Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 1
1. MASSENMEDIEN UND IHRE MASSENKOMMUNIKATION 2
2. DIE AGENDA-SETTING-THEORIE 4
2.1. ZENTRALE BESTANDTEILE DER AGENDA- SETTING- THEORIE 4
3. INTERPERSONALE KOMMUNIKATION UND MASSENKOMMUNIKATION ALS GEGENSTÄNDE DER
AGENDA -SETTING-FORSCHUNG 6
3.1. INTERPERSONALE KOMMUNIKATION EIN EFFEKT DES AGENDA- SETTING 6
3.2. AGENDA- SETTING EIN EFFEKT DER MASSENKOMMUNIKATION 9
4. KOMMUNIKATION JUGENDLICHER UNTER EINFLUSS DES AGENDA-SETTING 9
5. FAZIT 12
6. LITERATURVERZEICHNIS 13
Einleitung
Es geschah in Georgien, ein Sender strahlte kurz vor den Abendnachrichten ein „Spezialreport“ aus. Nach einem anfänglichen Hinweis auf die Fiktion des Berichts wurde ein Szenario durchgespielt, indem die Opposition Proteste angezettelt hätte und die Russen auf dem Vormarsch in die Hauptstadt Tiflis seien. Die Reaktionen der Bevölkerung auf diesen Report waren sehr unterschiedlich. Die, die den Hinweis der Fiktion nicht erreicht hatte, fürchteten einen erneuten Krieg mit den Russen und waren voller Panik. Nur die Personen, die den Hinweis des Senders mitbekamen, konnten diesen Report als Fiktion wahrnehmen. Der Grund, warum diese Sendung ausgestrahlt wurde, war anscheinend der, dass die ausgehende Bedrohung von Russland auf Georgien gezeigt werden sollte.
Die Wirkungen, die dieses Medienereignis auf die Zuschauer hatte, sollte zu der Ansicht verleiten, dass den Medien doch eine größere Beeinflussung zugerechnet werden sollte, als allgemein hin vermutet. Die Agenda-Setting-Theorie greift einige Elemente dieses Medienereignisses auf. Sie beschreibt den Vorgang, dass Massenmedien, aufgrund der immensen Informationsflut der Umwelt, Auswahlmechanismen betätigen müssen, die dann in Medienthemen einfließen. Diese vorstrukturierten Themen können durch die Massenmedien mehr oder weniger thematisiert werden. Sie nehmen so Einfluss auf die Realitätswahrnehmung und die Themenstrukturierung der Zuschauer (Rezipienten).
Diesen Prozess, den die Massenmedien ausüben, möchte ich näher betrachten. Es stellt sich die Frage in wie weit die Agenda-Setting-Theorie einen Einfluss auf die Jugendlichen hat und welche Bedeutung sie ihrerseits für die Kommunikation spielt. Deshalb wird im Folgenden die Bedeutung der Agenda-Setting-Theorie für die Kommunikation herausgearbeitet, um dann am Ende die Bedeutung für die Jugendlichen zu beantworten.
Dabei sehe ich die Jugendlichen als interessanten Ansatzpunkt für die Medienwirkungsforschung. Da doch gerade sie in einer Mediengesellschaft aufwachsen. Auch bei der Agenda-Setting-Theorie sehe ich ein interessantes Forschungsfeld, das jedoch kaum von der eher politischen geprägten Agenda-Setting-Forschung beachtet wurde. Insofern finde ich es wichtig solche Konstellationen näher zu betrachten. Sind es doch die Jugendlichen, die auf der Suche nach Orientierung sind (need for orientation), die ihren Platz in der Gesellschaft finden wollen und auf Hilfe angewiesen sind. So nutzen sie eine Vielzahl von Medien und kommunizieren mit anderen Personen in ihrem sozialen Umfeld um ihre Informationsbedürfnisse zu befriedigen. Jugendliche haben ihre eigenen Themen, die ihnen sehr wichtig sind, darunter fallen laut der JIM-Studie 2009, Infos zu persönlichen Problemen und Aktuelles (85%), Ausbildung und Beruf (79%) und sogar Themen wie, Bundes- und Lokalpolitik (54%). In dieser Hinsicht sehe ich ein großes Beeinflussungspotenzial des Agenda-Settings der Massenmedien auf die Jugendlichen und wie sie mit ihrem Umfeld kommunizieren. 1 1
Zu Anfang sollen die Begrifflichkeiten der Massenmedien und Massenkommunikation vorstrukturiert und erklärt werden. Danach wird im zweiten Kapitel auf die Agenda-Setting-Theorie eingegangen, um dann anschließend Bezüge zur interpersonalen Kommunikation herzustellen. Im abschließenden Teil werden dann Parallelen zur Jugend gezogen. Dabei wird dann noch mal die Bedeutung der Agenda-Setting-Theorie mit der Kommunikation Jugendlicher betrachtet und ausgewertet.
1. Massenmedien und ihre Massenkommunikation
In unserer Industriegesellschaft wird immer wieder der Wandel zu einer „Medien“-, „Informations“- und/oder „Wissensgesellschaft“ betont (vgl. Kombüchen 1999: 64). Doch wie lassen sich diese Massenmedien beschreiben, die diese „Gesellschaften“ beeinflussen. Wie kommunizieren diese Massenmedien mit der Gesellschaft?
Eine Ursache für die aufkommende Mediengesellschaft nannte Saxer (1998). Er führte die gesteigerte Relevanz der Kommunikation für den Zusammenhalt und das Funktionieren unserer heutigen Gesellschaft an, die als Grund für die wachsende Komplexität und Ausdifferenzierung in der Gesellschaft gesehen werden könne (vgl. Saxer 1998: 53).Die Kommunikation ist also ein wichtiger Bestandteil für das Funktionieren einer Gesellschaft. Doch zunächst wollen wir die Begrifflichkeiten der Massenmedien und Massenkommunikation klären und im Verlauf des Textes, die zu Anfang dieses Kapitels gestellten Fragen beantworten.
Massenmedien sind Träger von schriftlichen, bildlichen und/oder akustischen Informationen, die mithilfe von Vervielfältigungs- oder Übertragungstechniken, Botschaften an anonyme große Gruppen übermitteln. Massenmedien sind aber nicht nur Träger und Vermittler von Informationen. Es stehen auch entsprechende Organisationen und Institutionen hinter den Massenmedien, die die Vervielfältigungs- und Übertragungstechniken für ihre Botschaften an das Publikum nutzen. Die Massenmedien sind daher Teil der öffentlichen Kommunikation und dienen als Oberbegriff für Presseerzeugnisse (Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften), Rundfunk (Radio und Fernsehen), Film und Internet (vgl. Brockhaus mulimedial 2009).
Die Massenkommunikation beschreibt hingegen den Vorgang, wie ein organisierter Kommunikator (Organisation, Institution) technische Mittel (Medium) nutzt, um Informationen, indirekt und einseitig an ein weitgehend anonymes, oft auch weit verstreutes Publikum (disperses Publikum), vermittelt (Schenk 2002: 19; Maletzke 1963: 13; Merten 1977: 150ff). Die Massenkommunikation beschreibt also den Kommunikationsprozess der Massenmedien. Im Gegensatz zu einer „Face-to-Face“ oder Gruppenkommunikation (=interpersonale Kommunikation), in der ein direkter und interaktiver Austausch von Informationen und Meinungen stattfindet, stehen in der Massenkommunikation der Kommunikator (=Sender der Botschaft) und
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Empfänger (=Rezipient) nicht im direkten Kontakt. Die Massenkommunikation muss im Allgemeinen erst eine raum-zeitliche Distanz zurücklegen. Deshalb können Sender und Empfänger über das Massenmedium nicht interagieren. Es besteht keine Rückkopplungsmöglichkeit (=Feedback) mit dem Sender und daher auch nur eine verminderte Chance auf eine richtige Bedeutungsvermittlung der Informationen (vgl. Schenk 2002:19). In Massenkommunikationsmodellen, wie z. B. das von Schramm (1954), wurde auf weitere Aspekte der Massenkommunikation aufmerksam gemacht. Ein Aspekt war die Verarbeitung von Inhalten in den Medienorganisationen. Ein weiterer Aspekt war, dass die übermittelten Inhalte der Medien bei den Rezipienten zwar empfangen werden, jedoch in Gruppenzusammenhängen (=interpersonale Kommunikation) weitervermittelt, diskutiert und interpretiert werden. Hier wurden bereits mögliche Wirkungen von Massenkommunikation angedeutet und die vorerst zentrale Rolle der Informationsvermittlung an den Empfänger durch die Massenmedien thematisiert (vgl. Jäckel 2005: 50ff). Es zeigt sich also, dass die Massenkommunikation eine zentrale Rolle in unserer interpersonellen und gesellschaftlichen Kommunikation einnimmt. Ursache dafür kann, laut Otfried Jarren (2002: 128), die enorme Ausbreitung der Medien und ihrer neuen Angebotsformen sein, die immer stärker unsere Gesellschaft durchdringen.
Die Medien erlangen aufgrund dessen, so Jarren, einen enormen Beachtungs- und Nutzungswert und damit eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Daher sieht er eine wachsende Verschmelzung von Medienwirklichkeit mit sozialer Wirklichkeit, die zur Folge hat, dass medienvermittelte Erfahrungen - nicht nur so wie Jarren meint in der Politik, sondern auch bei allen Themen die unsere Gesellschaft von alt bis jung betreffen - als Teil der Wahrnehmung der sozialen Wirklichkeit dient. Massenmedien werden so, neben der Politik und der Wirtschaft, zu „Akteuren“ unserer Gesellschaft (vgl. Jarren 2002:128f.). Es kann daher zugestimmt werden, dass man unsere Gesellschaft als Mediengesellschaft bezeichnet.
Diese Gedanken über die Einflüsse der Massenmedien auf die Gesellschaft und seine Individuen, sollen uns zum nächsten Kapitel überleiten. Hier wird die Entstehung der Agenda-Setting-Forschung kurz erläutert und anschließend auf die Agenda-Setting-Theorie und ihre Bestandteile eingegangen.
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Arbeit zitieren:
David Trouillet, 2010, Die Bedeutung der Agenda-Setting-Theorie für die Kommunikation Jugendlicher, München, GRIN Verlag GmbH
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