Danksagung
Viele Menschen waren an der Entstehung dieser Arbeit beteiligt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich dabei unterstützt haben. Ich bedanke mich bei Herrn Prof. Dr. Rudolf Egger für die fachliche Betreuung und Unterstützung.
Ein großes Danke geht an die vier Interviewpartnerinnen für die Gesprächsbereitschaft und Offenheit mir gegenüber. Ohne sie hätte die Arbeit nicht in dieser Form realisiert werden können.
Bedanken möchte ich mich auch bei Lisa Zimmermann für das Korrekturlesen der Arbeit und die wertvollen Hinweise.
Ein Dank geht an die vielen Menschen aus der Freien Christengemeinde Graz, die sich immer wieder nach der Arbeit erkundigten, ihr Interesse zeigten und mich ermutigten.
Graz, September 2008 Karin Eck
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Abstract
Gesellschaftliche Veränderungen, eine höhere Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie veränderte Rollenvorstellungen haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass Frauenleben vielfältiger geworden sind und sich die Lebensentwürfe von Frauen jenen der Männer angeglichen haben. Dies gilt allerdings nur bis zur Geburt von Kindern. Durch die Geburt von Kindern werden Frauen in traditionelle Lebensmuster zurückgeworfen und die vielfach überwunden geglaubte Arbeitsteilung lebt wieder auf: der Mann ist der Ernährer und die Frau ist zuständig für die Familie. In dieser Arbeit werden Gründe für eine Retraditionalisierung sowie Auswirkungen auf das Leben von Frauen diskutiert. Im empirischen Teil der Arbeit wird der Frage nachgegangen, wie Frauen die Veränderung ihres Lebensverlaufes durch Mutterschaft erleben. Dafür wurden die Lebenswelten von vier Akademikerinnen mittels eines qualitativen Interviewverfahren untersucht.
Changes in Society along with more women receiving an education and joining the workforce have in the past decades resulted in changed perceptions of gender roles, with women having richer and more diverse lifestyles, having become much more similar to those of men. This is true up until the birth of the first child. With the advent of motherhood women find themselves back in the old role patterns and the traditional domestic division of labourwhich was thought to be a thing of the past - is suddenly revived: the man becomes the breadwinner and the woman assumes her responsibility for children and home. This thesis discusses the reasons for the retraditionalization of women’s roles and the resulting impacts on the lives of women. The empirical part explores how the changes in life brought on by motherhood are experienced in the lives of individual women. To explore the issue the lives of four university graduates were researched by qualitative interviews.
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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 7
1.1 PROBLEMSKIZZE UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT 7
1.2 AUFBAU DER ARBEIT 8
2 DIE VERÄNDERUNG WEIBLICHER LEBENSVERLÄUFE 10
2.1 SOZIOSTRUKTURELLE VERÄNDERUNGEN 10
2.2 BILDUNGSVERLÄUFE VON FRAUEN 12
2.3 ERWERBSTÄTIGKEIT 13
2.4 SELBSTVERSTÄNDNIS VON FRAUEN 15
3 MUTTERSCHAFT ALS WENDEPUNKT FÜR DIE WEIBLICHE BIOGRAFIE 20
3.1 TRADITIONELLE ARBEITSTEILUNG UND WERTHALTUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN 20
3.2 RETRADITIONALISIERUNG DURCH DIE GEBURT VON KINDERN 23
4 GRÜNDE FÜR RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE 28
4.1 DAS LEITBILD DER GUTEN MUTTER 28
4.1.1 BEGRIFFSDEFINITION 28
4.1.2 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DES MUTTERBILDES 29
4.1.3 EINSTELLUNGEN DER ÖSTERREICHERINNEN ZUR GUTEN MUTTER 32
4.2 MÄNNLICHES ROLLENVERSTÄNDNIS UND BETEILIGUNG DER VÄTER 35
4.2.1 MÄNNLICHES ROLLENVERSTÄNDNIS 36
4.2.2 BETEILIGUNG DER VÄTER IN HAUSARBEIT UND ERZIEHUNG 38
4.2.3 VÄTER ZWISCHEN BERUF UND FAMILIE 41
4.3 FAMILIENPOLITIK ALS ENTSCHEIDENDES STEUERUNGSINSTRUMENT 43
4.3.1 BEGRIFFSDEFINITION 43
4.3.2 FAMILIENPOLITIK IN SCHWEDEN VS. ÖSTERREICH/DEUTSCHLAND 44
4.3.3 FAMILIENPOLITIK UND DIE AUSWIRKUNGEN AUF WERTHALTUNGEN GEBURTENZAHLEN 47
4.4 KINDERBETREUUNGSMÖGLICHKEITEN 49
4.4.1 STRUKTUR DER KINDERBETREUUNG IN ÖSTERREICH 49
4.4.2 KINDERBETREUUNGSANGEBOT IN ÖSTERREICH 51
4.5 EINKOMMENSUNTERSCHIEDE ZWISCHEN MÄNNERN UND FRAUEN 55
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5 AUSWIRKUNGEN DER RETRADITIONALISIERUNGSEFFEKTE 60
5.1 AUSWIRKUNGEN AUFGRUND VON UNTERBRECHUNG DER ERWERBSTÄTIGKEIT 60
5.2 TEILZEITARBEIT ALS INSTRUMENT ZUR VEREINBARKEIT VON FAMILIE UND BERUF 63
5.3 AUSWIRKUNG AUF DIE WEITERBILDUNGSBETEILIGUNG 65
6 WIDERSPRÜCHE IM WEIBLICHEN LEBENSVERLAUF 68
7 METHODOLOGIE DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG 71
7.1 ZIEL UND FRAGESTELLUNG DER UNTERSUCHUNG 71
7.2 DAS QUALITATIVE INTERVIEWVERFAHREN 72
7.3 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW 74
7.3.1 INSTRUMENTE DES PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEWS 75
7.3.2 KOMMUNIKATIONSSTRATEGIEN IM PROBLEMZENTRIERTEN INTERVIEW 76
8 DIE DURCHFÜHRUNG DER DATENERHEBUNG 78
8.1 DIE ERSTELLUNG DES INTERVIEWLEITFADENS 78
8.2 KRITERIEN ZUR AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNERINNEN 79
8.3 KONTAKTAUFNAHME MIT DEN INTERVIEWPARTNERINNEN 80
8.4 DIE INTERVIEWS 81
8.5 MERKMALE DER INTERVIEWTEILNEHMERINNEN 82
9 DIE AUSWERTUNG DER DATEN 83
9.1 DIE TRANSKRIPTION 83
9.2 DAS ANALYSEVERFAHREN 84
10 DARSTELLUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 87
10.1 KURZE FALLBESCHREIBUNG DER INTERVIEWPARTNERINNEN 87
10.2 DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN ERGEBNISSE 90
10.2.1 BEDEUTUNG DER BERUFSTÄTIGKEIT 90
10.2.2 VERÄNDERUNG DES ALLTAGS 94
10.2.3 FAMILIALE ARBEITSTEILUNG 98
10.2.4 KINDERBETREUUNG 105
10.2.5 MUTTERBILDER 113
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10.2.6 LEBENSZIELE DER FRAUEN 118
10.3 ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION DER DATEN 121
10.3.1 BEDEUTUNG DER BERUFSTÄTIGKEIT 121
10.3.2 VERÄNDERUNG DES ALLTAGS 121
10.3.3 FAMILIALE ARBEITSTEILUNG 122
10.3.4 KINDERBETREUUNG 123
10.3.5 MUTTERBILDER 124
10.3.6 LEBENSZIELE DER FRAUEN 125
11 SCHLUSSBETRACHTUNG 127
12 VERZEICHNISSE 131
12.1 LITERATURVERZEICHNIS 131
12.2 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 138
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1 Einleitung
1.1 Problemskizze und Zielsetzung der Arbeit
In den letzten Jahrzehnten kam es zu weitreichenden Veränderungen im Leben von Frauen. Frauenleben sind vielfältiger geworden, ein selbstbestimmtes Leben und ein eigener Lebensentwurf sind für Frauen selbstverständlich geworden. Ebenso selbstverständlich sind für Frauen eine qualifizierte Ausbildung und die berufliche Unabhängigkeit geworden. Ein höheres Bildungsniveau sowie eine erhöhte Erwerbsbeteiligung haben zu neuen Rollenvorstellungen von Frauen geführt. Junge Frauen sehen sich als emanzipiert und Männern gleichgestellt, die Lebensverläufe von Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten jenen der Männer angeglichen.
Mit der Geburt von Kindern gehen die Lebensverläufe von Männern und Frauen jedoch weit auseinander. Denn spätestens hier leben Frauen wieder verstärkt traditionelle Lebensmuster. Die traditionelle familiale Arbeitsteilung, die den Mann als Ernährer ausweist und die Frau als zuständig für die Familie, lebt mit der Geburt von Kindern wieder auf, es kommt zu einer Retraditionalisierung. Frauen, die vormals beruflich unabhängig waren und selbständig Entscheidungen getroffen haben, finden sich vielfach in einem „Dasein“ für andere wieder.
Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit Hintergründen dieser Retraditionalisierungseffekte. Es soll gezeigt werden, welche Gründe für die Retraditionalisierung genannt werden können und welche Auswirkungen dies auf das Leben von Frauen hat. Das Ziel der empirischen Untersuchung ist ein Blick auf das subjektive Erleben von Akademikerinnen. Dabei soll untersucht werden, inwieweit sich das „eigene“ Leben von Frauen durch Mutterschaft verändert. Es wird die Frage gestellt, ob durch die Geburt von Kindern eine Retraditionalisierung der Lebensentwürfe stattfindet und es wird danach gefragt, wie Frauen die Veränderungen des Alltags für sich erleben.
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1.2 Aufbau der Arbeit
Zu Beginn des Theorieteils (Kapitel 2) wird dargestellt, welche Veränderungen in den Lebensverläufen von Frauen zu verzeichnen sind. Es werden Veränderungen auf soziostruktureller Ebene, auf der Ebene der Bildungs- und Erwerbstätigkeit aufgezeigt sowie das Selbstverständnis von Frauen hinsichtlich ihres Lebensentwurfes beschrieben. Mit Mutterschaft ist ein Umbruch im Lebensverlauf und in der Biographie von Frauen verbunden. Die familiale Arbeitsteilung und Rollenaufteilung verändern sich, Frauen leben verstärkt traditionelle Muster. Das dritte Kapitel beinhaltet eine Definition der traditionellen Arbeitsteilung sowie die Einstellungen der ÖsterreicherInnen zu dieser. Weiters wird auf den Prozess der Retraditionalisierung und dessen Bedeutung für die Frauen eingegangen. Es kann viele Gründe dafür geben, dass zum größten Teil Frauen in Karenz gehen bzw. Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen. Im vierten Kapitel werden ausführlich Gründe für Retradtionalisierungseffekte diskutiert. Dabei wird auf das Leitbild der guten Mutter sowie auf das Rollenverständnis der Männer als Väter näher eingegangen. Ebenso werden strukturelle und gesellschaftliche Faktoren wie die Familienpolitik, Kinderbetreuung und Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern betrachtet.
Aufgrund der Erwerbsunterbrechung entstehen Nachteile für Frauen. Kapitel 5 setzt sich mit Auswirkungen der Retraditionalisierungseffekte auf das Leben von Frauen auseinander. Dabei wird auf ökonomische Aspekte, auf Aspekte der Teilzeitarbeit und die Weiterbildungsbeteiligung eingegangen.
Im sechsten und letzten Kapitel des Theorieteils werden Widersprüche im Leben von Frauen thematisiert. Trotz der vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen kam es kaum zu Veränderungen im familiären Bereich. In diesem Kapitel sollen als Zusammenfassung des Theorieteils die widersprüchlichen Erwartungen und das Spannungsfeld gezeigt werden, in dem sich Frauen befinden, wenn sie Mütter werden.
An den Theorieteil der Masterarbeit schließt sich die empirische Untersuchung an. Für die Untersuchung wurde ein qualitatives Interviewverfahren gewählt. Grundpositionen und Instrumente des problemzentrierten Interviews werden in Kapitel 7 erläutert. In weiterer Folge wird die Durchführung der Datenerhebung beschrieben. Ihm Rahmen der Untersuchung wurden vier Frauen interviewt. Das achte Kapitel gibt einen Einblick in die
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Erstellung des Interviewleitfadens, Kriterien zur Auswahl der Interviewpartnerinnen und beschreibt die Durchführung der Interviews.
Das Datenmaterial wurde mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring analysiert. Kapitel 9 beschreibt die Technik der inhaltlichen Strukturierung. Im nächsten Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt. Anhand einer kurzen Fallbeschreibung der Interviewpartnerinnen werden diese vorgestellt. Danach folgt die Darstellung der Ergebnisse anhand der Kategorien des Interviewleitfadens. In einem nächsten Schritt werden die erhobenen Daten noch einmal zusammengefasst. Das letzte Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung der Masterarbeit. In einer Schlussbetrachtung werden die wichtigsten Ergebnisse dargestellt.
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2 Die Veränderung weiblicher Lebensverläufe
Für Frauen hat sich in den letzten Jahrzehnten ein tief greifender gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Das Selbstverständnis von Frauen, ihre Lebensperspektiven und Optionen sowie Rollenvorstellungen haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert. Frauenleben sind vielfältiger und komplexer geworden. Eine eindeutige Rollenfestlegung auf die der Ehefrau und Mutter ist dem Selbstverständnis einer eigenen Lebensperspektive gewichen.
Veränderungen finden sich sowohl auf soziostruktureller Ebene als auch im Bereich der Bildungs- und Erwerbsbeteiligung. Zu Beginn des Kapitels wird auf soziostrukturelle Veränderungen in der Gesellschaft eingegangen. In weiterer Folge wird beschrieben, wie sich Bildungsverläufe und die Erwerbstätigkeit von Frauen gestalten. Ein Blick auf die Vorstellungen von Frauen bezüglich Familie und Berufstätigkeit runden dieses Kapitel ab. Wenn im Folgenden auf Veränderungen eingegangen wird, so werden Veränderungen in Österreich und Deutschland dargestellt und ebenso Statistiken aus beiden Ländern eingearbeitet. Dies ist möglich, da sich die Situation in Österreich und Deutschland sehr ähnlich gestaltet.
2.1 Soziostrukturelle Veränderungen
Im familiären und öffentlichen Bereich sind Frauen in Deutschland seit 1977 den Männern rechtlich gleichgestellt. Bis 1977 war die Zuständigkeit der Frauen für Hausarbeit und Familie gesetzlich geregelt. Mit Einführung des Gesetzes konnten sich Frauen frei entscheiden, ob sie erwerbstätig sein möchten, sich in Ehe und Familie investieren oder beide Bereiche vereinbaren möchten. Die elterliche Sorge für die Kinder obliegt seitdem Vater und Mutter (vgl. Beck 1986, S. 165).
Die Mutterrolle ist nicht mehr Schicksal einer Frau, sie bestimmt nicht mehr über das Leben dieser. Durch die gestiegene Lebenserwartung der Frauen auf durchschnittlich 82,7 Jahre (vgl. Statistik Austria 2007, S. 4) verfügen diese heute über rund 35 Jahre, die nicht mit der traditionellen Mutterrolle ausgefüllt sind, das ist etwa ein Viertel der gesamten Lebenszeit. Eine Investition in Ehe und Mutterschaft wird für Frauen somit nur noch zu einer Investition in einen bestimmten Lebensabschnitt. Um ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes
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Leben führen zu können, ist für Frauen eine qualifizierte Ausbildung und berufliche Unabhängigkeit von Bedeutung, gerade im Hinblick auf die abnehmende Bedeutung der Mutterrolle (vgl. Henry-Huthmacher 2002, S. 10).
In Österreich erhöhte sich das Erstheiratsalter in den letzten 30 Jahren kontinuierlich. Während 1975 das mittlere Erstheiratsalter bei Frauen 22 Jahre und bei Männern 25 Jahre betrug, sind Frauen im Durchschnitt derzeit bei der Erstheirat 28,6 Jahre und Männer 31,4 Jahre alt (vgl. Statistik Austria 2007, S. 6). Gründe für das Hinausschieben der Eheschließung können in der Verbreitung neuer Lebensformen wie das Zusammenleben als unverheiratetes Paar, Alleinerzieherinnen und Single-Haushalte gesehen werden. Zudem bleiben Frauen länger im Bildungs- und Ausbildungssystem und konzentrieren sich zunächst auf einen erfolgreichen Berufseinstieg und den Aufbau einer unabhängigen Existenz. Österreich hat, wie andere hoch industrialisierte Länder auch, einen Geburtenrückgang zu verzeichnen. Von 1,53 Kindern pro Frau in den 1980er Jahren sanken die Geburten auf 1,38 Kindern pro Frau (vgl. Statistik Austria 2008, Statistiken Geburt). Ebenso wird die Familiengründungsphase zunehmend nach hinten verlagert, das durchschnittliche Alter der Frauen bei der Erstgeburt ist in den letzten Jahren angestiegen. Waren 1985 Frauen bei der ersten Geburt im Durchschnitt 24 Jahre alt, hat sich das das Erstgeburtsalter der Frauen im Jahr 2006 auf durchschnittlich 27,9 Jahre erhöht (vgl. Schipfer 2007, S. 13).
Abb. 1: Durchschnittslebensläufe der Bildungsmehrheiten 1960 und 2000 (vgl. Krüger
2006, S. 8)
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Abbildung 1 veranschaulicht, wie sich zwischen 1960 und 2000 die Eheschließung und die Geburt des ersten Kindes nach hinten verschoben haben. Wie bereits erwähnt, investieren Frauen wie auch Männer heute länger in die Ausbildung. Weiters zeigen sich Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Die sichere Erwerbskarriere auf Basis des gelernten Berufes ist nicht mehr gewährleistet. Laut Krüger hat dies zur Folge, dass sich immer weniger Männer die Ernährerrolle und Familiengründung zutrauen (vgl. Krüger 2006, S. 8).
2.2 Bildungsverläufe von Frauen
„Mädchen auf der Überholspur“. So lautete das Ergebnis der 15. deutschen Shell-Jugendstudie im Bereich Bildung. Demnach zeigt sich, dass „junge Frauen im Bereich der Schulbildung die jungen Männer überholt [haben] und auch zukünftig häufiger höherwertige Bildungsabschlüsse an[streben]“ (Deutsche Shell 2006, Jugendstudie 2006). 2006 planten 55% der befragten Mädchen das Abitur als Schulabschluss, hingegen nur 47% der Jungen. Nimmt man Abitur und Fachholschulreife zusammen - beides Abschlüsse, die in Deutschland ein Studium ermöglichen - ergibt sich ein Bild von 59% der Mädchen und 53% der Jungen, die diese Abschlüsse anstreben.
Abb. 2: Mädchen auf der Überholspur (vgl. Deutsche Shell 2006)
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Auch in Österreich ist das Bildungsniveau der Frauen in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen als jenes der Männer. Die Bildungsexpansion in den 1960er Jahren trug dazu bei, dass den breiten Bevölkerungsschichten der Zugang zum Bildungswesen eröffnet wurde. Somit konnte ein nachhaltiger Strukturwandel eingeleitet werden. Hatten 1971 noch 5% der Frauen einen Matura-Abschluss, waren es 2006 bereits 14%. Bei den Männern stieg der Abschluss der Matura von 7% auf 14% und liegt damit gleich hoch wie bei den Frauen (vgl. Statistik Austria 2007, S. 12).
Beim Zugang zum Universitätsstudium an wissenschaftlichen Universitäten und Universitäten der Künste haben Frauen seit den 1960er Jahren ebenso massiv aufgeholt. Im Studienjahr 1960/61 waren noch 25,9% der Studierenden weiblich. 2005/06 betrug der Frauenanteil der Studierenden bereits 53,6% (vgl. Statistik Austria 2007, S. 66). Prinzipiell stehen beiden Geschlechtern alle Ausbildungsrichtungen offen, in den berufsbildenden Schulen und der Lehrlingsausbildung ist aber eine starke geschlechtsspezifische Segregation erkennbar. Auch bei der Studienwahl zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen favorisieren weiterhin die Geisteswissenschaften: 2004/2005 waren 71% der AbsolventInnen in den Geisteswissenschaften weiblich. Technische Studiengänge hingegen werden weiterhin von Männern dominiert: 2004/05 waren 81% der Studienabgänger männlich (vgl. ebd., S. 15). Für Frauen ist zwar innerhalb der letzten Jahrzehnte eine Orientierung auf den Beruf sowie Bildung selbstverständlich geworden, weder von den Frauen selbst, noch von der Gesellschaft wird dies in Frage gestellt. Allerdings zeigt sich in der Berufswahl, dass sich die geschlechtsspezifische Segmentierung der Arbeitswelt hartnäckig hält und Frauen sich weiterhin für „frauentypische“, oft schlechter bezahlte, Berufe entscheiden. Welche Folgen das für Frauen haben kann, darauf wird in dieser Arbeit in späterer Folge eingegangen.
2.3 Erwerbstätigkeit
Die Erwerbsbeteiligung der Frauen, besonders die Erwerbsbeteiligung von Müttern, ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Es konnte in den letzten Jahrzehnten bei den Frauen nahezu aller Bildungsstufen eine stark zunehmende Erwerbsbeteiligung beobachtet werden. Die erhöhte Erwerbsbeteiligung macht deutlich, wie sehr sich die Frauenrolle in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat.
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Während sich in Österreich die Erwerbsquote der Männer (bezogen auf die Wohnbevölkerung im Alter von 15-64 Jahren) von 1981 bis 2001 leicht verringerte, kam es für die Frauen in dieser Zeit zu einem Anstieg. 1981 lag die Erwerbsquote für Frauen bei 54% und stieg 2001 auf über 60% an (vgl. Abb. 3). Fünf Jahre später erhöhte sich die Erwerbsquote für Frauen weiter und lag bei 64%, im Vergleich zu 77% bei den Männern (vgl. Statistik Austria 2007, S. 18).
Abb. 3: Veränderung der Erwerbsquoten (vgl. Wernhart/Neuwirth 2007, S. 8) Dass auch Mütter stärker am Erwerbsleben teilhaben wird daraus ersichtlich, dass 2006 76% der Frauen (im Alter von 15 bis 59 Jahren) mit Kindern erwerbstätig waren. Im Vergleich dazu waren es 1971 erst 44% (vgl. Statistik Austria 2007, S. 20). Verändert hat sich in den letzten Jahrzehnten auch die Struktur der weiblichen Erwerbstätigkeit. 1951 arbeiteten noch mehr als ein Drittel der erwerbstätigen Frauen als Bäuerinnen oder als mithelfende Familienangehörige in der familieneigenen Landwirtschaft, 2006 waren es nur noch 5%. Im selben Zeitraum erhöhte sich der Anteil der unselbständig erwerbstätigen Frauen von 55% auf 89%. Der Anteil der Arbeiterinnen verringerte sich von 37% auf 20%, 69% aller erwerbstätigen Frauen waren 2006 Angestellte oder Beamtinnen (1951: 17%). 81% der erwerbstätigen Frauen arbeiteten 2006 im Dienstleistungssektor (vgl. Statistik Austria 2007, S. 25f.).
Obwohl die Erwerbsbeteiligung von Frauen zugenommen hat, kommen noch immer bestehende unterschiedliche Hierarchieebenen von erwerbstätigen Männern und Frauen bei
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der Betrachtung des Frauenanteils zustande. Generell kann gesagt werden, dass mit steigender beruflicher Qualifikation der Frauenanteil abnimmt. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass es z.B. bei AkademikerInnen trotz gleicher Bildungschancen zu hierarchischen Unterschieden kommt. Während 39% der Frauen mit Universitätsabschluss in hochqualifizierten oder führenden Positionen in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Dienst tätig sind, finden sich 55% der (männlichen) Absolventen in diesen Positionen wieder (vgl. Statistik Austria 2007, S. 29f.).
An Universitäten sind Frauen als Lehrende unterrepräsentiert, auch wenn der Anteil an Studentinnen mittlerweile höher ist als der der Studenten. Auch hier gilt: Je höher in der Hierarchie, umso geringer der Frauenanteil. Zwar ist der Frauenanteil an Lehrenden von 13,5% (1960/61) auf 28,5% (2005/06) gestiegen. Der Anteil der Universitätsprofessorinnen ist jedoch nur von 2% im Studienjahr 1960/61 auf 14% im Studienjahr 2005/2006 gestiegen (vgl. Statistik Austria 2007, S. 66).
Diese Zahlen zeigen, dass sich für Frauen sehr viel verändert hat und dass Frauen Zugang zu Bildung und Beruf haben und diesen nutzen. Aber sie zeigen auch, dass es - trotz juristischer Gleichheit - noch lange dauern wird, bis eine berufliche Gleichstellung beider Geschlechter erreicht ist.
Welche Bedeutung hat die Erwerbstätigkeit für den weiblichen Lebenslauf? Für Frauen bedeutet dies einerseits finanzielle Unabhängigkeit. Das selbstverdiente Geld erlaubt die Erfüllung eigener Wünsche und Pläne. Im Gegensatz zur unbezahlten Hausarbeit zeigt die Erwerbstätigkeit den Wert der eigenen Leistung unmittelbar auf. Wenn Frauen zum Haushaltseinkommen beitragen, wird ihre Position in familialen Entscheidungsprozessen gestärkt. Andererseits finden sich positive Auswirkungen auf persönlicher Ebene, Frauen erhalten Selbstbestätigung und Selbstbewusstsein. Nicht zu unterschätzen ist auch die „Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, das Gefühl, etwas „Sinnvolles“ zu tun (vgl. Beck-Gernsheim 2006, S. 93).
2.4 Selbstverständnis von Frauen
Die Veränderungen in Bildung und Beruf haben das Selbstverständnis junger Frauen beeinflusst. Diese haben ein anderes Bild von sich selbst als noch ihre Mütter. Ergebnisse der Deutschen Shell Jugendstudie aus dem Jahr 2000 zeigen, dass sich Frauen in der
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heutigen Zeit als emanzipiert und Männern gleichgestellt sehen. Sie sind ehrgeizig und selbstbewusst. „Karriere machen“, „sich selbständig machen“ und „Verantwortung übernehmen“ ist für sie ebenso wichtig wie für junge Männer (vgl. Keddi 2004, S. 378). Dies bestätigt auch ein Artikel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ mit dem Titel „Mein Kopf gehört mir“, in welchem ein Bild von progressiven jungen Frauen gezeichnet wird. In der Einleitung heißt es: „Sie sind pragmatischer als ihre Mütter, sie sind ehrgeiziger, zielstrebiger, gebildeter als die Männer. Sie glauben nicht mehr an die Versorgung durch die Ehe, sondern an den Erfolg. Eine junge Frauengeneration macht sich auf den Weg an die Macht - und lässt die Männer hinter sich“ (Supp et.al 2007, S. 56). In diesem Artikel wird diese neue Generation von jungen Frauen als Alpha-Mädchen - im Englischen „Alpha Girls“bezeichnet. Dieser Ausdruck geht zurück auf Dan Kindlon, einen Kinderpsychologen an der Harvard Universität, der 2006 ein gleichnamiges Buch über eine neue Generation von jungen amerikanischen Frauen geschrieben hat.
„Alpha Girls“ sind für Kindlon junge Frauen mit Führungsqualitäten. Ein „Alpha Girl“ ist seiner Definition nach talentiert, hochmotiviert und selbstbewusst. Es fühlt sich nicht beeinträchtigt durch das Geschlecht, sondern definiert sich zuerst als Person und dann als Frau. Themen wie „sex“ (Anm.d.Verf.: biologisches Geschlecht) und „gender“ (Anm.d.Verf.: soziales Geschlecht), Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Dominanz und Unterordnung sind für ein „Alpha Girl“ nicht von Belang dafür, wie es sich selbst in der Welt sieht und seine Rolle in der Welt einnimmt (vgl. Kindlon 2006, S. xvi). Selbstbewusst gehen „Alpha Girls“ davon aus, dass ihre Leistungen zählen und dass sie anerkannt werden (vgl. Kindlon 2006, S. 177). Dass sich dieser Trend auch in Deutschland niederschlägt, zeigt eine Umfrage des Magazins „Der Spiegel“: 376 Frauen zwischen 18 und 29 Jahren wurden nach ihren Lebensentwürfen befragt. Danach möchten 81 Prozent beruflich mehr erreichen als ihre Mütter. Was die partnerschaftliche Aufgabenteilung betrifft, ist es für 96 Prozent der Frauen sehr wichtig, dass sich Frau und Mann die Arbeit im Haushalt und bei der Kindererziehung möglichst gerecht teilen (vgl. Supp et al. 2007, S. 66). Es bleibt abzuwarten, ob es den jungen Frauen tatsächlich gelingen wird, ihre Vorstellungen einer gleichberechtigten familialen Arbeitsteilung umzusetzen.
Als Folge der strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft hat sich die Lebensplanung von Frauen in den letzten Jahrzehnten verändert. Beruf und Familie, und die Vereinbarung beider Bereiche, sind für Frauen selbstverständlich geworden. Frauen möchten beides. Aber
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welche Vorstellungen haben Frauen von Beruf und Familie? Was bedeuten ihnen diese Bereiche? Welche Wünsche haben Frauen hinsichtlich ihres Lebensentwurfes? Die eigene Berufstätigkeit ist für Frauen selbstverständlich geworden. Erwerbstätig zu sein bedeutet nicht nur finanzielle Unabhängigkeit, sondern auch die Verwirklichung der Persönlichkeit. Für 84% der Frauen bedeutet der Beruf persönliche Unabhängigkeit, 58% der Frauen möchten sich durch den Beruf persönlich verwirklichen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006, S. 6). Frauen möchten sich aber nicht ausschließlich auf ihre berufliche Karriere konzentrieren, Familie und Kinder spielen noch immer eine große Rolle. Im Konfliktfall hat für 67% der Frauen die Familie Vorrang vor dem Beruf. Nur noch 5% der Frauen können sich vorstellen, auf Dauer ausschließlich Hausfrau und Mutter zu sein (vgl. Abb. 4).
Abb. 4: Was Frauen über Familie und Beruf denken (vgl. BMFSFJ, Monitor
Familienforschung 2006, S. 6)
In der Shell-Jugendstudie aus dem Jahr 2006 stellte Klaus Hurrelmann fest, dass 80% der jungen Frauen in Deutschland später Beruf und Familie vereinbaren möchten. Betreffend der Bereitschaft der Geschlechter, sich auf ein flexibles Rollenmodell einzulassen, stellte er allerdings auch fest, dass diese Bereitschaft bei Männern und Frauen unterschiedlich ausgeprägt ist. Klaus Hurrelmann nennt dies die ‚40/80 Katastrophe’: Mehr als die Hälfte der jungen Männer wünschen sich eine traditionelle Partnerschaft mit einer Ehefrau, die ihnen später den Rücken freihält. Nur 40 Prozent der Männer können sich eine Partnerschaft mit einer gleichberechtigten Aufgabenteilung vorstellen. Wenn aber 80 Prozent junger Frauen mit einer Vorstellung einer modernen Partnerschaft auf 40 Prozent junger Männer mit einer Vorstellung einer traditionellen Partnerschaft aufeinandertreffen, stellt sich die Frage, was die
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anderen 40 Prozent ohne modernen Mann machen. Klaus Hurrelmann ist der Meinung, dass sich ein paar Frauen zu einem traditionellen Lebensmodell ‚hinüberziehen lassen’, die meisten sich aber auf ihren Beruf und die Karriere konzentrieren werden. Fraglich hierbei ist, wie haltbar Ehen mit solch unterschiedlichen Werten und Einstellungen sind (vgl. Hurrelmann, zit.n. Supp et al. 2004, S. 69f.).
Eine Studie von Gabriele Körner zu Berufswahl, Lebensentwurf und Geschlecht bestätigte, dass Frauen und Männer hinsichtlich Familie und Vereinbarkeit unterschiedliche Vorstellungen haben. Gabriele Körner befragte 101 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 zu ihrer Berufswahlentscheidung und ihrem Lebensentwurf. Die jungen Männer, die sie befragte, „wünschen sich zwar größtenteils eine Familie, machen sich aber keine Gedanken darüber, wie sie beide Bereiche miteinander vereinbaren können. Sie gehen davon aus, dass ihre Partnerin die Familienaufgaben übernimmt, und sie ununterbrochen berufstätig sind, auch wenn sie verbal Offenheit für andere Arrangements der Arbeitsteilung signalisieren“ (Körner 2006, S. 152). In diesem Zusammenhang sprach Ulrich Beck bereits 1986 von einer „verbalen Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre der Männer“ (Beck 1986, S. 169).
In ihrer Studie stellte Gabriele Körner fest, dass Frauen trotz Bildungsexpansion und selbstverständlicher Berufstätigkeit einem traditionellen Muster in der Familie folgen. Demnach möchte die Hälfte der befragten jungen Frauen an der klassischen Rollenteilung in der Familie festhalten. Für die Erziehung der Kinder wird die Mutter als Hauptverantwortliche gesehen, besonders, wenn die Kinder klein sind. Allerdings möchte auch keine Frau vollständig auf den Beruf verzichten. Die andere Hälfte der Befragten äußerte den Wunsch nach partnerschaftlichen Absprachen über die Rollenteilung in der Familie. Diese Frauen waren der Meinung, dass Mütter nicht automatisch für die Kinder zuständig sind, sondern dass Rollenteilung die Betreuung der Kinder ausgehandelt werden können (vgl. Körner 2006, S. 152). Dieses Ergebnis deckt sich nicht mit der Deutschen Shell-Jugendstudie, wonach 80% der jungen Frauen ein flexibles Rollenmodell anstreben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gesellschaftliche Entwicklung zu einer Pluralisierung der weiblichen Lebensentwürfe geführt hat. Die rechtliche Gleichstellung hat dazu beigetragen, dass Frauen - zumindest theoretisch - gleiche Chancen wie Männer haben. Die Bildung betreffend sind Frauen dabei, die Männer zu überholen. Die Erwerbsbeteiligung der Frauen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen.
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Weibliche Lebensverläufe haben sich in Bezug auf Bildung, Erwerbstätigkeit, finanzielle Unabhängigkeit an jene der Männer angenähert. Eine Ehe ist für Frauen nicht mehr ein Grund, um auf Erwerbstätigkeit zu verzichten. All dies gilt aber nur für eine bestimmte und begrenzte Lebensphase: die Zeit vor der Geburt eines Kindes. Das nächste Kapitel befasst sich mit der Fragestellung, in welcher Hinsicht sich das Leben von Frauen durch die Geburt von Kindern verändert.
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3 Mutterschaft als Wendepunkt für die weibliche
Biografie
Wird eine Frau Mutter, ist dieser Prozess mit weitreichenden Änderungen verbunden. Nach Martin Textor (2002, S. 36) bedeutet Mutterschaft „ein zentraler, einzigartiger Wendepunkt im weiblichen Lebenslauf (…), ein radikaler Umbruch in der Biographie von Frauen“. Diese Veränderung findet auf mehreren Ebenen statt, auf der biologischen, psychischen und sozialen Ebene, und kann daher von ganz unterschiedlichen Standpunkten heraus betrachtet werden (ebd.). Im vorherigen Kapitel wurden eine Veränderung der Lebensverläufe von Frauen und die damit einhergehende Angleichung der Geschlechter beschrieben. In diesem Kapitel soll es besonders darum gehen, wie die Geburt von Kindern die familiale Arbeitsteilung und die Rollenaufteilung der Geschlechter verändert und welche Bedeutung diese Veränderung für die Frauen hat. Auf die biologischen und psychischen Veränderungen der Frauen durch Mutterschaft wird hierbei nicht eingegangen.
3.1 Traditionelle Arbeitsteilung und Werthaltungen der
ÖsterreicherInnen
Die familiale Arbeitsteilung in Österreich hat sich in den letzten zwanzig Jahren von einer traditionellen Arbeitsteilung zu einer partnerschaftlicheren Arbeitsteilung weiterentwickelt. Gisela Notz (2004, S. 421) definiert traditionelle Arbeitsteilung wie folgt: „In den Hausarbeitsverhältnissen werden, privat und meist isoliert, unbezahlte Arbeiten verrichtet, die der eigenen Reproduktion, der des Ehepartners, der Erziehung und Sorge der Kinder sowie der Pflege und Betreuung kranker, behinderter und alter Familienangehöriger dienen. Die traditionelle geschlechtshierarchische Arbeitsteilung der kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaft weist Männern immer noch in erster Linie die Erwerbsarbeit zu, während ihnen die Hausarbeit von Frauen (je nach Lebenssituation von Müttern, Töchtern, Schwiegertöchtern oder anderen weiblichen
Familienangehörigen, Freundinnen, Ehefrauen) abgenommen wird“.
In der traditionellen Arbeitsteilung sind die Frauen für die Erziehungsarbeit der Kinder sowie für die Pflegearbeit für alte, kranke und behinderte Menschen zuständig. Sie sind ebenso für die Hausarbeit verantwortlich. Dabei handelt es sich um unbezahlte Arbeiten. Die Frau erhält
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ihren Lohn über Dritte, in diesem Fall über ihren Ehemann. Dies impliziert eine finanzielle und in weiterer Folge eine mögliche persönliche Abhängigkeit vom Partner. Der Mann hingegen wird in der traditionellen Arbeitsteilung auf die Erwerbsarbeit verwiesen. Ist er nicht verheiratet, so wird ihm in der Regel die Hausarbeit von anderen Personen abgenommen. Bis 1977 war die traditionelle Arbeitsteilung in Deutschland gesetzlich geregelt. Nach § 1356 des Bundesgesetzbuches galt: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist“. Seit dem 1.7.1977 gilt mit der Veränderung des § 1356 folgendes: „Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen. Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung“ (vgl. Nave-Herz 1992, S. 25). Eine partnerschaftliche Aufgabenteilung ist seitdem gesetzlich geregelt. Kritisch anzumerken ist, dass, auch wenn dieses Gesetz ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, es doch fraglich ist, inwieweit dies die familiale Arbeitsteilung beeinflussen kann. Weiters ist fraglich, inwieweit dieses Gesetz kulturelle Leitbilder und Rollenvorstellungen verändert oder ob sich diese Vorstellungen nicht hartnäckig halten.
In Österreich ist es in den letzten zwanzig Jahren zu einer veränderten Einstellung gegenüber der traditionellen Arbeitsteilung gekommen, die Zustimmung zu dieser hat stark abgenommen. 1988 stimmten noch 59% der in einer Partnerschaft lebenden Männer und 62% der in einer Partnerschaft lebenden Frauen dieser Form der Arbeitsteilung zu. Bis 2002 waren nur noch 37% der Männer, die in einer Partnerschaft lebten, der Meinung, dass es die Aufgabe des (Ehe-) Mannes sei, Geld zu verdienen und die der (Ehe-) Frau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Bei den in einer Partnerschaft lebenden Frauen fanden sich nur noch 26%, die diesem Rollenmodell zustimmten (vgl. Abbildung 5).
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Abb. 5: Die Aufgabe des (Ehe-) Mannes ist es, Geld zu verdienen, die der (Ehe)-Frau,
sich um Haushalt und Familie zu kümmern (vgl. Wernhart/Neuwirth 2007, S. 9) Dies macht deutlich, dass Männer und Frauen vermehrt ein partnerschaftliches Modell leben möchten. Allerdings muss betont werden, dass es sich bei vorliegender Abbildung um die Einstellungen und Werthaltungen der ÖsterreicherInnen handelt. In der Realität werden diese Einstellungen oft nicht umgesetzt bzw. Rollen anders aufgeteilt. Dies wird in weiterer Folge der Arbeit immer wieder erkennbar werden. Aber die Werthaltungen machen dennoch deutlich, dass die Versorgerehe, in der der Mann auf Dauer die ökonomische Basis für seine Ehefrau und Kinder sichert, für Frauen und Männer kein lebbares Modell mehr darstellt. Die Einstellungs- und Wertestudie des Österreichischen Instituts für Familienforschung von 2004 zeigt, wie sich in Österreich die berufliche Situation von Männern und Frauen nach der Geburt von Kindern gestaltet. 95% der Männer haben ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes weiter fortgeführt. Bei Frauen zeigt sich ein viel differenzierteres Bild. 17% der Frauen waren vor der Geburt nicht berufstätig, 9% haben ihre Erwerbstätigkeit nicht unterbrochen, 6% der Frauen befanden sich zum Zeitpunkt der Untersuchung im Mutterschutz, 15% unterbrachen ihre Erwerbstätigkeit bis zu 1 Jahr, 19% bis zu 2 Jahren, 9% bis zu 3 Jahren und 25% unterbrachen ihre Erwerbstätigkeit länger als 3 Jahre (vgl. Abb. 6).
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Abb. 6: Unterbrechung der Berufstätigkeit beim jüngsten Kind (nach Geschlecht) (vgl.
Kapella/Rille-Pfeiffer 2007, S. 23)
Die Konsequenz daraus ist, dass, auch wenn Paare vor der Familiengründung partnerschaftlich und weniger traditionell handeln, sich das partnerschaftliche Handeln nach der Geburt eines Kindes meist nicht fortsetzt und durch die Geburt von Kindern die traditionelle Arbeitsteilung in der Familie wieder auflebt.
3.2 Retraditionalisierung durch die Geburt von Kindern
Wenn Paare Eltern werden, dann bedeutet dies in aller Regel für die Frauen, dass sie ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder reduzieren (vgl. Abb. 6) sowie überwiegend für Hausarbeit und Kinder zuständig sind. Väter wiederum engagieren sich verstärkt im Beruf; in der Familie übernehmen sie eher eine randständige, unterstützende Funktion (vgl. Fhtenakis/Kalicki/Peitz 2002, S. 97). Auf Väter und ihre Beteiligung an Erziehung der Kinder und Haushalt wird in Kapitel 4 näher eingegangen.
Während früher Frauen die Erwerbstätigkeit aufgrund einer Eheschließung aufgaben, unterbrechen sie heute ihre Erwerbstätigkeit erst aufgrund der Geburt von Kindern. Nicht mehr die Ehe, sondern die Geburt von Kindern verändert somit den Lebensverlauf von Frauen. Wolfgang Lauterbach sieht in der Geburt von Kindern eine Grenze in der
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Angleichung der Geschlechter. Seiner Meinung nach hat die Ehe kaum noch eine Bedeutung für den Erwerbsverlauf von Frauen, entscheidend wirkt sich die Geburt von Kindern auf diesen aus (vgl. Lauterbach 1994, S. 249f.).
Durch die Angleichung der Lebensverläufe von Frauen und Männern erleben Frauen die Geburt von Kindern anders als noch Frauen der früheren Generationen. Es werden aus „mehr oder weniger ‚Gleichgewordenen’ wieder Ungleiche“. Dies führt für Frauen zu einer grundlegenden Veränderung auf der subjektiven Ebene. Es kommt zu Veränderungen hinsichtlich der Alltagsgestaltung, der Erfahrungsmöglichkeiten und der Arbeitsverrichtungen. Die Familiengründung wird somit zu einem Wendepunkt sowohl für die weibliche, aber auch für die männliche Biographie (vgl. Rerrich 1990, S. 116). Maria S. Rerrich ist der Meinung, dass noch sehr wenige Frauen ihre traditionelle Verantwortung für die Kindererziehung in Frage stellen, auch wenn sie bereits stärker auf den Beruf hin orientiert waren. Auch sie ist der Meinung, dass durch die Geburt von Kindern Frauen in traditionelle Lebensmuster zurückgeworfen werden, auch wenn vor Beginn der Elternschaft mehrheitlich eine egalitäre Einstellung zur familialen Arbeitsteilung besteht. Wo Kinder sind, lebt ihrer Meinung nach die überwunden geglaubte Arbeitsteilung wieder auf: der Mann ist der Ernährer, die Frau ist zuständig für die Familie. Rerrich formulierte dazu drastisch: „Nach der Geburt von Kindern gilt meist noch: Männer haben Familie, Frauen leben Familie“ (Rerrich 1990, S. 167).
Allerdings stellt sie auch fest, dass die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Frau und Mann in der heutigen Zeit nur noch ein „befristetes Arrangement“ ist, das sich auf die Zeit der Erziehung der Kinder beschränkt. Die Phase der traditionellen Arbeitsteilung endet ihrem Erachten nach, wenn die Kinder mündig geworden sind (vgl. Rerrich 1990, S. 125). Dies widerspricht anderen Untersuchungen, die zeigen, dass sich die Rollenaufteilung allmählich verfestigt (vgl. Beck-Gernheim 2006, S. 140). Wenn die Kinder mündig geworden sind oder das Haus verlassen, haben Frauen wieder mehr Freiheiten, aber dennoch können Strukturen bis dorthin so stark verfestigt sein, dass Frauen (und Männer) diese gar nicht mehr hinterfragen. Auf jeden Fall scheint eine Neuverhandlung über die Aufgabenteilung unumgänglich.
Gisela Notz und Solveig Braecker kamen in ihrer Studie zur „Arbeitsteilung zwischen Mutter und Vater bei der Geburt des ersten Kindes“ zu dem Ergebnis, dass sich die Arbeitsteilung im Haushalt bei fast allen Paaren unversehens änderte, sobald sich die Frauen im
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Erziehungsurlaub 1 befanden. Auch wenn die Paare vor der Geburt eine egalitäre Einstellung zur Arbeitsteilung hatten, sind Frauen hauptsächlich für die Haushaltsführung verantwortlich. In den von Notz/Braecker durchgeführten Interviews äußerten sich manche Männer zur Arbeitsteilung nach der Geburt von Kindern folgendermaßen: „Die Absprachen, die vorher waren, gelten jetzt nicht mehr“, oder „Sie ist ja sowieso den ganzen Tag zu Hause“. Von einigen Frauen waren die Aussagen zu hören: „Der denkt, wenn ich zu Hause bin, soll ich das machen“, oder „Ich hab’ ja nun Zeit, da werd’ ich doch nicht sagen, die Hälfte lass’ ich liegen bis abends“, oder: „Die Arbeitsteilung sieht so aus, dass ich das Meiste mache und vieles liegen bleibt“, bzw.: „Inzwischen mache ich alles, am Anfang hat er noch eingekauft“ (Notz/Braecker 1989, S. 123f.). Die letzte Aussage macht deutlich, dass die Retraditionalisierung prozesshaft vor sich geht und dass sich die traditionelle Arbeitsteilung erst mit der Zeit verfestigt. Das heißt, dass die Aushandlungsprozesse der Paare über die Aufgabenteilung besonders vor bzw. kurz nach der Geburt stattfinden müssen, da sich sonst Prozesse verfestigt haben, die schwer zu verändern sind. Finden diese Aushandlungsprozesse nicht statt, besteht die Möglichkeit, dass sich Frauen in einer Lebenssituation wieder finden, für die sie sich nicht bewusst entschieden und die sie so nicht gewollt haben.
Die Geburt von Kindern hat eine unterschiedliche Bedeutung für Frauen und Männer. Für Frauen bedeutet die Geburt eines Kindes „den Bruch der Kontinuität mit dem bis dahin gelebten Alltag und eine verstärkte Abhängigkeit vom Partner, weil sie, wenn auch nur für die Zeit des Erziehungsurlaubs, die Berufsarbeit aufgeben oder zumindest reduzieren müssen“ (Notz/Braecker 1989, S. 121). Die Zuständigkeit für die Organisation und Koordination der Reproduktionsarbeit fällt in ihren Bereich, sie müssen sagen, was getan werden muss: „Die Kinderbetreuung oder der Versuch, Erwerbsarbeit und Erziehungsarbeit miteinander zu verbinden, lastet nach wie vor auf den Schultern der Mütter“ (ebd.). Männer hingegen „richten sich auf ein Leben mit einem ‚Normalarbeitstag’ (volle Stelle) ein. Einige Väter verändern ihre Einstellung zur Erwerbsarbeit nach der Geburt des Kindes. Sie akzeptieren die Verdichtungen der Erwerbsarbeit, um den während des Erziehungsurlaubs fehlenden Verdienst der Frau durch ihre eigene Arbeitsleistung auszugleichen. Dies tun sie, um die durch das Kind aufgetretenen neuen finanziellen Belastungen bewältigen zu können. (…) So erbringen sie verstärkte Anstrengungen im Erwerbsarbeitsbereich und arbeiten länger, um ihrer Familie die Lebensbedingungen zu schaffen, die sie braucht“ (ebd., S. 122).
1 In Deutschland wurde die Zeitspanne, die der Betreuung und Erziehung der Kinder dient, bis 2004
als Erziehungsurlaub bezeichnet; seit 2004 wird der Begriff der Elternzeit verwendet. In Österreich
wird diese Phase als Karenz bezeichnet.
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Somit wird deutlich, wie sich durch die Geburt eines Kindes die Lebensverläufe von Männern und Frauen auseinander entwickeln. Während vor der Geburt eine Angleichung der Lebensverläufe stattgefunden hat, differieren die Lebensverläufe durch die Geburt von Kindern, die Frau wird wieder verstärkt nach innen verwiesen, der Mann nach außen, in die Erwerbstätigkeit, zur ökonomischen Absicherung der Familie. Die Verdichtung der Berufsarbeit des Mannes, um die finanziellen Verluste der Berufsunterbrechung der Frau sowie die gestiegenen Lebenskosten auszugleichen, trägt dabei besonders zur Retraditionalisierung bei.
Oben erwähnte Ausführungen zur Retraditionalisierung stammen aus dem Jahr 1989. Dass sich an der Situation wenig verändert hat, lassen Daten aus dem Jahr 2006 erkennen. Laut ExpertInnen des „Siebten Familienberichts“ verlangt der Übergang zu Mutterschaft für Frauen
„Verschiebungen in den bis dahin entwickelten Prioritäten … Die Lebensgestaltung von Frauen [wird] durch die Familiengründung wesentlich stärker verändert als die der Männer. Während sich der Alltag der Väter durch die Geburt des ersten Kindes nur wenig verändert - insbesondere setzen sie ihre berufliche Tätigkeit weitgehend unverändert fort - erleben die Frauen eine umfassende Umstrukturierung ihres Alltags, die nahezu alle Lebensbereiche betrifft … [Auch heute noch] gilt, daß die Realisierung des Kinderwunsches … vorrangig den weiblichen Lebenslauf durcheinander schüttelt und den männlichen vorrangig erwerbsorientierten stabilisiert“ (vgl. Siebter Familienbericht 2006, S. 78f. zit.n. Beck-Gernsheim 2006, S. 139f.).
Vor dem Hintergrund der veränderten Bedingungen der Lebensverläufe von Frauen (vgl. Kapitel 2) wird deutlich, warum die Familiengründung ein stärkerer Einschnitt in die Biographie von Frauen darstellt als noch für ihre Mütter oder Großmütter. Finanzielle Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung, das Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben, sowie das Leitbild der Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen - dies gehört wie selbstverständlich zu ihrem Leben. Durch die Geburt von Kindern weicht die freie Zeiteinteilung einer Dauerverantwortung für das Kind und nicht selten finden sich Mütter isoliert in Neubausiedlungen am Stadtrand wieder. Der Übergang in traditionelle Familienstrukturen wird zu einem biographischen Risiko. Die Geburt von Kindern bedeutet für Frauen eine ungewisse langfristige Lebensperspektive sowie der Verzicht auf eine eigenständige ökonomische Absicherung (vgl. Beck-Gernsheim 2006, S. 139f.). In diesem Kapitel wurde die Retraditionalisierung beschrieben und die Bedeutung dieser für den Lebensverlauf von Frauen. Im nachfolgenden Kapitel soll vertieft darauf eingegangen
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Arbeit zitieren:
Mag.phil Bakk.phil Karin Eck, 2008, Zur Retraditionalisierung der Lebensverläufe von Frauen durch Mutterschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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