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Kunst und Kulturindustrie bei Theodor W. Adorno - Adornos schicksalhafte Koppelung des Untergangs der Kunst mit dem Aufstieg der Unterhaltung

Hauptseminararbeit, 2004, 31 Seiten
Autor: Dominik Sommer
Fach: Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 31
Note: --
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V24544
ISBN (E-Book): 978-3-638-27395-4

Dateigröße: 340 KB


Textauszug (computergeneriert)

Kunst und Kulturindustrie bei Theodor W. Adorno
Adornos schicksalhafte Koppelung des Untergangs
der Kunst mit dem Aufstieg der Unterhaltung





von: Dominik Sommer

Inhaltsverzeichnis 02

0. Einleitung 03

1. Bestimmung des Kulturindustriebegriffs: Definition und Merkmale 05

2. Adornos Kunstbegriff

2.1 Ökonomische Vermittlung ästhetischer Phänomene 09
2.2 Versöhnung von Mensch und Natur 10
2.3 Funktionslosigkeit als Aufgabe der Kunst 10
2.4 Beschaffenheit der Kunst: Autonomie und fait social 11
2.5 Ästhetischer Schein 13
2.6 Gesellschaftskritik vs. Vergesellschaftung 14
2.7 Zusammenfassung 15

3. Theorie der Kulturindustrie

3.1 Charakteristika kulturindustrieller Produkte 16
3.2 Ideologien der Kulturindustrie 18
3.3 Schließungsmechanismen der Kulturindustrie 23
3.4 Äußere und innere Herrschaft der Kulturindustrie 24
3.5 Kulturindustrie als Bewusstseinsindustrie 25
3.6 Manipulation und rückwirkendes Bedürfnis 25
3.7 Folgen 27

Literatur 29



 




0. Einleitung

Der Begriff der Unterhaltung – nicht in seiner harmlosen und lebensnotwendigen Ausprägung als Beschäftigung, die keine unmittelbaren Ziele verfolgt, sondern in der durch zentralisierte und kommerzielle Medien den Interessen Einzelner (Gruppen) auf Kosten anderer dienender Form - ist Anfang des 21. Jahrhunderts, zwanzig Jahre nach dem Start des Privatfernsehens, wieder fester Bestandteil unterschiedlicher Debatten. So stellt sich die Frage, ob die Prozessualität demokratischer Politik noch angemessen vermittelt werden kann unter massenmedialen Bedingungen, die unter dem kommerziellen Druck möglichst hoher Quoten demokratische Prozesse als Events, Machtkämpfe, Siege oder Niederlagen stilisieren und den deliberativen Charakter demokratischer Politik entweder als Streit inszenieren oder ganz ausblenden. Sachfragen der Politik werden der Unterhaltung geopfert und der Frage nach der neuen Freundin Oliver Kahns gleichgesetzt. Im Bereich der Kunst steigt der Legitimationsdruck für zweckfreie Tätigkeiten auf Grund einer neoliberalen Ökonomie, deren erhöhter Konkurrenzdruck fortschreitende Vermarktlichung erfordert und Kunst, deren hervorstechendes Merkmal ihre Zweckfreiheit ist, dazu drängt, sich schon im Moment ihrer Herstellung zu verkaufen, sich dem Zweck der Unterhaltung zu opfern. Andererseits finden sich in einer Vielzahl von ausdifferenzierten Medien immer noch Möglichkeiten zur angemessenen Berichterstattung über Politik; und auch die Kunst ist interaktiv geworden – weg vom Charakter großer Meisterwerke in Musik und darstellender Kunst, die von Genies geschaffen wurden, deren Abstand zu den gebildetsten Rezipienten unüberbrückbar war, hin zu ggf. multimedialen Installationen unter Beteiligung des Publikums oder populären Elementen (die selbst wiederum zur Kunst erhoben wurden) in traditionellen Kunstformen.

Um massenmediale Unterhaltung dreht sich auch Theodor W. Adornos Theorie der Kulturindustrie. Sie ist nicht zu denken ohne den Kunstbegriff Adornos. Kunst und Kulturindustrie sind dialektisch und damit schicksalshaft miteinander verknüpft: Ein Aufstieg der Unterhaltung bedeutet den Untergang der Kunst. Die grundsätzliche Trennung von Kunst und Unterhaltung, ihre Konstruktion als Gegensatzpaar ist eine grunddeutsche Erscheinung, die ihre schärfste Ausprägung in Adornos „Ästhetischer Theorie“ und in dessen Theorie der Kulturindustrie gefunden hat. Diese Betrachtungsweise der Kunst entspringt einem Argumentationsschema von Bildung und Kultur, das dem Selbstverständnis des deutschen Bildungsbürgertums des 19. Jahrhunderts in Abgrenzung zum Wirtschaftsbürgertum entspricht. Theodor W. Adorno ist ein Epigone dieser Tradition und feiert die Kunst als Meisterwerk (Werkskunst), obwohl spätestens seit dem Dadaismus die Kunst auch zum Ereignis wurde, die eine Beteiligung des Publikums jenseits distanzierter und gelehrter Betrachtung mitdachte. Dennoch ist Adornos Schema einer zweckfreien und meisterlichen Kunst fester Bestandteil des Selbstverständnisses der Kunst, gerade wenn unter neoliberalen ökonomischen Bedingungen der Legitimationsdruck für ihre Verwertungslosigkeit steigt, und auch wenn Kunst im Zuge ihrer Ausdifferenzierung interaktiv und teilweise populär geworden ist.
Ziel der Arbeit ist es, die Dichotomie zwischen Kunst und Unterhaltung bei Adorno, die Verflochtenheit des normativen Verständnisses von Kunst und Adornos Kulturindustriebegriff kritisch darzustellen. Im ersten Teil der Arbeit werde ich den Kulturindustriebegriff Adornos definitorisch umreißen. Der zweite Teil ergänzt die Erscheinung der Kulturindustrie mit Adornos normativen Kunstbegriff, als dessen Gegenbild anschließend die Theorie der Kulturindustrie an Hand der Charakteristika kulturindustrieller Produkte und ihrer Ideologien operationalisiert und vor ihrem gesellschaftstheoretischen Hintergrund als verfallstheoretische Bewusstseinstheorie dargestellt wird (dritter Teil).

1. Bestimmung des Kulturindustriebegriffs: Definition und Merkmale

[...]


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