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Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg Fachbereich 4 Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Lern- und Denkstrategien im schulischen Unterricht Wintersemester 2000/2001
vorgelegt von:
Mirko Friedrich
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Inhaltsverzeichnis
1. Warum selbstgesteuertes Lernen 3
2. Abgrenzung des selbstgesteuerten Lernen vom
fremdgesteuertem Lernen 5
3. Komponenten für die Vorraussetzung von selbstgesteuertem
Lernen 7
3.1 Motivationale Komponenten 8
3.1.1 Strukturelle motivationale Komponenten 8
3.1.2 Prozessual motivationale Komponenten 10
3.2 Kognitive Komponenten 11
3.2.1 Strukturelle kognitive Komponenten 12
3.2.2 Prozessual kognitive Komponenten 12
4. Maßnahmen zur Förderung des selbständigen Lernens 14
5 Literaturverzeichnis 27
1. Warum selbstgesteuertes Lernen
Aufgrund der Tatsache dass es zu einen immer schnelleren Wandel in den Lebensbereichen
kommt ist es unumgänglich dem selbständigen Lernen eine immer wichtiger werdende
Bedeutung beizumessen
Die immense Schnelligkeit des Wandels bedeutet für die Lernenden dass ihnen nicht mehr
alles auf dem goldenen Teller dargeboten werden kann wie es z B einst in Schulen und
Kursen im Fall des Frontalunterrichts noch der Fall war Lebenslanges Lernen ist ein
Stichwort welches im Zusammenhang mit rapider Wissensveraltung immer wieder fällt Es
verdeutlicht dass man z B auch nach der Schulzeit noch dazu in der Lage sein sollte Wissen
aufzunehmen und zu erweitern Um dieses zu gewährleisten muss die Schule den Lernenden
vorbereiten und ihm Kompetenzen unterbreiten die es ihm ermöglichen die benötigten
Prozesse in Bewegung zu setzen sprich: selbständiges Lernen
Aber nicht nur die sich immer schneller verändernden Sachverhalte sind Grund für
selbständiges Lernen Ein weiterer Grund liegt in den immer größer werdenden Daten- und
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Informationsmengen („Wissensexplosion“ 1 ). Es ist den Schulen mittlerweile nicht mehr möglich, das gesamte Wissen im Unterricht zu verarbeiten. In Lernfeldern, die viel Orientierungswissen erfordern, sollten Sachverhalte selbständig erarbeitet werden, so dass sie „später in komplexeren Lernsituationen benötigt werden“ 2 können. Das gilt gleichermaßen für den umgekehrten Fall: In der Schule wird das Basiswissen vermittelt, welches durch selbständiges Erlernen aufgestockt werden soll, um die Komplexität und den Tiefgang der Sachverhalte zu erhöhen.
Ein weiterer Vorteil des selbständigen Lernens liegt in der Förderung der Metakognition, weil die Lernenden hier erfahren, wie sie lernen (z.B. in Bezug auf planen, steuern, überwachen und evaluieren) und wie sie die Effizienz dieser Vorgänge erhöhen können. Selbstgesteuertes Lernen ist auch in Verbindung mit einer höheren Eigenverantwortung zu sehen. Die Verantwortung kann nun nicht mehr auf die Lehrenden abwälzt werden, denn in Sachen Planen, Steuern und Überwachen von Lehrprozessen ist der Lernende nun sein eigener Herr und hat einen großen Eigenanteil am Lernergebnis. 3
„Aus wissenschaftsinternen Perspektionswechsel in Psychologie und Erziehungs- wissenschaft“ 4 hat das Schlagwort „selbstgesteuertes Lernen“ aus dem Grund an Bedeutung gewonnen, dass immer mehr davon auszugehen ist, dass das Individuum die wichtigste Rolle im Lernprozess übernimmt. Nicht wie im behavioristischen Denken, das die Dependenz zwischen Lernumgebung und Lernen in den Vordergrund stellt, betont die neue Denkweise die Rolle des jeweiligen aktiven und konstruktiven Lerners.
Ein weiterer Vorteil des selbstgesteuerten Lernens ist derart, dass es sich gut für das Lernen von Erwachsenen eignet. Diese besondere Lernform scheint gerade in Bereichen außerhalb der Schule und an nicht institutionell verankerten Lernformen als sehr erwachsenengerecht, da man hier die Rahmenbedingungen für das Lernen selbst festlegen und steuern kann. In punkto Zeitmanagement z.B. hat dies immense Vorteile, der Lernende kann eigens
1 Helmut F. Friedrich und Heinz Mandl: Analyse und Förderung selbstgesteuerten Lernens. In: F.E. Weinert, H. Mandl (Herausgeber). Psychologie der Erwachsenenbildung. S. 237
2 R. Dubs: Lehrerverhalten. Zürich 1995. S. 263
3 vgl. R. Dubs: Lehrerverhalten. Zürich 1995. S. 263
4 Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. a.a.O. S.237
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entscheiden, wann er wie lange lernen möchte. Das heißt, er kann sich die Lernzeit in Abhängigkeit von anderen Tätigkeiten abstimmen. 5
2. Abgrenzung des selbstgesteuerten Lernen vom
fremdgesteuertem Lernen
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass der Erwerb von Wissen und Fertigkeiten einer Reihe von Einflüssen unterliegt, die teils selbst bzw. intern zu steuern und regulieren sind und die teils von externen Faktoren ausgehen. Bei der internen Steuerung spricht man vom selbstgesteuerten Lernen und dementsprechend vom fremdgesteuerten Lernen, wenn es um die externe Regulation geht. Im Zusammenhang mit selbstgesteuertem Lernen fallen in der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur auch oft Begriffe wie „autodidaktisches Lernen, autonomes Lernen, selbstorganisiertes Lernen, selbstbestimmtes Lernen, offenes Lernen [oder, d. Verf.] Selbststudium“ 6 , diese sind jedoch größtenteils synonym mit dem Oberbegriff zu verwenden.
Zur Fremdsteuerung zählt beispielsweise die Anweisung eines Lehrers, der versucht, von außen auf den Lernprozess einzuwirken. Aber neben solch direkten Maßnahmen gehören auch indirekte Faktoren wie die Gestaltung der Lernfeldumgebung zur Fremdsteuerung. Wirken z.B. Störfaktoren wie Lärm auf das Lernen ein, wirkt es hemmend und ein optimales Lernergebnis kann nicht mehr erreicht werden.
Beim fremdgesteuerten Lernen wird zwischen dem respondenten und dem operanten Ansatz unterschieden. Beim respondenten Ansatz werden bestimmte Lernsituationen mit bestimmten gefühlsbeeinflussenden Reizen gekoppelt (freundliche Worte des Lehrenden Lernfreude). Dies hat aber mehr Einfluss auf die emotionale Ebene, d.h. weniger auf die direkte Steuerung des Lernens, also eher auf die Motivation. Beim operanten Ansatz ist es für das Lernen des Individuums entscheidend, was nach dem jeweiligen Verhalten passiert. Wichtig ist hierbei das Prinzip der Verstärkung, es erhöht die Auftretenswahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse nach einem gewissen Verhalten (Fleiß Lob).
5 vgl. Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. S.237f
6 Helmut F. Friedrich, Heinz Mandl. S. 239
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Zwar besteht die Möglichkeit, selbst- und fremdgesteuertes Lernen theoretisch einzeln zu
betrachten, jedoch wird in der Praxis weder das eine noch das andere in seiner reinen
100prozentigen Form vorzufinden sein. Lernen ist immer im gewissen Sinne selbst- bzw.
fremdgesteuert, in welchem Maße ist abhängig von der Lernsituation (vgl. Abb.).
Abbildung 1. Verhältnis und Zusammenhang zwischen selbst- und fremdgesteuertem Lernen
Beim Lernen ist der Lernende immer einem Mindesteinfluss von außen unterlegen, selbst
beim Lernen am heimischen Schreibtisch, augenscheinlich abgetrennt von sämtlichen
externen Einflüssen bedarf es irgendwelcher Medien oder Gegenstände. Schon durch die
alleinige Verwendung einer Lektüre ist man im gewissen Maße durch die Intention des Autors
nicht mehr 100% selbstgesteuert und die Reinform des selbstgesteuerten Lernens ist nicht
mehr gegeben. Genauso verhält es sich auch mit dem fremdgesteuertem Lernen, auch hier ist
die reine Form nur theoretisch gegeben, da in der Lernsituation, egal ab η, ι oder ϕ, ein
Mindestmaß an Eigenaktivität vorhanden sein muß, d.h. ohne jegliche interne Motivation
können keine neuen Gedächtnisinhalte erworben werden.
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3. Komponenten für die Vorraussetzung von
selbstgesteuertem Lernen
Schiefele und Pekrun 7 arbeiten 4 zentrale Merkmale des selbstgesteuerten Lernens aus:
- der Lernprozess wird vom Lernenden selbst aktiv in eine bestimmte Richtung gelenkt, die meist darauf abzielt, die Lernergebnisse positiv zu beeinflussen. Dieses kann sich auf der kognitiven bzw. metakognitiven, auf der motivationalen und auch auf der verhaltens- bezogenen Ebene vollziehen.
- der Lerner überwacht den eigenen Lernprozess und greift bei Bedarf ein, um die Aktivität wieder in die richtige geplante Richtung zu lotsen (Wirksamkeit der „selbstbezogenen Feedbackschleife“ 8 ).
- ein weiteres entscheidendes Kriterium für das selbstgesteuerte Lernen ist die motivationale Komponente, hier entscheidet sich, in welchem Maße und warum bestimmte selbstgesteuerte Strategien angewendet werden.
- auch die volitionale Steuerung gehört zu den Aspekten selbstgesteuerten Lernens. Sie bestimmt die Förderung des eigenen Handelns und schirmt die Lernabsicht des eigenen Ichs von störenden oder konkurrierenden Faktoren ab.
Alle diese Merkmale finden sich auch in dem übersichtlich strukturierten, theoretischen Konzept von Friedrich und Mandl 9 wieder. Im folgenden wird das von ihnen ausgearbeitete Konzept des selbstgesteuerten Lernens analysiert.
7 vgl. Ulrich Schiefele, Reinhard Pekrun: Psychologische Modelle des fremdgesteuerten und selbstgesteuerten Lernens. In: F.E. Weinert (Herausgeber): Psychologie des Lernens und der Instruktion. S 258
8 U. Schiefele, R. Pekrun. S.258
9 H.F. Friedrich, H. Mandl. S. 242
Arbeit zitieren:
Mirko Friedrich, 2001, Selbständiges Lernen und seine Förderung im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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