1. Einleitung 3
2. Geschlechtsrollen im 19 Jahrhundert 3
2.1 Die Frau als Mutter und Hauswirtschafterin 3
2.1.1 Die proletarische Arbeiterfrau 6
2.2 Der Mann als Ernährer und Vater 8
2.2.1 Der proletarische Arbeiter 11
3. Die Klein- und Kernfamilie 12
3.1. Ehe und Familie 12
3.1.1 Die proletarische Familie 14
4. Fazit 16
I Literaturverzeichnis 12
II Materialien des mündlichen Vortrags 17
III Bildmaterial 20
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1. Einleitung
Geschlechtsrollenstereotypen sind nicht pauschal als gültig anzusehen. Sie vermitteln dem Betrachter zwar ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklungen und Strömungen, doch im Grunde sollen sie lediglich widerspiegeln, was die Ideale einer Zeit waren- wie also Mann und Frau zu sein hatten. Ob und wie die Geschlechter in diese Rollen schlüpften und worin diese bestanden, ist im nachfolgenden Überblick zu sehen.
2. Geschlechtsrollen im 19. Jahrhundert
2.1 Die Frau als Mutter und Hauswirtschafterin
Eigenheiten, Klischees und Ideale
Mit Blick auf biologische Begebenheiten wurden im 19. Jahrhundert Geschlechtsrollen begründet. Für die Frauen galt: Sie „gehören ins Haus, zu Ehemann und Kindern“ 1 . Um diese Aufgaben zu begründen, zog man den weiblichen „Geschlechtscharakter“ zu Rate, der es der Frau nach damaliger Argumentation erlaubte, „[...] die ihm angemessene soziale Umwelt zu schaffen [...]“. 2 Die Frau sei also aufgrund anatomischer und physiologischer Faktoren für das häusliche Familienleben bestimmt, hieß es in zeitgenössischer Literatur. Nicht die Kultur, sondern die Natur bestimmte den Weg, den die Geschlechter beschreiten sollten, fasst Ute Frevert zusammen. „Solange Frauen häuslich, sittsam und bescheiden leben, ist die Welt in Ordnung; verlassen sie ihre angestammte Sphäre bricht das Chaos aus.“ 3 Mit Blick auf die zahlreichen Lexikon-Artikel dieser Zeit, sei es aus Meyers Konversations-Lexikon oder dem Brockhaus, fällt auf, dass dem Thema Frauen umfangreiche Texte gewidmet sind. Offensichtlich galten sie als interessanter, fragwürdiger oder schlichtweg rätselhafter
1 U. Frevert, Mann und Weib, und Weib und Mann, München 1995, 39.
2 Ebenda 39.
3 Ebenda 40.
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als die Männer, da diesen kaum ein Satz gewidmet war. Seine Eigenheiten in jener Zeit bedurften anscheinend keiner Erklärung. 4 Gisela Bock betont, dass die damaligen Ideale und heutigen Stereotypen (vor allem im ausgehenden 19. Jahrhundert) nur selten realistisch gewesen seien. Häusliche Frauenarbeit war in allen Gesellschaftsschichten –sei es auch in unterschiedlicher Ausprägung und Art- notwendig. Bock weist darauf hin, dass das Bild des häuslichen „Engel, der von harter Arbeit und Geldsorgen nichts wusste, eher ein Traum von Hausfrauen der Mittel- und Unterschicht [war, K. G.]“. 5 Adjektive wie „häuslich, fleißig, reinlich und sanft, fügsam, nachgiebig, friedlich“ 6 sollten die typische Frau im Bürgertum umschreiben. Parallel zum neuen Patriarchat entwickelte sich eine „Feminisierung“ der Frauen. Vorrangig in den reichen Oberschichten entstand eine Freizeitkultur, in denen Musik, die französische Sprache, Literatur und Theater im Mittelpunkt standen. Die Idee einer speziellen Mädchenbildung ließ die so genannten Töchterschulen aufblühen. „Die Frauen sind zart, schwach, delikat, nervös, leicht kränklich, leiden zumal an Kopfschmerzen“, so die Klischees dieser Zeit. Thomas Nipperdey 7 vermutet, dass manche Frauen aus dem höheren Bürgertum wirklich diese Eigenarten annahmen, weil es ihnen quasi eingeredete wurde.
Eine neue Rolle
Im Zuge der Industrialisierung war es vor allem die bürgerliche Frau, die ihre Rolle neu definieren musste. War sie zuvor noch in die Arbeitsabläufe integriert gewesen, sei es als Verkäuferin oder in der Buchhaltung, konfrontierte man sie nun mit den „drei großen K: Kirche – Küche – Kinder“. 8 Abgeschirmt vom politischen und beruflichen Leben ihres Gatten organisierte die Frau im Bürgertum den eigenen Haushalt. Statt als Produzentin von Verbrauchsgütern trat sie nun als
4 Frevert 1995, 42f.
5 G. Bock, Frauen in der europäischen Geschichte, München 2000, 134-135. 6 T. Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866, München 1983, 120.
7 Ebenda.
8 I. Weber-Kellermann, Die deutsche Familie, Frankfurt/Main 1996, 102.
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Verbraucherin auf. Am Beispiel der Wilhelmine Bassermann, Mitglied einer süddeutschen Kaufmanns- und Bürgerfamilie, nennt Lothar Gall einen der wenigen Vorteile für die auf den Haushalt abonnierte Frau: „Es kam noch hinzu, dass sie, anders als im Geschäft, hier wirklich selbstständig war, ihr niemand hereinredete, auch ihr Mann nicht.“ 9 Die Bürgerfrau nahm eine zentrale Koordinierungsfunktion ein, regelte Auswahl, Kauf und Einlagerung von Vorräten sowie die Anstellung von Bediensteten. „Sie bestellte, bezahlte, ordnete an, organisierte, plante.“ 10 „Frauen, lautete die Botschaft, gehörten einer anderen Welt an als Männer: der Welt der Liebe und Familie, der Kultur und Ästhetik.“ 11 Sie hatten nativ und unwissend zu sein und ihr Dasein in den Dienst des Gatten zu stellen. Allerdings war dieser vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer seltener zugegen, da Vereine, politische Ehrenämter und nicht zuletzt seine Arbeit dem Bürger wenig Freizeit für die eigene Familie ließen. Auf der Suche nach einem alternativen Lebensmittelpunkt entdeckten viele bürgerliche Frauen karitative Tätigkeiten für sich, z.B. Armenbesuche. Neu war dieses soziale Engagement aber nicht, da es Tradition war, den Armen Lebensmittel und ausgediente Kleidung zukommen zu lassen. 12 Möglicherweise, so vermutet Ute Frevert, stärkte die Begegnung mit der nicht-bürgerlichen Bevölkerung das eigene Klassenbewusstsein. Dagegen spricht, dass Bürgerinnen i. d. R. weniger eng mit ihrer gesellschaftlichen Klasse verbunden waren als Männer. 13
9 L. Gall, Bürgertum in Deutschland, ohne Ort 1996, 166.
10 Ebenda 167.
11 Frevert 1995, 157.
12 Ebenda 161-164.
13 Ebenda 165.
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2.1.1 Die proletarische Arbeiterfrau
Haushaltsgeld und Hauswirtschaft
Arbeiterinnen mussten sich allein um ihren Haushalt kümmern. Viele junge Frauen beschritten damit Neuland, da sie –noch bei den Eltern wohnend- vor ihrer Heirat kaum Erfahrungen in der Haushaltsführung hatten sammeln können. Das Einlernen in die neuen Aufgaben als Hausfrau und Mutter bedeutete eine große Belastung, zumal neun Schwangerschaften pro Ehe keine Seltenheit waren. 14 Dazu kam, dass viele technische Neuerungen, die das Waschen, Putzen und Kochen erleichtert hätten, nicht erschwinglich waren.
Eine Anforderung anderer Art stellte die Einteilung des Haushaltsgeldes dar. „Im Gegensatz zur bürgerlichen Hausfrau, der vom Manne das Geld zugeteilt wurde, hatte die Proletarierin meist die volle Verfügungsgewalt über das Familienbudget.“ 15 Viel war dies nicht. Die Arbeiterin sah sich nicht nur mit notwendigen Anschaffungen konfrontiert, sondern auch mit der Trunksucht ihres Mannes, die in vielen Arbeiterfamilien ein großes Problem war. Um einem Verlust des Monatslohnes zu entgehen, fingen viele Frauen ihre Männer am Werkstor ab oder ließen sich die „Lohntüte“ gleich selbst auszahlen. Ihre „ökonomische Schlüsselstellung“ 16 forderte von der proletarischen Hausfrau die Rückstellung eigener Bedürfnisse. War das Essen in der Familie knapp, kürzte sie zunächst ihre eigene Ration, dann die der Kinder und erst am Ende die Portion des Mannes. Ihm stand das Möglichste zu, um seine Arbeitskraft zu erhalten und zu gewährleisten.
Proletarierinnen gewannen durch ihre eigene Berufstätigkeit einen größeren Einblick in die Arbeitswelt des Mannes und
15 D. Mühlberg, Proletariat, Wien, Köln, Graz 1986, 70.
16 Mühlberg 71.
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Arbeit zitieren:
Kristine Greßhöner, 2003, Mann und Frau, Ehe und Familie im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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: neuer Titel erschienen: Mann und Frau, Ehe und Familie im 19. Jahrhundert
: neuer Titel erschienen: Mann und Frau, Ehe und Familie im 19. Jahrhundert
Kristine Greßhöner hat den Text Mann und Frau, Ehe und Familie im 19. Jahrhundert veröffentlicht
Herr Weimer
Hallo !!.
Ich finde deine Hausarbeit sehr gelungen lieber schreiber.
am Monday, November 03, 2008-