Wirtschafts- und Unternehmensethik I
Inhaltsverzeichnis:
INHALTSVERZEICHNIS ........................................................................................................ I
1. Einleitung 1
1.1 Betrachtung einer Entwicklung: Wirtschafts- und Unternehmensethik 1
1.2 Zielsetzung dieser Arbeit 2
2. Notwendigkeit von Unternehmensethik 2
3. Unternehmerische Handlungsspielräume im Marktprozess 4
4. Unternehmensethische Ansätze 6
4.1 Theoretische Beschreibung und Abgrenzung der Ansätze 6
4.2 Problematisierung funktionalistischer Wirtschaftsethik 7
5. Konzeptionalisierung von Unternehmensethik 8
5.1 Gesetzliche Regelungen und Ethik 8
5.2 Praktische Instrumente der Unternehmensethik 9
5.3 Umsetzung von Unternehmensethik: Selbstregulierung oder Zwang 10
6. Fazit 12
LITERATURVERZEICHNIS II
Wirtschafts- und Unternehmensethik 1
1. Einleitung
1.1 Betrachtung einer Entwicklung: Wirtschafts- und Unternehmensethik
Der Gegensatz der wirtschaftswissenschaftlichen Leitfigur des „homo oeconomicus“ zum e- thischen Ideal des „homo moralis“ beherrscht seit jeher die Diskussion um Wirtschafts- und Unternehmensethik. Lassen sich unternehmerische Gewinnerzielung und ethisch korrektes Handeln miteinander vereinbaren oder widersprechen sie sich per se? Umwelt- und Lebensmittelskandale, Insidergeschäfte von Managern, mangelhafte Si- cherheitsstandards bei Fluglinien, Kraftwerksbetreibern oder in der Chemieindustrie, Diskriminierung von Frauen und gesellschaftlich schwächer Gestellten bis hin zu Kinderar- beit westlicher Unternehmen in der „Dritten Welt“ – die Aufzählung solcher Missstände ließe sich beliebig fortsetzen – geben Anlass genug für die Annahme dieser Unvereinbarkeit. Egoistisches Handeln im Sinne von „Eigenwohl über Gemeinwohl“ bei Unternehmern wie rücksichtslose Massenentlassungen, Verdrängungskämpfe oder Wirtschaftskriminalität un- termauern die sozialdarwinistische Theorie als Beschreibung von vielen Wirtschaftsprozessen, wie sie auch im Manchester-Liberalismus getreu dem Motto „The fit-
test will survive“ zum Leitbild erhoben wurde. 1 Es passt in dieses Bild, dass die ersten
Entwürfe zu einer Wirtschaftsethik von Georg Wünsch aus dem Jahr 1927 klanglos verhallten und schnell vergessen wurden.
Erscheinen da heute von Unternehmenschefs heruntergebetete Vokabeln wie „Corpo- rate Social Responsibility“, „Stakeholder-Balance-Management“ oder „Corporate Citizenship“, wie sie beispielsweise auf dem von Wirtschaftsverbänden organisierten Kon- gress Anfang April 2001 in München zu hören waren, nicht gerade heuchlerisch? Dieser Trend zum scheinbaren oder wahrhaftigen Ethik-Bekenntnis in Unternehmen ist keineswegs neu: Seit Mitte der 70er Jahre vollzieht sich ausgehend von den USA unter dem Stichwort „Business-Ethics“ ein grundlegender Wandel: Lehrstühle und Forschungsinsti- tute zur Wirtschafts- und Unternehmensethik, Seminare für Führungskräfte kamen mit etwa zehnjähriger Verspätung auch in Westeuropa und Deutschland in Mode (Gründe für den Zeit- versatz liegen u.a. im hiesigen System der sozialen Marktwirtschaft). Für Jäger belegen die Akzeptanz und Bedeutung des Deutschen Netzwerks Unternehmensethik, von Fachzeitschrif- ten zur praktischen Unternehmensethik oder des „Center for Corporate Citizenship“ unter Führungskräften, dass das Bedürfnis nach ethisch geprägtem Wirtschaften in den Führungs-
1 Vgl. JÄGER, ALFRED: „Unternehmensethik, Unternehmenspolitik und Verantwortung“. In: HANS LENK, MAT-
THIAS MARING (Hrsg.): Wirtschaft und Ethik. Stuttgart 1992; S. 271.
Wirtschafts- und Unternehmensethik 2
etagen offenbar selbst erwächst. 1 Bedeutet ethische Reflexion für einen Wirtschaftler und Un-
ternehmer, der sich am Markt behaupten, Gewinne erzielen und gegenüber Konkurrenten obsiegen will, also plötzlich doch nicht mehr nur eine Verschwendung von Ressourcen im Sinne von Zeit und Geld sondern sogar einen ökonomischen Vorteil?
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Dieser und anderen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden, Meinungen und Bei- träge verschiedener Wissenschaftler zum Thema dargeboten werden. Kann man wirklich von einem Sinneswandel in den Führungsetagen sprechen und wenn ja, wodurch begründet er sich? Zur Klärung dieser Frage möchte ich jedoch erst auf verschiedene theoretische Ansätze der Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie dahinter stehende Motive eingehen. Grund- sätzlich soll in diesem Zusammenhang beleuchtet werden, warum überhaupt eine Wirtschafts- und Unternehmensethik in unserer Gesellschaft von Nöten ist und ob den wirtschaftlichen Entscheidungsträgern genug Handlungsspielräume innerhalb der Zwänge und des Drucks, den das wirtschaftliche System so wie wir es in unserer Gesellschaft vorfinden, für eine ethische Ausgestaltung ihrer Entscheidungen zur Verfügung stehen. Später wird darauf eingegangen, wie Unternehmensethik in der Praxis implementiert und angewandt werden kann, allerdings auch, wo heutige Probleme und vielleicht Lösungsperspektiven liegen.
Vorweg sei erwähnt, dass die begriffliche Unterscheidung von Wirtschafts- und Un- ternehmensethik lediglich auf verschiedene (Prozess-)Ebenen hinweist. Der Ansatzpunkt von Wirtschaftsethik auf makroökonomischen Ebene ist aber mit den Aufgabenfeldern von Unter- nehmensethik auf vornehmlich mikroökonomischer Ebene vergleichbar. In beiden Fällen handelt es sich um Interessenskollisionen zugrunde liegende Ordnungsfragen, die Ethik be- handeln soll, deshalb werden die beiden Begriffe hier austauschbar verwendet.
2. Notwendigkeit von Unternehmensethik
Gäbe es in unserer Gesellschaft keine Interessenskonflikte zwischen unternehmerischem Han- deln und gesellschaftlichen Wert- und Moralvorstellungen, benötigte man keine Gesetze und auch keine Wirtschafts-/Unternehmensethik. Da die Realität, wie eingangs erwähnte Beispiele belegen, aber anders aussieht, sind Regulierungsmechanismen offensichtlich erforderlich.
1 Vgl. JÄGER, ALFRED: a.a. O.; S. 271.
Wirtschafts- und Unternehmensethik 3
Die Ursache für eine Vielzahl von Konfliktsituationen stellen negative externe Effekte der ökonomischen Handlungen von Unternehmern bzw. Konsumenten mit sozialen und öko- logischen Kosten für unbeteiligte Dritte dar. Nach der neoklassischen Wirtschaftstheorie ist das entscheidende Charakteristikum für externe Effekte, dass es sich um Auswirkungen von ökonomischen Handlungen handelt, die marktmäßig nicht abgegolten und verrechnet werden. Dieser Mangel an Märkten und die somit fehlenden Regelungsmechanismen verursachen Probleme. Diese entstehen insbesondere dann, wenn Eigentumsrechte nicht oder nur unzurei-
chend definiert sind. 1 Beispiele wie die übermäßige Nutzung von Allgemeingütern durch
Einzelne, Verschwendung oft kostenloser natürlicher Ressourcen wie Luft und Wasser, aber auch die miserablen Arbeitsbedingungen der Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung zeu- gen von solchen negativen Handlungskonsequenzen, unter denen die Verursacher meist nicht selbst leiden und welche die Marktmechanismen nicht per se verhindern können. Gesetze, Rechtsgrundlagen und Unternehmensverfassungen wirken über die Festset- zung von Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns hierbei konfliktregulierend, lassen aber Steuerungs- und Koordinationsdefizite offen. Nachteile rechtlicher Regelungen werden
nach Gerum allgemein von folgenden Punkten bestimmt: 2
Gesetze lassen Steuerungsdefizite rechtstechnischer Natur offen, denn sie müssen abstrakt formuliert sein und können nicht Einzelfälle abbilden. Die mangelnde Spezifizierbarkeit bzw. Zielgenauigkeit kann ledig-
lich mit reflexiven Regelungen (z.B. Vermittlungsausschuss, Tarifverhandlungen) umgangen werden.
Die Neuigkeit auftretender Problemfälle, die in noch keinem bisherigen Gesetz berücksichtigt worden sind, kann Recht nicht bewältigen (time-lag-Problem).
Präventions- und Vollzugsdefizite von Recht:
Gesetze sprechen Individuen als verantwortliche Instanzen an, können diese aber gerade durch verbreitete
Arbeitsteilung in Großunternehmen und die sich dadurch ergebende organisatorische Verantwortungsdiffu-
sität nicht mehr erreichen, so dass die Präventionswirkung von Recht leidet und eine Überwachung der
Einhaltung von Gesetzen fast unmöglich wird.
Die Reichweite von Recht und Gesetzen – meist auf Nationalstaaten beschränkt – vermag globalökonomi- sche Konflikte nicht mehr zu regeln.
Recht und Markt üben eine moralische Entlastungsfunktion auf die Handelnden aus. Konflikte ergeben sich oft, wenn Handlungen legal, aber nichtsdestotrotz unethisch bzw. illegitim sind.
Andere, diese Nachteile teilweise vermeidende Wege zur Internalisierung von externen Effek- ten umfassen neben der ausreichenden Definition von Eigentumsrechten, die jedoch im Fall von Allgemeinbesitz kaum möglich ist, die Verwendung von Pigou-Steuern (z.B. Steuern auf Verschmutzung), die Errichtung von Märkten für den externen Effekt oder die Regelung und
1 Vgl. VARIAN, HAL: Grundzüge der Mikroökonomik. München 1995; S. 531 ff.
2 Vgl. GERUM, ELMAR: „Unternehmensführung und Ethik“. In: HANS LENK UND MATTHIAS MARING: Wirtschaft
und Ethik. Stuttgart 1992; S. 255 f.
Arbeit zitieren:
Malte Sunderkötter, 2002, Wirtschafts- und Unternehmensethik, München, GRIN Verlag GmbH
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