2
1. Einleitung S.1
2. Heuristiken S.1
2.1. Bewusste Heuristiken S.3
2.2. unbewusste Heuristiken S.4
2.2.1. Vereinfachungsheuristik S.4
2.2.1.1. Theorie S.4
2.2.1.2. Beispiele S.5
2.2.1.3. Experiment S.5
2.2.1.4. Auswirkungen der Heuristik S.5
2.2.1.4.1. individuelle Auswirkungen S.6
2.2.1.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.6
2.2.2. Verfügbarkeitsheuristik S.7
2.2.2.1. Theorie S.7
2.2.2.2. Beispiele S.8
2.2.2.3. Auswirkungen der Heuristik S.9
2.2.2.3.1. individuelle Auswirkungen S.9
2.2.2.3.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.9
2.2.3. Mental Accounting S.9
2.2.3.1. Theorie S.9
2.2.3.2. Beispiele S.10
2.2.3.3. Experiment S.11
2.2.3.4. Auswirkungen der Heuristik S.11
2.2.3.4.1. individuelle Auswirkungen S.11
2.2.3.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.11
2.2.4. Verankerung und Anpassung S.12
2.2.4.1. Theorie S.12
3
2.2.4.2. Beispiele S.12
2.2.4.3. Experiment S.12
2.2.4.4. Auswirkungen der Heuristik S.13
2.2.4.4.1. individuelle Auswirkungen S.13
2.2.4.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.13
2.2.5. Repräsentativitätsheuristik S.13
2.2.5.1. Theorie S.13
2.2.5.2. Beispiele S.14
2.2.5.3. Experiment S.15
2.2.5.4. Auswirkungen der Heuristik S.15
2.2.5.4.1. individuelle Auswirkungen S.15
2.2.5.4.2. Auswirkungen auf die Preisbildung S.15
2.3. Ausscheiden, Arbitrage und Lerneffekte S.15
3. Fazit S.16
4
1. Einleitung
Bis zu den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts rühmte sich die neoklassische Wirtschaftstheorie, den Alleinvertretungsanspruch für die Erklärung des Geschehens an den Börsen zu haben. Dann begannen die ersten zaghaften Bemühungen der Wirtschaftspsychologie, die sich bislang auf Themen wie Arbeitspsychologie, Mitarbeiterführung sowie Marketingpsychologie beschränkt hatte, das Verhalten von Börsenakteuren zu erkunden. Doch erst in den siebziger Jahren wurde die schon seit Längerem untersuchte Psychologie der Spieltheorie mit weiteren verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen zum neuen
Forschungsgebiet Behavioral Finance entwickelt. Sie bot neue Erklärungsansätze für Phänomene wie die Milchmädchenhausse oder Börsencrashs, mit deren Erklärung die neoklassische Theorie bisher große M ühe hatte. Leider gehört die Behavioral Finance noch nicht zum Handwerkszeug der Börsenakteure, deren Kenntnis ist jedoch eine Bereicherung für jeden Anleger. Daher thematisiert diese Arbeit einen ausgewählten Aspekt der Behavioral Finance, nämlich Heuristiken am Kapitalmarkt.
2. Heuristiken
Ein Akteur mit dem Anspruch der Rationalität hat bei der Aufnahme und Verarbeitung von Informationen, die seine Anlageentscheidungen betreffen, bestimmten A nforderungen zu genügen 1 . Er hat die entsprechenden Informationen neutral und vollständig aufzunehmen, zu verarbeiten und dann eine nachprüfbar optimale Entscheidung zu treffen. Hierbei bedient er sich insbesondere wissenschaftlicher Modelle, e twa der Kombinatorik und
Wahrscheinlichkeitsrechnung 2 . Betrachtet man hier den realen Anleger u nd nicht einen „homo oeconomicus“ 3 , so wird klar, dass auch unter optimalen Bedingungen (z.B. ausreichend Zeit, Methoden- und Fachwissen, Erfassung der Komplexität etc.) die optimale Entscheidung nicht einfach und ohne A nstrengung erzielbar ist. Von Nitzsch behauptet, dass auch unter optimalen Bedingungen die meisten Entscheidungen suboptimal seien 4 . Bei der Betrachtung von tagtäglichen Entscheidungen an den Finanzmärkten wird klar, dass hier alles andere als optimale Rahmenbedingungen vorliegen. Entscheidungen müssen unter Zeitdruck gefällt werden (denn die optimale Entscheidung ist wertlos, wenn sie auf Grund eines „time lag“ auf bereits veralteten Situationen b asiert) 5 . Aufnahmefähigkeit und
1 Ein rationaler Entscheider, also ein sog. „homo oeconomicus“ unterliegt keinen geistigen Restriktionen, hat keine
Gefühle und orientiert sich bei Entscheidungen nur en der Maximierung des Erwartungsnutzens.
2 Vgl. Strack (1985), S. 241.
3 Vgl. Wiswede (1996), S. 13 f.
4 Vgl. von Nitzs ch/Friedrich (1999), S. 13.
5 Vgl. Goldberg (2000), S.50.
5
Verarbeitungskapazität des menschlichen Gehirns sind limitiert. Kahneman, Slovic und Tversky sowie Hammond, Keeney und Raiffa zeigten experimentell, dass Menschen im strikt logischen Sinn langsame und schlechte Rechner sind 6 . Eine Erklärung liefert die Erkenntnis der Hirnforschung: Der Mensch ist kaum in der Lage, in einer Situation mehr als sieben erfassen 7 . Informationen gleichzeitig zu Die Beschränktheit der geistigen
Verarbeitungskapazität wird auch beim Versuch der Lösung von Aufgaben zu Wahrscheinlichkeitsrechnung und Kombinatorik schnell bewusst. Bei steigender Schwierigkeit gelangt man ohne Stift und Papier, Taschenrechner oder Computer bald an seine Grenzen. Der Mensch als „kognitiver Geizhals“ muss also effizient mit seinen geistigen Ressourcen umgehen 8 . Zusätzlich herrscht in Entscheidungssituationen meist eine nicht beherrschbare Komplexität der Sachlage vor, zudem hat der Akteur oft unzureichendes Methoden- und Fachwissen.
Um Lösung auf die Fragestellungen an den Finanzmärkten (unter Vorhandensein obiger Probleme) zu finden, behelfen sich die Individuen oft Heuristiken zur Vereinfachung und Beschleunigung der Urteilsfindung. Kirchler definiert: „Heuristiken sind Faustregeln, die den Vorteil haben, Urteilsprozesse zu erleichtern, aber unter b estimmten Bedingungen zu systematischen Fehleinschätzungen führen 9 .“ Von Nitzsch konkretisiert diese Aussage wie folgt: „Heuristiken sind hierbei Mechanismen der Informationsverarbeitung, die mit geringem Aufwand zu einem schnellen, aber nicht garantiert optimalen Ergebnis kommen 10 .“ Der Einsatz von Heuristiken ist also a nalog zu obigen Ausführungen vor allem dann anzutreffen, wenn die Knappheit 11 , Rahmenbedingungen für Entscheidungen widrig sind: bei zeitlicher
unvollständiger Information und hoher Komplexität 12 . Aronson entdeckte, dass die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz einer Heuristik steigt, je weniger wichtig das Ergebnis für das Individuum ist 13 . Die Verwendung von Heuristiken kann, wenn man explizit von dem Vorhandensein von Informationskosten ausgeht, sogar rational sein. Dies ist der Fall, wenn man das Verhältnis zwischen aufgewandten Informationskosten und dadurch e rzieltem Zusatzgewinn (durch optimalere Urteilsmöglichkeit) optimiert 14 . Grundsätzlich lassen sich bewusste sowie im Normalfall unbewusste Heuristiken unterscheiden. Unbewusste Heuristiken kann sich das Individuum bewusst m achen, wenn es
6 Vgl. Kirchler (1999), S. 27.
7 Vgl. Goldberg (2000), S. 50.
8 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S. 13.
9 Vgl. Kirchler (1999), S.29.
10 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S.13.
11 Vgl. Strack (1985), S.241.
12 Vg. Maas/Weibler (1990), S.82.
13 Vgl. von Nitzsch/Friedrich (1999), S. 13.
14 Gerke, mündliche Äußerung.
6
sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt 15 . Die meisten Börsenakteure wissen jedoch gar nicht, dass sie diesen Phänomenen unterliegen, g eschweige denn, dass sie sich mit ihrer Urteilsbildung auseinandersetzen. Daher wird im Folgenden davon ausgegangen, dass sich die Börsenakteure ihrer im Normalfall unbewussten Heuristiken nicht bewusst sind.
2.1. Bewusste Heuristiken
Bewusste Heuristiken sind Strategien, die Individuen explizit entwickeln, um in b estimmten Situationen zu relativ guten Urteilen / Ergebnissen zu gelangen. Ein Beispiel liefern Daytrader oder Devisenhändler, die an einem Multi-Bildschirm-Arbeitsplatz sitzen und n eben Kurslisten, „Times and Sales“-Tabellen und Charts auch ein Fenster mit „Ticker“-Nachrichten empfangen. In diesem Fenster werden stets die Schlagzeilen der aktuellsten Börsennachrichten eingeblendet. Ist die Schlagzeile für die Entscheidungsfindung eines Händlers relevant, so hat er die Möglichkeit, auf die Schlagzeile zu klicken. Dadurch wird die gesamte Nachricht dargestellt. Viele Händler verzichten aber bewusst auf Wahrnehmung des gesamten Inhalts der Nachrichten, auch wenn diese extrem relevant für sie zu sein scheinen. Vielmehr beschränken sie sich auf die Aussage der Schlagzeile und handeln nach dieser Information. Sie versprechen sich dadurch einen Zeitvorteil und gehen bewusst den Nachteil ein, auf die detaillierte I nformation der Meldung zu verzichten. Ein weiteres, etwas komplexeres Beispiel b eschreibt Müller 16 . Er führt ein Experiment durch, bei dem Probanden die Aufgabe haben, einen einmaligen Geldbetrag für verschiedene Perioden aufzuteilen. A Priori ist die Anzahl der Perioden unbekannt, es existiert nur eine Bandbreite der möglichen Ausprägungen. Im Laufe der verschiedenen Perioden werden mehr und mehr Informationen über die mögliche Anzahl der verbleibenden Perioden gegeben. Um nun unter Berücksichtigung der sequentiell eintreffenden Informationen die optimalen Beträge für jede einzelne Periode zu berechnen, muss sich der Proband verschiedener Methoden der Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung bedienen. Neben einer kleinen Anzahl von Probanten, die dies tatsächlich meisterten, konnte man eine große Anzahl von Probanten beobachten, die mehr oder weniger detaillierte Heuristiken anwendeten. So kamen Daumenregeln zum Einsatz, pro Runde beispielsweise zwei Geldeinheiten zu veranschlagen, obwohl mit dieser Berechnung auch bei der maximalen Anzahl der Perioden am Ende noch Geld übrig blieb. Besser war schon die Heuristik, den erhaltenen Betrag durch die maximale Anzahl der Perioden zu teilen. Andere Probanten berechneten unter Annahme der Gleichwahrscheinlichkeit die mittlere Periodenanzahl und verteilten die Beträge entsprechend. Der maßgebliche Unterschied zu den unbewussten Heuristiken ist, dass sich der
15 Vgl. Goldberg (2000), S.51.
16 Vgl. Müller (2001), S. 494-520.
Arbeit zitieren:
Mark Bauer, 2002, Heuristiken am Kapitalmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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