im frühesten Alter mit den Abgründen der Erw.welt schutzlos hart konfrontiert wurde. Es gab keine Idee von Erziehung. Mit der Erfindung des Buchdrucks und der daraus entstehenden sozialen Literalität rückte die Idee etwas mehr in den Mittelpunkt. Schließlich mussten Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht werden. Und das Beibringen von Sachen ist ein(e) wesentliche(r) Auftrag/Aufgabe von Erziehung. Mit dem Unterschied von Lesen und Schreiben lebten Kinder und Erwachsene nun nicht mehr in der gleichen Welt.
In diesem 2. Kapitel beschreibt Postman die Veränderungen die nach der wichtigen Erfindung der Buchdruckpresse bzw. des Buchdrucks (wahrscheinlich von Gutenberg) eintraten. Welche einschlägige Wirkung sie auf den Menschen hatte, und wie sich der Mensch, durch diese Erfindung geprägt, veränderte. Die Hauptwirkung des Buchdrucks war das Entstehen der sozialen Literatur, später auch der Fachliteratur. Daraus entwickelte sich auch das Streben nach persönlichem Ruhm und individueller Leistung. Der Reiz z.B. sich durch Bücher verewigen zu können und auch zu wollen, sich einen Namen zu machen, der anderen in vielen Jahren später noch ein Begriff war. Bislang waren Schriftstücke teuer und nur einer “Elite” vorbehalten, zumal die wenigen Bücher die es gab auch noch in Latein geschrieben waren. Dies war es unter anderem was der Kirche zu Autorität verhalf. Nun aber durch den Buchdruck, d urch preiswertes Vervielfältigen von Schriftstücken, lohnte es sich für ein literarisches Ansehen zu kämpfen. Der Buchdruck verknüpfte die Gegenwart mit dem “Immer”. Wer was wann geschrieben hatte war nun von Bedeutung. Jeder Verfasser entführte durch sein Werk die anderen Menschen in seine persönliche Welt. Es entstand ein Bewußtsein für persönliche Identität. Dieser Prozess der Erkenntnis, daß jedes Individuum (also auch Kinder !) eine Identität hat, einen Wert von sich aus, dauerte gut 200 Jahre bis etwa 1650.
Auch wurden nun Bücher und Ratgeber zu Kindern verfasst, ein Wissen welches mehr und mehr jedem zugänglich wurde. Die Literatur wurde zum Hoheitsgebiet der Erwachsenen, der des Lesens mächtigen. Es war seine Aufgabe, seine persönliche Herausforderung. Lesen und
Schreiben wurde wichtig! Hatte man damals noch ein gleiches Wissensuniversum, änderte sich dieses mit der prinzipiellen Möglichkeit sein Wissen per Buch zu erweitern (“höhere Informationsdichte”; mehr Wissen wurde/konnte schneller durch dieses Medium vermittelt werden). Dieses neue Wissensbewußtsein brachte eine neue “Art” von Erwachsenheit. Kinder müssen aus ihrer Welt erst an die “Literarische Welt des Erwachsenen” vorsichtig herangeführt werden. Es hat ja mit “etwas verstehen zu können” zu tun. Dieses Heranführen ist ein wichtiger Baustein der Erziehung, auch heute noch.
Die Wiege oder der Beginn der Kindheit in ihren Vorläufen waren ca. im 17 Jhrd. Zu verzeichnen. Die Ansicht das es eine Kindheit gab setzte sich durch. Die Kinderwelt sonderte sich von der Erwachsenenwelt ab, und begab sich von dieser zu unterscheiden. Während in Schottland um 1560 das größte Interesse an schulischer Bildung zeigte, wollte der Katholizismus hinweg von Buch und Schrift, zurück zu Bildern und mündlich überlieferte Sprache (Autorität der Kirche). Je mehr Leute lesende Menschen werden mit eigener Meinung, desto schwieriger ist es sie auf den „richtigen Weg“ des Katholizismus zu halten/bringen. Dort wo Lese- und Schreibfähigkeit gefördert wurde, und wo es Schulen gab, da entwickelte sich die Idee von Kindheit sehr rasch, so z.B. in England. Die Schule war dazu bestimmt aus einem Kind einen Lese- und Schreibfähigen Erwachsenen zu formen, und so wurden Kinder nicht mehr als kleine Erwachsene gesehen, sondern eben als Kinder. Im schulischen Lernen erkannte man ein Wesensmerkmal der Kindheit. So z.B. war das Beherrschen des Alphabets ein erster Schritt in Richtung der Erwachsenenwelt. [[Anmerkung: - Kindheit ist kein eigenständiger Zeitraum mit einem eigenen Wert, sondern ein möglichst kurz zu haltende Übergangszeit von infancy zum Erwachsenenwelt. Schneller Erwerb des Alphabets, je schneller desto besser.]] Ein Bewußtsein entfaltete sich, daß wo die Infancy endete (das unmündige Kindesalter) die Kindheit begann (Erwerb der Sprachfähigkeit; der Beginn Lesen zu erlernen). Kinder wurden nun in Kategorien eingeteilt, verschiedene Stufen und Phasen von Kindheit, die ihre spezifische Erziehung brauchten. Es bildeten sich Peer Groups, die Gruppen von Gleichaltrigen, und es entwickelte sich eine eigene Jugendkultur.
Die Kindersprache begann sich zu unterscheiden von der Erw.sprache, die Kleidung unterschied sich, es wurden Kinderspiele gespielt, etc. Mehr und mehr gab es „moderne“ Familien, geprägt von Literalität und Ansätzen von Pädagogik. Ein Bewußtsein von Individualität der Kinder (Kindheit) entwickelte sich. Zunächst nur bei „besseren Familien“, die sich dies leisten konnten, später aber wurde sie auch in den unteren Familien zum Standard, die sich ja immer an Höherem orientieren. Eine Notwendigkeit Kinder zu leiten und im vernünftigem Umfang vorsichtig an die Erw.-welt heranzuführen, war geboren. Kinder erlernten Erwachsenen Sachen wie logisches und folgerichtiges Denken, Fähigkeit unmittelbare Bedürfnisse aufzuschieben (Disziplin), Literalität zu erlernen, Leistungen auf dem Weg der Selbstbeherrschung zu erbringen, animalisches zu kontrollieren, usw. Dieses Verständnis von Kindheit brachte aber auch die Tendenz mit sich, kindliche Lebhaftigkeit zu beschränken. Werte wie Ruhe, Reglosigkeit, sich ruhig mit einem Buch zurückzuziehen, Nachdenklichkeit, Regulierung körperlicher Funktionen, wurden nun höher bewertet. Die Kindheit ist ein Prozess zum Erwachsen werden. [[ Anmerkung: Kindheit sollte aber nicht jene unliebsame Phase, in der das Kind so schnell wie möglich an die Erwachsenen Welt gewöhnt werden soll, und in die es möglich schnell einsteigen soll. Kindheit hat einen eigenen Wert, und nicht die Funktion einer Brücke zwischen Infancy und Erwachsenenwelt, welche möglichst rasch überquert werden muß]] Das Streben nach den Erwachsenenwelt war das Erziehungsziel schlechthin. Die Gefahr dieser aufkommenden Erz. ist jene der Einschränkung der natürlichen Kindheit.
Wichtige Grundprinzipien der Erw.welt sind z.B. Schamgefühl und die Selbstbeherrschung, bes. bei sexuellen Dingen. Um sich von animalischem zu distanzieren ist ein Schamgefühl notwendig. Die Schamschwelle dient dem Schutz der Kindheit. Mit Schamgefühl meint Postman eine Trennungslinie zwischen dem Verhalten in der Öffentlichkeit und der Privatsphäre. Der Sexualtrieb z.B. muß vom Schamgefühl in ausreichendem Maße eingeschränkt werden. Solche Inhalte der Erw.welt müssen dem Kinde vorenthalten werden. Das ist die Pflicht der Erw., Geheimnisse über Sex, Geld, Gewalt, Krankheit, Tod und gesellschaftlichen Haltungen (z.B. grausamer Umgang mit Tieren), Kindern nicht preis zu geben. Solche Geheimnisse müssen den Kindern Schritt für Schritt beigebracht werden, langsam und vorsichtig, um einen unkontrollierten Zugang zur Erw.welt zu verhindern. Daher gab es im Folgenden Anstandsregeln, welche u.a. eine gebührende Entwicklung von Schamgefühl beinhaltete, so z.B. Nase mit Taschentüchern putzen und nicht mit Kleidung, Hand oder Mütze. Ohne den nötigen Respekt vor dem Schamgefühl und dem Schamgefühl
selber, konnte man keinen Zugang zur Erw.welt erlangen. Buch und Schule schufen einen moderneren Erw.
Heute droht diese Erwachsenheit zu verschwinden, weil der heutige Erw. dieses Schamgefühl nicht mehr so sehr hat, bzw. es nicht ausreichend weiterentwickelte und der heutigen Zeit anpasste. Erw. nehmen die Rolle nicht mehr wahr, weshalb die Grenze zwischen Erwachsenenwelt und Kinderwelt verschwimmt, ja sich mehr und mehr auflöst. Die Kindheit ist im Begriff zu verschwinden. In der heutigen Zeit halten Erw. die Regeln des neuen Schamgefühls (das sich an die gesellschaftlichen Erneuerungen anpassen muß) nicht mehr ein. Insbesondere wird dies durch die Rolle der Medien begünstigt. Im Fernsehen wird über alle TABUTHEMEN offen gesprochen, und alles in der heutigen Gesellschaft für alle zugänglich, also auch für Kinder. Erw. kommen ihrer Verantwortung des Schutzes der Kinder nicht mehr nach. Daher gibt es keine mehr klare Grenze zwischen der Erw.welt und der Kinderwelt.
In diesem Kapitel will Postman u.a. auf die Entwicklung der Kindheit seit dem 17 Jh. Eingehen, und vom verschwinden der Idee einer Kindheit. Als ein mächtiger Feind einer positiven Kindheit erwies sich die Industrialisierung, die seit dem 18 Jh. Einen stetig steigenden Bedarf an Fabrik- und Grubenarbeiter hatte. Dadurch bekam die Kindheit eine neue Nützlichkeit, und die Schule trat immer mehr in den Hintergrund. Die Schule sollte auf die Arbeitswelt vorbereiten, also nun insbesondere auf die o.g. Arbeiten. Immer mehr rückte die Schule in die Rolle, das Kind gefügig zu machen (neue Form der Disziplin), und als Treibstoff für den Industriekapitalismus „auszubilden“. Dies betraf vor allem Kinder unterer Klassen. Die Folge war eine Rückentwicklung und gravierende Einschränkung der Kindheit, aber die Idee einer Kindheit starb nie völlig. Sie ist nie ganz verloren gegangen. Als Zeichen der Rückentwicklung galt u.a. eine neue Härte gegen Kinder, so daß z.B. ein 7 jähriges Mädchen für einen Diebstahl gehängt werden konnte. Besonders in England wurden Kinder wieder mehr als Eigentum, anstatt eines menschlichen Wesens in einer besonderen
Arbeit zitieren:
Daniel Krammer, 2001, Das Verschwinden der Kindheit von Neil Postman - Kurzzusammenfassung des Buches, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Verschwinden der Kindheit: Utopie oder Realität
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 18 Seiten
Künstliche Ernährung bei Demenz - Eine ethische Fallbetrachtung
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 32 Seiten
How successful has india been in achieving a role of influence in inte...
Südasienkunde, Südostasienkunde
Essay, 16 Seiten
Die Geschichte des Kaffees mit dem Schwerpunkt Berliner Kaffeehauskult...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Seminararbeit, 20 Seiten
Das Hauptstück der Sprachkritik des frühen Nietzsche - 'Ueber Wahr...
Hausarbeit, 20 Seiten
Methoden der Erstlesedidaktik - Eine Suche nach Alternativen zur Fibel...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Neurodidaktik - eine neue Didaktik? Eine Untersuchung zu einer neurowi...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Diplomarbeit, 84 Seiten
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die Theorie der Schweigespirale - Das sozialpsychologische Konzept der...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 21 Seiten
Eine Untersuchung von Einflussgrößen der Lernmotivation anhand von vie...
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Seminararbeit, 30 Seiten
Beobachtung und Dokumentation in Kindertageseinrichtungen
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Hausarbeit, 23 Seiten
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 22 Seiten
Erziehung in der Türkei und ihre Folgen für die Migration
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Referat (Ausarbeitung), 11 Seiten
Märchen der neuen Kindheit: E.T.A. Hoffmann "Das fremde Kind"...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 18 Seiten
Das Sozio-ökonomische Panel, die ALLBUS-Umfrage und der Mikrozensus
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 20 Seiten
Daniel Krammer hat den Text Das Verschwinden der Kindheit von Neil Postman - Kurzzusammenfassung des Buches veröffentlicht
Daniel Krammer hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare