Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Definition der Modalpartikeln 4
1.1. Klassifikation der Partikeln 4
1.2. Verwendung der Modalpartikeln 8
2. Polyfunktionalität der Partikeln 9
3. Modalpartikeln im Russischen 10
3.1. Unterscheidungskriterien 10
3.2. Illokutionsbezogene Merkmale 13
Fazit 17
Literaturverzeichnis 18
Anhang 19
Einleitung
Die folgende Arbeit ist der Untersuchung der Modalpartikeln im Russischen gewidmet, die auf der Partikelnforschung im Deutschen basiert. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Modalpartikeln von Linguisten als bedeutungslose Füllwörter betrachtet. In der ersten Arbeit zu Modalpartikeln, der 1963 erschienenen Dissertation von Krivinosov, misst ihnen der Autor keine feste selbständige Bedeutung außerhalb des Kontextes bei. 1 Die Analyse vom sprachlichen Material im Hinblick auf die Partikelbedeutungen hat jedoch zu dem Schluss verleitet, Modalpartikeln spielen eine wichtige Rolle in der gesprochenen Sprache und ihre Verwendung unterliegt bestimmten Konventionen. Dabei ist es notwendig, folgende Grundannahmen über Sprache zu berücksichtigen: Der Sprecher benutzt die Sprache, um etwas zu bewirken oder zu erreichen, und nicht um semantische Bedeutungen zu realisieren. Laut der Sprechakttheorie von Austin 2 , wird das Sprechen als eine spezifische Art menschlichen Handelns betrachtet. Mit allem, was der Sprecher sagt, meint er etwas ganz Bestimmtes, aber nicht alles, was er meint, sagt er explizit. Es scheint sogar eine Konvention zu geben, nie das direkt zu sagen, was man meint. Die Analyse der Modalpartikeln lässt den Schluss zu, dass gerade diese Partikeln hervorragend dazu geeignet sind, die Lücke zwischen der wörtlichen Bedeutung des Aussage und der eigentlichen Intension der Sprecher (Implikatur 3 ) zu überbrücken oder zu verkleinern.
Wie die deutsche Sprache, ist auch die russische Sprache besonders reich an Partikeln. Daher ergibt sich die Frage, ob sich auch einige 1:1 Entsprechungen in beiden Sprachen angeben lassen. Kann man die Modalpartikeln unter dem Aspekt der Äquivalenz der Modalpartikel-Homonyme übersetzen, oder werden sie unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Funktionen im konkreten Kontext übersetzt? Eine Regularität kann man jedoch beobachten, in einigen Fällen scheint sie sogar bis zu den Modalpartikeln hinzureichen, wie mit dem Paar nur - tol'ko ('nur'), die eine ähnliche Bedeutung haben, sowohl in der Funktion der Adverbien, als auch in der Funktion der Modalpartikeln in bestimmten Typen von Fragesätzen.
1
Krivonosov, A. 1963. Die modalen Partikeln in der deutschen Gegenwartssprache. Diss. Berlin
(= Göppinger Arbeiten zur Germanistik 214). Göppingen. Zitat nach Thurmair 1989:2
2
Zu Sprechakttheorie s. Austin (1962)
3
Zu Implikatur s. Grice (1975)
1. Definition der Modalpartikeln
1.1. Klassifikation der Partikeln
Um die Modalpartikeln zu definieren, muss man zunächst die größere Gruppe der Partikeln beschreiben. Danach werden die Modalpartikeln davon abgegrenzt. Bei der Verwendung des Terminus "Partikel" in der Linguistik wird von zwei Deutungsansätzen ausgegangen. Einerseits ist unter Partikeln die Gesamtheit der unflektierten Wörter zu verstehen, andererseits nur eine bestimmte Gruppe der unflektierten Wörter.
Als Partikel im weiteren Sinne wird die Gruppe der Unflektierbaren bezeichnet. Partikel als Oberbegriff umfasst Präpositionen, Konjunktionen, Adverbien, und Partikeln im engeren Sinne. In diesem Hinsicht, scheint es problematisch zu sein, dass das Hauptmerkmal der Partikeln gerade ihre Unflektierbarkeit ist, was kein ausreichendes Kriterium für ihre Unterscheidung zu den anderen Unflektierbaren ist. Infolgedessen, stellt Thurmair (1989:8-9) die folgende Klassifikation von Partikeln im Deutschen dar: die Partikelklassen sind Präpositionen, Konjunktionen, Konjunktionsadverbien, Adverbien, Satzadverbien, Modalpartikeln, Steigerungspartikeln, Gradpartikeln (Fokuspartikeln 4 ), Negationspartikeln, Gliederungspartikeln und Interjektionen. Weiterhin bezeichnet sie diese einzelnen Subklassen nicht als Wortarten sondern als Funktionen (vgl. Thurmair 1989:9). Darauf folgend werden die häufigen Fälle der Homonymie unter Partikelklassen als Polyfunktionalität der Partikeln erklärt. Diese Terminologie wird nunmehr weiter verwendet. Nachdem die Gruppe der Partikeln beschrieben ist, werden die formalen Eigenschaften der Modalpartikeln untersucht, um eine genaue Abgrenzung verschiedener Funktionen voneinander zu ermöglichen (vgl. Thurmair 1989:10-19). Da bei den Partikeln morphologische Kennzeichen fehlen (im Gegensatz zu den Flektierbaren), lässt sich ihre Funktion nur aufgrund ihres Verhaltens im Text erkennen. Im Folgenden wird gezeigt, inwieweit sich die Modalpartikeln in syntaktischer und prosodischer Hinsicht von den anderen Partikeln unterscheiden (s. Tabelle 1).
4
Abraham (1995)
Erstens unterscheidet Betonung sofort alle anderen Partikeln von den Modalpartikeln, die letzten tragen in einem Satz nie einen Fokusakzent. Zum Beispiel, im Satz Was machst DU denn da? wird die Modalpartikel denn nicht
betont. Dagegen, im Satz Ich halte heute ein Referat, DENN ich brauche den Schein wird die Konjunktion denn betont.
Zweitens können Modalpartikeln auch nie isoliert erscheinen, das heißt, sie müssen unbedingt in einen Satz eingebettet sein, im Gegensatz zu fast allen anderen Partikeln, die auch alleine stehen können. Z.B., Du bist mir auch eine (auch als Modalpartikel wird nicht isoliert), dagegen Studierst du Kunst? - Auch. (auch als koordinierende Konjunktion).
Eine Reihe von syntaktischen Kennzeichen basiert auf dem topologischen Grundmodell, weil gerade das Stellungsverhalten der Partikeln eines der wichtigsten Unterscheidungskriterien ist. Partikeln unterscheiden sich darin, ob sie ein Satzglied bilden (alleine oder mit anderen Konstituenten) oder nicht. Im Folgenden wird getestet, ob Modalpartikeln das satzgliedhafte Verhalten haben. Es wird untersucht, ob die Modalpartikeln im Vor- oder Vorvorfeld auftreten und ob sie als Antwort dienen können. Die Vorfeldstellung erweist sich mit den meisten Partikeln als möglich, aber sehr selten mit den Modalpartikeln, z.B. wie im Satz Immerhin haben wir schon die Hälfte, wo das
Konjunktionaladverb immerhin allein im Vorfeld steht, oder im Satz Sehr gut hat mir dein Gedicht gefallen, wo die Steigerungspartikel sehr mit Bezugskonstituente das Vorfeld besitzt. Modalpartikeln können nur in einem Fall im Vorfeld benutzt werden, nämlich, kombiniert mit einem w-Wort, wie z.B., Was nur hat sie an ihm gefunden? (vgl. Thurmair 1989:27).
Koordinierende Konjunktionen stehen immer im Vorvorfeld und sie sind meistens intonatorisch integriert, wie im Satz Aber er hat das nicht gemacht. Die anderen Partikeln sind meistens intonatorisch nicht integriert, sie werden betont und sind von dem Restsatz durch eine Pause abgesetzt, was im Schriftbild durch Komma, Doppelpunkt oder Gedankenstrich markiert wird. Z.B., Ja, das stimmt, wo ja die Funktion der Gliederungspartikel hat. Modalpartikeln
stehen äußerst selten an der Satzspitze, nur im Vorfeld und nie im Vorvorfeld. Sie können niemals allein das Vorfeld füllen. Das Kriterium der Nicht- Vorfeldfähigkeit wird benutzt, um die Modalpartikeln von Gradpartikeln und Satzadverbien abzugrenzen, weil Gradpartikeln mir einer Bezugskonstituente im Vorfeld stehen können (z.B., Nur er könnte das Problem lösen) und
Satzadverbien normalerweise das Vorfeld alleine besetzten (z.B., Hoffentlich wird er es noch sagen) (vgl. Thurmair 1989:27). Dieses Kriterium hilft außerdem, die Modalpartikeln von Konjunktionsadverbien abzugrenzen, z.B., Schließlich hat er es gesagt.
Nur Adverbien (oder Satzadverbien) und Steigerungspartikeln sind erfragbar. Sie können, einerseits, als Antwort auf eine Entscheidungsfrage dienen, wie z.B. im Fall Liebst du mich? – Vielleicht / Sehr, wo vielleicht ein Adverb und sehr ein Steigerungspartikel ist. Andererseits fungieren sie als Antwort auf eine w-Frage, wie im Fall Wann wird der Film gesendet? - Morgen,
oder Wie hat dir der Film gefallen? – Sehr. Modalpartikeln erweisen sich als nicht erfragbar.
Es wird weiter berücksichtigt, inwieweit die Partikeln einer Gruppe sich untereinander verbinden können, sei es koordinierend (einzig und allein, als Adverbien), oder als Kombination (ohne Konjunktion), wie z.B. Das Konzert war echt total gut, wo echt und total zwei Steigerungspartikeln sind. Modalpartikeln
Uhr, aber nie mit einer Konjunktion.
Als ein letztes Kriterium verwendet Thurmair die Satzmodusabhängigkeit. Laut traditioneller Grammatik versteht man unter Satzmodus (Satzart) Deklarativ-, Interrogativ-, Imperativ- und Exklamativsätze. Dabei ist der Beitrag grammatischer Formen zur Funktion des entsprechenden Ausdrucks in einem konkreten Handlungszusammenhang gemeint 5 . Zu den Formtypen gehören (nach Altmann 1987) Aussagessatz, Entscheidungsfragesatz, w-Fragesatz, Imperativsatz, Wunschsatz, Exklamativsatz und w-Exklamativsatz. Jedem Formtyp im Satzmodussystem wird ein Funktionstyp regelmäßig zugeordnet, welcher die propositionale Grundeinstellung beschreibt; z.B. dem Formtyp Aussagesatz entspricht der Funktionstyp Aussage mit der propositionalen Grundeinstellung "sagen, dass". Abhängig von der konkreten lexikalischen Füllung wird weiterhin der konkrete Illokutionstyp bestimmt. Unter Illokution werden hier alle nicht propositionalen Bedeutungskomponenten verstanden, also Aspekte der Beziehung zwischen Sprecher und Hörer, Haltungen, Wertungen, etc.. Der Illokutionstyp kann entweder der Grundeinstellung entsprechen oder sie modifizieren.
5
Zu Satzmodus s. Altmann (1987)
Arbeit zitieren:
MA Irina Giertz, 2003, Untersuchung der Modalpartikeln im Russischen im Vergleich zu den Modalpartikeln im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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A. R.
gut strukturierte Arbeit.
die Arbeit ist inhaltlich sowie strukturell gut gebaut. Hat mir geholfen, meine eigene Arbeit zu dem ähnlichen Thema zu schreiben. Die Literaturverzeichnis hat auch auf einige weitere wichtige Quellen hingewiesen!
Danke!
am Friday, May 02, 2008-