1 Die Entwicklung der Patientin- Arzt- Beziehung im Hinblick auf
1.1 Beobachtungen
Eine neurotische
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Patie ntin sucht einen Arzt, genauer einen Psychoanalytiker,
auf, um ihr persönliches Leiden zu bearbeiten bzw. um von einer Störung zu genesen. In der Therapie wird schnell deutlich, dass die Patient in ihr Interesse viel mehr auf den Arzt, als auf ihr Problem bzw. ihre Krankheit, wegen der sie den Arzt aufgesucht hat, lenkt. Dieses gesteigerte Interesse für den Arzt hat zur Folge, dass die Patientin in der Zusammenarbeit zunächst sehr kooperativ ist und der Arzt sowohl von der Patient in als auch von ihren Angehörigen häufig positive Rückmeldungen bekommt. Unter diesen Umständen gestaltet sich die Zusammenarbeit für den Arzt sehr angenehm, die Behandlung nimmt einen positiven Verlauf. Die Patientin beteiligt sich aktiv an der Analyse, ist z.B. Neuem aufgeschlossen und gibt ihre Einfälle/ Erinnerungen preis. Damit befolgt sie auc h die Grundregel der Psychoanalyse: Alles, was dem Patienten in den Sinn kommt, soll gesagt werden.
In dieser Phase kommt es oftmals zu einer objektiven Besserung des Krankheitszustandes der Patient in.
Diese positive Entwicklung in der Analyse ist allerdings nicht von Dauer. Nach einer gewissen Zeit kommt es zu Schwierigkeiten in der Behandlung. D ie Patient in beteiligt sich nicht mehr wie zuvor aktiv an der Analyse. Ein deutliches Merkmal dafür ist, dass die Patientin nicht mehr alles sagt, was ihr in den Sinn kommt. Die Therapie erfährt einen Widerstand, wodurch der positive Behandlungsverlauf in Gefahr gerät.
1.2 Erklärung
Im Sinne von Freud ist die Ursache für diese Störung, dass die Patient in zärtliche Gefühle für den Arzt entwickelt (à auf den Arzt übertragen) hat, welche weder durch das Verhalten des Arztes noch durch die während der Therapie entstandene Arzt- Patientin- Beziehung zu erklären sind. Je nach persönlichen Verhältnissen ist es unterschiedlich, wie sich diese zärtlichen Gefühle bzw. Verliebtheit äußern und welche Ziele verfolgt werden. D as Ganze erscheint bei nahezu Gleichaltrigen für Außenstehende noch nachvollziehbar und l ässt an eine normale Verliebtheit denken. Bei dem Beispiel, dass sich eine neurotische junge Frau in ihren jungen Arzt verliebt, könnte somit übersehen werden, dass es sich bei der jungen Frau um eine Störung der Liebesfähigkeit handeln könnte.
Die Gefühlsentwicklung zwischen Patient in und Arzt wird immer auffälliger bzw. befremdlicher, desto mehr sich die persönlichen Verhältnisse zwischen
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neurotisch: An einer Neurose leidend;
Neurose: Seit Freud Bezeichnung für psychisch bedingte Gesundheitsstörung und im Sinne der Psychoanalyse durch unbewusste, ungelöste Kindheitskonflikte bedingt. Alle lebensgeschichtlich bedingten seelischen Störungen.
Patient in und Arzt unterscheiden (z.B. junge Patientin, wesentlich älterer Arzt). Natürlich ist dabei zu beachten, dass es derartige Fälle auch außerhalb der Psychoanalyse gibt.
Freud beschreibt, dass die Ent stehung dieser Gefühle für den Arzt nicht in Ausnahmefällen, sondern regelmäßig vorkommt, auch bei „geradezu grotesken Missverhältnissen“. (Sigmund Freund, Studienausgabe, Band I: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Neue Folge, 1969, S. 425) So spricht er dabei nicht mehr von einem Zufall, sondern benennt dies als Phänomen, welches mit der Krankheit zusammenhängt.
Dieses Phänomen nennt Freud Übertragung.
Ø Bei der Übertragung werden Gefühle und Eigenschaften, die im Zusammenhang mit bedeutsamen Personen aus der Kindheit entstanden sind, auf den Psychoanalytiker verschoben. Diese Verschiebungen bzw. Projektionen führen zu einer Verzerrung der Realität, insbesondere einer realistischen Sicht des Analytikers.
Die Übertragung kann sich in diesem Zusammenhang auf vielfache Weise äußern, z.B. als stürmische Liebesforderung, aber auch in Form des Wunsches, bevorzugte Tochter zu werden, als Freundschaftswunsch, etc.
1.3 Grundsätze zum Phänomen der Übertragung
Die Übertragung entsteht bereits zu Beginn der Behandlung und beeinflusst die Therapie zunächst positiv. So kommt es z.B. bei Patientinnen durch das gesteigerte Interesse für den Arzt zu einer guten Mitarbeit in der Analyse. Wenn die Übertragung zum Widerstand wird, kann dies zwei Ursachen haben:
1. Die zärtliche n Gefühle sind so stark geworden, dass deutlich wird, dass
sie sexuellen Hintergrund haben und sich ein Widerstand in der Person gegen dieses starke Bedürfnis entwickelt 2. Es handelt sich um eine negative Übertragung, d.h. um die Übertragung
fe indseliger Gefühle auf den Arzt, die wiederum die Mitarbeit des Patienten und damit die Therapie beeinträchtigen.
2 Hintergründe über die Entstehung der Übertragung
2.1 Die Libido mit bewussten und unbewussten Anteilen
Jeder Mensch hat seine individuelle Art, wie er seine Liebe auslebt, welche Bedingungen er an die Liebe stellt, welche Triebe er befriedigen möchte und welche Ziele damit verbunden sind. Diese individuelle Art entwickelt sich durch die Kombination von mitgebrachter Anlage und äußeren Einflüssen in der Kindheit. Die Entwicklung ist prägend und begleitet den Menschen durch das Leben, wobei es natürlich, je nach dem, wen der Mensch liebt, in einem gewissen Rahmen zu Veränderungen und Neugestaltungen kommen kann.
Arbeit zitieren:
Iris Busch, 2002, Die Übertragung in der Psychoanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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