Hauptseminar Mittelalter / WS 1999/2000
Vom „Volk“ zum Reich?
Hausarbeit
Die Christianisierung der Franken
Martin Boras
Martin Boras
Lehramt Grund- u. Mittelstufe / Mathematik u. Geschichte
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Quellenkritik. 4
Datierung der Taufe. 6
Die Bedeutung der Taufe Chlodwigs 9
Einfluß der Konversion auf die Franken 11
Auswirkungen der Taufe auf die weltlichen Herrscher und die Kirche 13
Außenpolitische Folgen des Übertritts Chlodwigs zum Katholiszismus 15
Schlußbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 18
Einleitung
In der Hausarbeit wird die Christianisierung der Franken behandelt. Da insgesamt aber dieses
Thema zu umfangreich erscheint, findet eine inhaltliche Reduzierung dahingehend statt, daß
die Taufe Chlodwigs als Orientierungspunkt festgehalten wird. Ausgehend hiervon werden
verschiedene Aspekte behandelt.
Zunächst wird die Frage nach der Glaubwürdigkeit Gregor´s gestellt, da sein Werk als die
Hauptquelle herangezogen wird. Hierzu werden verschieden Autoren verwendet, die sich mit
seinem Werk beschäftigen. Als ein Unterpunkt dieser Quellenkritik wird die Frage nach der
exakten Datierung des Taufvorganges gestellt, da sie als ein bedeutender historischer Punkt in
der Geschichte der Franken gesehen wird, und desweiteren muß Chlodwig mit der Taufe auf
den Anspruch seiner sogenannten „göttlichen Herkunft“ verzichten und damit auch auf die
Grundlage seiner besonderen Stellung.
Im Anschluß daran wird die Frage nach der Bedeutung der Taufe Chlodwigs gestellt. Hier
wird insgesamt der Schwerpunkt der Hausarbeit liegen. Die Bedeutung der Taufe Chlodwigs
wird in verschiedene Bereiche unterteilt.
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Zunächst wird diese Frage recht allgemein beantwortet werden, hierzu wird als ein Unterpunkt die Bedeutung herausgestellt, die die Taufe für Chlodwig persönlich hat. In einem weiteren Abschnitt wird der Einfluß der Christianisierung auf die Franken bearbeitet werden. Hierzu wird auf die zeitliche Nähe zur Abkehr Chlodwigs vom Heidentum wert gelegt, um diesen Teil nicht zu oberflächlich abhandeln zu müssen. Diesem Abschnitt folgend werden die Auswirkungen der Konversion des Frankenkönigs auf die weltlichen Herrscher und auf die Kirche dargelegt. Danach werden die außenpolitischen Reaktionen auf den Übergang Chlodwigs zum Katholizismus bearbeitet.
Dem letzten Abschnitt bleibt eine kurze Zusammenfassung und abschließende Wertung der Bearbeitung der Fragestellung vorbehalten.
Im folgenden Abschnitt wird eine kritische Analyse der Hauptquelle vorgenommen, mit dem Ziel darzulegen, wieweit Gregor´s Aussagen als historisch sicher angenommen werden können. Als ein besonderer Punkt wird das Datum der Taufe auf seine Richtigkeit überprüft werden, zum einen, um Gregor´s historische Genauigkeit zu überprüfen und zum anderen weil die Taufe insgesamt eine große geschichtliche Bedeutung als Auslöser für eine Reihe von Veränderungen hat.
Quellenkritik
Das Material zur Taufe Chlodwigs beschränkt sich auf folgende zeitgenössische Quellen: - die Briefe Cassiodors und die Briefe des Bischofs Avitus von Vienne. In diesen Briefen werden 1 immer nur Einzelheiten über den Frankenkönig erwähnt. Eine umfassende Darstellung findet
sich erst bei Gregor von Tours über sechzig Jahre nach Chlodwigs Tod. Dennoch wird auf Gregor von Tours Werk „Zehn-Bücher-Geschichte“ als Hauptquelle zurückgegriffen - nicht ohne den Wahrheitsgehalt und den Erzählstil Gregors zu untersuchen.
1 Rolf Weiss: Chlodwigs Taufe: Reims 508, Seite 9.
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Im Zusammenhang mit Zeitangaben - also auch dem Datum der Taufe - heißt es bei Weiss : „Wenden wir uns den Zeitangaben zu, so werden wir feststellen, dass sie in keiner Weise 2 unser bedingungloses Vertrauen verdienen.“ Oftmals wird bei Gregor die chronologische 3 Reihenfolge aus thematischen oder anderen Gründen nicht exakt eingehalten. Desweiteren stützt Gregor von Tours seine geschichtlichen Darstellungen auch auf mündliche Überlieferungen.
Es sollte auch festgehalten werden, daß Gregor eben nicht nur Historiker, sondern auch Erzähler und Priester ist. Daher finden sich in seinem Werk viele (unhistorische) Ausschmückungen und viele Wundergeschichten, die sich so nicht zugetragen haben können. Teilweise finden sich in seinem Werk auch Dialoge, in denen er seine Person zu Wort kommen läßt, so spricht er beispielsweise durch Chlothilde auch zum heidnischen 4 Frankenkönig. Daher muß auch zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit zwischen sachlichen Fakten und seinen beurteilenden, erzählenden Beifügungen unterschieden werden. Desweitern muß auch hinsichtlich der Ereignisse, die er selbst erlebte und den Ereignissen, die er „nur“ 5 aus Erzählungen bzw. anderen Quellen kannte, getrennt werden. Je weiter vor 555 (Das
zweite Buch Gregors, das sich mit der Herrschaft Chlodwigs befaßt, wurde etwa zwischen 6 576 u. 580 geschrieben. ) zurückgegangen wird, desto eher kann daher die Glaubwürdigkeit angezweifelt werden.
Insgesamt läßt sich sagen, daß die Lektüre Gregors sehr kritisch und prüfend erfolgen sollte, 7 dennoch hat ihn „noch keiner seiner zahllosen Kritiker bestritten“.
2 Ebenda, Seite 15. 3 Ebenda, Seite 18.
4 Rolf Weiss: Chlodwigs Taufe: Reims 508, Seite 21.
5 Rudolf Buchner (Hrsg.): Gregor von Tours. Zehn Bücher Geschichten, Seite XXX. 6 Alain Dierkens: Die Taufe Chlodwigs, Seite 184.
7 Rudolf Buchner (Hrsg.): Gregor von Tours. Zehn Bücher Geschichten, Seite XXX.
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Martin Boras, 2001, Die Christianisierung der Franken, München, GRIN Verlag GmbH
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