Einführung ins Thema 3
1. Giovanni Boccaccio und das Dekameron. 4
1.1 Giovanni Boccaccio und seine Werke. 4
1.2 Das Dekameron 5
2. Ehe und Ehebruch im Mittelalter 8
2.1 Ehe und Ehebruch. 8
2.2 Ehe und Ehebruch in der Literatur des Mittelalters 10
3. Ehe und Ehebruch im Dekameron. 12
3.1 Listige Frauen und ihre Liebhaber 12
3.2 Ehebruch durch Heirat wider Willen. 14
3.3 Ehebruch und Gewalt 16
3.4 Ehebruch und Klerus 18
4. Vergleich der Ehe und des Ehebruchs in Literatur und Realität. 20
Fazit. 24
Literaturverzeichnis 26
Quellen. 26
Literatur 27
2
Einführung ins Thema
Mit der erklärten Absicht, die Frauen zu amüsieren, schrieb Giovanni Boccaccio um 1350 das Dekameron, eine Sammlung von hundert in einer Rahmenerzählung eingebetteten Novellen. Die Erzählung handelt von zehn Leuten, die aufs Land gehen, um vor der in Florenz wütenden Pest geschützt zu sein. Um sich die Zeit zu vertreiben, erzählen sie sich abwechselnd Geschichten. Weil sie fürchten, von anderen Leuten gestört zu werden, kehren sie schließlich nach vierzehn Tagen in die Stadt zurück. Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden das Leben und die früheren Werke des Giovanni Boccaccio näher beschrieben. Weiterhin wird auf das Dekameron eingegangen. Zuerst darauf, wie es entstanden und wodurch es so berühmt geworden ist. Dann soll erläutert werden, welche Stoffe darin bearbeitet werden. Außerdem wird der Inhalt beschrieben, um die Rahmenhandlung zu verdeutlichen.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Ehe und Ehebruch im Mittelalter. Es wird dargestellt, wie eine Ehe im Mittelalter zustande kam und welches Mitspracherecht der Vater bei einer Eheschließung hatte. Weiterhin soll aufgezeigt werden, was ein Ehebruch für beide Partner bedeutete, wie er bestraft wurde und ob Ehebruch bei Männern anders gewertet wurde als bei Frauen.
Der zweite Teil dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Darstellung von Ehe und Ehebruch in der Literatur des Mittelalters. Hierbei wird zwischen einzelnen Gattungen unterschieden.
In Kapitel 3 geht es um Ehebruch im Dekameron. Die ausgewählten Novellen beschäftigen sich ausschließlich mit Eheskandalen. An ihnen soll erläutert werden, wie Boccaccio die Ehen und den Ehebruch im Mittelalter darstellt. Unterteilt ist dieses Kapitel in die Geschichten, die von listigen Ehefrauen und ihren Geliebten handeln, in Erzählungen von Ehebruch durch Heirat wider Willen, von Ehebruch in Verbindung mit Gewalt und zuletzt in Ehebruch und Klerus.
Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Vergleich zwischen Literatur und Realität. Die Frage ist hier, ob Boccaccio mit seinen Geschichten die Realität widerspiegelte oder ob er die Inhalte der Erzählungen frei erfunden hat.
3
1. Giovanni Boccaccio und das Dekameron
1.1 Giovanni Boccaccio und seine Werke
Giovanni Boccaccio wurde im Juni oder Juli 1313 in Certaldo oder Florenz 1 2 geboren. Er war italienischer Dichter und Humanist und wird als
Zeitgenosse der Dichter Dante (1265 - 1321) und Petrarca (1304 - 1374) als einer der drei Dichterfürsten der italienischen Renaissanceliteratur des 13. 3 Jahrhunderts genannt. Boccaccio wuchs in Florenz auf. Sein Vater war ein florentinischer Kaufmann und Bankier namens Boccaccio di Chellino, während man über seine Mutter nichts weiß. Boccaccio ging 1330 nach Neapel, nachdem er seine kaufmännische Lehre in Florenz begonnen hatte, wo er sich auch dem Studium der alten Sprachen widmete. 1332 beendete er seinen Beruf als Kaufmann und studierte Recht. Boccaccios Vater war Teilhaber des Bankhauses Bardi, wodurch Boccaccio sehr vertraut war mit dem Königshof in Neapel. Durch diese Verbindung konnte er einige Jahre am königlichen Hof in Neapel v erbringen, wo er auch erstmals als Dichter tätig war. 1339 kehrte er allerdings für zwei Jahre nach Florenz zurück, wo er als Richter und Notar arbeitete. 1365 ging er aufgrund diplomatischer Missionen 4 zu Papst Urban V. zunächst nach Avignon und später, 1367 nach Rom. Giovanni Boccaccio veranlasste die erste vollständige Übersetzung Homers ins Lateinische und bemühte sich außerdem gemeinsam mit Petrarca um die Wiederbelebung der lateinischen und auch der griechischen Studien. 1373 hielt er noch Vorlesungen über Dantes ,,Göttliche Komödie", dann zog er sich auf sein Landgut in Certaldo bei Florenz zurück, wo er am 21. Dezember 5 1375 starb.
Neben seinem berühmtesten Werk, dem "Dekameron, beigenannt der Erzkuppler", verfasste Boccaccio noch antike Fabeln und z eitgenössische Abenteuer, schrieb in Versen und Prosa, sowie in lateinischer als auch italienischer Sprache. Mit seinen Geschichten wollte er belehren und
1 Vgl. Hardt, Manfred: Geschichte der italienischen Literatur. Von den Anfängen bis zur
Gegenwart. Düsseldorf/ Zürich 1996, S. 148.
2 Vgl. Hardt, S. 148.
3 Vgl. Brockmeier, Peter: Boccaccios Decameron. Darmstadt 1974, S. 6.
4 Vgl. dtv-Lexikon, Bd.2, ,,Boccaccio". München 1999, S. 315.
5 Vgl. ebd..
4
6 erheitern. In seiner Jugend schrieb Boccaccio die Romane "Il Filostrato", „Filocolo“, „Teseide“, „Ameto“ und „Ninfale Fiesolano“. Später verfasste er die „Genealogie deorum gentilium“, also Stammbäume der griechischen und römischen Götter und Halbgötter, sowie „De claris mulieribus“, ein Werk das romanhafte Lebensbeschreibungen mythischer und historischer Frauen erzählt. Zu Boccaccios Werken gehört außerdem der Versroman "Fiammetta", die bisweilen frauenfeindliche Satire "Il Corbaccio", eine Anzahl gelehrter wissenschaftlicher und poetischer Schriften in lateinischer Sprache 7 sowie die Biographie seines großen Vorbilds "Dantes Leben". Seine
unvollendeten Werke sind eine Beschreibung des Lebens Petrarcas und eine 8 des Lebens des heiligen Petrus Damianus.
1.2 Das Dekameron
Das Dekameron setzt sich aus 100 Novellen zusammen, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Begonnen hat Giovanni Boccaccio sein Dekameron im Jahr 1348 oder im Jahr drauf, als in Florenz die Pest wütete. 9 Wahrscheinlich hat er sein Werk im Jahr 1353 beendet. 10 Das Dekameron wird während der Renaissance als ,,tesoro di lingua" , was 11 Sprachschatz bedeutet, und als ,,ins uperabile esempio dell'uso del volgare" ,
also als unübertreffliches Beispiel im Gebrauch der Volgare bezeichnet. Es galt sogar als Vorbild einer gepflegten, der lateinischen Sprache ebenbürtigen 12 volkssprachlichen Ausdrucksweise.
Abschriften des Dekameron verbreiteten sich sehr schnell in Italien. Schon vor dem Jahre 1400 widmete man dem Dekameron in England einen 13 Abschnitt in Chaucers „Canterbury Tales“.
6 Vgl. Papini, Giovanni: Ewiges Italien. Salzburg/ Leipzig 1940, S. 270 f..
7 Vgl. Kindlers neues Literaturlexikon. Bd. 2. Hg. v. Walter Jens. München 1989,
S. 821 ff..
8 Vgl. Papini, S. 270 f..
9 Vgl. Gröber, Gustav: Über die Quellen von Boccaccios Decameron. Straßburg 1913, S. 1.
10 S. Brockmeier, S. 6.
11 S. ebd..
12 Vgl. ebd..
13 Vgl. Gröber, S. 1 f..
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Der Titel ,,Dekameron" setzt sich aus den griechischen Wörtern „déka“, also zehn und „heméra“, was Tag bedeutet, zusammen und bedeutet damit 14 ,,Zehntagewerk".
Boccaccio war in keinem seiner Werke Erfinder von literarischen Stoffen. Auch beim Dekameron war die literarische Form der Novelle in Prosa durch die mündliche Anekdote in Italien bereits entstanden. Die Hundertzahl der Novellen im Dekameron schließt sicherlich an die Sammlung der ,,Ciento 15 novelle antike" an, die „Novellino“ genannt wurde. Die Rahmenhandlung dieses Novellenzyklus liefert die realistisch beschriebene Pestepidemie von 1348. Die Gruppe der Rahmenhandlung besteht aus sieben Frauen und drei Männern. Die Frauen sind alle im Alter 16 zwischen 18 und 28 Jahren und miteinander befreundet oder verwandt. Sie sind allesamt "verständig, schön von Gestalt, von reinen Sitten und von 17 anständiger Munterkeit".
Die älteste von ihnen und ihre Wortführerin heißt Pampinea, die zweite heißt Fiammetta, die dritte heißt Filomena, die vierte Emilia, die fünfte Lauretta, die 18 sechste Neifile und die siebte Elisa.
Da ihre Familien nicht mehr am Leben sind, beschließen die Sieben, aufs Land zu gehen, wo sie vor der Pest besser geschützt sind, sich an der Natur 19 erfreuen und noch dazu gesund und ohne Not leben können. Sie werden von drei jungen Männern begleitet, die ebenfalls mit den Frauen 20 bekannt oder verwandt sind. Boccaccio bezeichnet sie als "artig und 21 gebildet" . Den schrecklichen Erfahrungen durch die Pest zum Trotz lieben diese Männer drei von den Damen, wodurch, durch zahlreiche Geschichten noch verstärkt, eine gespannte, erotische Atmosphäre entsteht. Dennoch wird von keinerlei anzüglichen Worten, von keinen unsittlichen Handlungen 22 berichtet.
14 Vgl. Leube, Eberhard: Boccaccio und die europäische Novellendichtung. Wiesbaden 1980,
S. 134.
15 Vgl. Gröber, S. 2.
16 Vgl. Boccaccio, Giovanni: Das Dekameron. Düsseldorf 2001, S. 22.
17 S. Boccaccio, S. 22.
18 Vgl. ebd., S. 23.
19 Vgl. ebd., S. 25.
20 Vgl. ebd., S. 27.
21 Vgl. ebd..
22 Vgl. ebd., S. 28.
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Auf einem Landgut wollen die zehn jungen Leute nun Lust und Freude nachgehen. Damit dabei der Anstand nicht verletzt wird, erklären sie jeden Tag einen von ihnen zum "König". Dieser darf über ihren Zeitvertreib bestimmen und jeder muss ihm Ehre und Gehorsam entgegenbringen. Jeden Nachmittag versammelt sich die Gesellschaft an einem schönen, schattigen Platz im Garten, wo sie reihum Geschichten erzählen. Dabei gibt es an 23 einigen Tagen Leitthemen, an die sich die Erzähler halten müssen. Aus den zehn Personen hebt sich der Dioneo als der Lustigste heraus. Dieser hat das Sonderrecht, seine Geschichte immer zuletzt zu erzählen und muss sich nicht an das vorgegebene Thema halten. Damit sorgt er stets für einen 24 heiteren Ausklang des Tages.
Nach vierzehn Tagen kehren die jungen Leute wieder in die Stadt zurück, nicht weil die Epidemie vorüber ist, sondern weil sie fürchten, von anderen gestört oder aber kritisiert zu werden, dass sie mit großer Vertraulichkeit 25 miteinander umgehen.
Hauptthema der Geschichten in Boccaccios Dekameron ist meist die Liebe. So wird zum Beispiel in der Falkennovelle (Dekameron V, 9) eine aufopfernde Zuneigung beschrieben. In anderen Geschichten kommen dagegen Eifersucht, Ehebruch und voreheliche Beziehungen vor. Aber auch Partnertausch (Dekameron VIII, 8) und Homo- und Bisexualität (Dekameron V, 10) sind durchaus ein Thema.
Ein weiteres beliebtes Thema scheint die Unzucht in Klöstern zu sein. Boccaccio macht sich augenzwinkernd über die Scheinheiligkeit und Sittenlosigkeit der Mönche und Nonnen lustig. Er stellt außerdem die menschliche Dummheit in all ihren Variationen dar. Auch dies tut er durch 26 Satire und ironische Darstellung.
Aber auch ernste Themen werden im Dekameron behandelt, so zum Beispiel in der Falkennovelle (Decameron V, 9). Ebenso zeigt uns Boccaccio die menschlichen Gefühlshöhen und -tiefen in seinen Liebesgeschichten mit unglücklichem Ausgang auf, dem Thema des vierten Tages.
23 Vgl. Boccaccio, S. 30 ff..
24 Vgl. ebd., S. 77 f..
25 Vgl. ebd, S. 843 f...
26 Vgl. Leube, S. 133.
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Christina Meiser, 2003, Untreue als Motiv in Giovanni Boccaccios "Dekameron", München, GRIN Verlag GmbH
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