I Inhalt
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II Einleitung 1
1. Kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans 1
2. Zur Struktur des Romans und zum Aufbau der Arbeit 2
III Der Roman Irrungen Wirrungen 3
1. Der erste Handlungsteil: Das Verhältnis Lene - Botho 3
1.1. Exposition (Kapitel 1-5) 3
1.2. Konfliksteigerung (Kapitel 6-13) 6
1.3. Wendepunkt (Kapitel 14 - 16) 8
2. Der zweite und dritte Handlungsteil: Das Verhältnis Botho - Käthe 12
Das Verhältnis Lene - Gideon 12
2.1. Fallender Spannungsbogen (Kapitel 16-23) 12
2.2. Schluß (Kapitel 24 - 26) 16
IV Zusammenfassung: (Magda)Lene Nimptsch - Das Frauenbild Fontanes in Irrungen
Wirrungen 17
V Literaturverzeichnis 21
II Einleitung
1. Kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte des Romans
Die erste Tagebuchnotiz Fontanes die Zeugnis von seiner Arbeit an Irrungen
Wirrungen ablegt fand man unter dem Datum des 12 Dezember 1882 Darin
ist von einem Novellenstoff mit dem Arbeitstitel Irrt Wirrt die Rede 1 Im Mai
1884 entstand dann der Anfang des Werkes in Hankels Ablage bei
Königswusterhausen Anschließend ließ Fontane den Stoff ruhen Erst 1886
erfolgte eine Neuaufnahme der Arbeit bis 1887 der fertige Roman unter dem
1R. Brinkmann in Grawe Christian: Interpretationen Fontanes Novellen und Romane Reclam
Stuttgart 1995 Seite 154
1
Namen „Irrungen, Wirrungen” als Fortsetzungsroman in der „Vossischen Zeitung” erschien und 1888 die erste Buchausgabe erhältlich war. Sofort bei seinem Erscheinen löste der Roman große Entrüstung aus. Die gesellschaftliche Oberschicht Deutschlands war durch den schnell zur „Hurengeschichte” deklarierten Roman in ihrer Eitelkeit empfindlich getroffen worden. Zum ersten mal wurde in einem Roman Fontanes nicht nur die gesellschaftliche Oberschicht geschildert, sondern unter Einbeziehung des Volkes kontrastierend die Oberflächlichkeit des Adels entlarvt. 2
2. Zur Struktur des Romans und zum Aufbau der Arbeit
Der Roman „Irrungen, Wirrungen” ließe sich grundsätzlich in zwei Teile trennen. Im ersten Teil würde die Beziehung der Magdalene Nimptsch - von Fontane und auch im folgenden in dieser Arbeit nur Lene genannt - und Botho von Rienäcker geschildert, die nicht von langer Dauer und mit der Hochzeit Bothos mit Käthe von Sellenthin beendet ist. Der zweite Handlungsteil gäbe Einblicke in Bothos Eheleben und wäre mit der Heirat von Lene und Gideon Franke beendet.
Es ist aber möglich aufgrund des strengen, dramenähnlichen Aufbaus des Romans drei große Handlungsteile auszumachen, denen sich mehrere kleinere, der Dramentheorie entsprechende Teile zuordnen lassen.
Zur Exposition gehören dementsprechend die Kapitel 1 bis 5 in denen in das Verhältnis Lenes zu Botho, welches gleichzeitig den ersten großen Handlungsteil darstellt, eingeführt wird. Dazu gesellen sich die Kapitel 6 bis 13, in denen die Unmöglichkeit dieser Beziehung immer deutlicher wird, als 2Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen, Hamburger Lesehefte Verlag, Husum/Nordsee, S. 136, im Folgenden zitiert als Fontane
2
Konfliktsteigerung und die Kapitel 14 und 15 als Wendepunkt. Die Beziehung zerbricht.
Mit dem Bruch der Beziehung zwischen Lene und Botho setzen zwei weitere Handlungsteile ein. Der eine behandelt die Ehe Bothos mit Käthe und der andere die Beziehung Lenes zu Gideon. Beide Teile sind zunächst nur äußerlich getrennt, innerlich aber ineinander dadurch verwoben, daß es sowohl Lene als auch Botho nicht gelingt, sich aus der emotionalen Bindung zu lösen. Diesen Handlungsteilen ordnen sich Kapitel 16 bis 23 als abfallender Spannungsbogen unter. Kapitel 24 bis 26 gehören ebenso dazu. Sie bilden den Schluß des Romans, der dramentheoretisch weder eindeutig der Tragödie noch dem Happy
- End zuzuordnen ist, weil sich beide Hauptfiguren mit ihrem neuen Leben arrangieren und sich mit einem limierten, bescheideneren Glück als dem der „großen Liebe” zufriedengeben. Die letzten zwei Handlungsteile funktionieren jetzt im wesentlichen getrennt, also unabhängig voneinander. Im Folgenden werden nun diese drei großen Handlungsteile genauer untersucht werden. Dabei wird sich zeigen, daß die dramentheoretische Subunterteilung den Vorteil der größeren Übersichtlichkeit des Stoffes aufweist. Der Aufbau der Arbeit erfolgt demnach auch an diesen Subunterteilungen orientiert.
III. Der Roman „Irrungen, Wirrungen”
1. Der erste Handlungsteil: Das Verhältnis Lene - Botho 1.1. Exposition (Kapitel 1-5) Theodor Fontane läßt seinen Roman mit einer genauen Ortsbenennung beginnen. Es wird ebenso die Zeit auf eine Woche nach Pfingsten in der Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts bestimmt.
3
„An dem Schnittpunkt von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem ‘Zoologischen’, befand sich Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem Vorgärtchen um etwa hundert Schritte zurückgelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und Zurückgezogenheit, von der vorübergehenden Straße sehr wohl erkannt werden konnte. Was aber noch zu dem Gesamtgewese der Gärtnerei gehörte, ja die recht eigentliche Hauptsache der selben ausmachte, war durch ebendieses Wohnhaus wie eine Kulisse versteckt, und nur ein rot und grün gestrichenes Holztürmchen mit einem halb weggebrochenen Ziffernblatt unter der Turmspitze (von Uhr keine Rede) ließ vermuten, daß hinter dieser Kulisse noch etwas anderes verborgen sein müsse, (...). Es war die Woche nach Pfingsten, die Zeit der Langen Tage, deren blendendes Licht mitunter kein Ende nehmen wollte.” 3
Doch bereits der Anfang des Werkes deutet an, daß in dieser Gärtnerei etwas im Verborgenen geschehen muß, was den neugierigen Blicken der Vorübergehenden noch entgeht, aber durchaus entdeckt werden könnte. Hier zeigt sich auch schon Fontanes Sinn fürs Detail: Die zerbrochene Uhr weist darauf hin, daß, was immer dort auch vorgeht, nicht von großer Haltbarkeit sein wird. Damit wird gleich von Beginn an auf die Brüchigkeit der nahezu unmöglichen Beziehung zwischen der einfachen Plätterin Lene Nimptsch und dem Adligen Botho von Rienäcker hingewiesen, noch bevor der Leser wenig später von dieser Beziehung erfährt.
Im Laufe des Romans werden die Zeichen immer eindeutiger und die anfängliche Vorahnung eines nichtglücklichen Ausgangs wird bald zur Gewißheit. Bilder wie ein Schuttberg oder ein Sumpf 4 verdeutlichen das
gefährliche Terrain, auf dem man sich bewegt und nehmen die Beziehungstrümmer vorweg. Sie machen die Lebenssituation der Romanfiguren blitzartig in ihrer ganzen Komplexität klar. Fontane selbst bewunderte den
3Fontane,
Kap. 1, S.3
4Fontane,
Kap.9, S.41
4
Roman „Irrungen, Wirrungen” für diese Finessen und wies immer wieder auf sie hin. 5
Doch die zerbrochene Uhr, zeigt weiterhin, daß in der Umgebung der Gärtnerei der Familie Dörr niemand auf exakte Zeitmessung achtet. Daraus resultiert die eigenartige Zeitlosigkeit der ersten Kapitel, trotz der genauen historischen Datierung.
Die ersten Kapitel beinhalten weiterhin eine erste Personenbeschreibung. Diese Charakteristika verdichten sich im Laufe des Romans jedoch. Der Leser erfährt, daß Botho von Rienäcker Premierleutnant im Kaiser - Kürassierregiment, etwa sechs Fuß groß und ein Durchschnittsmensch der sogenannten Obersphäre der Gesellschaft ist. Er gehört zum verarmten Landadel, genießt sein Clubleben und spielt.
Lene Nimptsch wird uns als die Ziehtochter von Frau Nimptsch vorgestellt. Beide leben in einem kleinen Häuschen zur Miete auf dem Anwesen der Dörrs. Sie ist schlank, blauäugig und aschblond. Frau Dörr äußert sogar die naive Vermutung: „...vielleicht is es eine Prinzessin oder so was.” 6 Ihre Arbeit macht
Lene ökonomisch unabhängig.
Luise Otto-Peters (1819-1895), die sich für die Gleichberechtigung der Frau einsetzte und zu diesem Zweck den Allgemeinen Deutschen Frauenverein gründete, welcher zur Keimzelle der bürgerlichen Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts wurde, war der Auffassung, daß eigenständiges „fortarbeiten für den Erwerb” die Basis jeden Emanzipationsversuches der Frau sei. 7 In diesem
Sinne ist Lene also durchaus als emanzipierte Frau zu bezeichnen. Darin unterscheidet sie sich von anderen weiblichen Helden Fontanes wie zum Beispiel Effie Briest.
5Fontane, Nachwort S.137 6Fontane, Kap.1, S. 5 7Otto-Peters, Luise:Das Recht der Frauen auf Erwerb, in: Die Frauenfrage in Deutschland 1865-1915. Texte und Dokumente, Reclam, Stuttgart, 1994, Seite 297 ff.
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Arbeit zitieren:
Corinna Hein, 1998, Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Schwerpunkt: Frauen bei Fontane - (Magda)Lene Nimptsch, München, GRIN Verlag GmbH
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