Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Deutsche Philologie
Proseminar II: Schrift und Schreiben - Vom Alphabet zum Computer Bearbeitung: Ellen Quirin
Kognitive Prozesse bei der Textproduktion
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Funktion der Textproduktion 5
3. Das Modell von Hayes Flower 7
4. Das Modell von Molitor-Lübbert 11
5. Das epistemische Schreiben 15
6. Zusammenfassung 18
7. Literaturverzeichnis 21
8. Abbildungsverzeichnis 21
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1. Einleitung
Die Textproduktionsforschung ist im Vergleich zu anderen Wissenschaften ein junges Gebiet, weswegen hier seitens der Forschung noch ein enormer Handlungsbedarf besteht. Mitte der 70er Jahre wurde in den USA bei einem Drittel der Bevölkerung eine mangelhafte Schreibkompetenz festgestellt. Um dem drohenden Analphabetismus ent-gegenwirken zu können, sollte die Forschung Untersuchungen zur Verbesserung der
Schreibdidaktik anstellen. Allerdings stellte man dabei fest, daß dieses Vorhaben nur mit einem besseren Wissen über den eigentlichen Schreibprozeß gelingen konnte. Also konzentrierten sich die Wissenschaftler fortan auf die einzelnen Prozesse, die beim Verfassen eines Textes eine Rolle spielen. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche Modelle, die den
Textproduktionsprozeß übersichtlich darstellen sollten. Dabei fanden die motorischen Prozesse weniger Beachtung als die kognitiven, da diese eine größere Bedeutung für den Schreibprozeß haben. Die einzelnen Modelle besitzen
verschiedene Schwerpunkte, da die Textproduktionsforschung von unterschiedlichen Disziplinen untersucht wird. Besonders
erfolgreich auf diesem Gebiet ist die Psychologie. Doch auch die Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie die Linguistik tragen wichtige Erkenntnisse zur Textproduktionsforschung bei. Es ist also notwendig, dieses Gebiet interdisziplinär zu untersuchen.
In dieser Arbeit werde ich zunächst auf die einzelnen Funktionen der Textproduktion eingehen (Kapitel 2). Gerade in der heutigen Zeit gewinnt das Schreiben immer mehr an Bedeutung und ist auch durch die neuen Medien, wie Computer und Internet, nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Anschließend werde ich drei bedeutende Modelle vorstellen. Die amerikanischen Psychologen John Hayes und Linda Flower entwickelten 1980, also zu Beginn der Textproduktionsforschung, ein Modell für den Textproduktionsprozeß, das vielen nachfolgenden
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Wissenschaftlern als Vorlage oder Richtlinie diente (Kapitel 3). Im deutschen Sprachraum ist das Schema eines reflexiven Schreibprozesses von Sylvie Molitor-Lübbert eines der
bekanntesten. Dieses Modell werde ich in Kapitel 4 vorstellen. Dabei spielt auch das epistemische Schreiben eine wichtige Rolle. Der Wissenschaftler Carl Bereiter stellte die Bedeutung des epistemischen Schreibens in seinem Modell von 1980 dar. Diese spezielle Funktion des Schreibens werde ich in Kapitel 5 genauer untersuchen. In der anschließenden Zusammenfassung werde ich die Entwicklung der Textproduktions-forschung
diskutieren und einen Ausblick auf noch offene Fragen geben.
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2. Funktion der Textproduktion
In der heutigen Zeit finden immer mehr Menschen Zugang zu schreibintensiven Berufen. Aus diesem Grund sind die
Erwartungen an deren Schreibkompetenz in den letzten Jahren enorm gestiegen. 1 Umgekehrt verbreiten sich die neuen Medien mittlerweile in fast jeden Berufszweig. Es ist also heutzutage nahezu unmöglich, an dieser Entwicklung vorbeizukommen. Deshalb wird es immer wichtiger, neue Erkenntnisse über den Schreibprozeß zu bekommen. Damit beschäftigt sich die Textproduktionsforschung.
Ein Text wird produziert, indem ein Autor etwas schreibt. Es gibt aber viele verschiedene Arten zu schreiben, die jeweils eine andere Funktion besitzen. Deswegen werde ich zu zunächst abgrenzen, was man unter Schreiben und Textproduktion versteht. Die beiden Begriffe sind in ihrer Bedeutung fast identisch. Allerdings muß man dabei bestimmte Formen des Schreibens ausklammern. Dies fängt schon beim Schreiben von Notizen, wie z.B. einem Einkaufszettel an. In diesem Fall dient das Schreiben der Entlastung des Gedächtnisses. 2 Das Schreiben kann auch dabei helfen, das eigene Wissen zu ordnen und zu überprüfen. Dies geschieht, wenn Prüfungsstoff exzerpiert wird. 3 Auf diese Weise strukturiert der Autor seine Gedanken. Diese Arten zu schreiben sind für die Forschung nicht besonders interessant, da beide vorgestellten Methoden keine eigene kognitive Leistung vom Autor verlangen. Dies trifft daher eher auf das Verfassen von längeren Texten zu. Hier wird Schreiben als Problemlösestrategie bezeichnet. 4 Dem Autor wird eine Aufgabe gestellt, die ohne weitere Aneignung von Wissen nicht zu lösen ist. In diesem Falle wird
1 Becker-Mrozek, Schreibentwicklung und Textproduktion, 1997, S. 89. 2 Molitor-Lübbert, Schreiben und Kognition, in: Antos/Krings (Hrsg.): Textproduktion. Ein interdisziplinärer Forschungsüberblick, 1989, S. 280 f. Im folgenden kurz Molitor-Lübbert, in: Antos/Krings. 3 Molitor-Lübbert, in: Antos/Krings, S. 281. 4 Molitor-Lübbert, ebd. S. 279. Siehe auch Kapitel 5.
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Arbeit zitieren:
Ellen Rennen, 2000, Kognitive Prozesse bei der Textproduktion, München, GRIN Verlag GmbH
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Schreibmodelle: HAYES & FLOWER und MOLITOR-LÜBBERT
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