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“Islam is one of the world’s greatest religions. (...).
Islam has brought comfort and peace of mind to countless
millions of men and women.
It has given dignity and meaning to drab and impoverished
lives.
It has taught people of different r aces to live in
brotherhood and people of different creeds to live side by
side in reasonable tolerance.
It inspired a great civilization in which others besides
Muslims lived creative and useful lives and which, by it’s
achievement, enriched the whole world.”
(Bernard Lewis)
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Was ist der Islam ?
2.2. Was heisst Demokratie ?
3. Ursachen für das Mißtrauen Islamischer Staaten gegenüber dem „Westen“ und
der Demokratie
4. Thesen gegen die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie
5. Unterschiedliche Positionen zur Frage nach der Kompatibilität von Islam und
Demokratie
5.1. Die Scharia
5.2. Was sagt der Koran ?
5.3. Was sagen liberale Muslime ?
5.4. Was sagen Islamisten / Fundamentalisten?
5.5. Was sagen Muslime in Deutschland ?
6. Der Politisch- Ideologisierte Islam
7. Sind Islamische Demokratien Möglich ?
7.1. Theoretische Ansätze
7.2. Wie sieht die Praxis aus ?
8. Voraussetzungen für die Vereinbarkeit des Islam mit einer demokratischen
Grundordnung
9. Fazit
10. Quellenverzeichnis
10.1. Literaturverzeichnis
10.2. Elektronische Quellen
10.3. Weitere Quellen
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1. Vorwort
Im Laufe des theologischen Hauptseminars „Weltreligionen im Religionsunterricht: Islam; Geschichte und Theologie, Stellung der Frau“ habe ich viel über die Geschichte sowie die Theologie der jüngsten der Weltreligionen, das Leben und Wirken des Propheten Muhammad, sowie die Stellung der Frau im Islam gelernt.
Als politisch interessierter Mensch und Student der Politikwissenschaften habe ich mir, auch vor dem Hintergrund der verheerenden Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten von Amerika, immer wieder die Frage gestellt, ob der - hierzulande von vielen Menschen als Religion von „Feuer und Schwert“ eingeschätzte - islamische Glauben grundsätzlich mit der Staatsform der Demokratie kompatibel ist. Ich halte diese Frage für sehr schwierig aber dennoch berechtigt, denn nicht selten wurden die Anschläge vom 11. September als Angriffe auf unsere „zivilisierte Welt“ und die freiheitlich-demokratische Grundordnung gewertet. Im Folgenden möchte ich daher versuchen, eine Antwort zu finden.
Dabei werde ich zunächst die Begriffe „Islam“ und „Demokratie“ definieren und versuche im Folgenden die Gründe für das doch relativ weitverbreitete Misstrauen muslimisch geprägter Staaten gegenüber dem sogenannten Westen beleuchten.
Im weiteren Verlauf möchte ich einige der doch sehr unterschiedlichen Positionen zur Frage der Demokratiekompatibilität des Islam einander gegenüber stellen. Dabei interessieren mich besonders die Aussagen der primären Quellen des Islam, sowie die Meinung von Muslimen. Auch auf die Entstehung und Entwicklung des politisch- ideologisierten Islam möchte ich kurz eingehen. Der Schlussteil meiner Arbeit umfasst die Untersuchung theoretischer und praktischer Möglichkeiten islamischer Demokratien, sowie die Voraussetzungen für die Vereinbarkeit des Islam mit einer demokratischen Grundordnung.
2. Begriffsbestimmungen
Zunächst möchte ich die beiden Begriffe bestimmen, um dann im weiteren Verlauf näher auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie einzugehen. Interessant ist hierbei sicherlich, dass zwei Begriffe unterschiedlicher Kategorien einander gegenübergestellt werden. Während der Islam eine Religion ist, und zwar die mit etwa 1,2 Milliarden Anhänger weltweit zweitgrößte, meint der Begriff der Demokratie ein Regierungssystem (LpB 2001, 193). Von daher sind die beiden Termini zumindest auf „einer sprachlich-analytischen Ebene“ unvereinbar (Schlumberger 2001, 205).
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2.1. Was ist der Islam ?
Viele Menschen verstehen den Islam als eine grundsätzlich aggressive und gewaltbereite Religion. Hierbei möchte ich darauf hinweisen, dass das Wort Islam „Salam“, also Friede, enthält, und der islamische Glauben auch inhaltlich eng damit verbunden ist (Hensel/Schwendemann 2001, 17). Wie Oliver Schlumberger 1 in seinem Essay 2 schreibt, gibt es den Islam ebenso wenig gibt, wie das Christentum. Innerhalb der Umma, der ursprünglichen muslimischen Gemeinde, gibt es vielerlei Ausprägungen des Islam. Er spricht von der „großen Zweiheit der sunnitischen Mehrheit (ca. 80-90 % aller Muslime) und der schiitischen Minderheit (ca. 10-15 %) (...)“ (LpB 2001, 205). So wie es im Christentum Adventisten, Neuapostolische, Zeugen Jehovas, Protestanten und Katholiken mit all ihren unterschiedlichen Auslegungen des christlichen Glaubens gibt, so existieren auch im Islam verschiedenste Glaubensrichtungen.
Allgemein wird der Islam (arabisch „sich dem Willen Gottes unterwerfen“) als eine „von Mohammed (...) gestiftete Religion mit bestimmten politischen, sozialen u. kulturellen Auswirkungen“ definiert (Drosdowski 1990, 366). Diese Begriffsbestimmung lässt darauf schließen, dass der Islam mehr als „nur“ eine Religion ist, da er eben auch eng mit dem gesellschaftlichen Leben, der Kultur und der Politik verzahnt ist.
2.2. Was heisst Demokratie ?
Demokratie bedeutet vom griechischen Ursprung her „Volksherrschaft“: Sie ist also ein politisches System, in dem „das Volk durch freie Wahlen an der Machtausübung im Staat teilhat“ (Drosdowski 1990, 171). In einer Demokratie gilt das „Prinzip der freien u. gleichberechtigten Willensbildung u. Mitbestimmung in gesellschaftlichen Gruppen“ (Drosdowski 1990, 171). Weitere Kriterien für eine funktionierende Demokratie sind: freier Wettbewerb um politische Ämter, politische Partizipation (durch allgemeine, freie, geheime und gleiche Wahlen), das Vorhandensein von bürgerlichen Freiheiten, wie z.B. der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit oder der Versammlungsfreiheit, sowie die Teilung der Gewalten.
1 Oliver Schlumberger ist wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Politikwissenschaft, Arbeitsbereich Vorderer Orient, der Eberhard-Karls Universität Tübingen.
2 „Ein „Kampf der Kulturen?“ Sind Islam und Demokratie vereinbar? Das schwierige Verhältnis von Religion und Staat“. In: Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). Der Bürger im Staat. Islam in Deutschland. 51. Jahrgang, Heft 4 2001. S. 205-211.
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3. Ursachen für das Misstrauen islamischer Staaten gegenüber dem „Westen“ und
der Demokratie
Aus verschiedenen Gründen wird die Demokratie und ganz allgemein der „Westen“ - das westliche Europa, die USA und Kanada - von den Massen in der islamischen Welt besonders heute negativ wahrgenommen.
Die militärische und finanzielle Unterstützung des Staates Israel durch europäische Länder und vor allem durch die USA, ist einer der Hauptgründe für die ablehnende Haltung muslimisch geprägter Länder. In vielen arabischen Ländern gilt Israel als der „Feind“ schlechthin. Arabische Muslime, besonders fundamentalistische, werfen Israel „zahllose Kriegsverbrechen“ vor und sprechen von „zionistischen Völkerrechtsverletzungen“ (Muslim-Markt 2002, 2). Aus historischer Sicht hat zu der anti-westlichen Haltung sicherlich auch die Unterstützung Israels durch die Vereinigten Staaten im Israelisch-Arabischen „Sechs-Tage-Krieg“ 3 im Jahre 1967 beigetragen (LpB 2001, 194); ebenso die „Verhinderung des Machtwechsels nach demokratischen Wahlen in Algerien, das als islamfeindlich wahrgenommene Auftreten der USA und die Unmöglichkeit, durch Wahlen, autoritäre, dem Westen genehme Regierungen abzulösen (...) “ (Nienhaus 4 2002, 4). An dieser Stelle sollte jedoch auch die selektive Wahrnehmung einiger Araber und Muslime nicht unerwähnt bleiben, denn im Jahre 1956 haben die USA und die Sowjetunion Israel, Großbritannien und Frankreich bei einem Krieg gegen Ägypten „zurückgepfiffen“ (Riexinger 2002).
Doch die Epoche des europäischen Kolonialismus, als die damaligen Großmächte England und Russland, aber auch Frankreich versucht haben „den Rest der Welt unter sich aufzuteilen, um ihn den eigenen Interessen nutzbar zu machen“, ist sicherlich mitverantwortlich für das auch heute noch vorherrschende Misstrauen gegenüber westlichen Ländern. (Hensel/Schwendemann 2001, 104).
Die Wunden der „wirtschaftlichen Ausbeutung wie der kulturellen Demütigung“ sind in vielen islamischen Ländern noch lange nicht verheilt, vielmehr wurden sie durch die „Epoche des Imperialismus“ wieder aufgerissen. Die Masse der Bevölkerungen sieht ihre „kulturelle Identität“, durch westliche Wirtschaftsmechanismen und Medienkultur, gefährdet (Hensel/Schwendemann 2001, 104).
Auf Grund der oft als Neo-Kolonialismus beschriebenen Globalisierung, können diese historischen Traumata nicht aufgearbeitet werden. Auch gut gemeinte Entwicklungshilfen westlicher Länder haben in vielen Fällen kein Vertrauen gefördert. Oft haben sie kulturelle
3 Während des Sechs-Tage-Krieges vom 5. bis 11. Juni 1967 annektiert Israel u.a. Ostjerusalem, den Gaza-Streifen und die Golanhöhen und erzwingt damit eine Revision der Grenzen im Nahen Osten. Die arabischen Staaten reagierten mit einem Ölboykott gegen die USA und Großbritannien und der Sperrung des Suezkanals (vgl. Harenberg, Bodo. (Hrsg.). (1984). Chronik der Menschheit . Dortmund: Chronik-Verlag. S. 1024 - 1025).
Arbeit zitieren:
Jonathan Kern, 2002, Der Islam und die Demokratie - ein Widerspruch ?, München, GRIN Verlag GmbH
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