Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Der Isistempel
Abb. 2 Die Karte der Stadt Pompeji.
Abb. 3: Das Haus der Vettier mit Peristyl und Garten.
Abb. 4 Die Via dell´Abbondanza.
Abb. 5 Die stabianer Thermen und die große Palästra.
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1 Einleitung
„Hic Habitat Felicitas“ (hier wohnt das Glück) steht an einer Hauswand einer Bäckerei in Pompeji. Ein Pompejaner hatte diesen Satz vor fast 2000 Jahren niedergeschrieben (Eschebach, 1984, S. 6). Dieser Ausspruch sollte am 24. August 79 n. Chr. widerlegt werden. An diesem Tag wurde Pompeji, die bedeutende Stadt Kampaniens, vollständig von einem Asche- und Lapilliregen 1 des Vesuvs bedeckt und sollte fast zwei Jahrtausende lang vergraben bleiben. 17 Jahrhunderte später wurde die verlorene Stadt, mehr oder weniger durch Zufall, wiederentdeckt. Plünderungen, falsche Vorgehensweise in der Ausgrabung und mangelnde wissenschaftliche Erkenntnisse und Techniken brachten der Stadt Pompeji in den darauf folgenden Jahren der Ausgrabung mehr Schaden als historischen Fortschritt. Heute wird alles versucht den verfallenden Wert der Kunstschätze und der Architektur sowie den Schaden um das verlorene historische Wissen soweit es geht zu reduzieren und einzudämmen. Pompeji gilt seit 1997 als Weltkulturerbe der UNESCO 2 und ist mit 44 Hektar die größte zusammenhängende Stadtruine der Welt (Jens Arne Dickmann, 2005, S. 15). Wie kam es dazu, dass die Stadt nach so vielen Jahren wiederentdeckt wurde? Wie liefen die Freilegungen ab? Welche Rückschläge musste man bei den Ausgrabungen erleiden und wie schafft es eine zu damaligen Zeiten eher unbedeutende Stadt mit 10000 Einwohnern heute mehr als zwei Millionen Besucher jährlich anzulocken? Diese Fragen sollen in den nachfolgenden Seiten dieser Hausarbeit geklärt werden.
2 Pompeji - Vom Ausbruch zur Vergessenheit
Ein paar Tage nach dem Ausbruch des Vesuv am 27. August 79 n. Chr. mussten viele Pompejaner, denen die Flucht gelungen war, feststellen, dass Pompeji und somit ihr Haus und sämtliche Besitztümer für immer begraben waren. Lediglich ein paar Säulen ragten aus der vier Meter hohen Deckschicht hervor, die erahnen ließen, dass hier vor wenigen Tagen noch eine 66 Hektar große Stadt gestanden haben muss (Maiuri, 1955, S. 8). Goethe vergleicht in seiner „Reise durch Italien“ am 11. März 1787 Pompeji zum beschriebenen Zeitpunkt mit einem eingeschneiten Bergdorf, indem die engen Seitengassen
1 Lapilliregen ist ein Niederschlag, der sich aus Lavafetzen, Schlacken, Resten alter Schlotfüllungen oder Xenolithen besteht.
2 UNESCO ist die englische Abkürzung für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization. Sie ist eine internationale Organisation und gleichzeitig eine der 16 rechtlich selbständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen mit Sitz in Paris.
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und Straßen, Innenhöfe und Wohnräume nicht mit Schnee, sondern mit Asche befüllt und bedeckt waren (Goethe, 1993, S. 215).
Nachdem sich Titus 3 , der amtierende Kaiser Italiens, ein Bild von den Auswirkungen des Ausbruchs gemacht hatte, mussten er und seine Senatoren sich eingestehen, dass eine Freilegung beziehungsweise ein Wiederaufbau der kampanischen Stadt unmöglich ist, denn seine anfänglich angeordneten Hilfsmaßnahmen blieben ohne Wirkung. Die ersten Besucher der versunkenen Stadt Pompeji, deren einziges Ziel es war, diese zu plündern, hinterließen auf den Resten der Stadt Inschriften, welche die Lage Pompejis kurz nach dem Ausbruch präzise beschreiben. „Sodom und Gomorrah“ ist nur einer dieser Aussprüche (Grant, 1986, S. 12). Anschließend geriet Pompeji in Vergessenheit und auf dem fruchtbaren Boden wuchs eine üppige Vegetation. Das neu entstandene Gebiet trägt seitdem den Namen Cività und wurde 1502 durch den italienischen Dichter Sannazaro (1456- 1530) in seinem Hauptwerk „Arcadia“ das erste Mal schriftlich erwähnt. Mit der Namensgebung Anfang des 16. Jahrhunderts, wies man nochmals ausdrücklich auf die einst zivilisierte Stadt Pompeji hin. 60 Jahre später beschreibt der römische Historiker Leandro Alberti (1479- 1562) erstmals die ungefähre Lage der verschwundenen Städte Pompeji und der ebenfalls begrabenen Stadt Herculaneum. Die Überprüfung dieser Vermutung wurde leider vertan und es sollte noch einige Jahre dauern, bis man eher zufällig auf die ersten Ruinen Pompejis stoßen sollte (Ètienne, 1998, S.44).
3 Die Ausgrabungen - Geschichte der Wiederentdeckung der Stadt
Robert Etienne differenziert die Ausgrabungen in seinem Buch „Pompeji, das Leben in einer Antiken Stadt“ in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt trägt den Namen „Die Schatzsuche“ und reicht bis in das Jahr 1860. Wie der Name des Abschnittes bereits ausdrückt, stehen vor allem die Schlagwörter Plünderung, Macht und Profit im Vordergrund. Reliquien und Kunstgegenstände wurden ohne System entfernt und gingen in Privatbesitz über. Der historisch-wissenschaftliche Wert eines „Schatzes“ war lediglich interessant, weil er den Preis bei einem weiteren Verkauf festlegte.
Etienne benennt den zweiten Abschnitt der Ausgrabungen „Die Ära der wissenschaftlichen Ausgrabungen“. Hier steht eine technisch-planvolle Ausgrabung mit Hilfe von wissenschaftlichen Techniken im Vordergrund. In den Jahren von 1860 bis heute wird
3 Titus vollständiger Name lautet T. Flavius Vespasianus. Er wurde am 30. Dezember 39 n. Chr. in Rom geboren. Er starb am 13. Sept. 81 an einer fiebrigen Erkrankung (Ziegler, Sontheimer, 1979, Bd.5, S.875).
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hauptsächlich das Ziel verfolgt, das damalige historisch-kulturelle Leben in Pompeji und Herculaneum zu rekapitulieren.
In diesem Kapitel soll diese grobe Gliederung beibehalten werden.
3.1 Die Schatzsuche
3.1.1 Erste schriftliche Erwähnungen und verpasste Chancen der Wiederentdeckung
Nachdem Alberti und Sannazaro den Ort „Cività“ erstmals schriftlich erwähnten und geografisch bestimmt hatten, verpasste man die große Chance auf Pompeji zu stoßen im Jahre 1592. Der Graf Muzzio Tuttavilla ließ eine unterirdische Wasserleitung zu seiner Villa Torre Annunziata, welche heute ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört, legen und durchquerte dabei den kleinen Hügel, unter dem seit Jahrhunderten Pompeji lag. Heutige Ausgrabungen belegen, dass man dabei fast auf das Amphitheater und den Isis 4 - Tempel am Forum gestoßen wäre und somit die frühzeitige Entdeckung Pompejis knapp verpasst hatte (Eschebach, 1984, S. 77). Als der neapolitanische Historiker Carpaccio im Jahre 1607 auf einige Funde stieß, wurden diese jedoch falsch gedeutet und man glaubte eine Villa des Pompeius 5 gefunden zu haben (Ètienne, 1998, S.45).
Ein zweiter großer Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1631, der dem Ausbruch von 79 n. Chr. sehr ähnelte, forderte erneut viele Todesopfer und mehr als 40000 Menschen mussten flüchten (Eschebach, 1984, S. 78). Dabei wurde die Stadt Resina von einer fünf Meter hohen Schlammschicht verschluckt. Durch diesen Ausbruch wurde man auf die Kräfte des Vulkans und seine langfristigen Auswirkungen aufmerksam und ein großes Interesse für die begrabenen Städte wurde geweckt.
Besonders interessiert zeigte sich der in Hamburg geborene Gelehrte, Bibliothekar und Geograf Lucas Holstenius, der 1637 in Rom versicherte, dass Pompeji unter dem Cevità-Hügel zu finden sei. Auf Grund der mangelnden Beweise glaubte man ihm zu dieser Zeit jedoch nicht. Auch bei einer Brunnenbohrung im Jahr 1689, bei der man verschiedene Gegenstände und Innenschriften fand, die den Namen Pompeji als Aufschrift trugen, zweifelte man daran Pompeji wiederentdeckt zu haben. Trotz zahlreicher Proteste bestätigte Giuseppe
4 Isis bedeutet Thron und ist der Ausgangspunkt der Vorstellungen um die Gottgestalt um den heiligen Thron. Sie wird als Mutter des Herrschers betrachtet und meist als sitzende Frau mit einem Kind im Schoß dargestellt. Umgangssprachlich wird sie auch Gottesmutter genannt (Ziegler, Sontheimer, 1979, Bd.2, S.1463).
5 Pompeius ist der Name eines plebeischen Geschlechts, dessen Beziehung zu der camp. Stadt nicht überliefert ist. Die Hauptlinien des Geschlechts, die P. Bithynici und Rufi und die P. Magni, treten erst spät in der Politik hervor. Der Name erlangt durch Cn. P. Magnus für kurze Zeit große politische Bedeutung (Ziegler, Sontheimer, 1979, Bd.4, S.1022) .
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Macrini in seinem Werk „De Vesuvio“ erstmalig Überreste einer Stadt gefunden zu haben. Als am Anfang des 18 Jahrhunderts Österreich über Neapel und Süditalien herrschte, kam es 1709 zu einem erneuten Vesuvausbruchs und Österreichs Interesse für die verschwundenen Städte Pompeji und Herculaneum ließ die königlichen Ausgrabungen beginnen (Ètienne, 1998, S.45).
3.1.2 Die ersten Freilegungen
Die ersten Freilegungen erfolgten durch Moritz Emanuel von Lothringen dem Fürst d´Elboeuf in Resina. Die Vorgehensweise der Ausgrabungen war jedoch planlos und ging durch Brunnen und Stollen in verschiedene Richtungen. D´Elboeuf legte als erstes das Theater frei, welches drei Statuen beinhaltete. Diese Kunstgegenstände übergab er den Prinzen von Savoyen als Schmuck für sein Schloss Belvedere in Wien, womit die Zerstreuung der ersten Kunstgegenstände begann. Dieses Verhalten wurde von dem damaligen Papst stark verurteilt und die Ausgrabungen wurden vorerst aufgegeben.
Die ersten intensiven Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji fanden von 1738 bis 1745 statt und wurden von Karl III. (1716-1788) von Spanien und König von Sizilien veranlasst. Dieser Zeitraum muss zwiespältig betrachtet werden, denn er beinhaltet sowohl das Auffinden archäologisch bedeutsamer Funde als auch einen oberflächlichen und habgierigen Umgang mit den gefundenen Reliquien. Mit Begeisterung legte man das Theater mit seinen Sitzreihen, Statuen, einer Quadriga 6 , dem Standbild des Marcus Nonius Balbus, welches später in den napoleonischen Kriegen durch eine Kanonenkugel enthauptet wurde und das Gemälde von Theseus 7 Sieg über den Minotaurus frei. Alle Ausgrabungsrechte hatte sich Karl III. gesichert. Somit waren Freilegungen und das Anfertigen von Zeichnungen und Notizen nur mit Erlaubnis des Königs berechtigt. Zu den positiven Aspekten der Ausgrabungsrechte des Königs zählten eine überwachte und übersichtliche Freilegung der Städte, eine kontrollierte Verbreitung der Kunstgegenstände und eine wissenschaftlich fundierte Weitergabe von Informationen über die Ausgrabungsergebnisse. Negative Konsequenzen ergaben sich aus der Wahl des Ausgrabungsleiters durch Karl III. . So bestimmte er den Vermessungsingenieur Rocco de Alcubierre (1702- 1780), der sich lediglich für die Statuen interessierte und die Bronzelettern der Inschriften verwarf, wodurch eine historische-kulturelle Einordnung der Schätze vergebens war. Ein weiteres Problem, welches die Qualität der Ausgrabungen stark
6 Quadriga ist ein vierspänniger Wagen, den die homerischen Helden, neben zweispännigen benutzten. Er besitzt charakteristisch zwei Räder mit je vier Speichen (Ziegler, Sontheimer, 1979, Bd.4, S.1285) .
7 Theseus ist ein Staatsheros der Athener, Sohn Poseidons oder des attischen Königs Aigeus und Aithas. Sein Erkennungszeichen sind das Schwert und die Schuhe (Ziegler, Sontheimer, 1979, Bd.5, S.750) .
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Arbeit zitieren:
Tobias Knecht, 2007, Hic Habitat Felicitas - Geschichte der Wiederentdeckung der Stadt Pompeji, München, GRIN Verlag GmbH
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