Abstract
Im Krankenhaus fallen während einer Behandlung durch eine möglichst vollständige, korrekte und zeitnahe medizinische Dokumentation sehr umfangreiche Daten an. Im Sinne der Basisdokumentation werden dabei die sogenannten Patientenstamm- (Geburtsdatum, Alter, Geschlecht etc.) und Bewegungsdaten (Haupt- und Nebendiagnosen, Prozeduren etc.) für jeden Patienten aufgezeichnet. Neben diesen Daten werden pro Patient die sogenannten Leistungsdaten (PräOP-Zeiten, PPR-Minuten, Anästhesie-Zeiten, DKGNT-Leistungspunkte etc.) aufgezeichnet.
Eine retrospektive Analyse dieser empirischen Daten ermöglicht dem klinischen Personal, dem Controlling und Management zu erkennen, was während einer Behandlung für Leistungen des Krankenhauses oder genauer der einzelnen Fachabteilungen erbracht wurden. Durch einen Vergleich krankenhauseigener DRG-Daten mit deutschlandweit kalkulierter Daten kann die Patientenstruktur und in einem gewissen Maße auch die Strukturqualität des eigenen Krankenhauses beurteilt werden.
In dieser Diplomarbeit wird beschrieben, wie die im Krankenhaus-informationssystem aufgezeichneten Daten dazu benutzt werden können, Behandlungsabläufe transparent zu machen. Es wird erörtert auf welche Art und Weise Daten präsentiert werden können und welcher Nutzen für den Anwender entsteht.
Außerdem wird der Aufbau, die technische Realisierung und der Nutzen des entstandenen Systems VIKAP (Generische Visualisierung von kalkulierten Patientenfalldaten) dargestellt.
Die Arbeit endet mit einer Diskussion der erhaltenen Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Schritte auf welche Art und Weise VIKAP weiterentwickelt werden könnte.
Danksagung
Mit dem Fertigstellen meiner Diplomarbeit bekomme ich nun auch die Gelegenheit, denen Menschen zu danken, die zum Erfolg dieser Arbeit beigetragen haben.
Ich möchte diese Arbeit meinen Eltern, Marianne und Uwe Gerdsen, widmen, die, davon abgesehen, daß sie mir das Studium ermöglichten, mich immer hilfreich und mit großem Interesse für meine Arbeit und vor allem mit viel Geduld unterstützt haben.
Mein besonderer Dank geht an Dr. Josef Ingenerf für eine hochspannende Aufgabenstellung und seine engagierte und lehrreiche Betreuung, die oftmals über den Inhalt der Arbeit hinausging.
Ebenso möchte ich Prof. Dr. Pöppl für seine Unterstützung während der gesamten Zeit der Diplomarbeit und B. Seik, F. Stellmacher und R. Schreiber danken, die mich mit ihren Anregungen, Ideen und Kritiken immer noch einen Schritt weiter gebracht haben.
Abschließend möchte ich Frau Schwensfeger danken, die immer ein offenes Ohr für alle Wünsche hatte, Ertugrul Özcitak der mit mir in der Zeit der Diplom-Prüfungen und -Arbeit durch dick und dünn ging und besonders Wiebke Kudernatsch, die viele meiner „Diplomlaunen“ zu ertragen hatte und mir trotzdem immer ermutigend zur Seite stand.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 10
1.1 Thema und Motivation 10
1.2 Probleme 11
1.3 Ziele 12
1.4 Umgebung 13
1.5 Aufbau der Diplomarbeit 13
2 Grundlagen 15
2.1 Einführung 15
2.2 Grundlegende Ausdrücke 15
2.3 Medizinische Dokumentation 17
2.3.1 Ziele 17
2.3.1.1 Medizinisch-Klinische Ziele 17
2.3.1.2 Administrative Ziele 18
2.3.2 DRGs: Diagnosis Related Groups 19
2.3.3 Fallkostenkalkulation 24
2.3.4 Klinische Behandlungspfade 26
2.4 Statistische Grundlagen 28
2.5 Visualisierung 31
3 VIKAP 32
3.1 Einführung 32
3.2 Datengrundlage 32
3.3 Programmlogik 37
3.3.1 Einführung 37
3.3.2 Technologien 38
3.3.2.1 FLASH 38
3.3.2.2 ASP 40
3.3.2.3 ASP-Turbine 44
3.3.2.4 SQL 47
3.3.3 Zusammenspiel der Technologien 47
3.3.4 Grundlegende Realisierung 51
3.4 GUI (Graphic User Interface) 55
3.4.1 Einführung 55
3.4.2 Elemente 57
3.4.2.1 Obere Informationsleiste 57
3.4.2.2 Mittlere Informationsbox 58
3.4.2.3 Navigationsleiste 58
3.5 Möglichkeiten durch VIKAP 68
4 Implementierung 73
4.1 Einführung 73
4.2 Aufrufstruktur zwischen Skripten und Templates 74
4.3 Technische Realisierung 75
4.4 Dynamische Generierung 78
5 Diskussion und Zusammenfassung 95
5.1 Antworten auf die Fragen 95
5.2 Diskussion 97
5.3 Ausblick 98
6 Anhang 100
6.1 Anhang - A Tabellenauszüge 100
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1 DRG-Schemata
Abbildung 2 DRG-Ermittlung klatt
Abbildung 3 Daten im Zusammenhang (A)
Abbildung 4 Kalkulationsschema
Abbildung 5 Daten im Zusammenhang (B)
Abbildung 6 Server-Client Zusammenspiel
Abbildung 7 ASP-Beispiel Time
Abbildung 8 Zusammenspiel der Technologien
Abbildung 9 Screenshot Time-Template
Abbildung 10 Screenshot Flash-Movie
Abbildung 11 Screenshot Turbine-Objekt Image List
Abbildung 12 Screenshot VIKAP - InEK vs. UK S-H
Abbildung 13 Screenshot VIKAP Alterverteilung
Abbildung 14 Screenshot VIKAP Hauptdiagnosen
Abbildung 15 Screenshot VIKAP UK S-H vs. Inidv
Abbildung 16 Leistungsabfrage Radiologie Gesamt
Abbildung 17 Screenshot VIKAP Verweildauer
Abbildung 18 Screenshot VIKAP Histogramm Verweildauer
Abbildung 19 Screenshot VIKAP Pflege-Minuten
Abbildung 20 Systementwurf
Abbildung 21 Screenshot Template pfad inek swt
Abbildung 22 Screenshot Template chart alter swt
Abbildung 23 Screenshot Template table infobox swt
Abbildung 24 Screenshot VIKAP Verweildauer 2
Abbildung 25 Screenshot VIKAP Leistungsabfrage Fallnr. 2
Tabelle 1 Laborleistungen
Tabelle 2 Kostenmodule Behandlungsfall: 4567890
Tabelle 3 Ausschnitt InEK-DB
Tabelle 4 DRGDaten UK S-H
Tabelle 5 DRGDaten InEK-Kalkulation
Tabelle 6 DRG Diagnosen und Prozeduren UK S-H 100
Tabelle 7 DRG Diagnosen Prozeduren InEK Kalkulation 101
Tabelle 8 DRGText UK S-H 101
Tabelle 9 DRGDaten UK S-H 101
Tabelle 10 Bsp. Stammtabelle KIS UK S-H 102
Tabelle 11 Patientendaten UK S-H 102
Tabelle 12 PatVerweildauer UK S-H 102
Tabelle 13 Nebendiagnosen UK S-H 102
Tabelle 14 Prozeduren UK S-H 103
Tabelle 15 PPR-Minuten UK S-H 103
Tabelle 16 Leistungen UK S-H 103
Tabelle 17 Kostenmodule UK S-H 103
Abkürzungsverzeichnis
ASP Active Server Pages CCL Complication Comorbidity Level DRG Diagnosis Related Group G-DRG-System German Diagnosis Related GroupSystem HTML Hypertext Markup Language IIS Internet Information Server InEK Institut für das Entgeltsystem im Kranken-haus KHEntgG Krankenhausentgeltgesetz KHG Krankenhausfinanzierungsgesetz KIS Krankenhausinformationssystem MDC Major Diagnostic Group PCCL Patient Clinical Complexity Level PHP PHP Hypertext Preprocessor PWS Personal Web Server SGB V Fünftes Buch Sozialgesetzbuch SQL Structured Query Language UK S-H Universitätsklinikum Schleswig-Holstein XML Extensible Markup Language
Kapitel 1: Einführung Seite 10
1 Einführung
1.1 Thema und Motivation
In der vorliegenden Diplomarbeit mit dem Titel „Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten: Grundlage zur Analyse DRG-orientierter Behandlungsprozesse“ [VIKAP] wurde ein System entwickelt, das es ermöglicht, reale DRG-orientierte Prozessdaten eines oder mehrerer Behandlungsfälle zu visualisieren.
Mit der Einführung der DRGs in das deutsche Gesundheitswesen wird sich der Kostendruck auf einzelne Krankenhäuser zunehmend vergrößern. Durch diesen Kostendruck werden Krankenhäuser in immer größeren Wettbewerb zueinander stehen und nicht mehr umhin kommen, durch eine notwendige Optimierung von Behandlungsabläufen Kosten einzusparen [roeder1]. Fehlende Werkzeuge zur Analyse von Behandlungsschritten, eine nicht mehr ausreichende Dokumentation und eine damit zusammenhängende überstrapazierte Bürokratie können das einzelne Krankenhaus existentiell gefährden.
Durch die Einführung der DRGs besteht nun erstmalig überhaupt die Möglichkeit, die Behandlung gewisser „Cluster“ von Patienten zu untersuchen. Wie im Kapitel über DRGs deutlich wird, bilden DRGs relativ homogene Gruppen von Patienten. Vor der Einführung der DRGs konnte man Patientengruppen nicht genügend eingrenzen, um überhaupt zu analysieren, wie diese Patientengruppe behandelt wird oder wurde. Nun steht ein Mittel bereit, auf bestimmte Patienten, auch noch nach verschiedenen Schweregraden unterteilt, zuzugreifen, um die Behandlung dieser Gruppe von Patienten zu beurteilen.
Die Analyse der DRG-orientierten Behandlungsprozesse kann in weiteren Schritten die Einführung klinischer Pfade vereinfachen. Durch den visuellen Vergleich empirischer Daten des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (kurz UK S-H) und deutschlandweit kalkulierter Daten des InEK-Instituts sollen Erkenntnisse gewonnen werden, in wieweit die in Lübeck behandelten Fallgruppen mit der in anderen Versorgungshäusern behandelten Fallgruppen übereinstimmen.
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 1: Einführung Seite 11
1.2 Probleme
In der momentanen Einführungsphase des G-DRG-Systems in Deutschland haben Krankenhäuser das Problem unter enormen Zeitdruck die eigenen Behandlungsprozesse zu analysieren, um bei möglichst gleichbleibender Behandlungsqualität die anfallenden Kosten zu senken oder bei gleichen Kosten die Qualität zu steigern. Dieses Problem stellt eine übergeordnete Motivation für die Problemstellungen der Diplomarbeit dar.
P1:
Der zunehmende Wettbewerb unter den einzelnen Krankenhäusern stellt jedes einzelne Krankenhaus vor das Problem, zukünftig nicht mehr nur nach gesundheitspolitischen Aspekten zu behandeln, sondern auch nach ökonomischen.
DRGs erlauben die Betrachtung vergleichbarer Fälle mit vergleichbaren Schweregraden und können zur Optimierung des Kosten-Qualität-Verhältnisses benutzt werden, um bestehende Behandlungsprozesse zu hinterfragen. Das Problem ist aber, daß momentan für den Kliniker kein Werkzeug existiert, mit dem er auf folgende Frage eine Antwort bekommt:
„Wie werden H04A-Fälle bei uns behandelt?“
(DRG H04A: „Cholezystektomie ohne endoskopischen Gallenwegseingriff mit äußerst schweren oder schweren CC“)
P2:
Das zu realisierende Werkzeug muß empirische Daten des Krankenhauses auf adäquate Art und Weise darstellen, um das Bewußtsein des Klinikpersonals zu schärfen, effizientere Arbeitsstrukturen im Krankenhaus einzuführen. Das Problem hierbei stellt insbesondere die nicht standardisierte Datengrundlage der Leistungsdaten pro Fallnummer im Krankenhaus dar.
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 1: Einführung Seite 12
1.3 Ziele
Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, ein System zu entwickeln, welches eine Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten ermöglicht. Durch die Visualisierung soll ein Vergleich verschiedener Datensätze auf der Basis von DRGs ermöglicht werden.
Durch die tiefenwirksame Visualisierung von bestimmten Zeiten, Leistungen und anderen Parametern der behandelten Fälle, soll der kritische Blick auf angeforderte und erbrachte Leistungen geschärft werden.
Das System soll dem Benutzer die Möglichkeit geben, auf einfache und unkomplizierte Art einen interessierenden Datensatz retrospektiv zu untersuchen, um so Rückschlüsse auf vergangene Arbeitsprozesse zu ermöglichen und diese Erkenntnisse in Zukunft für einen verbesserten Prozeßablauf einzusetzen. Es soll also eine passive, retrospektive Beobachtung ermöglichen (Studientyp, bei dem Wissenschaftler Daten aus bereits vorhandenen Unterlagen auswerten, [bestmann]), um Fehlerpotenziale aufzuspüren. Desweiteren kann es einen Schritt in die aktive, prozessgesteuerte Dokumentation ermöglichen.
Damit soll das System sowohl dem klinischen oder pflegerischem Personal, als auch der krankenhausinternen Verwaltung (Controlling) oder stationsleitendem Personal (Chefärzte etc.) von Nutzen sein. Chefärzten könnte zum Beispiel auf einen Blick deutlich werden, wann ihre Station in welchem Umfang in die Behandlung involviert war und welche Leistungen vielleicht bei einer zukünftigen Behandlung von vornherein erbracht oder vermieden werden könnten, um eventuelle Wartezeiten zu vermeiden.
Die Visualisierung der Krankenhausdaten soll in der Webtechnologie „FLASH“ von Macromedia erfolgen. Um die Struktur und einige ausgewählte Fallmerkmale der Patientenpopulation des UK S-H zu beurteilen, sollen die vom InEK-Institut (Deutschland) kalkulierten Daten bestimmter DRGs zum Vergleich mit den Daten des UK S-H gegenüber gestellt werden. Der visuelle Vergleich soll über untereinander dargestellte Zeitstrahlen realisiert werden. An den Zeitstrahlen sollen die wesentlichen Ereignisse direkt ablesbar oder abrufbar sein.
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 1: Einführung Seite 13
Zusammengefasst ergeben sich folgende Ziele:
Z1:
Ergonomisch ansprechende Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten für den Leistungserbringer (Kliniker, Pflegepersonal) in der Webtechnologie FLASH.
Z2:
Beurteilungsmöglichkeit der Patientenstruktur verschiedener Populationen (UK S-H und InEK-Kalkulation) und Analyse erbrachter Leistungen anhand der visualisierten Falldaten.
1.4 Umgebung
Die vorliegende Diplomarbeit ist am Institut für Medizinische Informatik (Direktor: Prof. Dr.-Ing. Dr. med. habil. Siegfried J. Pöppl), unter Betreuung von Dr. Josef Ingenerf und intensiver Zusammenarbeit mit Bettina Seik als Autorin der Fallkostenkalkulationssoftware für die Stabstelle Medizincontrolling (R.Schreiber), sowie der Klinik für Allgemeinchirurgie (Prof. Dr. H.-P. Bruch, F.Stellmacher) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Lübeck entstanden.
1.5 Aufbau der Diplomarbeit
Der Aufbau der Diplomarbeit gliedert sich wie folgt:
1. Einführung
In der Einführung wird Motivation, grundlegende Problemstellung, gesteckte Zielsetzung und Entstehungsumgebung der Diplomarbeit umfassend erläutert.
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 1: Einführung Seite 14
2. Grundlagen
Im Kapitel Grundlagen werden neben grundlegenden Begriffen zum Gesundheitswesen, Grundlagen zur Medizinischen Dokumentation, zur beschreibenden Statistik und zur Visualisierung erörtert.
3. VIKAP
Im dritten Kapitel wird das realisierte System VIKAP vorgestellt. Nach einer kurzen Problemerläuterung wird zuerst die Datengrundlage, auf die sich VIKAP bezieht, eingeführt, um darauf aufbauend die benutzen Technologien und die grundlegende Realisierung des Systems vorzustellen.
4. Implementierung
Im Kapitel Implementierung werden einige wichtige Konzepte und spezielle Lösungen in der technischen Realisierung von VIKAP vorgestellt.
5. Diskussion und Zusammenfassung
Dieses Kapitel beschreibt die Ergebnisse und fasst die wesentlichen Erkenntnisse abschließend zusammen. Außerdem wird ein Ausblick skizziert.
6. Anhang
Das sechste Kapitel enthält die wesentlichen Datentabellen der benutzten Datenbanken.
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 15
2 Grundlagen
2.1 Einführung
In diesem Grundlagenkapitel werden zunächst bestimmte Ausdrücke erläutert, die im Laufe der Diplomarbeit benutzt werden, um dem Leser das Verständnis der Materie zu erleichtern.
Im weiteren Verlauf wird auf die Medizinische Dokumentation eingegangen, aktuelle Begriffe und Schlagwörter des Gesundheitswesen eingeführt und auf Grundlagen der Statistik und der Visualisierung eingegangen.
2.2 Grundlegende Ausdrücke
In der Diplomarbeit werden einige Begriffe benutzt, die für den Leser eventuell neu sein könnten. Da einige Begriffe mehrfach verwendet werden, ist es wichtig, die in diesem Zusammenhang stehende Bedeutung der einzelnen Begriffe festzuhalten.
InEK Institut:
Die Spitzenverbände der Krankenkassen, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft haben am 10. Mai 2001 das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK gGmbH) in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH gegründet.
Das Institut unterstützt die Vertragspartner der Selbstverwaltung und die von ihnen gebildeten Gremien bei der gesetzlich vorgeschriebenen Einführung und kontinuierlichen Weiterentwicklung des DRG-Systems auf der Grundlage des §17b KHG.
DRG:
Eine Diagnosis Related Group, d.h. zum Beispiel H04B. Eine DRG ist eine diagnosenbezogene Fallgruppe, die durch eine medizinische Zusammen-
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 16
gehörigkeit (Diagnosen und Prozeduren als Gruppierungsmerkmale) und eine hinreichende Kostenhomogenität charakterisiert wird [schepers].
DRGs:
Abkürzung für Diagnosis Related Groups, d.h. zum Beispiel H04A und H04B.
DRG-System:
Ein gesamtes DRG-Klassifikationssystem, zum Beispiel das G- DRG-System. Ein diagnosebezogenes Fallgruppen System ist ein Patientenklassifikationssystem, das in einer klinisch relevanten und nachvollziehbaren Weise Art und Anzahl der behandelten Krankheitsfälle in Bezug zum Ressourcenverbrauch des Krankenhauses setzt [inek].
MDCs (Hauptdiagnosegruppen):
Die MDC ist eine Kategorie, die grundsätzlich auf einem Körpersystem oder einer Erkrankungsätiologie aufbaut, die mit einem speziellen medizinischem Fachgebiet verbunden ist. Die G-DRG-Version 1.0 umfasst 23 MDCs
Klinischer Behandlungspfad:
Ein integrierter klinischer Pfad (Behandlungspfad) ist ein Steuerungsinstrument. Der Klinische Pfad beschreibt den optimalen Weg eines speziellen Patiententyps mit seinen entscheidenden diagnostischen und therapeutischen Leistungen und seiner zeitlichen Abfolge. Interdisziplinäre und inter-professionelle Aspekte finden ebenso Berücksichtigung wie Elemente zur Umsetzung, Steuerung und ökonomischen Bewertung [eckardt].
Visualisierung:
Visualisisierung ist der Vorgang ein Bild oder eine Vision von etwas momentan nicht sichtbaren zu formen. D.h. es geht um die Aufbereitung von Informationen mit v.a. bildlichen Mitteln und deren Wahrnehmung (visuelle Kommunikation) [brock].
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 17
2.3 Medizinische Dokumentation
In der Diplomarbeit geht es um das übergreifende Thema „Medizinische Dokumentation“. Die Medizinische Dokumentation hat das abstrakte Ziel, berechtigten Personen alle relevanten Informationen zu einem oder mehreren Patienten und ihrer Behandlung bereitzustellen, und zwar zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Form [haux]. In diesem Grundlagenkapitel werden die wesentlichen Ziele der medizinischen Dokumentation aufgeführt, um anschließend die momentanen Schlagwörter des Gesundheitswesen (DRGs und damit zusammenhängende Fallkostenkalkulation, Klinische Pfade) zu erläutern.
2.3.1 Ziele
2.3.1.1 Medizinisch-Klinische Ziele
• Patientenversorgung
Die wirkungsvolle und angemessene Patientenversorgung stellt letztlich das höchste und wichtigste Ziel der medizinischen Dokumentation dar. Dazu muss das Dokumentationssystem alle zu einem Patienten verfügbaren Informationen bereitstellen, welche für eine Entscheidung über die Durchführung diagnostischer, therapeutischer oder pflegerischer Maßnahmen relevant sind [haux]. Nur wenn der Arzt alle relevanten Informationen zu beispielsweise früheren Erkrankungen des Patienten erhält, ist eine richtige Diagnostik möglich.
• Qualitätssicherung
Die Qualitätssicherung soll vor allem durch geeignete Angaben zur nachträglichen, kritischen Reflexion einzelner Krankheitsverläufe und zu einer definierten Menge von Krankheitsverläufen, die in eine geplante, systematische Qualitätsbeobachtung eingehen, erreicht werden .
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 18
• Gesundheitsforschung
Ziel der klinisch-wissenschaftlichen Forschung ist es, die Erfahrungen aus der Versorgung einzelner Patienten zu verallgemeinern, „Regelhaftes“ in ihnen zu finden und zu beschreiben.
• Aus- und Weiterbildung
Für Aus- und Weiterbildung ist die Bereitstellung exemplarischer, realistischer Krankheitsverläufe wesentlich.
2.3.1.2 Administrative Ziele
• Rechtliche Aspekte
Aus Gesetzgebung und Rechtssprechung ergeben sich eine Reihe von Vorgaben für die angemessene Dokumentation der Versorgung eines Patienten. Eine unzulängliche Dokumentation kann bei rechtlichen Auseinandersetzungen negative Folgen für die Versorgungseinrichtung haben. Weiterhin sind bestimmte Meldepflichten in der deutschen Gesetzgebung festgeschrieben. So müssen zum Beispiel die Diagnosen aller gesetzlich krankenversicherten Patienten an die Krankenkassen gemeldet werden.
• Finanzierung und Management
Die Medizinische Dokumentation kann dazu beitragen, daß zum Beispiel ein Krankenhaus für seine Leistungen eine angemessene finanzielle Vergütung erhält. Die Aufgabe rechtzeitige, zuverlässige und vollständige Angaben über die erbrachten Leistungen zu liefern, gewinnt mit einer leistungsbezogenen Vergütung zunehmend an Bedeutung [haux]. Auf Managementebene muß außerdem das Betriebsgeschehen kontrolliert, gesteuert und geplant werden.
Grundsätzlich will man dahin, daß man die einmal erfassten Daten für mehrere, vielfältige Zwecke, sowohl im Forschungs- wie auch im klinischen Bereich nutzen
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 19
kann. In diesem Zusammenhang soll das zu erstellende System eine Möglichkeit bieten, die durch das Krankenhausinformationssystem (kurz KIS) und andere Systeme erfassten Daten weiterverarbeiten zu können.
2.3.2 DRGs: Diagnosis Related Groups
Mit der Abkehr von der verweildauerorientierten Vergütung der Patienten-behandlung hin zur Einführung einer pauschalierten fallorientierten Vergütung wurde eine tiefgreifende Umgestaltung der Krankenhauslandschaft in Deutschland in Gang gesetzt. Die historisch gewachsenen Krankenhausbudgets haben zu einer nicht verursachungsgerechten Vergütung von Leistungen geführt.
Mit der Einführung der DRG-Fallpauschalen soll die Finanzierung soweit möglich ab dem Jahr 2007 nach dem Motto „Gleiche Preise für gleiche Leistung“ erfolgen [roeder1]. Die Vergütung ist dabei nicht mehr auf einzelne Tage konzentriert, sondern bezieht sich auf die komplette Gesamtbehandlung eines Krankenbildes. Durch diese Umgestaltung entsteht ein immenser Kostendruck auf einzelne Krankenhäuser, der eine intensive Auseinandersetzung mit innerbetrieblicher Prozeßoptimierung unabdingbar macht.
Gerade im Krankenhaussektor, dessen Strukturen und Kapazitäten nicht mehr zeitgemäß sind, herrscht Modernisierungsbedarf. Mit der Einführung der DRGs ins deutsche Gesundheitswesen ist ein erster Schritt dahingehend getan, hervorragend geführte Krankenhäuser zu fördern und schlecht geführte Häuser zu meiden, da bei einem festgesetzten Entgelt für vergleichbare Leistungen gut wirtschaftende Häuser mehr Ertrag erwirtschaften können als schlecht wirtschaftende Häuser. Damit liefert die Einführung der DRGs eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung effizienter Strukturen im Krankenhaussektor.
DRGs (diagnosenbezogene Fallgruppen) beschreiben ein Klassifizierungssystem für stationäre Behandlungsfälle in Krankenhäusern. Bei der Bildung der verschiedenen Gruppen spielen vor allem die medizinische Zusammengehörigkeit (Diagnosen und Prozeduren als Gruppierungsmerkmale) und eine hinreichende Kostenhomogenität der Fallgruppen eine Rolle. Qualitätssicherung,
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 20
Gesundheitsberichterstattung und Finanzierung der Leistungserbringung stehen bei der Einführung der DRGs im Vordergrund.
Das Klassifizierungssystem ordnet jedem möglichen Behandlungsfall eine von ca. 700 verschiedenen DRGs zu. Diese Einteilung orientiert sich sowohl an medizinischen Kriterien, als auch an dem durchschnittlichen ökonomischen Behandlungsaufwand. Damit bildet sie die Basis für eine fallpauschalierte Vergütung von stationären Krankenhausbehandlungen.
Die 661 DRGs sind in 23 Hauptkategorien (MDC: Major Diagnostic Category) auf drei Partitionen (chirurgische, medizinische, sonstige) aufgeteilt. Die einzelnen MDCs (0-22) sind dabei von A-Z durchcodiert und spiegeln möglichst homogene Krankheitsfälle wieder (siehe Abbildung 1).
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Kapitel 2: Grundlagen Seite 21
Die 409 Basis-DRGs (Adjazent-DRGs) werden nach einem einheitlichen Schema in verschiedene Schweregrade eingeteil [ingenerf].
Z.B. wird die Adjazent-DRG B69 (TIA und extrakranielle Gefäßverschlüsse) weiter unterteilt in:
• DRG B69A
TIA und extrakranielle Gefäßverschlüsse mit sehr schwerem CC
• DRG B69B
TIA und extrakranielle Gefäßverschlüsse mit schwerem CC
• DRG B69C
TIA und extrakranielle Gefäßverschlüsse ohne schwere oder sehr schwere CC
Wie in Abbildung 2 dargestellt, gehen die Nebendiagnosen mit in die DRG-Ermittlung ein. Dazu wird jede Nebendiagnose in Abhängigkeit von der gestellten Basis-DRG zunächst einem 5-stufigen CCL (Complication and Comorbidity Level) wie folgt zugeordnet:
• CCL 0 : Nebendiagnose zählt nicht als CC
• CCL 1 : leichte CC
• CCL 2 : mittlere CC
• CCL 3 : schwerwiegende CC
• CCL 4 : sehr schwerwiegende CC
Die Nebendiagnose J96.0 (akute respiratorische Insuffizienz) hat z.B. einen CCL-Wert von 2, falls sie zusammen mit der Basis-DRG B70 (Schlaganfall) auftritt. Tritt die gleiche Nebendiagnose dagegen mit der Basis-DRG B71 (Störungen kranialer und peripherer Nerven) hat sie einen CCL-Wert von 3.
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Kapitel 2: Grundlagen Seite 22
Darauf wird jeder Behandlungsfall aufgrund des Schweregrades der Nebendiagnose (kumulative, gewichtete CCL-Werte) in Abhängigkeit der jeweiligen Basis-DRG einem sogenannten Patient Clinical Complexity Level (PCCL) zugeordnet:
• PCCL 0 : keine CC Auswirkung
• PCCL 1 : leichte CC
• PCCL 2 : mittlere CC
• PCCL 3 : schwere CC
• PCCL 4 : sehr schwere CC
Aus der PCCL und der Basis-DRG wird schließlich die abrechenbare DRG ermittelt (siehe Abbildung 2).
Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten [ -VIKAP- ]
Arbeit zitieren:
Frederic Gerdsen, 2003, Generische Visualisierung kalkulierter Patientenfalldaten: Grundlage zur Analyse DRG-orientierter Behandlungsprozesse, München, GRIN Verlag GmbH
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