Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: 5
2 Deutschland nach Auschwitz 6
2.1 Die erste Generation: 6
2.2 Die zweite Generation: 7
2.3 Die dritte Generation: 7
3 Pädagogik nach Auschwitz: 8
3.1 Adorno: 8
3.2 Zur Praxis einer Erziehung nach Auschwitz: 9
4 Historische Entwicklung der Jugendliteratur nach
Auschwitz und Diskurs: 12
4.1 Die Jahre der Verdrängung: 12
4.2 Scho nraumliteratur: 12
4.3 Das politische Kinder- und Jugendbuch: 13
4.4 Ästhetik kontra Didaktik: 13
4.5 Die aktuelle Marktsituation: 14
5 Buchanalysen: 15
5.1 „Damals war es Friederich“ von Hans Peter Ric hter 15
5.1.1 Biographie: 15
5.1.2 Inhalt: 15
5.1.3 Analyse: 15
5.2 „Ich bin ein Stern“ 19
5.2.1 Biographie: 19
5.2.2 Inhalt: 19
5.2.3 Analyse: 19
5.3 „Damals war es Friederich“ und „Ich bin ein Stern“ im
Vergleich: 21
6 Fazit: 23
24
Literaturverzeichnis :
3
Meine Zukunft liegt doch nicht in der Vergangenheit.
1 Wermke, Michael (Hrsg.): Die Gegenwart des Holocaust- „Erinnerung“ als religionspädagogi-
sche Herausforderung. Münster: 1997, S. 6
4
1 Einleitung:
Dieses 1994 von einer 18 jährigen Schülerin eines niedersächsischen Gymnasiums verfasste Gedicht spiegelt die Situation deutscher Jugendlicher und ihre heutige Sicht in Bezug auf den Nationalsozialismus und des Holocaust wieder. Gemeint ist die so genannte „Dritte Generation“, die sich teilweise emotional schuldig fühlt- obwohl sie gar keine Schuld trifft- die sic h mit dem Thema überflutet sieht aber andererseits auf Distanz zum Thema geht, eben weil es zu ihnen persönlich und diesem Thema eine große Distanz gibt.
Der Auschwitz Überlebende Primo Levi mahnte: „ ‚ Es ist geschehen und kann deshalb wieder geschehen.’ Was können wir tun, damit es nicht wieder geschieht?“ 2 Die Antwort sollte lauten, die Jugend zu einer kritisch- konstruktiven Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu bewegen. Dies ist überaus wichtig, da es in der Tat Ansätze von Bereitschaft für eine Wiederholung gab wie das so genannte Milgram Experiment im Jahre 1981 an einer amerikanischen Highschool gezeigt hat:
„Ihr habt gesagt, so etwas könne nie wieder geschehen. Aber denkt doch einmal
darüber nach, wie nahe ihr selbst schon diesem Zustand gekommen seid. Ihr habt
diejenigen bedroht, die nicht zu euch gehören wollten. […] Faschismus, das ist
nicht etwas, das nur andere Menschen betrifft. Faschismus ist hier mitten unter
uns und in jedem von uns.“ 3
Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Lage der heutigen Jugendlichen befassen, die sich „erinnern“ müssen, was vor gut einem halben Jahrhundert in ihrem Land vorging und ihnen somit als historisches Erbe, das sie nicht ablehnen können, hinterlassen wurde. Diese Überlegungen führen unweigerlich dazu, über eine aktuelle und zeitmäßige „Erziehung nach Auschwitz“ für die heutige Zeit nachzudenken.
Schlussendlich möchte ich mich mit zwei konkreten Kinder- und Jugendbüchern beschäftigen, die in der Schule zum Einstieg in diese wichtige und zugleich hoch komplizierte Thematik genutzt werden können. Hierzu habe ich mich für einen Vergleich des „Klassikers“ „Damals war es Friederich“ von Hans- Peter Richter und „Ich bin ein Stern“ von Inge Auerbacher entschieden.
2 Dahrendorf, Malte(Hrsg.): Beiträge Jugendliteratur und Medien. Die Darstellung des Holocaust
in der Kinder- und Jugendliteratur. 10. Beiheft. Weinheim 1999. S. 15
3 Rhue, Morton: Die Welle. New York 1981. S. 176
5
2 Deutschland nach Auschwitz
Die Geschehnisse des Dritten Reiches liegen nun schon über fünfzig Jahre zurück. Daher betrifft sie mittlerweile mehrere Generationen, die bedingt durch das Aufwachsen in verschiedenen Zeiten, und den somit unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen jeweils ihre eigenen Fragen zum Thema und eben auch speziell zum Holocaust haben. Und eben genau darum ist es wichtig, Erziehung nach Auschwitz immer wieder neu zu denken und nie als fertiges Konzept zu verstehen, weil die Bedürfnisse der Schüler sich ständig ändern.
2.1 Die erste Generation:
Zur ersten Generation werden gemein hin die Menschen gezählt, die zwischen 1933 und 1945 Erwachsen und vom Nationalsozialismus geprägt waren. Viele von ihnen hatten nach dem ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik große Hoffnungen in den Nationalsozialismus gesetzt. Jedoch konnte jeder nach 1933 sehen, dass das Privileg zu der so genannten „Herrenrasse“ zu gehören mit großem Leid der Juden erkauft war. Die Einrichtung der Konzentrationslager wie Dachau wurde in der Zeitung bekannt gegeben, somit wusste die Bevölkerung um die Diskriminierung und Verfolgung der Juden.
„Eine Generation der Täter, Mitläufer und Zuschauer stand mit dem Kriegsende 1945 vor dem Problem, mit ihrem Wissen und ihrer graduell unterschiedlichen Beteiligung am Geschehen weiterzuleben.“ 4 So gab es diejenigen, die Trauer und Versagen verspüren, wenn sie an das Geschehene zurückdachten, aber auch diejenigen, die große Hoffnungen in das Regime gesetzt hatten und sich ihrer Ideale beraubt fühlten. So kam es nach 1945 zum Schweigen über die Geschichte. Im psychologischen Fachjargon ist die Rede von „Derealisierung“. Dies bedeutet, dass Geschichte g eleugnet, verfälscht und umgedeutet wurde. „Derealisierung war für die Mehrheit der einfachste Ausweg aus der Kalamität des Zusammenbruchs; er erwies sich auch als der Verhängnisvollste. […] [So haben die Menschen sich] das politischpsychologische Lernen- die Identitätsarbeit [erspart].“ 5 Dies ist durchaus verständ-
4 Abram,Ido und Heyl, Matthias: Thema Holocaust. Ein Buch für die Schule, Hamburg 1996.
(Künftig zitiert als: Abram/ Heyl: Thema Holocaust) S. 84
5 Beck, C.H., Im Warschauer Ghetto- Das Tagebuch des Adam Czerniakow 1939-1942: München,
1986, S.19. Zitiert nach Abram/ Heyl: Thema Holocaust, S. 85
6
lich und zu akzeptieren. Wie schwer muss es sein, sich und anderen die Fehleinschätzung der Situation oder gar das eigene Fehlverhalten einzugestehen? Nur leider hat dies zur Folge, dass die nachfolgenden Generationen nicht auf diese Erfahrungen und Erzählungen zurückgreifen können.
2.2 Die zweite Generation:
Unter der Zweiten Generation versteht man die Kinder der ersten Generation. Sie sind im Schatten der Erlebnisse ihrer Eltern in der Nachkriegszeit aufgewachsen. Nur wenige wissen genaueres über die Geschichte ihrer Eltern im Nationalsozialismus. „Die zweite Generation sind die Kinder der ‚Überleber’, die deren gepanze rtes Schweigen in den sechziger Jahren zu beenden versuchten und dafür sorgten, daß über den Faschismus gesprochen wurde.“ 6
Pauschalisieren lässt sich diese Aussage jedoch nicht. Es gab sicherlich viele, auch Lehrer, die dieses Thema aufgriffen, dabei aber immer noch von Ahnhängern des Schweigens blockiert wurden. Weiterhin neigten einige der Lehrer zu einer zu schnellen Abhandlung des Themas, bevor die Schüler sich selbst und i hre Familie dazu in Bezug setzen konnten. Weiterhin neigten Lehrer dieser Generation leicht dazu eine bloße Anti- Identität zur Nazi- Herrschaft von ihren Schülern zu verlangen. Oft führte der Unterricht auch durch zu häufiges Identifizieren mit den Opfern dazu, dass bei den Schülern so genannte „entlehnte Schuldgefühle“ ausgelöst wurden.
2.3 Die dritte Generation:
Die dritte Generation ist nun genau diese Schülerschaft. Sie ist die erste Generation, die in einer deutschen Demokratie ohne wesentliche zeitgeschichtliche Erschütterungen aufwächst. Sie selbst hat also keinerlei Erinnerungen an den Holocaust. Die Geschichte wird ihnen lediglich als dunkles Erbe vermittelt, das sie nicht zurückweisen können. Die Art der Vermittlung ist nun entscheidend, denn diese darf bei den Schülern keine „enlehnten Schuldgefühle“ auslösen, denn sie hatten keinen Einfluss auf die Geschehnisse vor über fünfzig Jahren, also trifft sie auch keine Schuld. Junge Menschen sollen durch Geschichtswissen zu einem Geschichtsbewusstsein gelangen, ohne welches ein politisches Bewusstsein kaum denkbar ist. „Der Psychoanalytiker S. Speier stellt die Fähigkeit, unsere Gegenwart und Zukunft zu gestalten, in ein en-
6 Morshäuser,B.: Hauptsache Deutsch, Frankfurt 1992, S.114f. Zitiert nach Abram/ Heyl: Thema
Holocaust, S. 91
7
Arbeit zitieren:
Christina Kühn, 2004, Holocaust - Exemplarische Analyse der Jugendbücher "Damals war es Friederich" von Hans Peter Richter und "Ich bin ein Stern" von Inge Auerbacher, München, GRIN Verlag GmbH
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