Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Serie
2.1. Definitionen der fiktiven Serie
2.2. Serientypen
2.2.1. Der Mehrteiler
2.2.2. Die Fortsetzungsgeschichte
2.2.3. Abgeschlossene Folgehandlung
2.2.4. Die Reihe
2.2.5. Die langlaufende Serie
2.2.5.1. Das „Day-Time Serial“
2.2.5.2. Das “Prime-Time Serial
2.3. Serienproduktion
2.3.1. Serienproduktion in Deutschland
3. Das Genre „Soap“
3.1. Geschichte der „Soap“
3.2. Entwicklung von Seifenopern
3.2.1. „Die Familie Hesselbach“
3.2.2. Die „Lindenstrasse“
3.2.3. „Verbotene Liebe“
4. Untersuchung einer Seifenoper
4.1. Inhaltsangabe „Verbotene Liebe“, 08 12. Oktober 2001
4.2. Spezifische Merkmale
4.2.1. Trailer
4.2.2. Das Erkennungszeichen
4.2.3. Mehrere Handlungsstränge
4.2.4. Inhalt und Personenkonfigurationen
4.2.5. Innenaufnahmen
4.2.6. Personeneinstellungen
4.2.7. Gestaltung
4.2.8. Kameraperspektive
4.2.9. Der Cliffhanger
5. Abschließende Betrachtung
1
1.Einleitung
In dieser Arbeit soll das Wesentliche des Genres „Seifenoper“ herausgearbeitet werden. Im ersten Teil wird dabei auf die Serie und ihre Serientypen eingegangen, um die Unterschiede zwischen Serien kenntlich zu machen. Des weiteren werden allgemeine Informationen zu Serien und Soapproduktionen gegeben. Im zweiten Teil werden Entwicklungen der Soapopera aufgeführt und im dritten Teil spezifische Merkmale einer Soap anhand einer Serie aufgelistet.
2. Die Serie
2.1. Definitionen der fiktiven Serie
Egon Netenjakob 1 nennt zwei Grundformen und zwei Hauptmerkmale der Serie:
a) die Grundform der Serie als fortlaufende Wiederholung, der immer wieder gleichen bei der Publikumsmehrheit beliebten Grundkonstellation. Getragen von einem Helden, der sich weder physisch noch psychisch verändert, in stereotypen Geschichten;
b) die Grundform der Serie als Folge von Entwicklungen und Veränderungen der tragenden Personen, ihrer Konstellationen oder des tragenden Schauplatzes. Die Personenentwicklung ist differenziert und die Geschichte umspannt einen ausgedehnten Zeitraum;
c) eine Serie muss eine gewisse Folgenhäufigkeit (mehr als 10 Folgen) haben, die sich prägend auf die Zuschauergewohnheiten auswirken kann.
d) die Zuschauer müssen sich mit den Hauptpersonen identifizieren können. Des weiteren kann man verschiedene Serientypen bestimmen.
2.2. Serientypen
Oft wurden in der Forschung die Abgrenzungen zwischen Reihe, Mehrteiler und Serie und der einzelnen Genres innerhalb dieser Programmformen nicht beachtet. Die Begriffe wurden sogar gleichgesetzt oder verwechselt. Deshalb muss man zwischen den Grundformen des seriellen Erzählens unterscheiden.
2.2.1. Der Mehrteiler
Der Mehrteiler steht im Übergang vom Einzelfilm zur Serie. Mindestens zwei Folgen und höchstens 13 Folgen kennzeichnen ihn. Er besitzt eine Gesamtspieldauer zwischen 4 und 20
1 In Netenjakob, Egon . Anatomie der Fernsehserie - Fernsehmacher untersuchen ihre Produktionsbedingungen, Mainz, 1976.
2
Stunden Die einzelnen Folgen enden meist mit einem Cliffhanger, dem Höhepunkt am Ende einer jeden Folge (z.B. Rainer W. Faßbinders Verfilmung von Döblins „Berlin Alexanderplatz“). Er ist eigentlich ein Einzelfilm, der aber zu lang für einen Programmplatz ist und deshalb auf mehrere aufgeteilt wird. Der Mehrteiler kann aber auch eine eigene ästhetische Struktur besitzen und aus der Mehrteiligkeit eine besondere Form des Erzählens entwickeln. 2 In den 80er Jahren entstanden Produktionen, die im Kino und im Fernsehen ausgewertet wurden. Im Fernsehen waren das dann die längeren Versionen (z.B. „Der letzte Kaiser“). Charakteristisch für Mehrteiler ist „die aus der fortschreitenden Handlung resultierende Notwendigkeit, zu Beginn jedes einzelnen Teils den Zuschauer in einem Vorspann mit den vorhergegangenen Ereignissen vertraut zu machen oder ihn an diese zu erinnern“. 3 Diese Zusammenfassungen gibt es allerdings nicht bei jedem Mehrteiler.
2.2.2 Die Fortsetzungsgeschichte
In der Fortsetzungsgeschichte wird die Handlung ebenfalls von Folge zu Folge weitererzählt. Nur übersteigt sie die Anzahl der Folgen im Gegensatz zu einem Mehrteiler. Nach diesem Prinzip werden Familiensagas und südamerikanische Telenovelas produziert( z.B. „Die Sklavin Isaura“). Die einzelnen Folgen bauen aufeinander auf, die Geschichte endet dann nach ca. 150 Folgen. Die Spannung auf die nächsten Folgen wird auch hier oft mit dem Cliffhanger erzielt.
2.2.3. Abgeschlossene Folgehandlung
„...eine Menge von in sich abgeschlossenen Beiträgen gleicher Länge und ähnlicher Struktur...gleiche Hauptpersonen und oft gleiche Schauplätze, die einen serieninternen Kontext etablieren und in einigen Fällen auch eine logische Begründung für die zeitliche Abfolge beinhalten“. 4 Jede Folge besitzt einen Konflikt nach einem harmonischen Ausgangspunkt und kehrt nach der Konfliktlösung wieder zu ihm zurück. Die Figuren verändern sich von Folge zu Folge nicht, die Handlungszeit tritt also auf der Stelle, allenfalls ist sie gekennzeichnet durch das physische Altern der Stammbesetzung. Diese Form der Serie kommt meist in Krimi und Westernserien vor, und dadurch, dass sie nicht durchgehend erzählt werden muss, eignet sie sich auch besonders zum Verkauf in andere Länder oder an andere Programmanbieter, da
2 Vgl. Hickethier, Knut. Film und Fernsehanalyse, Stuttgart Weimar, 1996, S.184.
3 S. Schöberl, Joachim: Die Fernsehspielserie. In Manfred Brauneck (Hg): Film und Fernsehen, Bamberg 1980, S.423.
4 Ebda, S. 422.
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diese nicht alle Folgen aufkaufen müssen. Diese Form der Serie kommt erst dann zu einem Ende, wenn das Publikum ihrer überdrüssig geworden ist.
2.2.4 Die Reihe
Auch Dokumentar- Unterhaltungs- und Spielreihen besitzen Seriencharakter. Musikbeiträge, Gespräche und Spiele werden mit wechselnden Kandidaten, Prominenten und Musikern mit gleichbleibenden Gastgebern, Showmastern und Talkmastern unter gleichlautendem Titel gesendet (z.B. „Wetten dass“, „Die Harald Schmidt-Show“). Vergleichbare Spielhandlungen werden mit wechselnden Schauspielern unter gleichbleibenden Sendetiteln gezeigt („Tatort“, „Weißblaue Geschichten“, „Gänsehaut“). Dokumentarische Inhalte wechselnder Themenkreise oder verschiedene Inhalte gleicher Themenkreise werden unter festem Reihentitel präsentiert. Politische Magazine („Panorama“), Naturdokumentationen („Expeditionen ins Tierreich“) oder Kunstsendungen („Hundert Meisterwerke“) zählen dazu. Auch Kindersendungen wie „Sesamstrasse“ gehören der Serien-form Reihe an, indem sie immer wiederkehrende Identifikationsfiguren aufweisen, die den Kindern pädagogische Inhalte vermitteln sollen. 5 Reihen sind also Serien mit abgeschlossenen Folgen, die oft nur noch durch ein Titelsignet oder durch gleichbleibende Eingangssequenzen zusammengehalten werden. Der Zusammenhalt zwischen den einzelnen Folgen ist oft nur sehr locker.
2.2.5. Die langlaufende Serie
ein charakteristisches Merkmal bei langlaufenden Serien ist die Unendlichkeit. So eine Serie ist prinzipiell unendlich produzierbar, weil sie nicht auf ein Ende hin erzählt wird. Sie wird in die Zukunft hinein offengehalten. Die Folgen haben eine Laufzeit von 15-30 Minuten und werden so lange produziert, wie sie erfolgreich zu vermarkten sind („Dallas“, „Denver“, „Lindenstraße“). Die langlaufende Serie besteht meistens aus mehreren Handlungssträngen, die nebeneinander laufen und zeitlich gleichzeitig oder nacheinander spielen können. In den einzelnen Folgen kommen dann die verschiedenen Stränge zu einem Ende und es fangen wieder neue an. Die Zuschauer werden auch hier mit einem Cliffhanger an die Serie gebunden. Häufig enden sie mit einem Portraitstandbild, das einen Protagonisten zeigt, der sich in einem scheinbar unlösbaren Konflikt befindet.
Diese hauptsächliche Form der Spielserie beginnt zumeist mit einem Pilotfilm, in dem die einzelnen Protagonisten vorgestellt werden. Der Erfolg eines Pilotfilms dient den Produzenten
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als Barometer und entscheidet, ob die Serienproduktion wieder eingestellt wird oder weiterläuft.
Es gibt allerdings noch einen weiteren Unterschied zwischen den langlaufenden Serien. Die Prime-time-und Day-time serials.
2.2.5.1. Das „Day-Time-Serial“
Day-Time-Serials laufen im Vor- und Nachmittagsprogramm und haben eine Folgenlänge von höchstens 25 Minuten. Es sind vielfach Billigproduktionen, die in kleinen Studios abgedreht werden. Es wird oft auf Video produziert. Die Schauspieler sind noch unbekannt. Das Hauptthema ist meist Liebe und Leidenschaft. Es gibt bis zu sieben Parallelhandlungen mit meist zwei Hauptdarstellern. Nicht selten brechen die Gesprächsszenen mitten im Wortwechsel ab, so dass es irritierend wirkt, wenn später nach anderen Gesprächen plötzlich der Satz zu Ende gesprochen wird. Damit wird versucht, einen gleichzeitigen Handlungsablauf zu suggerieren. 6
2.2.5.2. Das „Prime-Time-Serial“
Diese Serien sind teurer in der Produktion. Es handelt sich dabei um Familienserien, die zu besten Sendezeiten laufen. Es können die bekanntesten Schauspieler mitspielen. Die Themen sind breit gefächert. Es gibt Außenaufnahmen und die Gespräche verlaufen meist im Schuss-Gegenschuss-Verfahren. Es besteht ein Hauptkonflikt und gibt nicht mehr als vier Parallel-handlungen. Ein Einfrieren von Gesprächen gibt es nicht. 20-30 Handlungsszenen sind normal. Der Cliffhanger ist ein wichtiges Bestandteil. 7
2.3. Serienproduktion
Das Fernsehen neigt zu einer seriellen Produktion, bedingt durch den individuellen, täglichen und häuslichen Zugang zum Programmangebot. Im Gegensatz zum fiktionalen Einzelfilm werden verstärkt fiktionale Fernsehserien produziert, bedingt durch feststehende und immer wiederkehrende Programmplätze. „Die Fernsehserie und das Serielle des Fernsehens stehen in einem engen Zusammenhang“. 8 Fernsehserien waren zwar in den 50er und 60er Jahren schon sehr beliebt, doch erst in den 70er und 80er Jahren erreichten sie weltweit großes Interesse.
5 Vgl. Boll, Uwe. Die Gattung Serie und ihre Genres. Aachen,1994, S. 46.
6 Vgl. Boll, Uwe. S.47.
7 Ebda, S.47.
8 Vgl. Hickethier, Knut. Film und Fernsehanalyse, S. 183.
Arbeit zitieren:
Johanna Quednau, 2001, Das Genre "Seifenoper" / Die Serie, München, GRIN Verlag GmbH
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