Inhalt
Einleitung S. 3
I. Abbreviation 4
II. Komposition 6
II.1 Rein substantivische Komposita 7
II.1.1 Determinativkomposita oder endozentrische Komposita 8
II.1.1.1 - Determinativkomposita aus zwei Komponenten 9
II.1.1.2 - Determinativkomposita aus drei oder mehr Komponenten S.11
II.1.2 Possessivkomposita S.13
II.1.3 Kopulativkomposita S.13
II.1.4 Elliptische Komposita S.15
II.1.5 Zusammensetzungen mit Kürzungen S.15
II.2 Substantivische Komposita mit adjektivische, verbalen und anderen Kompon. S.16
II.2.1 Gemischte endozentrische Komposita S.17
II.2.2 Gemischte Possessivkomposita S.18
II.2.3 Gemischte elliptische Komposita S.19
II.3 Adjektivische Komposita S.19
II.3.1 Komposita aus substantivischem Erst- und adjektivischem Zweitglied S.19
II.3.2 Rein adjektivische Komposita S.19
II.3.3 Komposita aus verbalem Erst- und adjektivischem Zweitglied S.20
II.4 Verbale Komposita S.20
II.4.1 Komposita aus substantivischem Erst- und verbalem Zweitglied S.21
II.4.2 Komposita aus adjektivischem Erst- und verbalem Zweitglied S.21
II.4.3 Rein verbale Komposita S.22
III. Derivation S.22
III.1 Einfache Affigierung S.23
III.1.1 Einfache Präfigierung bei Verben S.24
III.1.2 Einfache Affigierung bei Adjektiven S.24
III.1.3 Einfache Affigierung bei Substantiven S.25
III.2 Konversion S.26
III.2.1 Verbalisierung mittels Konversion S.26
III.2.2 Adjektivierung mittels Konversion S.27
III.2.3 Substantivierung mittels Konversion S.28
III.3 Transposition S.29
III.2.1 Verbalisierung mittels Transposition S.29
III.2.2 Adjektivierung mittels Transposition S.29
III.2.3 Substantivierung mittels Transposition S.30
Schluss S.31
Literaturangaben S.32
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Einleitung
Das Phänomen der Bildung neuer Wörter auf der Basis vorhandener sprachlicher Mittel ist zum einen das Resultat des menschlichen Bedürfnisses, jede neue Sichtweise auf ein bereits existierendes Objekt, jede neue materielle Erfindung und jede neue abstrakte Erkenntnis sprachlich zum Ausdruck zu bringen. Zum anderen erklärt es sich durch die Tendenz der Vereinfachung komplexerer syntaktischer Strukturen zu einem Wort, dessen Informationsdichte entsprechend hoch ist. Wenn nun durch zunehmende Univerbierung oft sehr lange Wörter entstehen, werden diese zum Zweck der Ökonomisierung auf verschiedene Weise wieder verkürzt, wobei die so entstandene Form manchmal anstelle der ursprünglichen Form in den Wortschatz eingeht und statt ihrer an Wortbildungsprozessen teilnimmt. Nicht selten werden auch Abkürzungen von ganzen Wortfolgen ebenso lexikalisiert, so dass eine einstige syntaktische Fügung in der verkürzten Form grammatisch wie ein einfaches Wort behandelt werden kann.
Zu allen im folgenden behandelten Wortbildungstypen werden lexikalisierte, usuelle, okkasionelle und/oder potentielle Beispiele angeführt, die die theoretisch beschriebene Struktur veranschaulichen. Das heißt, es werden sowohl Beispiele berücksichtigt, die bereits als Lexeme im Lexikon vermerkt sind, als auch solche, die zwar üblich sind, aber trotzdem noch nicht im Wörterbuch stehen, solche, die aus einem momentanen Bedarf heraus produziert werden und solche, die bisher vermutlich noch niemand gebildet hat, die aber den produktiven Wortbildungsregeln gerecht werden.
Ob Wortbildung produktiv, aktiv oder unproduktiv zu nennen ist, richtet sich danach, wie stark ein Verfahren oder ein Bestandteil eines komplexeren Wortes zum aktuellen Zeitpunkt zu Neubildungen anregt. Produktiv sind solche Elemente oder Prozesse, die gegenwärtig häufig zur Bildung neuer Wörter verwendet werden, aktiv sind jene, die noch in größeren Mengen im aktuellen Sprachgebrauch auftauchen, ohne jedoch zu Neubildungen anzureizen, und unproduktiv jene, deren Anzahl in der heutigen Sprache schon sehr reduziert ist.
Da gerade in der heutigen Welt der Bits und Bytes, der CD und der PCs der Umgang mit Abkürzungen, deren Ausgangswörter häufig unbekannt bleiben, eine Selbstverständlichkeit darstellt, sollen in dieser Arbeit zuerst die zahlreichen und sehr produktiven Abbreviationsverfahren vorgestellt werden. Daran schließt sich die Beschäftigung mit der Komposition und einigen ihrer Unterkategorien an. Die hier in drei Hauptverfahren aufgegliederte Derivation bildet den Abschluss dieser Arbeit.
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I. Abbreviation
In Form von verschiedenen Methoden trägt die Reduktion längerer Vollformen zur Einsparung sprachlichen Aufwands bei.
Da sowohl Kürzel wie §, % oder & als auch grafische Abkürzungen wie dt., Bd. oder bzw. in der gesprochenen Sprache unverändert ihre vollständige Form behalten, spielen sie für die Wortbildung keine Rolle. Anders verhält es sich mit den übrigen Abbreviationen. Sie haben als Produkte verschiedener Kürzungsvorgänge Wortcharakter und gehören in ihrer Benennungsfunktion überwiegend der Wortklasse der Substantive an.
A) Ausbuchstabierte Initialwörter mit Endbetonung:
- EDV (elektronische Datenverarbeitung)
- WM (Weltmeisterschaft)
- DAK (Deutsche Angestelltenkrankenkasse)
- USA (United States of America)
Es lässt sich beobachten, dass in diesen Buchstabenwörtern neben den Initialen von Substantiven auch die von Adjektiven wie elektronisch oder deutsche in der Schrift einen Großbuchstaben erhalten und gleichwertig mitgesprochen werden. Außerdem können auch der erste Buchstabe des zweiten Bestandteils eines zusammengesetzten Wortes und die Anfangsbuchstaben fremdsprachiger Wörter in das Initialwort aufgenommen werden, wobei die Aussprache der letzteren an das deutsche Phoneminventar angepasst wird. Anders als bei der Vollform muss man also nicht innerhalb eines deutschen Satzes auf die englischen Ausspracheregeln achtgeben. Bei den ersten drei Beispielen richtet sich das Genus der Abkürzung nach dem ganz rechts stehenden Wort. Das die vor USA orientiert sich allerdings nicht an America, das nur eine durch die Präposition of hinzugefügte nähere Bestimmung des Ortes ist, an dem sich die vereinigten Staaten befinden, sondern an dem Plural von States.
B) Akronyme:
- Flak (Flugzeugabwehrkanone)
- Hapag (Hamburg-Amerikanische Paketfahrt Aktiengesellschaft)
- Laser (Light Amplification (by) stimulated Emission (of) Radiation)
- UNO (United Nations Organisation)
Auch bei diesen Kurzwörtern bestimmt das am weitesten rechts stehende Element das Genus, die Flak wie die Kanone, die UNO wie die Organisation. Dies funktioniert im Hinblick auf die Abkürzungen der englischen Vollformen nur, wenn das letzte Wort auch im deutschen vorkommt. Bei Laser handelt es sich um die Univerbierung eines komplexen syntaktischen
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Gefüges der englischen Sprache zu einem Wort, das mittlerweile im Deutschen derart lexikalisiert ist, dass es unmotiviert erscheint. Denn kaum jemand weiß, wie seine Vollform lautet.
C) Silbenwörter:
- Kripo (Kriminalpolizei)
- Juso (Jungsozialist)
- Trafo (Transformator)
Hinsichtlich der Silbenwörter fällt auf, dass bei zusammengesetzten Wörtern jeweils die erste Silbe der einzelnen Bestandteile verwendet wird, während bei Fremdwörtern eine Analogie zu dem Verfahren mit deutschen Wörtern vorliegt. Schließlich kann man ohne die notwendigen Kenntnisse ja gar nicht feststellen, ob ein griechisches, lateinisches oder französisches Wort aus zwei Teilen besteht und wenn, wo die Grenze zwischen ihnen liegt. Interessant ist auch, dass bei den gefundenen Beispielen immer Silben mit leerer Koda gewählt werden, obgleich potentielle Kürzungen wie Krimpo oder Kripol, in Anlehnung etwa an Interpol, auch der Wohlgeformtheit der Silben Rechnung trügen.
D) Mischungen aus Buchstaben- und Silbenwörtern:
- Radar (radio detecting and ranging)
- Azubi (Auszubildender)
Der ökonomisierende Wert dieser Mischungen liegt zum einen in der Vermeidung zu lang werdender Initialwörter wie RDAR, die in dieser Form auch nicht silbisch aussprechbar wären, wohingegen dies durch die Verwendung der ersten Silbe anstelle des ersten Buchstabens gewährleistet ist. Statt eines viersilbigen Initialwortes entsteht so ein zweisilbiges, also weitaus bequemeres Wort. Zum anderen bietet dieser Vorgang auch Abkürzungsmöglichkeiten für nicht kompositionelle, sondern abgeleitete Vollformen, die aus nur einem lexikalischen Ba-sismorphem bestehen und von daher eigentlich nur eine Initiale besäßen. Doch dadurch dass man die klangvollsten Silbenbestandteile heraus segmentiert, entsteht wiederum ein im Vergleich zur Vollform leicht artikulierbares Wort wie Azubi.
E) Kurzwörter:
- Krimi (Kriminalfilm oder Kriminalroman)
- Video (Videoband)
- Fan (fanatic)
- Cello (Violoncello)
- Bus (Omnibus)
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Ähnlich wie die oben genannten Mischformen gehören auch diese Kurzwörter schon lange zum umgangssprachlichen, aber auch zum standardisierten Wortschatz der deutschen Sprache, obwohl die Vollformen zu einem beachtlichen Teil Fremdwörter verschiedenster Herkunft zu sein scheinen. In den ersten drei Beispielen bleibt der vordere Teil der ursprünglichen Form bestehen, in den beiden letzten der hintere Teil. Diese Reduktionen sind besonders interessant, wenn man bedenkt, dass sie in ihrer Herkunftssprache überhaupt keine freie lexikalische Bedeutung enthielten. Cello an sich ist ein altes italienisches Diminutivsuffix, also ein gebundenes Wortbildungsaffix, das allein stehend nicht anzeigt, was es verkleinert. Da dieses Suffix im Deutschen aber nicht existiert, kann es die lexikalische Bedeutung in dieser Form übernehmen. Vergleichbar ist dieses Phänomen mit der Kürzung von Omnibus zu Bus. In der lateinischen Herkunftssprache befindet sich die semantische Information abermals im vorderen Teil: omnes, alle. Bus ist lediglich Teil des Dativformativs, das aus omnes omnibus, für alle, macht.
II. Komposition
Komposita sind Zusammensetzungen aus mindestens zwei Lexemen, meist in ihrer unflektierten Stammform 1 , die nun gemeinsam ein neues Wort bilden, das als eine einzige Worteinheit empfunden wird und daher auch im Schriftbild als solche ausgedrückt wird. Die jeweils zwei unmittelbaren Bestandteile, in welche die Konstituentenstrukturanalyse alle Konstruktionen binär zerlegt, werden meist in einem Wort geschrieben oder zumindest durch einen Bindestrich verknüpft. Was die Bedeutung betrifft, so sind die neu gebildeten Wörter unlösbar, das heißt, ihre Bedeutung ergibt sich meist nicht allein aus der semantischen Summe der einzelnen Komponenten: „Kommt eine Bildung [...] in allgemeineren Gebrauch, dann wird vielfach ihr Inhalt spezieller, als es der Inhalt der entsprechenden syntaktischen Fügung“, in der die Einzelteile sonst gebraucht werden können, ist. 2 Daher spricht man auch von einer zusätzlichen Inhaltskomponente. Nimmt man beispielsweise eine Komposition aus Kartoffel und Suppe, so wird deutlich, dass jede Kartoffelsuppe eine Suppe ist, die Kartoffeln enthält, dass aber nicht jede Suppe, die Kartoffeln enthält, Kartoffelsuppe genannt werden kann. Das Kompositum enthält also zusätzlich zu den Komponenten die semantischen Merkmale dickflüssig, aus zerkleinerten Kartoffeln, ohne andere Gemüse. Dennoch würde man von einer
1 Vgl. S. 264, Grewendorf, Günther et. al.: Sprachliches Wissen. Eine Einführung in moderne Theorien der grammatischen Beschreibung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1998.
2 S.S. 403, Duden-Grammatik.
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durchsichtigen bzw. motivierten Zusammensetzung sprechen, da erstens beide Komponenten heute noch als freie lexikalische Morpheme existieren und da zweitens trotz des zusätzlichen Inhaltsaspekts noch einsichtig ist, warum gerade diese beiden Wörter miteinander kombiniert werden. Eine undurchsichtige Bildung ist dagegen Hochzeit. Hoch und Zeit stehen zwar als freie lexikalische Einheiten in jedem Wörterbuch, warum sie aber mit der Bedeutung des Heiratsfestes zusammengestellt wurden, ist unklar geworden. Hochzeit hat sich zu einem lexikalisierten, unmotivierten Wort gewandelt. Damit unterscheidet es sich aber noch von den Zusammensetzungen mit Unikalen, also gebundenen lexikalischen Morphemen, deren „ursprüngliche Bedeutung unter synchronischem Aspekt nicht mehr analysierbar ist, wie z.B. -flat in Unflat, Sint- in Sintflut.“ 3 Da derartige Bestandteile der Wortbildung heute nicht mehr dienen, sollen sie hier nur zum Zwecke der Abgrenzung erwähnt, ansonsten jedoch zugunsten der produktiveren Komponenten vernachlässigt werden.
In der aktuellen Sprache existierende „Stammformen“ 4 können auf semantisch unterschiedliche Weise kombiniert werden. Die in der deutschen Gemeinsprache eindeutig vorherrschende Art der Zusammensetzung ist die endozentrische Komposition aus zwei oder mehr Substantiven 5 .
II.1 Rein substantivische Komposita
Da die deutsche Sprache verglichen etwa mit dem Französischen zu einem starken Gebrauch von Substantiven neigt, soll dieser Wortklasse auch in meiner Arbeit über die Wortbildung ein angemessen umfangreicher Abschnitt zufallen. Im Italienischen oder Französischen, die beide bevorzugt auf Verbalphrasen zurückgreifen, ist die Zahl der einfachen Substantive im Sprachgebrauch ohnehin schon deutlich geringer als im Deutschen. Zudem besteht in der Wortbildung dieser Sprachen deutlich seltener die Möglichkeit, Komponenten ähnlich frei aneinanderzureihen, als in der deutschen Sprache 6 . Anstelle von Komposita bilden diese beiden romanischen Sprachen überwiegend präpositionale Syntagmen. Die deutsche Wortbildung ist dagegen reich an Komposita und an daran beteiligten Substantiven: Diese machen den Großteil der in durchsichtigen 7 Zusammensetzungen vorkommenden Grundwörter aus. Außerdem sind 80 Prozent der an Substantivbildungen beteiligten Bestimmungswörter ebenfalls Substan-
3 S.S. 819, „Unikales Morphem“, Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. 2., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1990.
4 S. S. 201, Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Das Wort. Stuttgart, Weimar: Metzler Verlag, 1998.
5 Vgl. S. 440, Duden-Grammatik.
6 Vgl. S. 400, „Komposition“, Bußmann.
7
tive. 8 Um diese nur aus Substantiven zusammengesetzten Komposita wird es im folgenden Abschnitt gehen.
II.1.1 Determinativkomposita oder endozentrische Komposita
Beim Wortbildungsprozess der Determinativkomposition wird eine Konstituente der anderen untergeordnet. So steht im Deutschen (schriftlich gesehen) rechts das Grundwort 9 oder die Klasse und links das Bestimmungswort 10 oder das Spezifikum. Am Beispiel der Komponenten Kartoffel und Suppe kann demonstriert werden, dass die Reihenfolge der Bestandteile hier festgelegt ist, so dass bei einer Umstellung ein Wort ohne verständliche oder mit ganz anderer Bedeutung entsteht.: Suppenkartoffel gibt es im Deutschen noch nicht, ist aber eine potentielle Bildung, die analog zum Suppengemüse eine Kartoffel bezeichnet, die überwiegend zur Herstellung von Suppen Verwendung findet.
Unter semantischem Gesichtspunkt ist das gesamte Kompositum somit ein Spezialfall einer übergeordneten ontologischen Klasse. Besteht das neue Wort z aus den Elementen x (links) und y (rechts), so gilt mit großer Wahrscheinlichkeit die Formel: z ist ein / eine y, wobei x die Menge der mit z gemeinten y auf jene mit dem besonderen Merkmal von x beschränkt. Anders ausgedrückt funktioniert eine Determinativkomposition ähnlich wie eine Definition, bei der zuerst das Genus proximum und dann, vornan gestellt, die unterscheidende Differentia specifica 11 angegeben wird. Wegen der wenig einheitlichen Terminologie in der Linguistik wird das Element, welches die Klasse des Kompositums angibt, der Überschrift entsprechend auch Determinatum genannt, da es dasjenige ist, das durch ein weiteres Element näher bestimmt oder determiniert wird. Folglich wird das bestimmende, determinierende Spezifikum auch als Determinans bezeichnet 12 . Bei Eisenberg heißt das „semantische Zentrum“ bzw. die Klasse „Kern“ 13 . Dieser Autor betont zudem, „dass die semantische Wirkung des ersten Be-standteils gelegentlich noch abstrakter als die der [oben dargestellten] Teilklassenbildung“ 14 [ist], was vor allem zutrifft, wenn metaphorische Aspekte hinzukommen. Im Rahmen anderer
7 Mit durchsichtig ist die etymologische Durchsichtigkeit bzw. die Erkennbar- und Verständlichkeit der einzelnen Glieder gemeint. Vgl. ibd.
8 Vgl. S. 403, Duden-Grammatik.
9 S.S. 401, Duden-Grammatik
10 ibd.
11 Vgl. S. 408, Duden-Grammatik.
12 Vgl. S. 25, Hentschel, Elke und Weydt, Harald: Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1990; oder S. 64, Linke, Angelika; Nussbaumer, Markus; Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. 3., unveränderte Aufl. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1996.
13 S. S. 218, Eisenberg.
14 Ibd.
8
Theorien findet sich des weiteren der Terminus „Kopf“ 15 für die Klasse und „Modifikator“ 16 für das Spezifikum. Hier wird zudem der grammatische Aspekt des Kompositums berücksichtigt. So ist der Kopf des Kompositums stets das Element, das in Bezug auf seine lexikalische Kategorie bzw. Wortart und in seinen morphosyntaktischen Merkmalen mit der ganzen Zusammensetzung übereinstimmt. Wenn das Kompositum beispielsweise ein Femininum ist und im Plural steht, so stellt die Konstituente, deren Genus ebenfalls weiblich ist und die auch im Plural steht, den Kopf dar. Mit Hilfe dieser Erklärung lassen sich endozentrische Komposita, deren Kopf in der Zusammensetzung auszumachen ist, von exozentrischen Komposita unterscheiden, die eben keinen solchen Kopf aufweisen (wie Tunichtgut, Taugenichts etc.) und auf die auch die oben genannte semantische Formel nicht zutrifft.
II.1.1.1 - Determinativkomposita aus zwei Komponenten
Der Überschaubarkeit halber werden in diesem Abschnitt zunächst nur Zusammensetzungen aus zwei Substantiven betrachtet. Als einfache Substantive gelten hier auch solche, die erst durch Derivation entstanden sind und von denen an späterer Stelle noch die Rede sein wird. Aber schon bei zweigliedrigen Komposita treten Unterschiede auf. Der Prozess der Komposition geschieht nämlich entweder durch Juxtaposition, was bedeutet, dass die Elemente in Zitier- oder Grundform schlichtweg nebeneinander gestellt werden 17 , oder durch Einfügung einer Fuge als Verknüpfungselement. Allerdings herrscht keine wirkliche Einstimmigkeit darüber, ob die Fuge ein Morphem in Form eines Infixes ist, welches die Funktion trägt, den Genitiv oder den Plural des determinierenden Elementes anzuzeigen, oder ob sie sich als reine Aussprachehilfe in das Kompositum einfügt und somit kein Morphem ist. Nach der Duden-Grammatik und vielen anderen haben Verbindungselemente wie zum Beispiel das -s- zwischen Verbindung und Element, „die an Flexionsendungen erinnern“, keine derartige syntaktische Beziehungsfunktion, sondern sie kennzeichnen lediglich die Grenze zwischen den Kompositionsteilen. 18 Allerdings wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Zusammensetzungen Wortgruppen mit einem Genitivattribut entsprechen, so dass man das Fugenzeichen im
15
Vgl. S. 171: „Head“, Radford, Andrew; Atkinson, Martin; Britain, David; Clahsen, Harald und Spencer, Andrew: Linguistics. An Introduction. Cambridge: University Press, 1999.
16 Vgl. „Modifier“, Ibd.
17 Von einigen Linguisten wird die Juxtaposition als die eigentliche, weil ältere Form der Komposition angesehen, wodurch die anderen Typen, wegen ihrer auf ursprüngliche Flexionsendungen zurückgehenden Fugenelemente als Kasuskomposita bezeichnet, zu „unechten“ Komposita werden. Vgl. dazu „Komposition“, S. 401, Bußmann. Von Null-Fuge ist hier daher nicht in Bezug auf ein für die Komposition ursprünglich typisches Element, das in diesem Fall fehlt, die Rede, sondern nur als Abkürzung für den Terminus der Juxtaposition.
18 S. S: 402, Duden-Grammatik.
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