Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften Lehrstuhl Empirische Kommunikations- und Medienforschung
Seminar
Forschunglogik / Experiment Wintersemester 2000/ 2001
Messverfahren: Inhaltsanalyse
Matthias Krause Tobias Weber
Abgabe: 15. März 2001
Gliederung
Thema
Einleitung 3
1. Theorie der Inhaltsanalyse (von Matthias Krause)
1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse? 4
1.2 Die Inhaltsanalyse als empirische Methode 6
1.3 Forschungsfrage und Hypothese 9
1.4 Kategoriensystem 10
1.5 Indikatoren und Codierregeln bzw. Codiereinheiten 12
1.6 Zitatnachweis 13
1.7 Quellennachweis 14
2. Praxis der Inhaltsanalyse (von Tobias Weber)
2.1 Planungsphase 15
2.1.1 Problemstellung und Hypothesenbildung 15
2.1.2 Auswahl des Untersuchungsmaterials und des Messverfahrens 16
2.2 Entwicklungsphase 17
2.2.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung 17
2.2.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung 17
2.3 Testphase 19
2.3.1 Probecodierung 19
2.3.2 Codiererschulung 20
2.3.3 Reliabilitätsprüfung 21
2.3.4 Validitätsprüfung 23
2.4 Anwendungsphase 24
2.4.1 Codierung 24
2.5 Auswertungsphase 25
2.5.1 Aufbereitung der Daten 25
2.5.2 Auswertung 25
2.6 Zitatnachweis 26
2.7 Quellennachweis 27
2
Einleitung
Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema “Inhaltsanalyse”. Dabei wurde sie in zwei Hauptteile untergliedert - zum einen in den Theorieteil der Inhaltsanalyse und zum anderen in den Praxisteil der selbigen. Die Bearbeitung des Theorieteils wurde von Matthias Krause durchgeführt, die des Praxisteils von Tobias Weber. Die Hausarbeit soll dem Leser die Inhaltsanalyse mit ihren Verfahren näher bringen. Sie soll Aufschlüsse geben, wann und wie eine Inhaltsanalyse angewandt wird und welche Vorteile und auch Nachteile darin bestehen, eine Inhaltsanalyse durchzuführen. Dabei bezieht sie sich sehr stark auf das Buch von Werner Früh “Inhaltsanalyse - Theorie und Praxis”, welches 1981 in München erschien.
Die formale Gestaltung der Hausarbeit wurde anhand der Vorgaben von Tobias Liebert in “Zitieren und Belegen von Quellen - Hinweise zur formalen Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten” erstellt.
3
1. Theorie der Inhaltsanalyse (von Matthias Krause)
1.1 Was ist eine Inhaltsanalyse?
Da die Inhaltsanalyse eine empirische Methode ist, muss zu Beginn erst einmal geklärt werden, was die selbige überhaupt bedeutet.
“Die empirische Wissenschaft ist die systematische, intersubjektiv nachprüfbare Sammlung, Kontrolle und Kritik von Erfahrungen” 1 . Die Durchführung dieses Sachverhaltes wird in einzelne Schritte unterteilt. Der Ausgangspunkt wird in Form einer Frage oder einer Vorstellung bzw. Vermutung über reale Sachverhalte gestellt. Dies kann ein Begriff oder ein Problem sein, mit dem sich der Forscher auseinander setzen möchte. Nach diesem Ausgangspunkt folgt die theoretische Erklärung. Hier versucht der Forscher durch eine, von ihm entwickelte, Hypothese oder Theorie das Problem zu erklären. Daraufhin überprüft der selbige diese theoretische Erklärung, in dem er es an konkrete, erfahrbare Sachverhalte testet. Zum Schluss führt er noch die “Gegenprobe an der Realität” 2 durch. Dafür reicht es nicht aus, dass der Forscher sich mit seinem Ergebnis zu Frieden gibt, sondern dass er noch nach möglichen Alternativerklärungen sucht.
Nachdem erklärt wurde, was eine empirische Wissenschaft ist, wird nun die Inhaltsanalyse selber genauer erklärt.
“Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen und intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen.” 3
Um diese Definition besser zu verstehen, werden nun erst einmal einige Begriffe näher erläutert. Zum ersten den Begriff “empirische Methode”. Durch ihn wird “... die Art und Weise, in der die Inhaltsanalyse zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führt bzw. die Modalität des Zugangs zur Realität...” 4 bezeichnet. Dies wird entweder durch empirische Messinstrumente oder empirische Erhebungstechniken erreicht. Diese beiden Methoden werden auch als “Methoden im engeren Sinn“ 5 bezeichnet, da sie die direkten Mittel z.B. Beobachtungsschema, Fragebogen, Kategoriensystem mit Codieranweisungen usw. gleich, unter Hilfenahme der Beobachter, in Daten überführen. Des weiteren beinhalten sie den Vorgang des Messens, auf den hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.
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Außerdem soll der Begriff “Systematik” näher erläutert werden. “Sie richtet sich einerseits auf eine klar strukturierte Vorgehensweise beim Umsetzen der Forschungsaufgabe in eine konkrete Forschungsstrategie und andererseits auf eine konsequente, durchgängige invariante Anwendung dieser Forschungsstrategie auf das Untersuchungsmaterial.” 6 Das Umsetzen der Forschungsstrategie kann in Form der Formulierung prüfbarer Hypothesen und dem Festlegen des relevanten Untersuchungsmaterials bzw. der Analyse-, Codier- und Messeinheit sowie der Entwicklung des Kategoriensystems mit den Definitionen und den allgemeinen Codieranweisungen stattfinden. Außerdem muss auf Validität (Gültigkeit) und Reliabilität (Verlässlichkeit) überprüft werden.
Als letzte Begriffserklärung aus der Definition wird auf die “... Offenlegung des Verfahrens...” 7 durch ein intersubjektives Nachvollziehen eingegangen. Damit ist gemeint, dass die Ergebnisse einer Inhaltsanalyse kommunizierbar und kritisierbar sein müssen.
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1.2 Die Inhaltsanalyse als empirische Methode
Bevor die Entscheidung getroffen wird, eine Inhaltsanalyse für Forschungszwecke durchzuführen, müssen die Vorteile der selbigen gegenüber anderen Forschungsmethoden, wie z.B. dem Messen, klar sein. Aus diesem Grund werden zu Beginn die sechs Punkte von Werner Früh aus seinem Buch “Inhaltsanalyse - Theorie und Praxis” (Seite 40/41) genannt, welche die Vorteile einer Inhaltsanalyse aufzeigen.
1. “Die Inhaltsanalyse erlaubt Aussagen über Kommunikatoren und Rezipienten, die nicht bzw. nicht mehr erreichbar sind.” 2. “Der Forscher ist nicht auf die Kooperation von Versuchspersonen angewiesen.” 3. “Der Faktor Zeit spielt für die Untersuchung eine untergeordnete Rolle; man ist nicht an bestimmte Termine zur Datenerhebung gebunden.”
4. “Es tritt keine Veränderung des Untersuchungsobjekts durch die Untersuchung auf.” 5. “Die Untersuchung ist beliebig reproduzierbar oder mit einem modifizierten Analyseinstrument am selben Gegenstand wiederholbar.”
6. “Inhaltsanalysen sind meist billiger als andere Techniken zur Datengewinnung.”
Nachdem die Vorteile der Inhaltsanalyse genannt wurden, soll nun das Augenmerk auf den Sinn gelenkt werden. In einer Inhaltsanalyse soll die Komplexität einer Datenmenge auf ein bestimmtes Maß reduziert werden. Dabei geht notwendige Information verloren, welche jedoch für den Forscher in diesem Zusammenhang uninteressant ist. Dieses Reduzieren der Datenmenge wird durch die Ausblendung von Mitteilungsmerkmalen auf der einen Seite und durch die Klassifikation der analysierten Mitteilungsmerkmale in Form von Messen und Quantifizieren auf der anderen Seite erreicht. Dabei werden ähnliche Mitteilungsmerkmale in “Kategorien” eingeordnet.
Der entstandene Informationsverlust durch diese Reduzierung ist die Voraussetzung für einen neuen Informationsgewinn, da die “... bewusst eingeschränkte Perspektive ... größere strukturelle Zusammenhänge erkennen...” 8 lässt. Dabei ist der eigentliche Untersuchungsgegenstand einer Inhaltsanalyse der “... sich in der Mitteilung manifestierende Kommunikationsvorgang, entweder in bezug auf den Kommunikator (´was hat der Autor gemeint?`) oder in bezug auf den Rezipienten (´wie wird man die Mitteilung interpretieren?`)” 9 .
6
Arbeit zitieren:
Matthias Krause, Tobias Weber, 2001, Messverfahren: Inhaltsanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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