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2 Das Problem der Mehrdeutigkeit des Begriffs
„Wort“
Die folgende Frage verdeutlicht das Problem der Mehrdeutigkeit: „Wie viele kursiv
gesetzte Wörter enthalten die folgenden acht Sätze?“ (Gallmann 1991)
1. Die Türme der Burg waren schon von weitem zu sehen.
2. Der eine Turm war vierzig Meter hoch.
3. Der andere Turm war nur etwa dreißig Meter hoch.
4. Wir sind auf den höheren Turm geklettert.
5. Auf diesem Turm hatten wir eine prächtige Aussicht.
6. Die Mauern des Turms bestanden aus dicken Quadern.
7. Die Breite des Turmes betrug etwa acht Meter.
8. Auf den Türmen wehten bunte Fahnen.
Mögliche Antworten sind unter anderem:
8 Wörter, in jedem Satz eines.
1 Wort in 8 Varianten.
5 Wörter, nämlich Turm (viermal, nämlich in 2, 3, 4, 5), Turms (6), Turmes (7), Türme (1) und Türmen (8). 1 Wort in 5 Varianten, nämlich Turm, Turms, Turmes, Türme und Türmen.
6 Wörter, nämlich Nominativ Singular Turm (2, 3), Genetiv Singular Turms und Turmes (2 Varianten: 6 und 7), Dativ Singular Turm (5), Akkusativ Singular Turm (4), Nominativ Plural Türme (1) und Dativ Plural Türmen (8). (Gallmann 1991)
Man kann keine dieser Antworten als „falsch“ bezeichnen. Man sieht also, dass sich
hinter dem alltagsgebräuchlichen Terminus „Wort“ mehrere konkurrierende Begriffe
verstecken.
3 Verschiedene Wortbegriffe
3.1 Der intuitive Wortbegriff
Aufgrund der vielen Definitionen des Wortbegriffs ziehen es verschiedene Linguis-
ten vor, den Begriff in ihrer Terminologie nicht zu verwenden. Allerdings gibt es
keinen ausreichenden Grund für die Eliminierung des Wortbegriffs als fundamentale
Größe aus der Sprachwissenschaft, da jeder Mensch ein intuitives Verständnis für
diesen Begriff aufbringen kann (vgl. Dietrich / Geckeler 2000: 89) Um dies zu bele-
gen, habe ich meinen Bekanntenkreis einmal nach „Definitionen des Wortbegriffes“
befragt. Ein Ausschnitt der Ergebnisse befindet sich im Folgenden:
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„Für mich ist ein Wort eine menschliche Ausdrucksform, die aus mindestens zwei Buchstaben bestehen muss. Es kann geschrieben oder gesprochen sein.“
„Ein Wort ist ein Konstrukt aus den kleinsten Elementen der Sprache, den Buchstaben. Kann zwar auch isoliert einen Sinn ergeben, das wahre Potential eines Wortes ergibt sich aber in der Verknüpfung mit anderen Wörtern zu einem Satz. Der Kontext ist von enormer Bedeutung, sowohl für die Anwendung, als auch für die Bedeutung des Wortes.“
„Ein Wort ist ein Repräsentant für Laute, die zusammen eine Sache beschreiben.“
Wörter sind also nach den Auffassungen des alltäglichen Sprachbenutzers die nächstgrößeren sprachlichen Einheiten nach Lauten oder Buchstaben (vgl. Pelz 2002: 125).
3.2 Der syntaktische Wortbegriff
„Ein syntaktisches Wort ist eine abgeschlossene morphologische Einheit mit bestimmten formalen Merkmalen (=Signifiant) sowie bestimmten grammatischen und/oder inhaltlichen Merkmalen (=Signifié), die eine Positio n in einer syntaktischen Struktur einnehmen kann.“ (Gallmann 1991)
Gallmann bezieht sich dabei auf das Modell von De Saussure (1916), nach dem sich bedeutungstragende sprachliche Zeichen in zwei Aspekte unterscheiden lassen: dem Signifiant, zu dem die äußeren Merkmale sprachlicher Zeichen, z.B. die Syllabierung und die Betonung, gerechnet werden und dem Signifié, dem sich grammatische und semantische Merkmale zuordnen lassen.
Nach der oben genannten Definition gibt es also zwei verschiedene syntaktische Wörter, wenn diese sich entweder in mindestens einem Merkmal der Signifié-Seite oder in mindestens einem Merkmal der Signifiant-Seite unterscheiden. Bei der Signifié-Seite könnte es sich also um zwei verschiedene Wörter handeln, wenn „ein und das selbe Wort“ (z. B. Turm) in zwei verschiedenen Fällen, Beispiel Nominativ und Akkusativ, vorkommt. Bei der Signifiant-Seite erkennt man eindeutig den äußeren Unterschied, z B. Turms und Turmes. Auch könnte ein Art „Mix“ als Kriterium dienen, das heißt, wenn ein Unterschied im Signifiant auch einem Unterschied im Signi- fié entspricht. Dies verdeutlicht folgendes Beispiel:
Arbeit zitieren:
Dipl. Kffr. Jessica Schmidt, 2003, Was ist ein Wort?, München, GRIN Verlag GmbH
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