Universität Koblenz-Landau Abteilung Landau Institut für Grundschulpädagogik
Fach: Sprachunterricht Seminar: Literaturwerkstatt Semester: WS 2001/ 02
Symbolik im Märchen
dargestellt am Beispiel
Inhalt:
Seite
0 Einleitung 3
1 Märchen 4
1.1 Verschiedene Versuche den Begriff „Märchen“ zu definieren 4
1.2 Die Entstehung von Märchen 6
1.3 Das Leben und Schaffen der Brüder Grimm kurz gefasst 5
1.4 Eigenschaften eines Märchens 9
2 Symbole 10
2.1 Was ist ein Symbol? 10
2.2 Wandlung von Symbolen im Laufe der Zeit 11
3 Das Märchen „Hänsel und Gretel“ 13
3.1 Inhalt 13
3.2 Vorkommende Symbole 15
3.2.1 Das Symbol „Stiefmutter“ 16
3.2.2 Das Symbol „Wald“ 18
3.2.3 Die Symbole „Katze“ und „Taube“ 18
3.2.4 Das Symbol „Lebkuchenhaus“ 19
3.2.5 Das Symbol „Hexe“ 20
3.2.6 Das Symbol „Feuer“ 21
3.2.7 Die Symbole „Perlen“ und „Edelsteine“ 21
3.2.8 Die Symbole „Weg“, „Wasser“ und „Ente“ 22
3.2.9 Die Farbe „Weiß“ als Symbol 23
3.3 Die Entwicklung der Hauptfiguren 23
4 Schluss 25
5 Literaturverzeichnis 26
2
0 Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Die Symbolik im Märchen“. Es soll dabei untersucht werden, ob hinter einfachen Volkserzählungen komplexe Zusammenhänge stehen. Hierfür wurde das Volksmärchen „Hänsel und Gretel“ ausgewählt. Einerseits wegen seines bekanntheitsgrades andererseits, weil in dieser Erzählung eine Vielzahl an Symbolen auftritt, die auch in anderen Märchen häufig zu finden sind.
Im Folgenden soll nun versucht werden den Begriff „Märchen“ genauer zu definieren. Danach wird die Entstehung der Volksmärchen genauer betrachtet. Das Leben der Märchensammler Wilhelm und Jakob Grimm wird anschließend dargestellt. Schließlich werden die Eigenschaften von Märchen aufgeführt.
Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit Symbolen. Es wird gezeigt, dass Symbole veränderbar sind. Als Hauptteil wird dann der erste und zweite Teil zusammengeführt indem die im Märchen auftretenden Symbole und deren Bedeutung erläutert werden. Zusätzlich wird die Entwicklung der beiden Hauptfiguren der Geschichte aufgezeigt.
3
1 Märchen
1.1 Verschiedene Versuche den Begriff „Märchen“ zu definieren
„Es war einmal...“ Ja, was war denn einmal und vor allem wann war „es“? Märchen sind uns allen schon seit frühster Kindheit bekannt und wohl „die einzigste Literaturgattung, die sich über alle sozialen Grenzen und Altersgruppen hinweg gesetzt hat. Noch heute werden Märchen gehört, gelesen, geliebt und auch noch weitergegeben.“ 1 Ein Phänomen, das nicht nur in Deutschland aufgetreten ist. Vor allem in Frankreich sind Märchen wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Rotkäppchen“ und „Dornröschen“ ebenso bekannt. Aber wie definiert man den Begriff Märchen? Zuerst einmal muss man unterscheiden, ob man von Volksmärchen oder von Kunstmärchen spricht. Der Unterschied ist von großer Bedeutung. Volksmärchen sind seit Jahrhunderten mündlich weitergegebene Geschichten, die einen einfachen Aufbau haben. Wie das Bertelsmann Universal Lexikon schreibt, sind Märchen „kurze Prosaerzählungen, die von phantastischen Zuständen und Vorgängen berichten.“ 2 Tiere und Pflanzen können sprechen, Menschen können in diese verzaubert werden. Es existiert ein starker und klarer Gegensatz zwischen gut und böse, fleißig und faul, schlau und dumm. Volksmärchen haben eine immer wieder gleich oder ähnlich auftretende Symbolik, wie zum Beispiel die Stiefmutter oder die Zahl drei (drei Söhne, drei Wünsche, drei Aufgaben). Ebenso das Ende, der Sieg des Guten über das Böse, ist ein typisches Merkmal der Volksmärchen. Kunstmärchen sind von dem jeweiligen Verfasser geprägt und nicht über Jahrhunderte weitergegeben worden. Die bedeutendsten Verfasser sind W. Hauff, E.T.A. Hoffmann, E. Mörike und L. Tieck.
1 F. Hetmann, Traumgesicht und Zauberspur, S. 8
2 Bertelsmann Universal Lexikon, Bd.11, S. 230
4
Was nun genau ein Märchen ist, kann nicht einfach gesagt werden. Eine Märchendefinition aus den Jahr 1909 lautet „Märchen: die Schranken der Wirklichkeit nicht beachtende, auf kindlicher Weltbetrachtung beruhende phantastische Erzählung, ist entweder ein von Mund zu Mund und von Volk zu Volk wanderndes, gelegentlich an alte Mythen anknüpfendes Erzeugnis der Volkspoesie (Volksmärchen) oder Dichtung eines einzelnen (Kunstmärchen).“ An dieser Stelle muss man sich aber die Frage stellen, ob Märchen wirklich nur für Kinder erzählt wurden, wie die Definition vermuten lässt. Die moderne Wissenschaft sieht Märchen viel mehr als Lebenshilfe für Erwachsene, wie schon der Buchtitel von Marzella Schäfer „Märchen lösen Lebenskrisen“ zeigt. Die deutsche Märchenerzählerin Vilma Mönckeberg meint ebenso „Es ist ein Irrtum zu glauben, in der ganzen Welt seien die Märchen für Kinder.“ 3
Sehr bestimmt äußert sich Kurt Ranke über Märchen, indem er sagt, dass Märchen „eine von den Bedingungen der Wirklichkeitswelt in ihren Kategorien Zeit, Raum und Kausalität unabhängige Erzählung wunderbaren Inhalts“, ist, „die keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat.“ 4
Einen weiteren Versuch das Märchen in eine Kategorie einzuordnen macht der amerikanische Professor Stith Thompson. Für ihn ist ein Märchen „eine Geschichte von einiger Länge, die eine Folge von Motiven und Episoden umfasst. Es spielt in einer unwirklichen Welt ohne bestimmte Orte oder Charaktere und ist erfüllt vom Wunderbaren. In dem Nie- und Nirgendsland töten Helden ihre Feinde, erben Königreiche und heiraten Prinzessinnen.“ 5 Im Gegensatz zu Stith Thompson versucht Will-Erich Peukert nicht, das Märchen an bestimmten Einzelheiten fest zu machen. Seiner Meinung nach versteht man unter einem Märchen „eine Erzählung, die in der zauberischen Welt stattfindet... in ihr werden Wunder verrichtet, in denen der Mensch sich verwandeln kann.“ 6
Mit dieser Verallgemeinerung werden zwar nicht alle Märchen über einen Kamm geschoren, aber sie lässt eine sehr weite und ungenaue Vorstellung über Märchen zurück. An diesen Beispielen kann man erkennen, dass es nicht leicht ist eine exakte Definition für Märchen zu finden. Wie Otto Flake ja schon geschrieben hat, handelt es sich um „das dunkelste und hintergründigste Ding auf Erden.“ 7
3 F. Hetmann, Traumgesicht und Zauberspur, S. 14
4 ebd. S.13
5 ebd. S. 12
6 ebd. S. 12
7 ebd. S. 11
5
1.2 Die Entstehung von Märchen
Lange Zeit bevor man an die Brüder Grimm dachte, stand das Erzählen von Geschichten in Gasthäusern an der Tagesordnung. Aber auch die Frauen in den Spinnstuben unterhielten sich an langen Winterabenden mit „romantischen Abenteuergeschichten“ 8 , während sie ihrer Arbeit nachgingen. Deshalb ist es vielleicht kein Zufall, dass in vielen Märchen Spinnerinnen erscheinen. Am bekanntesten ist wohl die arme Müllerstochter, die eine Kammer voll Stroh zu Gold spinnen muss, was ihr nur durch die Hilfe von „Rumpelstilzchen“ gelingt. Das Leben im Mittelalter, die Zeit in der viele Märchen ihren Ursprung hatten, war keineswegs einfach. Die Geschichten sind ein Abbild der damaligen Zustände. Kinder wurden, wie Hänsel und Gretel, oft sich selbst überlassen, Frauen mit ungewöhnlichen Eigenschaften galten als Hexen und landeten oftmals auf dem Scheiterhaufen. So ist die Grausamkeit der Grimm`schen Märchen nur eine Darstellung von vergangenen Gegebenheiten, denn die Märchen waren zur Zeit ihrer Entstehung als „derbe Unterhaltung für das niedere Volk“ 9 gedacht.
1.3 Das Leben und Schaffen der Brüder Grimm kurz gefasst
Der Amtmann Philipp Wilhelm Grimm und seine Frau Dorothea hatten neun Kinder von denen drei in jungen Jahren starben. Es überlebten Jacob, Wilhelm, Carl, Ferdinand, Ludwig-Emil und Charlotte. Doch als die weltweit bekannten „Gebrüder Grimm“ bezeichnet man nur die beiden ältesten, welche 1785 und 1786 in Hanau geboren wurden. In ihrem Geburtsort findet man heute ein Bronzedenkmal von Jacob und Wilhelm Grimm, welches den Beginn der 600 km langen Deutschen Märchenstraße markiert.
1791 zog die Familie nach Steinau, wo sie bis zum frühen Tod des Vaters fünf glückliche Jahre verlebte. Daraufhin musste die Mutter mit ihren Kindern das Haus verlassen. Nur aufgrund finanzieller Unterstützung einer Tante wurde es den beiden ältesten Brüdern ermöglicht, ein vornehmes Lyzeum in Kassel zu besuchen. Dort verbrachten sie Jahre
8 National Geogrphic, 12/1999, S. 171, Sp. A
9 National Geogrphic, 12/1999, S. 171, Sp. B
6
Arbeit zitieren:
Astrid Bieling, 2001, Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Unterrichtsmethode des Stationenlernens
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hauptseminararbeit, 14 Seiten
Zur Bedeutung von Märchen für die Entwicklung des Kindes, dargestellt ...
Bachelorarbeit, 89 Seiten
Lernen an Stationen: Einführung des Buchstaben "W/w" - Unter...
Unterrichtsentwurf, 29 Seiten
Worin besteht die Methode der Induktion?
Welche Probleme ergeben sich a...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Bewertung mündlicher Leistungen im Deutschunterricht
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 24 Seiten
Kommunikation in der Verhandlung - Das Harvard-Konzept als Mediationss...
Seminararbeit, 27 Seiten
Wie verstehen Kinder Märchen? Eine Untersuchung bei 6-8jährigen Kinder...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 80 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
Familienbeziehungen in den Märchen der Brüder Grimm
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 21 Seiten
"Kinder brauchen Märchen" - Pädagogische Werte der Märchen -
Seminararbeit, 15 Seiten
Entdeckendes Lernen - Entstehung, notwenige Voraussetzungen und Kompet...
Hausarbeit, 23 Seiten
Astrid Bieling hat den Text Symbolik im Märchen dargestellt am Beispiel "Hänsel und Gretel" veröffentlicht
Astrid Bieling hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare