1 NA
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ........................................................................................................1
1. Einleitung und Problemstellung 1
2. Einordnung meiner Arbeit in den Seminarkontext
Themenkonjunkturen der feministischen Theorien 2
2.1. Die 1950er und 1960er Jahre Die Forderung nach Gleichheit 2
2.2. Die 1970er Jahre Die (Wieder)Entdeckung der Frauen 2
2.3. Die 1980er Jahre Von der Frauen- zur Geschlechterforschung 3
2.4. Die 1990er Jahre Geschlecht als Prozesskategorie 4
3. Darstellung und Diskussion Butlers poststrukturalistischer Position 6
4. Auseinandersetzung mit Seyla Benhabibs Kritik Die drei starken
Thesen des Poststrukturalismus revised 9
4.1. Die These vom Tod des Menschen 10
4.2. Die These vom Tod der Geschichte 11
4.3. Die These vom Tod der Metaphysik 11
5. Grenzen und Leistungen verschiedener Theorieansätze 12
6. Zusammenfassung 14
7. Resümee und Ausblick 15
Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung und Problemstellung
Der postmoderne Feminismus ist zu einem gewohnten Ausdruck geworden. Postmoderne Posi- tionen und Feminismus scheinen auf den ersten Blick viele Ähnlichkeiten aufzuweisen, weisen beide doch eine ausgeprägte Skepsis gegen naturalisierende Ontologisierungen und Dichoto- mien auf. „Im Kampf gegen die großen Erzählungen der westlichen Aufklärung und Moderne haben sie ihre Affinitäten zueinander entdeckt.“ 1 Doch ist die Frage wesentlich, inwiefern post- strukturalistische Ansätze feministische Theorien befruchten und inwiefern sie sie beschneiden.
Es ist schwierig poststrukturalistische Positionen zu vereinheitlichen, da sie sehr verschieden und heterogen sind. „Über den Poststrukturalismus schreiben heißt, ihn zu erfinden.“ 2 Dennoch ist es möglich anhand einzelner Vertreter deren spezifische Grundgedanken herauszustellen und Implikationen für den Feminismus transparent zu machen. Ich beschränke mich i n meiner Ar- beit auf den Ansatz von Judith Butler 3 . In einem ersten Schritt ordne ich meine Arbeit in den Seminarkontext ein und skizziere die Themenkonjunkturen der feministischen Theorien der letzten Jahrzehnte, wodurch auch Butlers Konzept verortet wird. In Kapitel 3 stelle ich knapp Butlers poststrukturalistischen Theorieansatz dar. Dabei gehe ich auf die Erkenntniserträge und -grenzen ihres Ansatzes für feministische Theorien ein. Anknüpfend daran setze mich mit Seyla Benhabibs Kritik auseinander, bevor ich in Anlehnung an Nancy Frasers Bewertung die Vorzü- ge und Grenzen zweier Theorieansätze gegeneinander abwäge: die poststrukturalistische und die an die Kritische Theorie angelehnte Herangehensweise. Zwei Thesen werde ich in meiner Ar- beit entfalten: (1) Poststrukturalistische Ansätze und feministische Theorien können ein frucht- bares Bündnis eingehen, doch nur bis zu einem gewissen Grad: Das poststrukturalistische Den- ken sensibilisiert für scheinbar unstrittige theoretische Grundannahmen, fördert die Selbstrefle- xion und kontextualisiert Erkenntnisse. (2) Die feministische Theorienbildung bedarf vielfält i- ger Theorieansätze, da jedem Theoriekonzept verschiedene konstitutive und bestimmende Ele- mente inhärent sind.
2 Münker/Roesler, 2000, VII.
3 Butlers Werke können zu den poststrukturalistischen Ansätzen gerechnet werden (vgl. Fraser, 1995a, 59), auch wenn sie selbst sich gegen einen homogenisierende Begriff der Postmoderne/Poststrukturalismus wendet und die Begriffe nicht klar trennt. (Vgl. Butler, 1995, 31ff.). Postmoderne und Poststrukturalismus sind schwer zu definieren- de Begriffe. Ich begreife Postmoderne in Abgrenzung zur Moderne als eine epochale Bezeichnung, nach den ein- schneidenden Erfahrungen der Atombombe, des Nationalsozialismus und den tragischen Konsequenzen des techni- schen Fortschritts, die durch die Abkehr vom Fortschrittsglauben gekennzeichnet ist. Poststrukturalismus verstehe ich in Abgrenzung zum Strukturalismus und seinen Prämissen (Objektivismus, Vernunftglaube, Linearität, Suche nach universellen Strukturen, Vorstellung einer „Substanz“ u.a.) als Theorierichtung. Weiterführend hierzu Berres- sem, 1998, 439-440; Gerhard, 1998, 96; Hilligen, 1995, 649-651.
2
2. Einordnung meiner Arbeit in den Seminarkontext – Themenkonjunktu-
ren der feministischen Theorien
Die Geschichte der feministischen Theorienbildung geht weit zurück und findet ihre Wurzeln und Ansatzpunkte bei Theoretikern und Philosophen der ersten Stunde. Meine Darstellung der feministischen Theorien in den Sozialwissenschaften in der Bundesrepublik folgt einer idealty- pisch-chronologischen Gliederung der letzten Jahrzehnte, die versucht in knapper Form – und somit auch unmöglich vollständig – wesentliche Strömungen zu skizzieren. Es gab und gibt nicht den feministischen Diskurs. Die Theorieentwicklung fand auf sehr vielfältigen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen statt. Die Bezeichnung „Feminismus“ schneidet eine ähnli- che Problematik an, gibt es doch nicht die eine, homogene Form von Feminismus. Es erscheint angemessener von „Feminismen“ zu sprechen, um der Pluralität der Erscheinungsformen und Vertreter im Begriff Ausdruck zu verleihen. Im weiteren werde ich zugunsten der Lesbarkeit und Verständlichkeit auf den Singular zurückgreifen, der dennoch die Pluralität mitdenkt. Trotz dieser Einschränkungen ist eine Darstellung einflussreicher Kerngedanken der feministischen Theorien lohnend und zu ihrer Verortung erhellend.
2.1. Die 1950er und 1960er Jahre – Die Forderung nach Gleichheit
Bislang wurden Frauen aus der sozialwissenschaftlichen Forschung weitgehend ausgeblendet. Das Sichtbarmachen der Frauen war dementsprechend das Hauptanliegen der Pionierinnen der Frauenforschung. Den Grundstein legte Simone de Beauvoir 1949 mit ihrem Werk „Le deuxiè- me sexe“, zu deutsch „Das andere Geschlecht“ und ihrem berühmten und vielzitierten Befund „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“ 4 . Die Wurzeln des sogenannten Egalitäts- feminismus’ gehen weit zurück und finden sich beispielsweise in dem Kampf um das Frauen- wahlrecht. Das Ziel war die uneingeschränkte Gleichheit mit den Männern, zunächst formal und später auch materiell. Der Mann wurde in dieser Phase noch als unstrittiges „Maß aller Dinge“ und Norm akzeptiert. Später wurde die Gleichheitsorientierung zunehmend durch die Zielset- zung der Gleichwertigkeit abgelöst, die charakterisiert ist durch die Forderung nach Gleichheit ohne Angleichung. 5
2.2. Die 1970er Jahre – Die (Wieder)Entdeckung der Frauen
Die (Wieder)Entdeckung der „Frau“ findet in den 70er Jahren ihre Fortsetzung. In dieser Phase können in Anlehnung an Karin Gottschall (a) konflikttheoretische und (b) differenztheoretische
5 Vgl. Lucke, 2003, 5f.
3
Argumentationen unterschieden werden. 6 Die konflikttheoretische Herangehensweise entwi- ckelte sich zu einer „Geschlecht- und Klasse-Debatte“, die den Herrschaftscharakter des Ge- schlechterverhältnisses betont. 7 Ihr hinzuzurechnen ist die „Hausarbeitsdebatte“, die die „struk- turlogische Verortung von Hausarbeit im System gesamtgesellschaftlicher Produktionsverhält- nisse“ 8 analysiert und an marxistisch-weberianische Theorieansätze anknüpft. 9 Das Theorem vom „weiblichen Arbeitsvermögen“ (Elisabeth Beck-Gernsheim 1976, 1980; Ostner 1978; Beck-Gernsheim/Ostner 1978) folgt einer differenztheoretischen Argumentation, die davon ausgeht, „dass sich die soziale Lage von Frauen in ihrer Besonderheit und Ungleichstellung gegenüber Männern im wesentlichen aus einer inhaltlich präzisierbaren Geschlechterdifferenz bestimmen lässt.“ 10 Die Hauptthese besagt, dass durch die historische Verwiesenheit der Frauen auf die Haus- und Familienarbeit ein spezifisch weibliches Arbeitsvermögen entsteht, dass durch spezifische Kompetenzen und Orientierungen die gesellschaftliche Praxis von Frauen erklärt. 11 Gemeinsam ist den Ansätzen, dass die Arbeitsteilung als Erklärungsmuster für Ge- schlechterungleichheit herangezogen wird.
2.3. Die 1980er Jahre – Von der Frauen- zur Geschlechterforschung
In den 80er Jahren vollzog sich ein Perspektivenwechsel von der Frauen- zur Geschlechterfor- schung. Geschlecht sollte nun als Strukturkategorie begriffen werden, die alle gesellschaftlichen Strukturen und sozialen Beziehungen prägt. 12 Für die deutsche Diskussion sind v.a. die Konzep- tionen zum bürgerlichen Patriarchat (Gerhard 1991/Beer 1990) und das Konzept der „Doppelten Vergesellschaftung“ (Becker-Schmidt 1989; Axeli-Knapp 1990) relevant. 13
Insgesamt kann zu den Erkenntnisleistungen festgehalten werden: 14 Die feministischen Theorien der 70er und 80er Jahre kritisieren die Geschlechtsblindheit der Sozialwissenschaften und ver- deutlichen das Ausmaß des ordnenden Prinzips Geschlecht. Zu Beginn der feministischen For- schung hatte sich eine Unterscheidung von sex als biologischem Geschlecht und gender als kulturell und sozial überformtes Geschlecht durchgesetzt, die die Vorstellung eines natürlichen Geschlechts und Geschlechterzuweisungen als Determinismus entlarven half. 15 Mit den 80er Jahren gewann eine fundamentale Kritik an der Unterscheidung von sex und gender an wach-
6
Vgl. Gottschall, 2000, 138ff.
7 Vgl. Gottschall, 2000, 139.
8 Gottschall, 2000, 141.
9 Zu den verschiedenen konflikttheoretischen Theorieansätzen, ihren Erkenntniserträgen und -grenzen im Detail: Gottschall, 2000, 141ff.
10 Gottschall, 2000, 151.
11 Vgl. Gottschall, 2000, 151ff.
12 Vgl. Gottschall, 2000, 165f.
13 Hierzu Gottschall, 2000, 165ff.
14 Vgl. Gottschall, 2000, 184ff.
15 Vgl. Lucke, 2003, 4.
4
sender Bedeutung, die vor allem in den 90er Jahren und mit dem Aufkommen dekonstruktivisti- scher feministischer Theorien an Vehemenz zunahm.
Gottschall fasst die Erträge dieser Theorienphase in drei wesentlichen Punkten zusammen: 16 (1) Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschlechtsblindheit in den Sozialwissenschaften und die Mitwirkung einer umfassenderen Definition sozialer Ungleichheit (damit einhergehend die Erweiterung des Arbeitsbegriffs um andere Formen der Arbeit wie Reproduktionsarbeit), (2) die „Erweiterung des Blickwinkels von „Frauenbenachteiligung“ auf „Geschlechterverhältnisse“ und damit zugleich auch eine konsequentere Inblicknahme nicht nur der Vergesellschaftungs- formen von Arbeit, sondern auch von Generativität und deren spezifischem Zusammenhang“ 17 und (3) die Auffassung von Geschlecht und Klasse als „historische konstituierte Prinzipien so- zialer Gliederung“. Geschlecht und Klasse werden als Strukturkategorien begriffen, die sich auf alle Bereiche auswirken. Die „Klassenstrukturierung von Geschlecht und die geschlechtsspezif i- sche Strukturierung von Klassenlagen“ gelangten ins Bewußtsein der Wissenschaft. 18
Es können Besonderheiten des deutschen feministischen Diskurs in den 70er und 80er Jahren festgestellt werden: Die Forschung in Deutschland war von Beginn an empirisch ausgerichtet. 19 Geschlechterungleichheit wurde hauptsächlich im Kontext von Arbeit und Arbeitsteilung be- handelt. Diese Fokussierung auf Arbeit wirkte sich einschränkend aus. Zentrale Debatten für den angloamerikanischen Raum wie herrschaftssoziologische Perspektiven und dualistische Konzeptionen von Patriarchat und Kapitalismus hatten beispielsweise für den bundesrepublika- nischen Diskurs kaum Relevanz. Die Frauenforschung hatte in ihrer Entstehungsphase eine enge Anbindung an die Frauenbewegung und verstand sich anfänglich als parteiische Forschung im Sinne der „Forschung von Frauen mit Frauen für Frauen“ 20 . Mit den 80er Jahren begann die akademische Institutionalisierung der Frauenforschung in Deutschland und mit deren Fort- schreiten setzte ein Prozess der Akademisierung, Professionalis ierung, Diversifizierung und Entkopplung von der Frauenbewegung ein.
2.4. Die 1990er Jahre – Geschlecht als Prozesskategorie
Die Trennung von gender und sex geriet in den 90er Jahren verstärkt in die Kritik. Der Vorwurf lautet, dass diese Trennung das „Basisprinzip Dichotomie“ 21 fortschreibt und erneut der Biolo-
16
Vgl. Gottschall, 2000, 184ff.
17 Gottschall, 2000, 185.
18 Zu den Erkenntnisgrenzen der Ansätze dieser Phase s. Gottschall, 2000, 186ff.
19 Gründe dafür sind (1) die von Beginn an empirische Orientierung der jungen Wissenschaft Soziologie und ihre Anbindungen an die Frauen- und Geschlechterforschung und (2) die Ausschlüsse von Frauen aus Disziplinen wie beispielsweise der Philosophie. Vgl. Lucke, 2003, 7ff.
20 Lucke, 2003, 9.
21 Treibel,1995, 149.
Arbeit zitieren:
Eva Bretschneider, 2003, Streit um Differenz - Die Erkenntniserträge und -grenzen poststrukturalisitischer Ansätze für die feministische Theorienbildung in den Sozialwissenschaften am Beispiel Judith Butler, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zur Konstitution von Interaktion (nach Mead) und die These von der kon...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 19 Seiten
Das Subjekt in der Krise. Identität bei Judith Butler und Siri Hustved...
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Magisterarbeit, 97 Seiten
Max Weber. Wissenschaft als Beruf
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Transformation als vergleichende politikwissenschaftliche Analysekateg...
Fokus 2: Transformation als Ka...
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit, 20 Seiten
Das Ich und das Wir in der feministischen Theorie von Judith Butler
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Diplomarbeit, 43 Seiten
Das "Berliner Modell" von Paul Heimann
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Föderalismusreform in Deutschland
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 16 Seiten
Marketing-Potenziale von Community-Gruppen am Beispiel der Stundentenp...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
"Gender/Queer/Feminist Studies" in Thomas Meineckes Roman &q...
Gelebte Theorien als Persönlic...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Neue Soziale Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Methoden und Verfahren der EDV-gestützten Personaleinsatzplanung
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Studienarbeit, 54 Seiten
Rekonstruktion des geschlechtertheoretischen Ansatzes von Judith Butle...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 20 Seiten
Der Deutsche Föderalismus-Modell für die EU?
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 19 Seiten
Erving Goffman - "Interaction order"
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hauptseminararbeit, 32 Seiten
Kontroverse um den Staat: Systemtheoretische Perspektive und Max Weber...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
Eva Bretschneider hat den Text Streit um Differenz - Die Erkenntniserträge und -grenzen poststrukturalisitischer Ansätze für die feministische Theorienbildung in den Sozialwissenschaften am Beispiel Judith Butler veröffentlicht
Eva Bretschneider hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare