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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Begriffsdefinition Areallinguistik 3
3. Die Entwicklung der Areallinguistik 4
3.1. Nikolai Trubetzkoy 4
3.2. Roman Jakobson 6
3.3. Ernst Lewy 8
3.4. Gyula Décsy 9
3.5. Harald Haarmann 10
4. Der heutige Sprachbundbegriff 14
4.1. Der Balkansprachbund 14
4.2. Der baltische Sprachbund 15
4.3. Der südasiatische Sprachbund 15
4.4. Der Khoisan-Sprachbund 16
5. Der Donausprachbund 17
6. Fazit 21
7. Quellenverzeichnis 22
7.1. Literatur 22
7.2. Internetquellen 22
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1. Einleitung
Die nachstehende Bakkalaureatsarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Sprachbünde in Europa. Es wird zunächst der Begriff Areallinguistik näher erläutert und daraufhin auf die Entwicklung in diesem Teilgebiet der vergleichenden Sprachwissenschaft eingegangen. Anschließend folgt ein Kapitel über den heutigen Sprachbundbegriff. Definitionen werden dargelegt und Sprachbünde vorgestellt, deren Existenz größtenteils nicht mehr bezweifelt werden.
Im letzten Abschnitt wird der Donausprachbund intensiv diskutiert. Die Ansichten des tschechischen Areallinguisten Vladimir Skalička werden präsentiert und es wird versucht die Frage nach der Daseins-Berechtigung dieses Sprachbundes zu beantworten.
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2. Begriffsdefinition Areallinguistik
Die vergleichende Sprachwissenschaft lässt sich in folgende fünf Teilbereiche unterteilen: die historisch-vergleichende, die kontrastive, die Kontaktlinguistik, die Sprachtypologie und die Areallinguistik. In dieser Arbeit wird ausschließlich der letztgenannte Punkt behandelt.
Die Hypothese, auf der die Areallinguistik beruht, besagt, dass sich Sprachen - die ursprünglich gar nicht miteinander verwandt oder nur entfernt miteinander verwandt waren - durch die geographische Nähe einander annähern können. Ziel der Areallinguisten ist es, gemeinsame Merkmale eben jener räumlich benachbarter Sprachen zu erkennen und diese zu Sprachbünden zusammenzufassen. Die Bereiche Geographie und Sprachwissenschaft verschmelzen hier also auf gewisse Weise ineinander.
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3. Die Entwicklung der Areallinguistik
Die Anfänge der Areallinguistik gehen auf den Prager Linguistenkreis 1 zurück, der 1926 von Vilem Mathesius, Roman Jakobson, Bohuslav Havránek, Jan Rypka, Bohumil Trnka, Jan Mukarovsky, Sergej Kavcevsky und Nikolai Trubetzkoy gegründet wurde 2 . In ihrer international erscheinenden Zeitschrift Travaux du Cercle Linguistique de Prague (TCLP) wurden bedeutende Abhandlungen im Bereich der funktionellen Linguistik publiziert, die europaweit auf Anerkennung stießen und die Sprachwissenschaft auf dem gesamten Kontinent maßgeblich beeinflussten. 3
Die Prager Schule war zudem der Ansicht, dass die bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts dominierende genetische Arbeitsweise zweifelsfrei zu einseitig war. In dieser machte man es sich relativ einfach, indem die Ähnlichkeiten in den unterschiedlichen Sprachen schlichtweg auf die genealogische Verwandtschaft zurückgeführt wurden. Der Linguistenkreis wollte deshalb erforschen, ob es aufgrund von gegenseitiger Beeinflussung zu Übereinstimmungen zwischen Sprachen kommen konnte. Die Geburtsstunde der Areallinguistik.
3.1. Nikolai Trubetzkoy
Das wohl bekannteste Mitglied des Prager Linguistenkreises war der Russe Nikolai Trubetzkoy. Der 1890 in Moskau geborene und 1938 in Wien verstorbene Linguist war es auch, der 1928 erstmals den Terminus Sprachbund benutzte (auf dem internationalen Linguistenkongress in Den Haag). Trubetzkoy war der Ansicht, dass in der Areallinguistik der Oberbegriff Sprachgruppe verwendet werden solle. Sprich: „Eine Gesamtheit von Sprachen, die miteinander durch eine erhebliche Zahl von systematischen Übereinstimmungen verbunden sind“. Diesen Ausdruck unterteilte er zudem in die Bereiche Sprachfamilie und Sprachbund. Sollten Sprachen nun in den Punkten systematische Lautentsprechungen, Übereinstimmung in der lautlichen Gestalt der morphologischen Elemente sowie gemeinsame Elementarwörter
1 Anmerkung: Auch unter dem Begriff Prager Schule bekannt
2 Vgl. http://books.google.de/books?id=1nIcf-
udslAC&pg=PA103&lpg=PA103&dq=prager+linguistenkreis&source=bl&ots=q4C4byg_8T&sig=pHkgzx3NEzBlVa
xU8Bqnp2anv24&hl=de&ei=aLhSTKGuA46POLS3zZ4O&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=6&ved=0CCw
Q6AEwBQ#v=onepage&q=prager%20linguistenkreis&f=false, [Aufruf: 30.07.2010]
3 Vgl. http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/unger/nsling/schulen.htm#Prager, [Aufruf: 30.07.2010]
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vollkommen ident sein, gehören sie laut Trubetzkoy zu einer gemeinsamen Sprachfamilie. Erfüllen die untersuchten Sprachen dabei jedoch nicht alle drei genannten Attribute, besitzen jedoch ungeachtet dessen "eine große Ähnlichkeit in syntaktischer Hinsicht, eine Ähnlichkeit in den Grundsätzen des morphologischen Baus, eine große Anzahl gemeinsamer Kulturwörter und manchmal auch äußere Ähnlichkeiten im Bestande der Lautsysteme", so sollen sie zu einem Sprachbund zusammengefasst werden. 4
Nikolai Trubetzkoy versuchte seine These anhand des Bulgarischen zu untermauern: Zum einen gehöre die Sprache neben dem Serbokroatischen, dem Russischen, dem Polnischen, etc. zur slawischen Sprachfamilie. Zum anderen jedoch auch - neben dem Neugriechischen, dem Albanischen und dem Rumänischen - zum Balkansprachbund. 5 Anzumerken ist an dieser Stelle, dass Trubetzkoy zwar der Erste war, der im Zusammenhang mit den Balkansprachen den Begriff Sprachbund verwendete, gemeinsame Merkmale wurden jedoch bereits weitaus früher ausgemacht: So erkannte der Slowene Kopitar schon zu Beginn des 19.Jahrhunderts, dass strukturelle Ähnlichkeiten (beispielsweise der postponierte Artikel oder die Futurbildung mittels „volo“) im Albanischen, Bulgarischen und Rumänischen zu finden seien. Auch der Österreicher Miklosich, der als Mitbegründer der wissenschaftlichen Slawistik gilt 6 , konnte überzeugend darlegen, dass in den genannten Sprachen Gemeinsamkeiten (beispielsweise das Fehlen des Infinitivs oder dem Zusammenfall von Dativ und Genitiv) vorhanden sind, die durch den gepaarten Kontakt mit einer Fremdsprache entstanden seien.
Spätere Areallinguisten kritisierten am Modell Trubetzkoys, dass er mit keinem Wort den Ursprung von Sprachfamilien und Sprachbünden erwähnte. Er gab zwar an, dass diese existieren, vergaß dabei jedoch zu erwähnen, wie sie entstanden sind. Zudem fehlte der Hinweis, dass die Sprachen eines Sprachbundes in benachbarten
4 Vgl. http://amor.rz.hu-berlin.de/~h1533b6a/Methodologie05_06/Trubetzkoy_KajtaSimanenka.pdf, [Aufruf: 30.07.2010]
5 Vgl.
http://books.google.de/books?id=E2HWdsvSRAwC&pg=PA3&lpg=PA3&dq=trubetzkoy+slawische+sprachfamili
e&source=bl&ots=gyS7xZRDsl&sig=C5omyiNyCuBKoVbmdVlrWQysphE&hl=de&ei=48hSTLfHFoOaOMn8rJ8O&s
a=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CB0Q6AEwAg#v=onepage&q&f=false, [Aufruf: 30.07.2010]
6 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Miklosich, [Aufruf: 31.07.2010]
Arbeit zitieren:
Bakk. Felix Zinser, 2010, Sprachbünde in Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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