Exegese Gen 12 10 20
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorbesinnung 3
2. Durchführung
2.1 Übersetzungs vergleich 4
2.2 Abgrenzung und Kontext 5
2.3 Gliederung 6
2.4 Literarkritik 7
2.5 Formkritik 8
2.6 Überlieferungsgeschichte 9
2.7 Redaktionsgeschichte 10
2.8 Traditionsgeschichte 10
2.9 Religionsgeschichtlicher Hintergrund 11
2.10 Einzelexegese 11
2.11 Skopus 15
2.12 Verkündigungsansatz 15
3. Anhang
3.1. Quellen 16
4. Literaturverzeichnis 16
5. Erklärung 17
Florian Karcher
Exegese Gen 12,10-20
Abraham lügt ! Um seine eigene Haut und die seiner Frau Sara zu retten, lügt der Stammesvater der Israeliten. Kurz zuvor hat er noch die Verheißung Gottes empfangen. Umso erstaunlicher ist die Treue Gottes zu Abraham. Abraham hat sich und seine Frau einer großen Gefahr ausgesetzt und damit auch die Verheißung gefährdet. Doch hatte Abraham eine Wahl ? Die Bibel schildert mehrfach, dass die einzige Möglichkeit, der Hungersnot zu entrinnen, die Flucht nach Ägypten war. Trotz seiner Lüge steht Gott zu Abraham, so dass er ungestraft und bereichert aus Ägypten ziehen kann. Gott hält Wort ! Er stellt sich hinter Abraham und er stellt sich hinter mich, was er letztendlich durch Jesus Christus bewiesen hat.
Als Textgrundlage der Ausarbeitung wähle ich die RevELB 1 , da sie mir vertraut ist und ich sie für eine adäquate Übersetzung halte. Wo es mir notwendig erscheint werde ich auf andere Übersetzungen zurückgreifen. Im Vergleich mit der Lutherbibel von 1984 2 und der Übersetzung von Gerhard von Rad 3 sind mir einige Details aufgefallen, die mir die Eignung der RevELB für meine Arbeit bestätigen. Dabei habe ich hauptsächlich eine statistische Abwägung benutzt und nach dem Text mit den meisten Übereinstimmungen mit den beiden anderen Übersetzungen gesucht. An einigen Stelle habe ich die LXX 4 zu Klärung herangezogen.
Bereits am Anfang des Textes lassen sich Unterschiede in den Übersetzungen finden. Luther übersetzt: „Es kam aber eine Hungersnot...“; die RevELB liest hier statt „ kam“ „ entstand“, während bei von Rad die Hungersnot „ausbricht“ und das Verb am Ende vom Satzteil steht. Obwohl es inhaltlich nicht viel austrägt, findet sich eine Nähe zwischen „ kam“ und „ entstand“ im Gegensatz zu
1 Revidierte Elberfelder Bibel. Hg. von R.Brockhaus Verlag. Wuppertal 1985.
2 Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers, Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984.
Hg. von Deutsche Bibelgesellschaft. Stuttgart 1999
3 von Rad, Gerhard. ATD. Das erste Buch Mose (Teilband 3). 6.Auflage, Göttingen 1967.
4 Cambridge Septuagint. Hg. von Cambridge University Press. Cambridge 1926
Exegese Gen 12,10-20 „ausbricht “, weil beide Worte einen eher langsameren Vorgang, als das Ausbrechen, beschreiben. In V.11 sind sich RevELB und von Rad einig, dass es „...Weib/Frau von schönem Aussehen“ und nicht „schöne Frau“, wie Luther übersetzt, heißen muss. Ein weitere literarischer Unterschied zwischen RevELB und von Rad einerseits und Luther anderseits findet man in V.18. Luther übersetzt hier mit einem Aktiv, während die beiden anderen Übersetzung hier eine passive Form übersetzen. Es hilft der Blick in die LXX, hier findet man die passive Form kale/saj (lies rufen). Eine Differenz zwischen RevELB und Luther gegenüber von Rad findet man am Ende des Textes. Von Rad übersetzt hier mit einem Hauptwort „sein ganze Habe“, während in RevELB und Luther in Übereinstimmung „alles, was er hatte“ zu finden ist.
Obwohl es fast keine inhaltlichen Argumente gibt, da alle Übersetzungen sehr nah aneinander sind, sprechen formale Kriterien für die RevELB.
Stilistisch passt der Text Gen 12,10-20 gut in sein Umfeld. Viele der Sätze werden mit „Und...“ eingeleitet und der Gebrauch von Zeiten und literarischen Stilmitteln ist ähnlich. Ein Problem, dass beim genaueren Betrachten des Textes auftaucht, ist die geografische Orientierung. Abraham zieht vom Norden in den Süden (12,4-9), von dort nach Ägypten (12,10) und von Ägypten zurück nach Bethel (13,1-4) 5 . Weiter fällt auf, dass Lot, der Brudersohn Abrahams, im Vorhergegangen erwähnt ist. Während des Aufenthalts in Ägypten kommt er nicht vor, wird jedoch in 13,1 wieder erwähnt. Obwohl Lot in 12,10-20 keine Erwähnung findet und dies ein Kriterium wäre, die sinnvolle Texteinheit dabei zu belassen, gehört 13,1 dazu. 12,10–13,1 beschreibt einen sinnvollen Abschnitt, der mit dem Weg nach Ägypten beginnt und dem Weg aus Ägypten heraus endet. Außerdem schließt 13,2 direkt an 12,9 an 6 und bildet eine selbstständige Einheit. Bevor Abraham mit seiner Frau die Flucht vor der Hungersnot antritt, hat er die Verheißung Gottes, den Segen für Abraham, seine Sippe und alle Geschlechter, empfangen und sich auf den Weg nach Kanaan gemacht. Mit ihm unterwegs sind sein Neffe Lot, seine Frau und sein Gefolge (Sippe, Sklaven). Abraham nimmt seine ganze Habe mit auf diesem Weg und führt ein Nomadenleben. Als sie
5 vgl. Gerhard von Rad, ATD, Das erste Buch Mose, S.140
6 Ebenda
Exegese Gen 12,10-20 Kanaan erreichen erneuert Gott seine Verheißung und Abraham baut ihm einen Altar in Bethel.
Im Anschluss an 12,10 – 13,1 kehrt Abraham, dessen Reichtum betont wird, nach Bethel zurück und trennt sich von Lot.
Der Text lässt sich in einzelne sinnvolle Abschnitte gliedern. Ein besonderes Gewicht liegt dabei auf den beiden Gesprächen 12,11-13 und 12,18-19 7 .
1. Einleitung (10-11a)
1.1. Begründung durch Hungersnot (10a)
1.2. Weg nach Ägypten (10b)
1.3. Einleitung zum Gespräch (11a)
2. Gespräch zwischen Abraham und Sara (11b-13)
2.1. Situationseinschätzung (11-12)
2.2. Aufforderung zur List und schweigende Zustimmung (13)
3. Handlung in Ägypten (14-17)
3.1. Eintreffen in Ägypten (14a)
3.1.1. Zutreffen von Abrahams Einschätzung (14b)
3.2. Sara wird ins Haus des Pharao geholt (15)
3.3. Abrahams Entschädigung (16)
3.4. Jahwes Strafe (17)
4. Gespräch zwischen Pharao und Abraham (18-19)
4.1. Pharaos Vorwurf (18-19a)
4.2. Rückgabe Sara (19b)
5. Rückweg aus Ägypten (12,20 – 13,1)
5.1. Geleit für Abraham und seinen Besitz (20)
5.2. Weg aus Ägypten in den Süden (13,1)
Der Pentateuch bildet ein Gesamtwerk, das durch mehrere Redaktionen gegangen ist, bevor er die nun vorliegende Form hatte. Für die Bedeutung des vorliegenden Textes ist es daher wichtig herauszufinden, auf welchen Autor bzw. welche
7 vgl. Claus Westermann, ATD, Genesis 12-36, S. 188
Arbeit zitieren:
Florian Karcher, 2003, Exegese zu Gen 12,10-13,1 Abram und Sarai in Ägypten, München, GRIN Verlag GmbH
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