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Inhalt
Vorbemerkung
1. Einleitung. 1
2. Was ist Gewalt? Wann liegt gewalttätige Handlung
vor? 3
3. Die klassischen Ansätze zur Wirkung der
Mediengewalt. 4
3.1 Immitationsansatz - soziales Lernen. 5
3.2 Katharsis-Hypothese 6
3.3 Frustrations-Aggressions-Ansatz. 7
3.4 Inhibitionsebene. 7
3.5 Theorie der „ängstlichen Weltbilder“ 8
4. Ansätze zur Untersuchung medialer Gewalt und die Problematik
einer plausiblen Interpretation der
Ergebnisse. 8
5. Fazit und Ausblick.
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Vorbemerkung
Das Thema „Gewalt im Fernsehen“ und die scheinbar negative Wirkung auf den Zuschauer wird seit vielen Jahren diskutiert. Obwohl es keinen Konsens bezüglich des tatsächlichen Wirkungsgrades gibt, werden in der Öffentlichkeit insbesondere solche Studien diskutiert, die das Bild der Medien und deren gewaltverherrlichende Wirkung besonders gefährlich zeichnen. Die Vielzahl von Studien, welche durch beinahe die gleiche Anzahl an Ergebnissen und Schlußfolgerungen begleitet werden, erschweren die Suche nach „scheinbar“ gesicherten Ergebnissen. Die
vorliegende Arbeit soll einen Überblick und eine Einschätzung zum Thema bieten.
1. Einleitung
Bildlich dargestellte Gewalt in den Massenmedien ist längst Teil unseres täglichen Lebens und der täglich konsumierten Eindrücke geworden. Der Anblick von physischen Schäden hervorgerufen durch direkte Gewalt bewirkt bei den meisten von uns nur in extremen Ausprägungen starke Emotionen, wie Erschrecken oder mehr als kurzzeitige Betroffenheit. Die Vorstellung, daß die Fülle von Gewaltdarstellungen somit Veränderungen bei den Rezipienten hervorruft, in welcher Form auch immer, liegt also
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nahe. Oftmals wird in diesem Zusammenhang von Verrohung oder Abstumpfung gesprochen. Laut dem Psychiater und Familientherapeut Horst-Eberhard Richter „ist unsere Gesellschaft emotional derart verroht, daß wir die eigene Brutalität nicht mehr erkennen“. 1 Gehen wir einen Schritt weiter, wäre zu erforschen, ob ein hohes Maß an Gewaltkonfrontation nicht nur die direkte Reaktion auf dargestellte Gewalt im Moment der Konfrontation beeinflußt, indem sie individuelle Reaktionen abschwächt oder sogar ganz aussetzt, sondern auch nachhaltigen Einfluß auf das Verhalten des Individuums außerhalb der „Konfrontationssituation“ nimmt. Mit anderen Worten würde das heißen, daß der Moment der Konfrontation einen Domino-Effekt auslöst, der andere Bereiche außerhalb des aktiven Medienkonsums, wie Entscheidungen, Entwicklungen und spontane Handlungen des betroffenen Individuums tangiert. Weiterhin wäre herauszufinden, ob das Individuum jene Manipulation eigener Entscheidungen und Handlungsabläufe bewußt wahrnimmt, und diesen dann gegebenenfalls entgegenwirken kann oder ob es sich um eine weitestgehend versteckte Manipulation handelt, welche der individuellen Kontrolle entsagt.
1992 ereignete sich in Liverpool ein besonders grausamer Fall von Kinderkriminalität, welcher insbesondere von der Öffentlichkeit und einigen Politikern mit der Konsumierung von Mediengewalt begründet wurde. Die elf-jährigen Jungen Robert Thompson und Jon Venables entführten den zwei-jährigen James Bulgar aus einem Supermarkt, folterten ihn, steinigten ihn und ließen ihn anschließend von einem Zug überfahren. Besonders auffällig erwies sich die Ä hnlichkeit des Tatherganges mit dargestellten Gewaltszenen des Horrorvideos „Child´s Play 3“, welches die Kinder offenbar kurz vor ihrer Handlung konsumiert hatten. Insbesondere in diesem, wie aber auch in anderen Beispielen, bei denen die zeitlich unmittelbare Abfolge von Gewaltkonsum und -tat aufeinander verweisen und eine inhaltlicher Bezug aufzuzeigen ist, scheint die Konfrontation mit dargestellter Gewalt als direkte Ursache für das Verhalten der Konsumenten zunächst plausibel. Dennoch wird eine Fülle von verhaltensbeeinflussenden Variablen durch den eingeschränkten
1 Richter, Horst-Eberhard: Wer nicht leiden will, muß hassen. Zur Epidemie der Gewalt. Hamburg
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Blickwinkel nicht beachtet und führt zu einer unzureichenden und in ihrer Ausprägung falschen Interpretation und Beurteilung der Medienwirksamkeit. Gewaltdarstellungen in den Medien, insbesondere im Fernsehen, können das Verhalten der Rezipienten insofern beeinflussen, daß sie bereits vorhandene Veranlagung zu Emotionen verstärken und andere, nur in geringer Ausprägung vorhandene Veranlagung zu Emotionen
abschwächen. Bei diesem Vorgang spielt die Quantität des Fernsehkonsums eine essentielle Rolle.
2. Was ist Gewalt? Wann liegt gewalttätige Handlung vor?
Beim Gedanken an (mediale) Gewalt liegt die Assoziation von physischer Auseinandersetzung, mit dem Zweck der intentionalen Beeinflussung eines Individuums durch ein weiteres nahe. Mordszenen, Schlägereien, Folterungen und kriegerische Auseinandersetzungen lassen sich unmittelbar mit dem Begriff „Gewaltdarstellungen“ verbinden, worüber mit Sicherheit allgemeiner Konsens besteht. Doch die Frage, wo denn Gewalt beginnt und wo sie buchstäblich aufhört, wirft Unklarheiten auf. In einer Analyse der Studien zur Problematik der Mediengewalt stellen Schorb und Theunert 1982 fest, daß in fast 50% der 78 analysierten Studien der Begriff „Gewalt“ nicht definiert wurde. 2 Die zum Teil sehr unterschiedlichen Ergebnisse der vorliegenden Studien scheinen nur zumTeil valiabel.
George Gerbner, Direktor der Anneberg School of Communication operationalisierte seine Beobachtungen zum Gewaltgehalt der
verschiedenen Fernsehprogramme dadurch, daß er die Zahl der Opfer der verschiedenen Fernsehsender pro Zeiteinheit registrierte und somit auf die Gefährlichkeit eines Programms schloß. Diese Vorgehensweise impliziert, daß Gerbner ausschließlich nach physischer Gewalt Ausschau hielt, d.h. also solche Aktionen, die sich eindeutig über die körperliche Beeinträchtigung des „Gegners“ definierten. 3 Alle weiteren Aktionen, welche sich in psychischer Unterdrückung und ohne physische Beeinträchtigung erzwungenem Handeln äußern, ließ er dabei unbeachtet.
1993, S. 23
2 Schorb, B. und Theunert, H.: Gewalt im Fernsehen: In welcher Form tritt sie auf? Wie gehen
Jugendliche damit um? In: Medien und Erziehung 6, 1982
Arbeit zitieren:
Thomas Sauermann, 2000, Gewalt im Fernsehen und ihre Auswirkungen auf den Rezipienten, München, GRIN Verlag GmbH
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