Auftrag der Kaiserin
abzulehnen. Dazu schrieb Grillparzer in seiner Selbstbiographie: „Als ich jedoch die Sache [gemeint ist die Eignung des Stoffes] näher betrachtete, fanden sich bedeutende Schwierigkeiten. Einmal schien es wunderlich, zur Feier eines Krönungsfestes die Geschichte
eines Aufruhrs zu wählen. Dann wären in meinem Stücke zwei Kalender-Heilige vorgekommen: der heilige König Stephan und sein Sohn Emeram; eine Profanation, welche
7 Pawlowa, Nina, Grillparzer und der russische Symbolismus, in: Für all, was Menschen je erfahren ... . Beiträge
zu Franz Grillparzers Werk, hrsg. v. Strelka, Joseph P., Bern, Peter Lang, 1995, S. 153 8 Grillparzer, Franz, Selbstbiographie, in: ders.: Sämtliche Werke in vier Bänden, hrsg. v. Frank, Peter u.
Pörnbacher, Karl, München, Hanser, 1965, Bd.4, S. 155 9 Knafl, Arnulf, „Stabilitätssystem“. Franz Grillparzers Bancban-Figur als Aufgabe des nationalen Mythos, in:
Grillparzer einst und heute, hrsg. v. Kerekes, Gábor, Szombathely, Berzsenyi Dániel, 1993, S. 20f. 10 vgl. Grillparzer, Selbstbiographie, S. 152
5
die Zensur nie zugegeben hätte. Ich erklärte daher dem Grafen Dietrichstein auf seine
Anfrage: ich hätte keinen passenden Stoff gefunden.“ 11 Grillparzers Absage an die Kaiserin bedeutete allerdings nicht, dass er nun seine
Beschäftigungen zu diesem Stoff verwarf. Er führte seine Arbeit zu jenem
stoffgeschichtlichen Hintergrund fort und plante ein Drama darüber zu verfassen..
Mit dem Einfall, seine Dramenfiguren in den Bereich des Sagenhaften und Legendären zu
versetzen, hoffte Grillparzer die Zensur zu entgehen 12 : Er musste sich nicht mehr um die geschichtliche Stofftreue kümmern, und konnte sich nun allein auf seine dichterische
Phantasie konzentrieren.
Seine Überlegungen gingen auf und das Drama „Ein treue r Diener seines Herrn“ entkam
zunächst der Zensur. Am 28. Februar 1828 wurde es im Leopoldstädtertheater in Wien
uraufgeführt und erntete großen Erfolg beim Publikum. Dem anwesenden Kaiser hatte die
Aufführung allerdings angeblich „so gut gefallen“, dass er das Stück erwerben wollte und
zwar so vollständig, das es nur mehr ihm allein zugänglich sein sollte! Sein Versuch einer Zensur im Nachhinein schlug aber fehl, weil das Trauerspiel schon im
regen Handel war. 13 So konnte Grillparzer mit diesem Werk einen großen persönlichen Erfolg verbuchen.
2. Aufbau und Inhalt
Aufgebaut ist Grillparzers Trauerspiel in fünf Aufzügen. Schon im ersten Akt wird der
Protagonist Bancbanus mit den Konflikten, die für den weiteren Verlauf des Dramas
verantwortlich sind, konfrontiert. Ihren Ursprung finden sie in den „drei unberechenbare[n]
jugendliche[n] Gestalten: seine junge Frau Erny, deren er sich nicht ganz sicher sein kann; Herzog Otto von
Meran, der seine Frau und ihn gleichermaßen verfolgt und provoziert, und die Königin Gert rude, der er
untergeordnet ist und die ihren wilden Bruder abgöttisch liebt.[...] [Otto verfehlt] seinen Anteil an der
Reichsverweserschaft; um so rücksichtsloser wird er sich gebärden, um so ungnädiger die Königin ihren
11 ebd., S. 152
12 vgl. Knafl, Stabilitätssystem, S 19f.
13 vgl. ebd., S. 20
6
Arbeit zitieren:
Verena Watzal, 2001, Untersuchung der Personenkonstellation Franz Grillparzers Trauerspiel 'Ein treuer Diener seines Herrn', München, GRIN Verlag GmbH
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