Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Problemstellung 3
1.2 Fragestellung 4
1.3 Forschungsstand 4
1.4 Aufbau 5
2. Kurzer geschichtlicher Überblick 5
3. Merkmale des Niedergangs der britischen Automobilindustrie 7
3.1 Politische Aspekte 8
3.2 Arbeiter und Gewerkschaften in Großbritannien 11
3.3 Aspekte des Managements 15
4. Schlussbetrachtung 18
5. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Die britische Wirtschaft hatte zum Ende des 19. Jahrhunderts die besten Voraussetzungen, um auch bei der damals gerade neu entstandenen Automobilproduktion mit an der Weltspitze zu stehen. Hervorragend ausgebildete Ingenieure und eine florierende Wirtschaft reichten jedoch nicht aus, um das britische Empire zu Beginn der Massenmotorisierung auch in diesem Sektor zu einer der führenden Nationen zu machen. Die wichtigsten technologischen Errungenschaften in diesem Bereich stammten vom Europäischen Kontinent und aus Amerika. 1 Die Entwicklungsstufe der Industrie war neben der Erfindung des Verbrennungsmotors jedoch eine unumgängliche Voraussetzung, um Automobile produzieren zu können. 2 So erreichte die britische Automobilproduktion trotz des zunächst eintretenden Rückstandes recht bald weltweit hinter den USA den zweiten Platz nach produzierten Stückzahlen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges konnten die britischen Hersteller ihre starke Position bis zum Beginn der 60er Jahre weiterhin behaupten. Mit dem Aufstieg der Automobilindustrie in Frankreich, Deutschland, Italien und vor allem Japan begann jedoch der unaufhaltsame Niedergang der britischen Automobilhersteller und die Eroberung des britischen Marktes durch amerikanische und japanische Automobilkonzerne. Das endgültige Aus kam für die eigenständige britische Automobilproduktion in den 90er Jahren, nachdem sie bereits in den 70er Jahren verstaatlicht worden war, in einer Zeit des relativen Niederganges der gesamten britischen Wirtschaft. Die britische Wirtschaft wuchs zwar beständig weiter, jedoch bei weitem nicht in dem Maße, wie es in den anderen westeuropäischen Ländern der Fall war. 3 Durch eine allgemeine Abkehr von der industriellen Produktion in Großbritannien wurde die „Werkbank“ der Welt zu einer Import-Nation, was unter anderem zur Entwertung des britischen Pfunds und weiteren, tief greifenden Probleme führen sollte. 4
1 Vgl. Womack, James u.a.: Die zweite Revolution in der Autoindustrie, Konsequenzen aus der weltweiten Studie aus dem Massachusetts Institute of Technology. 6. Auflage, Frankfurt/Main, New York 1991, S. 25ff.
2 Vgl. Foreman-Peck, James u.a., The British Motor Industry, Manchester/New York 1995, S. 1.
3 Vgl. Sked, Alan: Britain’s decline. Problems and Perspectives. 3. Auflage, Oxford 1989, S. 27ff.
4 Vgl. Kimmig, Karl: Politische und ökonomische Aspekte der „britischen Krise“. In: Rohre, Karl; Schmidt, Gustav (Hrsg.): Krise in Großbritannien? Studien zu Strukturproblemen der britischen Gesellschaft und Politik im 20. Jahrhundert. Bochum 1987. S. 160f.
3
Innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen versuchte die Automobilindustrie ihr Möglichstes, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Mittel dazu waren, wie auch bei der ausländischen Konkurrenz, Fusionen, Rationalisierung und neue Produktionsmethoden. Jedoch reichten diese Maßnahmen im Fall Großbritanniens nicht aus.
1.2 Fragestellung
Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, warum gerade in Großbritannien der Erfolg der Automobilindustrie nach den 50er Jahren ausblieb. Nach Jahrzehnten des Erfolgs der britischen Automobilhersteller folgte der Abstieg sehr rasch, wobei parallel dazu die ausländischen Konkurrenten ein starkes Wachstum verzeichnen konnten. Dabei sollen die Faktoren, die zu dieser Entwicklung geführt haben, näher untersucht und die verschiedenen Auswirkungen auf die Automobilindustrie aufgezeigt werden. Besonderes Augenmerk soll auf der Rolle des Managements, der Politik und der britischen Gesellschaft liegen. Im zeitlichen Fokus stehen vor allem die 1960er und 1970er Jahre, da in dieser Zeit die wichtigsten Entwicklungen stattfanden.
1.3 Forschungsstand
Es gibt zahlreiche Arbeiten, die sich mit dem Niedergang der britischen Wirtschaft in den 60er und 70er Jahren beschäftigen. Einen eindeutigen Grund für die negative Entwicklung kann jedoch von den Autoren nicht ausgemacht werden. Einigkeit herrscht darüber, dass es sich um einen langfristigen Prozess handelte, der bereits weit vor dem eigentlichen Zusammenbruch begonnen hatte. Es scheint der Charakter des Produktionsstandortes Großbritannien zu sein, der quasi aus sich selbst heraus zum Niedergang der britischen Industrie und im Zuge dessen auch zum Niedergang der britischen Automobilindustrie geführt hat. Die Automobilproduzenten waren nicht im Stande, dieser Art von Problemen
4
wirkungsvoll und dauerhaft zu begegnen und so führten sie in letzter Konsequenz zu dem beobachteten Zusammenbruch.
1.4 Aufbau
Zunächst wird die Geschichte der britischen Automobilindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überblicksartig vorgestellt, um einen Eindruck der Entwicklungen zu erhalten. Im nächsten Kapitel werden die einzelnen Faktoren behandelt, die nach einhelliger Meinung zum Niedergang der britischen Automobilindustrie geführt haben. Zum Schluss werden diese zusammengefasst und gegenübergestellt, um eine abschließende Beurteilung vornehmen zu können, wobei die wichtigsten Gründe für den Niedergang der eigenständigen Automobilindustrie in Großbritannien identifiziert werden sollen.
2. Kurzer geschichtlicher Überblick
Im Jahre 1943 gab es zahlreiche britische Automobilhersteller. Unter den insgesamt 43 eingetragenen Marken 5 waren so bekannte wie Jaguar, Morris, Rover und Austin. Zusammengenommen hatten sie einen Marktanteil in Großbritannien von über 60%. Die größten Automobilhersteller waren die Britisch Motor Corporation (BMC), ein Zusammenschluss aus den beiden Automobilproduzenten Morris und Austin im Jahre 1953, die Rootes Group und Standard-Triumph. Zusammen mit den beiden amerikanischen Firmen Ford UK und Vauxhall (seit 1925 General Motors) hatten sie einen Marktanteil in Großbritannien von über 90%. 6
Mit einem Marktanteil von 36% war die BMC der größte Automobilhersteller in Großbritannien und der viertgrößte weltweit. Durch eine stetige
Produktionssteigerung von 350.000 auf 495.000 Fahrzeugen pro Jahr von 1955 bis 1960 konnte diese Firma ihre Spitzenstellung in Großbritannien lange Zeit verteidigen. So stiegen die Produktionszahlen von BMC bis in die 70er Jahre auf
5 Vgl. Foreman-Peck u.a., S. 99.
6 Vgl. ebd. S. 103.
5
über eine Million an und damit auch der Anteil an der Gesamtproduktion in Großbritannien. 7 Global gesehen verlor Großbritannien jedoch seinen zweiten Platz. Zunächst überholte Deutschland 1953 zum ersten Mal die britische Automobilproduktion, später waren es dann Frankreich (1962), Japan (1968) und Italien (1970). 8
Dem steigenden Wettbewerbsdruck versuchten die britischen Automobilhersteller, genauso wie ihre ausländischen Konkurrenten, durch Fusionen zu begegnen. Jedoch setzte dieser Trend in Großbritannien erst in den 50er Jahren ein, während dieser Prozess in den meisten anderen Ländern bereits vor dem 2. Weltkrieg weitestgehend abgeschlossen war. 9 So entstand nach Fusionen von BMC mit Jaguar, Leyland Motors 10 und Rover im Jahre 1968 die British Leyland Motor Corporation (BLMC) und damit der fünftgrößte Automobilkonzern der Welt. Die Rootes Group war der zweite große britische Automobilkonzern zu dieser Zeit. Er vereinigte die Marken Hillman, Humber, Matra, Singer und Sunbeam. Die Rootes Group war jedoch bei weitem nicht so erfolgreich, wie BMC bzw. ab 1968 BLMC. Ihr Marktanteil lag in Großbritannien zwischen 10 und 14%, als der Konzern noch in britischer Hand war. 11 Bereits in den 60er Jahren geriet die Rootes Group in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1965 von Chrysler aufgekauft, nachdem dieser bereits 1963 die Aktienmehrheit an Simca übernommen hatte. 12 Elf Jahre nach dem Verkauf der Rootes Group musste auch die BLMC ihre Zahlungsunfähigkeit erklären und wurde 1978 von der britischen Regierung durch die Übernahme der Aktienmehrheit verstaatlicht. 13 Dies war der Anfang vom Ende für die eigenständige britische Automobilindustrie. BLMC wurde zerschlagen und Stück für Stück an ausländische Interessenten verkauft. 1981 wurde die Marke Alvis an die United Scientific Holdings verkauft; 1987 wurde Leyland Bus abgespalten und 1988 von Volvo aufgekauft, 1987 wurde Leyland Trucks and Vans an DAF 14 verkauft. Aus dem übrigen Teil entstand die MG Rover Group. Sie wurde privatisiert und im Jahr 1988 an die British Aerospace verkauft.
7 Vgl. Whisler, Timothy: The British Motor Industry, 1945 - 94. A Case Study in Industrial Decline, Oxford 1999, S. 51.
8 Vgl. Foreman-Peck u.a., S. 94.
9 Vgl. Womack u.a., S. 237.
10 Leyland Motors war ein Zusammenschluss von Standard Triumph und Leyland im Jahre 1961.
11 Vgl. Foreman-Peck u.a., S. 103.
12 Vgl. Schwarz, Karl: Car Wars. Die Automobilindustrie im globalen Wettbewerb. Analysen zum Wandel politisch-ökonomischer Systeme, Band 9, Frankfurt/Main u. a. 1994, S. 215.
13 Vgl. ebd., S. 130.
14 Van Doornes Aanhangwagenfabrieken, größter niederländischer Automobilproduzent.
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Arbeit zitieren:
Christian Schultze, 2009, Der Niedergang der britischen Automobilindustrie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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