Inhalt Seite
1. Einleitung 3
2. Rousseau und die Erziehung der Kinder 3
2.1 Rousseaus Gesellschaftskritik und Idee einer natürlichen Erziehung 3
2.2 Rousseaus „Träumereien“ über Erziehung 7
3. Entwicklung von Kindern in der Gegenwart 12
3.1 Psychosoziale und kognitive Entwicklung des Kindes 12
3.2 Individualisierung und Mediatisierung der Kindheit 16
4. Fazit 18
5. Literatur 23
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1. Einleitung
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der Entwicklung von Kindern aus-einandersetzen. Es soll aufgezeigt werden, welche Fähigkeiten und Kompetenzen junge Menschen im Laufe ihrer Kindheit durch welche Einflüsse erwerben. Dabei werde ich Überlegungen von Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778) und heutige Theorien darstellen und miteinander vergleichen. Die zentrale Fragestellung ist hierbei, wie Kinder zu handlungsfähigen Subjekten der Gesellschaft sozialisiert werden. Ein solches Kind sollte geistig herangereift, emotional gefestigt, sozial kompetent (gemeinschaftsfähig), selbständig und moralisch urteilsfähig sein. Dieser Mensch dürfte in der Lage sein, seine Umwelt und sein Umfeld schöpferisch zu gestalten.
Vergleichend mit Rousseau möchte ich im Laufe meiner Arbeit herausarbeiten, inwieweit sich sein Zögling, den er für die Gesellschaft vorbereitet, von dem Kind unterscheidet, dass heutzutage aufwächst. Es wird sich so feststellen lassen, inwieweit Rousseau die gegenwärtigen Theorien beeinflusst hat.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Rousseaus Vorstellung von Kindheit, die aus seinem Werk „Emil oder Über die Erziehung“ von 1762 entstammt, das als „zentrales Referenzwerk in der Geschichte der Pädagogik“ gilt (vgl. Tremp 2000, S.37). Bei den heutigen Theorien habe ich verschiedene aktuelle Erklärungsansätze aus der Psychologie und Soziologie ausge-wählt, die im dritten Kapitel vorgestellt werden. Abschließend ziehe ich im vierten Kapitel ein kurzes Fazit.
2. Rousseau und die Erziehung der Kinder
Bevor ich auf das Werk „Emil“ eingehe, werde ich erörtern, warum sich Rousseau überhaupt Gedanken über Kindheit macht. Um dies zu verstehen, muss man seine Kritik an der damaligen Gesellschaft aufzeigen, denn es besteht ein Zusammenhang zwischen jener und seinen Gedanken zur Erziehung.
2.1 Rousseaus Gesellschaftskritik und Idee einer natürlichen Erziehung
In seinen ersten Discours von 1750 geht Rousseau der Frage nach, ob der Fortschritt der Wissenschaften und Künste zur Verbesserung der Sitten beigetragen hat. Er führt darin aus, dass die Errungenschaften seiner Epoche mehr Schaden als Nutzen gebracht hätten.
„Hier aber ist die Wirkung gewiß, nämlich der tatsächliche Verfall der Sitten, und unsere Seelen ha-
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ben in dem Maße Schaden genommen, in dem unsere Wissenschaften und Künste sich der Vollkommenheit genähert haben.“ (Rousseau 1993, S.30)
Die Wissenschaften sind nach Rousseaus Auffassung unnütz und führten zu Luxus, Zügelosigkeit und Knechtschaft, wodurch Tugend vernichtet werde (vgl. Holmsten 1988, S. 64 ff.). Durch das gewählte und hochmütige Benehmen in der Gesellschaft seien die Sitten verdorben worden.
„Immerzu fordert die Höflichkeit, gebietet die Schicklichkeit; immerzu folgt man der Konvention, niemals dem eigenen Wesen. Man wagt nicht mehr, sich so zu zeigen, wie man ist [...] Argwohn, Misstrauen und Furcht, Gleichgültigkeit, Skepsis, Haß und Verrat werden sich ständig hinter diesem gleichförmigen und trügerischen Schleier der Höflichkeit verbergen.“ (Rousseau 1993, S.28 ff.) In seinem zweiten Discours von 1755 über den Ursprung und die Ungleichheiten der Menschen verfestigt er diese kritische Sichtweise der damaligen Gesellschaft weiter (vgl. Holmsten 1988, S.71 ff.). So heißt es gleich im Vorwort
„Betrachtet man die menschliche Gesellschaft mit ruhigem und unbefangenem Blick, so scheint sie uns zunächst nur die Gewalttätigkeit der Mächtigen und die Unterdrückung der Anderen zu zeigen.“ (Rousseau 1996, S.52)
Nach Rousseaus Auffassung leben die Menschen in der Gesellschaft in einer nicht natürlichen Ungleichheit, die „in den verschiedenen Privilegien (besteht), die einige zum Nachtteil der anderen genießen, wie etwa reicher, angesehener, mächtiger zu sein als andere oder gar Ge-horsam von ihnen verlangen zu können“ (Rousseau 1996, S.53). Das entscheidendste Übel sei dabei die Bildung des Eigentums gewesen, dass schädigende Auswirkungen auf die Menschen hinterlassen habe.
„So machten die Mächtigen oder die Elendesten entweder aus ihrer Kraft oder aus ihrer Not eine Art Recht auf fremdes Gut, das nach ihrer Meinung dem Eigentumsrecht entsprach. Dem Bruch der Gleichheit folgte das schreckliche Durcheinander. So machten Usurpationen der Reichen, die Raubzüge der Armen, die zügellosen Leidenschaften aller, da sie das natürliche Mitleid und die noch schwache Stimme der Gerechtigkeit erstickten, die Menschen geizig, ehrsüchtig und böse.“ (Rousseau 1996, S.96)
Durch die Arbeitsteilung sei diese Ungleichheit gefestigt worden, wodurch die Menschen in Abhängigkeiten voneinander gerieten, was zum Verlust von Freiheit geführt habe. Rousseau erläutert den Nachteil durch die Arbeitsteilung am Vergleich der Metallverarbeitung mit dem Ackerbau.
„Seit man Menschen zum Gießen und Schmiden des Eisens brauchte, brauchte man andere Menschen, um jene zu ernähren. [...] Da die einen im Austausch für ihr Eisen Lebensmittel haben mussten, fanden die anderen das Geheimnis, das Eisen zur Vermehrung der Lebensmittel zu benutzen. [...] Die Dinge in diesem Zustand hätten gleich bleiben können, wenn die Talente gleich gewesen wären und wenn beispielsweise die Verwendung des Eisens und der Verbrauch der Lebensmittel immer genau im Gleichgewicht geblieben wären. Aber das durch nichts aufrecht erhaltene rechte Verhältnis war bald zerstört: der Stärkste leistete mehr Arbeit, der Geschickteste zog mehr Vorteil aus der seinen, der
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Erfindungsreichste erfand Mittel zur Abkürzung der Arbeit. Der Bauer hatte mehr Eisen nötig, der Schmied mehr Getreide. Während beide gleich viel arbeiteten, erreichte der eine viel, während der andere mühsam sein Leben fristete.“ (Rousseau 1996, S.94)
„Es ist klar, dass der Ackerbau seiner Natur nach am wenigsten einbringen muß, denn da seine Produkte von allen Menschen unbedingt gebraucht werden, muß ihr Preis dem Einkommen der Ärmsten angepasst sein.“ (Rousseau 1996, S.121)
Reichtum, Adel oder Rang, Macht und persönlicher Verdienst seien die Maßstäbe der in der Gesellschaft lebenden Menschen, die zu Feindschaft führten (vgl. Rousseau 1996, S.109). Denn je weiter die Interessen der Menschen auseinander gingen, desto größer seien der gegenseitige Hass und die Gewalttaten. Der Vorteil des einen sei immer auch gleich mit dem Nachtteil des anderen verbunden (vgl. Rousseau 1996, S.119).
Demgegenüber stellt Rousseau den wilden Menschen, den er durch eine vorbildhafte und natürliche Lebensweise kennzeichnet. Er betont, dass dieser Mensch nur physische Bedürfnisse hat : Nahrung, Weibchen und Ruhe.
„Ich sehe es, wie es sich unter einer Eiche sättigt, im ersten besten Bach seinen Durst löscht und sein Bett zu Füßen desselben Baumes findet, der ihm seine Nahrung lieferte. Damit sind seine Bedürfnisse befriedigt.“ (Rousseau 1996, S.56)
Dieser Mensch sei folglich sehr genügsam und brauche nur das lebensnotwendige. An Übeln kenne er nur Hunger und Schmerz. Rousseau merkt weiterhin an, dass dieser Mensch gegen-wartsbezogen - im „Hier und Jetzt“ - lebe, was er u.a. mit dem Beispiel des Karaiben belegt, der zu Tagesbeginn sein Bett verkauft und am Abend merkt, dass er es für die Nacht benötigt und zurückkauft (vgl. Rousseau 1996, S.67). Lobenswert erscheint ihm auch die Körperkraft sowie die starke Ausbildung der Sinne der Wilden. Dazu führt er einige Beispiele von Völkern an, wie das der Hottentotten.
„Die Hottentotten [...] sind von überraschender Gewandtheit auf der Jagd. Ihre Leichtigkeit im Laufen übertrifft unsere Vorstellung. [...] Auf hundert Meter treffen sie im Steinwurf ein Ziel in Pfenniggröße.“ (Rousseau 1996, S.117)
Im Vergleich mit dem Mensch in der Gesellschaft lasse sich festhalten, „dass der wilde in sich selbst (lebt), der soziable Mensch immer außer sich (ist) und nur im Spiegel der Meinung der anderen leben (kann). Er nimmt das Gefühl seiner Existenz sozusagen aus deren Urteil allein“ (Rousseau 1996, S.112).
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Arbeit zitieren:
Sascha Lock, 2002, Entwicklungsstufen in der Kindheit bei Rousseau und aus heutiger Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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