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1 Einleitung
„... Wenn Unterricht wieder Spaß machen soll, wenn Kinder nicht länger vorgekautes Wissen bloß wiederkäuen sondern sich die Unterrichtsgegenstände auf der Basis eigener Erfahrungen selber erschließen sollen; wenn Schule wieder Raum bieten soll für intellektuelle Abenteuer und bereichernde soziale Erfahrung, dann wird sie sich öffnen müssen für praktisches Handeln und konkrete Aktionen, für außerschulische Lern- und Wirkungsfelder, für gestaltende, verändernde, selbst machende Kinder, für
ungeschminkte Wahrheiten, offene Fragen und das Leben, so wie es
ist“. 1
Ausgehend vom o.g. Zitat stellt sich die Frage: „Was ist eigentlich Unterricht?“, welche Art und Weise von Unterricht wird diesen Ansprüchen gerecht?. Laut Exploration auf die Frage „Was ist eigentlich Unterricht!“ wurde Unterricht wie folgt charakterisiert: „da wird gelernt“, „Vermitteln von Stoff“, „Optimale
Wissensvermittlung durch eine Lehrkraft“, „Training für Prüfungen...“. 2
Spricht man von Unterricht, impliziert man meist zielgerichtetes, an Prüfung und Berechtigung gekoppeltes Lernen. Diese Definition verhindert jedoch, Schule und Unterricht als einen Lebensraum zu begreifen, in dem die Kinder und Jugendliche gemeinsam leben und lernen, miteinander Erfahrungen machen wobei die Schülerinteressen und die Umwelt des Kindes berücksichtigt werden. Der oben laut Exploration beschriebene Unterricht scheint dem weit verbreiteten Unterrichtsmodell des „Frontalunterrichts“ am nächsten zu kommen, der die immer noch vorhandene Lehrerdominanz verstärkt und den Schüler in die Rolle des Passiven und Unwissenden drängt, die nur noch über Unwesentliches entscheiden können. Die Rahmenrichtlinien schreiben abprüfbares Wissen vor. Muße, Spiel und Beschäftigung haben in der Leistungsschule wenig Berechtigung und d er Schülertisch wird zum „Akkordarbeitsplatz“. Bis auf kurze Pausen, einige Ausflüge besteht die Schule aus Arbeit und Leistungsdruck, wobei Schüler in der Klasse unter
1 Ramseger 1977, S. 7, zitiert nach Bachmair 1980, S.22.
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größter Bewegungsarmut beschäftigt werden. Es besteht wenig Zeit die unterschiedlichen Wünsche und Bedürfnisse möglicherweise zu thematisieren und zu bewältigen, um damit vielleicht bestehende soziale Konflikte zwischen Lehrern und Schülern zu entgehen bzw. zu lösen.
Weiterhin wird deutlich, daß die Zuschreibungen für Unterricht mit dem uns bekannten Modell des didaktischen Dreiecks übereinstimmen. Dieses bedeutet ferner, daß sich die Schüler mit einem vorgegeben Thema beschäftigen, welches sich ein Lehrer ausgewählt hat, damit die Auseinandersetzung mit Lehrinhalten nach den Regeln pädagogischen Vernunft und nach dem Willen des Lehrers vonstatten geht. Dabei sind Unterrichtsthemen bzw. Lehrinhalte nur Mittel zum Zweck, den Schülern Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln. Nach dem didaktischen Modell des „Lernzielorientierten Unterrichts“ nach Heimann beispielsweise werden die Unterrichtsinhalte so dargeboten, daß die Schüler die Unterrichtsziele erreichen, die der Lehrer abrechnen kann. Zwischen den Schülern und den Inhalten stehen die Medien, die die Funktion der „Vermittler“ ausüben, die den Schüler helfen, Einsichten in Lehrinhalte zu gewinnen. Dabei hält sich der Lehrer an gewisse Unterrichtsmedien, um den Unterricht „attraktiv“ und „abwechslungsreich“ zu gestalten und die Schüler dabei optimal lernen zu lassen. Die genannten vier Ebenen des schulischen Lernens, nämlich Ziele, Inhalte, Methoden und Medien stehen dabei im engen Zusammenhang. Die Entscheidung für eine dieser didaktischen Dimensionen zieht immer Konsequenzen auf die drei anderen nach sich. Somit widerspricht sich beispielsweise das Unterrichtsziel der Kreativitätsförderung und freie Entfaltung der Kinder mit einem frontal geführten Unterricht. 3
An diese Stelle soll keinesfalls ein didaktisches Modell zur Disposition stehen oder auf Unzulänglichkeiten hin untersucht werden. Es bleibt vielmehr immer noch die Frage, welche Unterrichtsmethode geeignet ist, den dargestellten Problemen zu begegnen und den im Zitat geforderten Ansprüchen gerecht zu werden, so daß Schule Spaß macht. Man ist sich gewissermaßen einig, daß das klassische Modell eins straff geführten Frontalunterrichts Wissen vermittelt, aber wenig dazu beiträgt,
2 Vgl. Bachmair 1980, S: 11.
3 Vgl. Bachmair 1980, S. 13 f.
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Lehrerdominanz gegen Schülerzentrierung einzutauschen, die Schüler vom „Passivum in das Aktivum“ zu versetzen und „Bewegung“ in den Unterricht zu bringen.
Die aufgeführten bestehenden Probleme sollen lediglich dazu dienen, über alte Unterrichtsmethoden nachzudenken, die sich ebenfalls an die sich verändernde Schülerpopulation anpassen müssen.
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Unterrichtskonzept des „Handlungsorientierten Unterrichts“ im ersten Kapitel theoretisch auseinander. Das folgende zweite Kapitel stellt theoretisch das Projekt als Unterrichtsform, als Möglichkeit zur Umsetzung des handlungsorientierten Unterrichts dar. Im dritten Kapitel erfolgt die Umsetzung des handlungsorientierten Unterrichts in der Form eines schon durchgeführten Projektes und im Anschluß daran, die Planung eines von der Autorin dieser Arbeit selbst entwickelten Projektes.
2 Zum Begriff „Handlungsorientierter Unterricht“
Der Begriff bezeichnet ein Unterrichtskonzept, das die Schüler-Handlungen in das Zentrum der Unterrichtsarbeit stellt. Häufiger als bisher sollen Lehrer gemeinsam mit den Schülern etwas tun, das ´Hand und Fuß´ besitzt. Die materiellen Tätigkeiten der Schüler bilden dabei den Ausgangspunkt des Lernprozesses, und wenn möglich, sollen Handlungsprodukte als konkrete Ergebnisse des Lern- und Arbeitsprozesses erstellt werden. 4
Konkret bedeutet dies nach Meyer: 5 „Handlungsorientierte Unterricht ist ein ganzheitlicher und schülerorientierter Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesss leisten, so daß Kopf- und Handarbeit der
4 Vgl. Meyer 1997 II, S. 402; vgl. auch Jank/Meyer 1994, S. 354.
5 Meyer 1987 II, S. 402.
5
Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.“
Wird handlungsorientierter Unterricht durchgeführt, wird der Schulalltag abwechslungsreicher aber auch spannender und offener. Den Unterricht handlungsorientiert zu konzipieren, bewirkt nicht nur eine bessere Identifikation bei den Schülern mit diesem, sondern auch bei den Lehrern. 6
2.1 Merkmale eines handlungsorientierten Unterrichts
Eine vollständige Beschreibung des handlungsorientierten Unterrichts ist nur durch die Merkmale möglich. Diese Merkmale möchte ich hier aufführen.
Handlungsorientierter Unterricht (HU) weist nach Jank und Meyer im wesentlichen folgende sieben Merkmale auf: 7
1. HU ist ganzheitlich mit folgenden Aspekten:
• personal: Der Schüler soll „ganz“ angesprochen werden, d.h. mit dem Kopf, aber
auch mit dem Herzen (=Gefühle), den Händen und allen anderen Sinnen;
• inhaltlich: die Auswahl der Unterrichtsinhalte erfolgt nicht aufgrund einer
wissenschaftlichen Fachsystematik, sondern aufgrund der Probleme und Fragestellungen, die sich aus dem vereinbarten Handlungsprodukt ergeben;
• methodisch: die ausgewählten Unterrichtsmethoden müssen ganzheitlich sein:
Gruppen- und Partnerarbeit, Projektunterricht, Rollenspiele, Planspiele, Experimentieren, Erkunden usw.
2. HU ist schüleraktiv, d.h. der Lehrer versucht, den Schülern möglichst wenig „vorzukauen“ und sie möglichst viel selbst erkunden, erproben, entdecken,
6 Vgl. ebd.
7 Vgl. Jank/Meyer 1994, S. 355 - 358.
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erörtern, planen und verwerfen zu lassen - Selbsttätigkeit ist die unverzichtbare Voraussetzung für Selbständigkeit.
3. Im Mittelpunkt des HU steht die Herstellung von Handlungsprodukten. Mit diesen Produkten können sich die Schüler identifizieren, sie bieten aber auch Gelegenheit für eine von den Schülern selbst getragene Auswertung und Kritik der Unterrichtsarbeit.
4. Der HU bemüht sich, die subjektiven Schülerinteressen zum Ausgangspunkt der Unterrichtsarbeit zu machen. Der Handlungsorientierte Unterricht schafft dafür die Freiräume, in denen sich die Schüler im handelnden Umgang mit neuen Themen und Aufgabenstellungen ihrer Interessen bewußt werden können. Er schafft aber zugleich auch das Forum zur Veröffentlichung und Kritik der subjektiven Interessen.
5. Von Anfang an beteiligt handlungsorientierter Unterricht die Schüler an der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts. Hiermit sollen die Schüler Sozialkompetenz entwickeln.
6. Gleichzeitig führt HU zur Öffnung der Schule sowohl nach innen, d.h. Schüler und Lehrer gehen aufeinander zu, individuelle Lernwege werden gefördert, der fächerübergreifende Unterricht wird ausgedehnt und das Schulleben wird mit Hilfe des HU weiterentwickelt als auch nach außen, da die Schüler den Klassenraum verlassen, um Erfahrungen und Ereignisse zusammenzutragen und wahrzunehmen. Außerdem werden am Ende eines HU werden Experten, Politiker oder Eltern in die Schule eingeladen, damit die erarbeiteten Handlungsprodukte vorgestellt werden können und die Schüler daraufhin Rückschlüsse ziehen können, inwiefern ihr Vorhaben erfolgreich war.
7. Im HU wird versucht, Kopf- und Handarbeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Im gesamten Lernprozeß gibt eine begleitende dynamische Wechselwirkung zwischen Hand- und Kopfarbeit.
Arbeit zitieren:
Sandra Kaske, 2000, Handlungsorientierter Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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