Humboldt Universität zu Berlin
SS 2002
Alterssicherungspolitik. Reformen und Reformprobleme in Deutschland
und im internationalen Vergleich
Kapitaldeckung oder Umlageverfahren
Optionen für eine Rentenreform
Tobias Pehle
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 3
2 Status quo und Probleme der Alterssicherung in Deutschland 4
2.1 Die drei Säulen der Alterssicherung 4
2.2 Die gesetzliche Rentenversicherung 4
2.2.1 Die gesetzliche Alterssicherung in Deutschland 5
2.3 Die betriebliche Altersvorsorge 6
2.4 Die private Altersvorsorge 7
2.5 Riesters Rentenreform 7
3 Systeme der Altersicherung: Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren 8
3.1 Das Umlageverfahren 8
3.2 Das Kapitaldeckungsverfahren 9
3.3 Die steuerfinanzierte Rente 10
4 Reformoptionen innerhalb des Umlageverfahrens 11
4.1 Senkung des Rentenniveaus 11
4.2 Das Prinzip der dynamischen Rente und des demographische Faktor 12
4.3 Schritte zur Verbesserung der demographischen Situation 12
5 Erhoffte Vorteile eines Kapitaldeckungsverfahrens 14
5.1 Renditevergleich 14
5.2 Anreizwirkungen und Eigenvorsorge 15
5.3 Erwirtschaftung der Renten durch den Faktor Kapital 15
5.4 Das Umstellungsproblem – Kritische Betrachtung des KDV 17
6 Fazit und abgeleitete Reformoptionen 18
LITERATUR 21
ONLINE 23
1 Einleitung
Das Thema Rentenpolitik steht auch heute, Mitte des Jahres 2002, wieder einmal ganz oben auf der Liste der drängenden, aber bisher ungelösten politischen Probleme in Deutschland. Auf dieser Liste steht das Thema Rente nun seit mindestens 10 Jahren, und die Zeitabstände, in denen Rentenreformen diskutiert, verabschiedet, wieder ausgesetzt und neu diskutiert wurden, ist beachtlich kürzer geworden. Nach der Rentenreform von 1992 mit dem Übergang von der bruttolohn- zur nettolohnbezogenen dynamischen Rente, kam 1998 erstmals die Thematik des demographischen Faktors auf die Tagesordnung. Es sollte erstmals in einer Rentenreform das Problem einer alternden Bevölkerung in Form eines verlangsamten Anstiegs der Renten bezogen auf die Nettolöhne berücksichtigt werden. Die Rentenreform von 1998 wurde aber von der rot-grünen Bundesregierung nach ihrer Wahl außer Kraft gesetzt und nun durch die so genannte ‚Riesterrente’ unter der Federführung von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) ersetzt, die verstärkt auf Zusatzsäulen der privaten und betrieblichen Vorsorge setzt. Hinter all diesen konkreten Rentenreformschritten stehen bestimmte, voneinander abweichende Vorstellungen über alternative Grundtypen von Rentenversicherungssystemen und deren Fähigkeit, mit den anstehenden demographischen Problemen fertig zu werden. Diese Grundvorstellungen beeinflussen die von der Politik vorgestellten Reformpläne. Dabei lassen sich alle Systeme von Altersicherung letztendlich auf zwei Grundtypen der Finanzierung zurückführen. Häufig das Kapitaldeckungsverfahren (KDV) als adäquater Problemlöser für die demographischen Probleme der kommenden Jahrzehnte genannt. Das Umlageverfahren (UV) hingegen ist nach Meinung vieler Experten nicht in der Lage die anstehenden demographischen Umwälzungen zu lösen.1 Um die demographischen Probleme besser in den Griff zu bekommen, wird in Deutschland von den Befürwortern des KDV ein Paradigmawechsel im Hinblick auf die Auswahl des Finanzierungsverfahrens gefordert. Die Diskussion und Auseinandersetzung welches Finanzierungsverfahren besser uns effizienter ist nicht neu. Die Einschätzung der Risiken beider Verfahren hat sich jedoch grundlegend geändert. Während man sich nach dem Krieg noch gut an den Zusammenbruch der kapitalgedeckten Systeme erinnerte, verschwand mit der Zeit die Erkenntnis dass auch kapitalgedeckte Systeme erheblich Risiken bergen.2 Wichtig ist darüber hinaus auch, die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des jeweiligen Finanzierungsverfahrens zu beachten. Insgesamt stellt die Ausschöpfung aller wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten zugleich ein Beitrag zur Erleichterung demographisch verursachter Probleme dar. Stephan Fasshauer beschreibt in diesem Zusammenhang die Diskussion um die Feldstein Hypothese: „Ausgangspunkt der Auseinandersetzung zwischen Verfechtern des Umlage- und des Kapitaldeckungsverfahrens bildet die berühmte Feldstein-Hypothese, die…besagt, dass eine umlagefinanzierte soziale Alterssicherung im Vergleich zu einer reinen privaten Vorsorge und einer kapitalgedeckten sozialen Altersicherung die (gesamtwirtschaftliche) Ersparnis generell verringert, was zu langfristigen Wachstumseinbußen der Volkswirtschaft führt.“3
Aufgrund der Komplexität des Themas besteht aber die Gefahr, dass in der Öffentlichkeit und sogar bei den Politikern selber der Blick für grundsätzliche Zusammenhänge, für die allgemeine Wirkungsweise und die relativen Vorteile der verschiedenen Grundtypen der Rentenversicherung verloren geht. Stattdessen wird oft ein ideologischer Streit über oft nebensächliche Details und Prozentpunkte geführt. Da die Zukunftprojektionen der zur Debatte stehenden Größen und der in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden weiteren Rentenreformen wegen des sehr langen Betrachtungszeitraumes ohnehin sehr unsicher sind, will ich einen grundsätzlicheren Blick auf die aktuelle Problemlage des deutschen Alterssicherungssystems und die daraus sich ergebenen Reformoptionen werfen. Hierbei sind deutlich zwei Gruppen von Reformen zu unterscheiden. Diejenigen, die innerhalb des heute praktizierten UV der Rentenversicherung systemimmanente Reformen betreffen, und solche, die eine umfassende Systemänderung des Rentensystems im Auge haben, weg vom UV hin zum KDV. Die Reformpläne von Riester können schließlich als eine Mischform (Teilkapitaldeckung) dieser Grundtypen angesehen werden, da einerseits das UV grundsätzlich beibehalten wird, andererseits aber die private, kapitalgedeckte Zusatzversorgung als weitere Säule der Alterssicherung geschaffen worden ist. Die Seminararbeit ist wie folgt gegliedert: In Kapitel 2 soll zunächst einen Überblick über den Aufbau des deutschen Rentenversicherungssystems und Reformen der rotgrünen Bundesregierung liefern. In Kapitel drei werden die idealtypischen Funktionsweisen des UV und des KDVs erläutert und voneinander abgegrenzt. Anschließend werde ich untersuchen, welche Optionen den Verantwortlichen offen stehen, wenn sie die bevorstehenden demographischen Probleme innerhalb des UVs lösen wollen. In Kapitel 5 wende ich mich der Frage zu, ob die durch das UV ggf. nicht adäquat lösbaren demographischen Probleme durch die Einführung eines KDVs besser in den Griff zu bekommen wären.
Darüber hinaus gehe ich auf werde ich die gesamtwirtschaftliche Perspektive beider Finanzierungsverfahren gegeneinander abgrenzen. Kapitel 6 schließlich enthält eine Zusammenfassung sowie eine Zusammenstellung der aus meinen Ausführungen abzuleitenden Politikempfehlungen.
2 Status quo und Probleme der Alterssicherung in Deutschland
2.1 Die drei Säulen der Alterssicherung
[....]
1 Vgl. dazu Krupp (1998). Er führt die Autoren Gliesmann / Horn (1997), Homburg (1988), Homburg (1997), Neumann (1997) und Neumann (1998) als Befürworter des KDV aus
2 Vgl. zur historischen Einschätzung der Finanzierungsverfahren Krupp (1997)
3 Fasshauer (2001), weiterführend dazu Feldstein 1974.
Arbeit zitieren:
Tobias Pehle, 2002, Kapitaldeckung oder Umlageverfahren: Optionen für eine Rentenreform, München, GRIN Verlag GmbH
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