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Selbstdarstellung und Umgang mit der Fremde in den Liedern Oswalds von Wolkenstein

Hauptseminararbeit,  2002, 27 Seiten
Preis: 9,99 EUR (E-Book), 14,99 EUR (Buch)
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Details zum Text

Beschreibung

Veranstaltung:
Oswald von Wolkenstein
Institution / Hochschule:
Autor:
Archivnummer:
V25849
ISBN (E-Book):
978-3-638-28363-2
ISBN (Buch):
978-3-638-64500-3
DOI:
10.3239/9783638283632
Dateigröße:
259 KB

Kategorie:
Hauptseminararbeit
Jahr:
2002
Seiten:
27
Note:
1,3
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Wenn man sich mit Oswalds von Wolkenstein Umgang mit der Fremde auseinandersetzt, bemerkt man bald, dass man dabei nicht umhin kommt, auch seine Selbstdarstellung zu untersuchen, da diese beiden Themen eng miteinander verzahnt sind. Man wird sich sehr schnell der Tatsache bewusst, dass Oswald nie versucht die Realität abzubilden, sondern sie immer bewusst formt, um sie seinen Zwecken dienlich zu machen; es geht nie primär darum, die Fremde an sich zu beschreiben oder gar zu verstehen. Sie ist nur ein Ornament, das in erster Linie einen rhetorischen Zweck erfüllt, was sich allein schon in seinen endlosen Aufzählungen der bereisten Länder zeigt. In der vorliegenden Arbeit wird diese Thematik anhand der Lieder „Es fügt sich“, „Es ist ain altgesprochner rat“ und „Durch Barbarei, Arabia“ untersucht, in denen die Fremde jeweils unter verändertem Vorzeichen auftaucht: Im ersten Lied werden die fremden Orte durch ironische Momente im Kontext eines ziellosen Umherstreifens beschrieben und somit die weltlichen Freuden gegenüber einem Leben der Hinwendung zu Gott deklassiert; im zweiten Lied wird die Wahrnehmung des Fremden zu einem Seismographen der politischen Erfolge und Misserfolge und zu einem Werkzeug der Selbstinszenierung und im letzten Lied werden zum Teil die gleichen Orte als Zeichen einer glorreichen und abenteuerlichen Vergangenheit zur miserablen gegenwärtigen Situation in der Heimat, nämlich der Gefangenschaft auf Burg Hauenstein, in Kontrast gesetzt.

Textauszug (computergeneriert)

Selbstdarstellung und Umgang mit der Fremde
in den Liedern Oswalds von Wolkenstein

von: Diego De Filippi

 


INHALTSVERZEICHNIS

I Einleitung 3

II Hauptteil

1) Es fügt sich (Kl 18) 5
2) Es i?t ain altge?prochner rat (Kl. 19)

a) Historischer Hintergrund 13
b) Das Lied 14
c) Schlussfolgerungen 19

3) Durch Barbarei, Arabia (Kl 44) 20

III Schlusswort 24

Bibliographie

Primärliteratur 26
Sekundärliteratur 26

 


 

I E I N L E I T U N G

Wenn man sich mit Oswalds von Wolkenstein Umgang mit der Fremde auseinandersetzt, bemerkt man bald, dass man dabei nicht umhin kommt, auch seine Selbstdarstellung zu untersuchen, da diese beiden Themen eng miteinander verzahnt sind. Man wird sich sehr schnell der Tatsache bewusst, dass Oswald nie versucht die Realität abzubilden – solche Reisebeschreibungen, sucht man in der mittelalterlichen Literatur generell vergebens – sondern sie immer bewusst formt, um sie seinen Zwecken dienlich zu machen; es geht nie primär darum, die Fremde an sich zu beschreiben oder gar zu verstehen. Sie ist nur ein Ornament, das in erster Linie einen rhetorischen Zweck erfüllt, was sich allein schon in seinen endlosen Aufzählungen der bereisten Länder zeigt. Deutlich wird dies auch, wenn man mehrere seiner Lieder, die jeweils einen anderen Zweck verfolgen, wie es bei „Es fügt sich“, „Es ist ain altgesprochner rat“ und „Durch Barbarei, Arabia“, die ich hier behandeln werde, der Fall ist, untersucht und miteinander vergleicht. Man kann hier sehen, wie einmal die fremden Orte durch ironische Momente im Kontext eines ziellosen Umherstreifens beschrieben werden, also als weltliche Freuden gegenüber einem Leben der Hinwendung zu Gott deklassiert werden; einmal die Wahrnehmung des Fremden als Seismograph der politischen Erfolge und Misserfolge und als Werkzeug der Selbstinszenierung dient; und einmal zum Teil die gleichen Orte als Zeichen einer glorreichen und abenteuerlichen Vergangenhe it zur miserablen gegenwärtigen Situation in der Heimat, nämlich der Gefangenschaft auf Burg Hauenstein, in Kontrast gesetzt werden. Dieser Umgang mit Fremdem ist nur in sehr geringem Maße mittels seiner Wahrnehmung zu begründen. Zu bedenken ist auch, dass die Art, in der die Realität Einzug in die Lieder erhält, auch mit der jeweiligen Gattung des Liedes zusammenhängt: „Es fügt sich“ ist ein Alterslied und erfordert somit traditionsgemäß auch die Hinwendung zu Gott am Schluss; „Es ist ain altgesprochner rat“ lässt sich zwar nicht eindeutig einer Gattung zuordnen, aber es spielt viel mit der Gattung des Zeitliedes; und „Durch Barbarei, Arabia“ ist ein Bittgedicht, weshalb auch alles herangezogen wird, um einen Kontrast zur momentan misslichen Lage zu erzeugen. Dass sich diese Lieder nicht darin erschöpfen, bloß Alterslied, bzw. Bittgedicht oder Zeitlied (oder eine Anlehnung daran) zu sein, wird auch näher beleuchtet, denn auch hier ist zu bedenken, dass es sich nur um ein Spiel mit verschiedenen Formen handelt, deren Zweck noch ergründet werden muss. Einige interpretatorische Ansätze ergeben sich dann, wenn man weiterforscht und auch kulturhistorische Überlegungen anstellt, also z.B. nach dem Selbstverständnis des Dichters allgemein fragt und nach diesbezüglichen Unterschieden zwischen dem Hochmittelalter, also der Tradition, und dem spätmittelalterlichen Dichter Oswald von Wolkenstein. Hier sieht man sich nämlich mit einer neuen Art der Wahrnehmung konfrontiert, die sich durch ihre Freude an einer differenzierten Beschreibung von Details, durch Abenteuerlust, durch einen erhöhten Materialismus1, ein gelegentliches Abdriften ins Derbe und durch eine ständig durchschillernde ironische Selbstdarstellung auszeichnet, womit Oswald insgesamt seine Präsenz als Dichter betont wissen will. Davon ausgehend hat dann auch Albrecht Classen die Einflüsse auf Oswald untersucht, die von den norditalienischen Realisti ausgingen, welche sich der aufkommenden bürgerlichen Schicht zuwandten, ihr zum Teil auch entstammten und ihr auch Anregungen entnahmen. Diese verstanden sich als Reaktion auf den Dolce Stil Nuovo, der sich durch einen hohen sprachlichen Stil und eine edlere Thematik auszeichnete.2

Vor dem Hintergrund der Selbstdarstellung werden auch Oswalds häufig auftauchenden Bilder und indirekten Verweise auf die verschiedenen literarischen Topoi verständlich, und generell sein spielerischer Umgang mit Sprache und Realität. Das Umformen der letzteren und vor allem auch der Fremde und einzelner seiner Lebensepisoden werden unter diesem Aspekt dann auch klarer. Auf keinen Fall sollte man die Lieder von den Reisen als Quelle für eine Biographie Oswalds verstehen, wie dies bedenkenlos im XIX Jahrhundert geschah3 und, wenn auch nicht mehr so bedenkenlos, noch in der jüngeren Oswald-Forschung geschehen ist.4

Einleitend bliebe noch etwas über das Reisen im Spätmittelalter allgemein zu bemerken, da Oswald auch viele Erlebnisse aus seinen Fahrten in seine Liedern mit hat einfließen lassen, und man so besser verschiedenes verstehe n kann, was für damalige Hörer keiner zusätzlichen Erläuterung bedurfte. Auf Reisen begab man sich, wenn es nicht geschäftliche Gründe hatte, wie es z.B. bei Händlern oder, wie bei Oswald, im Bereich der Politik der Fall war, entweder als Pilgerer, als Missionar, oder um sich als Ritter zu bewähren, denn es gehörte zu einer guten ritterlichen Ausbildung, dass man in die Welt zog, um Erfahrungen zu sammeln, also kein „heimgezogenes Kind“5 zu sein. Einen hohen Stellenwert in der ritterlichen Ausbildung hatte auch die Reise ins Heilige Land, also die Pilgerfahrt nach Jerusalem, die auch Oswald, wie er oft in seinen Liedern berichtet, und wie es auch anderweitig nachweisbar ist, unternommen hatte, und wo er zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde. Man erwartete, in der Fremde Wunder zu sehen, womit hier allerdings all dies bezeichnet wurde, was fremd erschien und deshalb nicht mit unserem heutigen Begriff von Wunder gleichzusetzen ist.6 Oswalds Umgang mit kultureller Alterität bedeutet auch eine Entwicklung gegenüber dem Hochmittelalter, wo das Reisen und die Fremde oft mit Schmerz und Leid in Verbindung gebracht und der eigenen Heimat entgegengesetzt wurden. 7 Oswald ist insofern typisch für seine Zeit, als ihn eine Freude am Entdecken der Welt kennzeichnet, und er die Welt in ihrer Buntheit und Vielfalt wahrnimmt.

II H A U P T T E I L

1) Es fügt sich (Kl 18)

[...]


1 Zum Wandel der Wahrnehmung der Fremde zwischen Hochmittelalter und Spätmittelalter siehe auch: Norbert Mayr: Die Reiselieder und Reisen. Oswald von Wolkenstein, Innsbruck 1961 (Schlern -Schriften 215), S. 9-15.

2 Albrecht Classen: Zur Rezeption norditalienischer Kultur des Trecento im Werk Oswalds von Wolkenstein (1376/ 77-1445), Göppingen 1987 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 471) und vgl. Albrecht Classen: Die autobiographische Lyrik des europäischen Spätmittelalters. Studien zu Hugo von Montfort, Oswald von Wolkenstein, Antonio Pucci, Charles d’Orléans, Thomas Hoccleve, Michel Beheim, Hans Rosenplüt und Alfonso Alvarez de Villasandino, Amsterdam 1991, S. 145-209.

3 Näheres dazu bei Mayr: Die Reiselieder und Reisen, S. 15-30. Hier wird genauer auf die Quelle dieser Missverständnisse eingegangen, nämlich Beda Webers Oswald-Biographie von 1850.

4 In seiner sonst gut recherchierten Biographie Oswalds von Wolkenstein, benützt Anton Schwob das Lied „Es ist ain algesprochner rat“ als eine solche Quelle und verkennt dabei die Ironie in den Strophen X-XII (Anton Schwob: Oswald von Wolkenstein. Eine Biographie, Bozen 1977, S. 116 f).

5 Peter Suchenwirt zitiert in: Mayr: Die Reiselieder und Reisen, S. 34.

6 Ergebnis aus der ersten Seminarssitzung.

7 Mayr: Die Reiselieder und Reisen, S. 9-15.

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