Oktober 1790 bis Juni 1794 an drei deutschen Universitäten: in Jena, Leipzig und Wittenberg. Es ist unschwer anzunehmen, daß Novalis‘ Weltanschauung in besonderem Maße im Jahr 1790/91 1 beeinflußt wurde, als er an der Universität Jena studierte. Die berühmten Gelehrten wie Schiller oder Reinhold, aber auch das fast berühmt-berüchtige Studentemilieu haben bei Novalis nachweislich bleibende Eindrücke hinterlassen. Hinzu kommt, daß die Politisierung der Studenten und auch der Professoren in den 1790er Jahren an den deutschen Hochschulen besonders ausgeprägt war. 2 Ziel dieser Studie ist es, das Umfeld und die politischen Strömungen der Jenaer Studienzeit näher zu beleuchten, um so Erkenntnisse zu gewinnen, inwieweit diese Einflüsse Konsequenzen für Novalis‘ politische Haltung hatten. Bislang wurde in verschiedenen Arbeiten besonders auf den Einfluß der Jenaer Gelehrten und deren Philosophie abgehoben. Dies war aber nur ein geringerer Teil der Kontakte, die Novalis in Jena hatte, auch wenn er die Gespräche mit solchen Geistesgrößen schätzte und suchte. Den meisten Teil verbrachte er aber wie alle anderen Studenten im studentischen Milieu mit all seinen Einflüssen, die im folgenden näher beleuchtet werden sollen.
2. Studentendasein am Ende des 18. Jahrhunderts: Mentalitäten
und Verbindungswesen
In welche Welt trat Novalis ein, als er sich im Oktober 1790 in Jena immatrikulierte? Bei den Studenten an den deutschen Universitäten am Ende des 18. Jahrhunderts handelte es sich um eine durch ihren Status abgrenzbare und homogene Gruppe. Das durchschnittliche Alter bei Studienbeginn lag zwischen 16 und 22 Jahren, etwa drei Jahre dauerte im Durchschnitt das Studium. Novalis hatte mit knapp drei Jahren und acht Monaten vergleichsweise lange studiert, dafür sein Studium aber auch abgeschlossen, was damals seltener der Fall war als heute. Der sozialen Herkunft nach zerfiel die Studentenschaft im 18. Jahrhundert vor allem in eine kleine adlige und eine große bürgerliche Gruppe. 3 Der Anteil der aus ärmeren Schichten
1 Novalis immatrikulierte sich in Jena am 23.10.1790 und in Leipzig am 24.10.1791.
2 Vgl. zur Politisierung an katholischen Universitäten neuerdings Schweigard, Jörg: Aufklärung und Revolutionsbegeisterung. Die katholischen Universitäten in Mainz, Heidelberg und Würzburg im Zeitalter der Französischen Revolution (1789-1792/93-1803). (“Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle ´Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850´”, Bd. 29). Frankfurt am Main, Berlin, Oxford u.a. 2000 (=Schweigard, 2000).
3 An protestantischen Universitäten stammten ein Drittel der Studenten aus dem Kleinbürgertum gegenüber etwa 40 Prozent an katholischen Universitäten. Etwa die Hälfte aller Studenten kam aus dem Bürgertum. Vgl. Jarausch, Konrad H.: Deutsche Studenten 1800-1970. Frankfurt/Main 1984. (=Jarausch, 1984), S.16.
stammenden Studenten, der sogenannten “pauperes”, war gering und gegen Ende des Jahrhunderts eher rückläufig. 4 Das Studentendasein kennzeichneten bestimmte studentische Lebensformen und Mentalitäten wie das Duellwesen, Trink- und andere Genußfreuden, einen korporativen Zusammenhalt nach innen und Distanzierung nach außen, was nicht selten Zusammenstöße mit Gleichaltrigen wie Handwerkergesellen oder dem Militär zur Folge hatte. Im Gegensatz zu anderen Gleichaltrigen waren die Studenten privilegiert, mit der Immatrikulation erhielten sie das akademische Bürgerrecht, welches ihnen unter anderem das Recht auf eine eigene universitäre Gerichtsbarkeit gab, die sie obrigkeitlicher Strafverfolgung weitgehend entzog. Hinzu kam die freie Zeiteinteilung, die universitäre Wissensvermittlung, die Bildung und die Zugriffsmöglichkeit auf Literatur, was die Studenten ebenfalls von vielen ihrer Altersgenossen unterschied und sie auch hinsichtlich politischer Informationsmöglichkeiten privilegierte. Die Studenten zeichneten sich bereits durch Studienortwechsel und Reisen während des Studiums und damit durch eine für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Mobilität aus, die es ihnen ermöglichte, die kleinstaatliche und konfessionelle Enge zu überwinden. Drei Studienorte wie bei Novalis waren folglich eher die Regel als die Ausnahme, oft wechselten die Studenten auch an entfernter voneinander liegende Studienorte. Obwohl die Studienzahlen im 18. Jahrhundert zurückgingen, fiel es den meisten Studenten schwer, nach dem Studium ein Amt im Staatsdienst oder bei der Kirche zu erhalten. Besonders Studenten aus kleinbürgerlichem Milieu, die nur durch Stipendien studieren konnten, fanden oft nach dem Studium keine adäquate Anstellung. 5 Die unsichere Arbeitsmarktsituation 6 war sicher ein Grund dafür, daß die Studenten im Zuge der Politisierung durch die Französische Revolution zu den politisch radikalsten Vertretern der deutschen Intelligenz zählten. Dieser Zustand barg einen revolutionären Gärstoff in sich und hatte eine “demokratisierende Tendenz” wozu besonders der durch die Studentenorden entstehenden Freundschaftskult beitrug. Zu den in solchen Bünden aufgehobenen Standesschranken kam die sinkende Autorität des Vaters und auch des Landesherrn über die
4 Vgl. Jarausch, 1984, S.16. Dennoch sahen sich Staaten genötigt, verschärfte Studienbeschränkungen für die niederen Stände einzuführen (Hessen-Kassel 1774, Württemberg 1780/88, Preußen 1792/94). Vgl. Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 1. Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur defensiven Modernisierung der Reformära 1700-1815. München 1987 (=Wehler 1987), S.297.
5 Zur sozialen Lage der Intelligenz vgl. den Aufsatz von Engels, Hans Werner: Materialien zur sozialen Lage der Intelligenz in Deutschland 1770-1800. In: Gerd Mattenklott/Klaus R. Scherpe (Hg.): Demokratisch-revolutionäre Literatur in Deutschland: Jakobinismus. Kronberg/Ts. 1975, S.243-275.
6 Dies hing (trotz sinkender Studentenzahlen) in erster Linie mit dem Akademikerüberschuß zusammen. Die Kameralisten des 18. Jahrhunderts sahen darin eine Störung des sozialen Gleichgewichts. Vgl. Klingenstein, Grete: Akademikerüberschuß als soziales Problem im aufgeklärten Absolutismus. Bemerkungen über eine Rede Joseph von Sonnenfels` aus dem Jahre 1771. In: Bildung, Politik und Gesellschaft. Studien zur Geschichte des
derart emanzipierten Studenten hinzu. 7 Für Novalis‘ Beziehung zu seinem Vater trifft dies freilich nicht zu. Vielfache Belege weisen auf ein enges, von gegenseitigem Respekt gekennzeichnetes Verhältnis hin, auch wenn der Vater eine konservativere Weltsicht als sein Sohn hatte und auf dessen Entwicklung und Ausbildung Einfluß nahm.
Politisch war insbesondere nach Ausbruch der Französischen Revolution die Haltung der meisten Studenten, sofern sie überhaupt politisch Stellung bezogen, vergleichsweise homogen. Anders als bei den etablierten (und meist in fürstlichen oder geistlichen Diensten stehenden und daher abhängigen) Intellektuellen fand der aufgeklärte Absolutismus bei den Studenten keine Resonanz. Selbst adlige Studenten standen hinter den neuen Prinzipien von Freiheit und Gleichheit und verzichteten aus dieser Motivation heraus teilweise bei ihrer Immatrikulation sogar auf ihr Adelsprädikat. 8 Die Studenten lehnten Bevormundung und Unterdrückung ab. “Sklaverei” und “Despotismus” wurden zu ihren Reizwörtern und Kampfbegriffen. Damit ging seit den 1790er Jahren ein gesellschaftlich gemeinter Freiheitsdrang und eine Gerechtigkeitsliebe der Studenten einher, an dieser Haltung änderte sich auch während der jakobinischen Terrorzeit nichts. 9 Mit Jena als erstem Studienort hatte sich Novalis eine der größten, unruhigsten und interessantesten Hochschulen dieser Zeit ausgesucht. 10 Die Universität Jena war in dieser Zeit eine Hochburg der Verbindungen (Orden und Landsmannschaften) und ein Ort ständiger Studentenunruhen in den 1790er Jahren.
Die Orden waren stark von der Aufklärung und den freimaurerische n Idealen beeinflußt. Die größten Orden, die zeitweise an fast allen Universitäten existierten, waren die Constantisten, Amicisten, Harmonisten und Unitisten. 11 Sie konkurrierten untereinander und mit den
europäischen Bildungswesens vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Hg. v. Grete Klingenstein / Heinrich Lutz / Gerald Stourzh. (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit, Bd.5) München 1978, S.184f.
7 Vgl. Gerth, Hans H.: Bürgerliche Intelligenz um 1800. Zur Soziologie des deutschen Frühliberalismus. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd.19) Göttingen 1976 (=Gerth, 1976), S.47.
8 Vgl. z. B. Schweigard, 2000, S.401, Anm.281.
9 Im Gegensatz zu den meisten Professoren bejahten die Studenten auch während der jakobinischen Terrorherrschaft in Frankreich 1793/94 die Revolution und die demokratischen Prinzipien, wie zum Beispiel an ihren Stammbucheinträgen zu sehen ist. Vgl. etwa die Positionen der Studenten nach 1793 an der Universität Würzburg bei Schweigard, 2000, S.404-409, 412ff, 430-437, 439-496.
10 Jena hatte rund 800 Studenten und war nach Göttingen und Halle drittgrößte deutsche Universität. Bei den Zeitgenossen galt Jena als Universität, an der das “Studentenleben” (Studentenverbindungen, Duelle, Auseinandersetzungen mit dem Militär, Studentenauszüge) besonders ausgeprägt war. Ab Mitte der 1790er Jahre war Jena Hochburg der politisierten Studenten aber auch der Ordensverbindungen. Dies geht in besonderem Maß aus den zahlreich überlieferten studentischen Stammbucheinträgen hervor.
11 Der Anteil der in Orden organisierten Studenten schwankte bei den Universitäten Jena, Göttingen, Erlangen, Helmstädt und Frankfurt/Oder für die 1790er Jahre zwischen 10 und 35 Prozent. Vgl. Hardtwig, Wolfgang: Studentenschaft und Aufklärung: Landsmannschaften und Studentenorden in Deutschland im 18. Jahrhundert. In: Etienne Francois (Hg.): Sociabilité et Societé. Bourgeoise en France, en Allemagne, en Suisse. Paris 1986, S.239-259; hier S.244. Für die 1790er Jahre sind viele Mitglieder der Constantisten an den verschiedenen Universitäten namentlich bekannt. Vgl. die Verzeichnisse folgenden Arbeiten: Deuerlein, Ernst: Geschichte der
Landsmannschaften. Mit ihren Bruderlogen an anderen Universitäten pflegten sie einen engen Kontakt. Ihre Mitglieder rekrutierten sie teilweise aus den Landsmannschaften, oder sie bestanden sogar als Geheimbünde innerhalb der Landsmannschaften, was Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Verbindungsformen zur Folge hatte. Sowohl Orden als auch Landsmannschaften waren in der Regel als organisierte Verbindungen verboten. Sofern die Behörden überhaupt zwischen den Verbindungen unterschieden, wurden die Landsmannschaften als harmloser beurteilt und nicht g enerell verboten. 12 Es ist umstritten, inwiefern die Orden von der Französischen Revolution beeinflußt waren. 13 Betrachtet man die Ordensgesetze, an die sich jedes Mitglied zu halten hatte, so gibt es vereinzelt Paragraphen, die durchaus politisch zu verstehen sind. 14 Unabhängig von der tatsächlichen Politisierung faßten die Regierungen besonders nach 1789 schon allein die Existenz eines geheimen Ordens als ein Politikum auf und drohten Strafen an. Mit eigenen Gesetzen versehen, frei von gesellschaftlichen oder konfessionellen Schranken, stellten die studentischen Verbindungen ebenso wie die bürgerlichen “geheimen Gesellschaften” einen “Staat im Staate” dar.
Auf die Initiative des Weimarer Herzogs Karl August geht eine Übereinkunft der protestantischen und katholischen Reichsstände bezüglich des Umgangs mit den studentischen Verbindungen an den Universitäten zurück. 15 Grundlage der Übereinkunft vom
Universität Erlangen in zeitlicher Übersicht. Erlangen 1927; Richter, Walter: Entstehung und Ausbreitung des Constantistenordens. In: Einst und jetzt 23 (1978), S.48-90.
12 Ein Sonderfall für alle Universitäten waren nach 1789 die rheinischen Landsmannschaften, da ihre Mitglieder aus dem stark von Frankreich beeinflußten beziehungsweise später besetzten linksrheinischen Deutschland kamen. Sie identifizierten sich häufig mit Frankreich, der republikanischen Staatsform und den Prinzipien der Revolution. Sie trugen die Farben der französischen Trikolore, kleideten sich nach Art der Pariser Sansculotten und feierten französische Siege. Zum Einfluß der rheinländischen (Mainzer) Studenten mittels Flugblätter, Stammbucheinträgen oder politischer Symbolik auf verschiedene rechtsrheinische Universitäten vgl. Schweigard, 2000 und Schweigard, Jörg: “Sansculotten auf deutschem Grund und Boden”. Politische Symbolik deutscher Studenten zur Zeit der Französischen Revolution (1789-1800). In: Aufklärung – Vormärz – Revolution. Jahrbuch der “Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa von 1770-1850” an der Universität Innsbruck, Bd.21 (2001), S.27-49 (=Schweigard, 2001), passim.
13 Fabricius schreibt den Untergang der Orden einzig ihrer Politisierung zu. Vgl. Fabricius, Wilhelm: Die deutschen Corps. Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungslebens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart. Frankfurt/Main 1926 (2. Aufl.) (=Fabricius, 1926), S.144. Dagegen versucht Körner nachzuweisen, daß der Einfluß der Revolution auf Orden und Corps unwesentlich war. Vgl. Körner, Rudolf: Der Einfluß der Französischen Revolution von 1789 auf die Orden und Corps. In: Einst und jetzt 9 (1964), S.113-127.
14 So stand etwa in den “allgemeinen Brudergesetzen” der Jenaer Amicisten vom Jahr 1794: “§ 17 Schütze die menschliche Freiheit und verfolge den, der sie zu unterdrücken sucht, mit dem Schwerte der Wahrheit (...). §18 Schütze den Verfolgten und Unterdrückten, biete dem schändlichen Verfolger die Stirn (...). §19 Krieche vor niemand, sonst erstickt dein Herz, wenn es sich in Knechtgefühl seiner Unterwürfigkeit vor dem Staube eines Herrn sich beugt.” Zit. nach Fabricius, Wilh.[elm]: Die Studentenorden und ihr Verhältnis zu den gleichzeitigen Landsmannschaften. Ein kulturgeschichtlicher Versuch. Jena 1891, S.53.
15 Karl August hatte die an der Universität Jena vorgefallenen Unruhen vom 10. Juni 1792 vor Augen, als er sich mit seinem Anliegen zuerst an die protestantischen Höfe wandte. Vgl. Götze, Otto: Die Jenaer akademischen Logen und Studentenorden des XVIII. Jahrhunderts. Jena 1932 (=Goetze, 1932), S.164. Zur Tätigkeit des Regensburger Reichstags in den Jahren 1792-95 vgl. die Arbeit von Schick (1931).
14. Juni 1793 wurde der Vorschlag des preußischen Gesandten, Mitglieder studentischer
Verbindungen zu relegieren, die Relegation anderen Universitäten mitzuteilen, um einen Universitätswechsel auszuschließen und dem Relegierten in seinem Vaterland den Staatsdienst zu verweigern. 16 Wie aus Novalis‘ Stammbuch hervorgeht, stand er in Kontakt mit Mitgliedern unterschiedlicher Verbindungen, er selbst war aber in keiner Landsmannschaft oder einem Orden organisiert. Jedoch ist es nicht ausgeschlossen, daß er in einem studentischen Lesezirkel oder einem privaten Studentenklub Mitglied war. Häufig waren solche Verbindungen politischer als die traditionellen und bekamen dennoch weniger Schwierigkeiten mit der Obrigkeit, da sie durch die fehlenden Erkennungsmerkmale (Farben, Zeichen, Gesetze) eine geringere Angriffsfläche boten als Orden oder Landsmannschaften. 17 Selbst eine Ordens mitgliedschaft hätte noch nicht allzu viel über seine politische Haltung ausgesagt. Die meisten Ordensmitglieder waren aus einem gewissen Renommistengeist heraus Mitglied eines Ordens geworden, weniger aus aufklärerischer oder politischer Intention. Novalis war sensibel genug, diese Widersprüchlichkeiten des Ordenswesens zu erkennen, vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb er zwar Ordensmitglieder zu seinen Freunden zählte, sich selbst aber zu keiner Mitgliedschaft durchringen konnte. Gewiß ist jedoch, daß er von den Orden wußte und allein durch die Einträge in seinem Stammbuch zuordnen konnte, wer welchem Orden angehörte. Den Gedanken eines nach freimauererischen Prinzipien orientierten politischen Klubs hatte er in Jena zum ersten Mal kennen gelernt. In seiner Skizze eines “republikanischen Ordens” von 1799 griff er diesen Gedanken wieder auf, wie an anderer Stelle noch gezeigt werden wird.
Unabhängig von der Nichtzugehörigkeit zu einer studentischen Verbindung beteiligte sich Novalis rege am studentischen Leben, das bestätigen Aussagen seines späteren Freundes Schlegel. So kam er auch Aufforderungen zum studentischen Duell mit dem Degen nach, wie es in Jena in besonderem Maße 18 bei Streitigkeiten oder Ehrenrührigkeiten üblich war. Das Duell war offiziel verboten, jedoch hielten sich die Studenten nicht daran, manchmal gab es dabei Verletzte oder gar Tote. Eine Gruppe fortschrittlicher Studenten in Jena erkannte in
16 Vgl. Götze, 1932, S.164.
17 An der Universität Mainz beispielsweise existierten zwischen 1789 und 1792 mehrere studentische Zirkel, in denen politisiert wurde, ohne daß dies der Obrigkeit aufgefallen wäre. Aus ihren Reihen rekrutierten sich später auch Mitglieder des Mainzer Jakobinerklubs. Vgl. Schweigard, 2000, S.139-179.
18 Nicht ohne Grund existierte damals unter Studenten ein Spruch, der Jena auf das Duellwesen reduziert und sich auch im Stammbuch von Novalis widerfindet: “Wer kommt aus Leipzig ohne Weib / Aus Jena ohne sich zu schlagen / Aus Wittenberg mit gesundem Leib / Der hat von großem Glück zu sagen”. Zit. nach: Novalis. Schriften: Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Begründet von Paul Kluckhohn und Richard Samuel. Hg. v. Richard Samuel in Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Mähl und Gerhard Schulz. Bd. VI.1: Der dichterische
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