Gliederung
Einleitung 1
1. Das Politische der Griechen nach Christian Meier 2
2. Die Demokratie und die Außenpolitik 3
2.1. Die Flotte in der Demokratie 4
2.2. Verhaltensmuster in der Politik der Athener 6
2.3. Die Außenpolitik und ihr Nutzen 8
3. Athen im Peloponnesischen Krieg - Von der Entwicklung einer
inneren Opposition zum Scheitern der “Vierhundert 12
Zusammenfassung / Ausblick 15
Literaturverzeichnis 17
II
Die Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie 1
Einleitung:
Die Frage nach den Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie unterstellt bereits Wirkungen der Außenpolitik auf die innere Struktur der Polis. Und tatsächlich fällt eine enge Verwobenheit von Außen- und Innenpolitik im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. auf. Die Siege bei Marathon, vor allem aber bei Salamis und der sich daraus entwickelnde Seebund gehen einher mit einem Trend zur Isonomie und später zur Demokratie - den Niederlagen im Peloponnesischen Krieg folgen oligarchische Systeme in der Polis Athen. Scheinbar existierte eine kausale Folge von inneren Entwicklungen nach äußeren Ereignissen. Wenn man nach den Ursachen des oligarchischen Umsturzes von 411 fragt, genügt es nicht, nur nach seiner direkten Vorgeschichte zu fragen, vielmehr muß problematisiert werden, weshalb nach einer Kriegsniederlage auch die innere Struktur der Polis erschüttert wird. Um dieses Verhältnis zu erklären, bedarf es neben der Beschreibung des größten außenpolitischen Machtmittels Athens, der Flotte, und der Untersuchung politischer Verhaltensmuster, auch der Analyse der Motive zum Ausbau und zur Erweiterung attischer Macht. Bezogen auf den Umsturz 411 stellen sich vor allem die Fragen, ob der Peloponnesische Krieg die Entstehung einer inneren Opposition begünstigte und ob nicht das Fehlen einer außenpolitischen Perspektive für das Scheitern des oligarchischen Regimes mitverantwortlich war. Diese Betrachtungen werden von Christian Meiers Konzept über das „ Politische der Griechen“ eingeleitet und theoretisch fundiert:
1 Die Hausarbeit ist komplementär zu dem im Wintersemester 2000/01 gehaltenen Referat gleichen Themas angelegt. Statt den direkten ereignisgeschichtlichen Auswirkungen des Peloponnesischen Krieges auf die attische Demokratie, wird hier allgemeiner das Verhältnis von Innen- und Außenpolitik im Athen des 5. Jahrhunderts untersucht. Die Hausarbeit versteht sich daher als Grundlage und Ergänzung zu den im Referat behandelten Themen. Obwohl auch in den einzelnen Kapiteln versucht wird eine Verbindung zur Krise der attischen Demokratie während des Peloponnesischen Krieges herzustellen, thematisiert nur das letzte Kapitel direkt die Auswirkungen des Krieges auf Athen.
1
1. Das Politische der Griechen nach Christian Meier
Christian Meier zufolge ist
„Das Politische der Griechen [...] die spezifische Ausprägung, die dieses Handlungsfeld im klassischen Jahrhundert und vor allem in der athenischen Demokratie erfahren hat. Indem breitere und endlich breiteste Bürgerschichten sich regelmäßige mächtige Teilhabe an der Politik erkämpften, verwandelte sich dieses Feld, es erweiterte sich um den Gegenpol dessen, was in den früheren Kulturen allein ‚politisch’ (im Sinne einer allgemeinen Kategorie) gewesen war.“ 2 Damit konstatiert Christian Meier bei den Griechen eine völlig neuartige Form des Politischen. Die politische Ordnung selbst konnte erstmals zum Gegenstand der Politik werden, also „die Frage, wer herrscht - Monarch, Adel oder Volk -; ob also die Regierten (und damit nicht mehr Beherrschten) entscheidend in politicis mitreden sollten oder nicht“ 3 und dies ermöglichte „die verfassungsmäßige Respektierung von Recht und Freiheit mittlerer und unterer Schichten“ 4 . Durch diese Teilhabe mittlerer und unterer Schichten an Recht und Freiheit spaltete sich die politische Ordnung von der gesellschaftlichen ab und wird „als künstliche gegen diese gesetzt“ 5 . Die somit ins Politische übertragene Problematik des Gemeinwesens bewirkte ein Zusammenfallen von Polis und Bürgerschaft. Die politische Zugehörigkeit wurde zur allgemeinen und so zentral, dass „sich eine welthistorisch einzigartige[...] politische Identität verwirklichte (...)“ 6 , die Polis letztlich die Gesamtheit der Bürger bedeutete. Das Zusammenfallen von Bürgerschaft und Polis bewirkte ein Ausgeliefertsein des Einzelnen gegenüber seinen eigenen bzw. den Entscheidungen der Bürgerschaft: „Alles war in hohem Maße ereignishaft; man konnte unterliegen und Einzelne wie Städte konnten ihre Existenz verlieren; es ging vergleichsweise gefährlich zu.“ 7 Dem entspricht nach Christian Meier, „im 5. Jahrhundert ein ausgeprägtes Bewusstsein menschlichen Könnens“, und „eine relative Größe im Verhältnis zum Geschehen“ 8 des Einzelnen, was aber nicht zur Wahrnehmung von übergreifenden Prozessen führt, sondern nur an dem Können einzelner und vieler sichtbar wird.
2 Christian Meier: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, 3.Auflage, Frankfurt am Main 1995, Seite40
3 Ebenda
4 Ebenda
5 Ebenda
6 Ebenda Seite 41
7 Ebenda Seite 44
8 Ebenda
2
Das Ausgeliefertsein gegenüber Ereignissen von allgemeinen Interesse und das Ausklammern des Privaten führt zu einer Deckungsgleichheit des Geschehens mit Politik und Kriegsführung in der Wahrnehmung der Griechen. Demnach wäre die Ausrichtung der Griechen auf das Politische und hierbei vor allem das Außenpolitische, nicht allein in der Notwendigkeit eines Handlungszwangs (etwa aufgrund einer äußeren Bedrohung), sondern schon in der Apperzeptionsweise der Akteure im 5. Jahrhundert angelegt.
Wenn man diese Gedanken auf die in dieser Hausarbeit thematisierte Frage nach dem Zusammenwirken von Innen- und Außenpolitik anwendet, kann man meiner Meinung nach die Verknüpfung von Innen- und Außenpolitik folgendermaßen erklären: Durch das Zusammenfallen von Polis und Bürgerschaft und die damit verbundene Politisierung entsteht ein generelles Interesse am Allgemeinen, welches sich zwangläufig durch die Ereignishaftigkeit der Welt, zu einem ausgesprochenen Betroffensein, nicht nur des Einzelnen, sondern eben auch der ganzen Polis, von der Außenpolitik verstärkt. 9 Es bestand daher eine Notwendigkeit die Innenpolitik der Polis auf die Außenpolitik, vor allem auf militärische Konflikte, abzustimmen, wenn nicht gar ihr unterzuordnen. Dies galt zumal, da die Bürgerschaft, gegebenenfalls ihre außenpolitischen Beschlüsse auch, in Form des Hoplitenheeres, selbst durchsetzen mußte. Bürgerrecht und Militärdienst waren beinahe deckungsgleich. Die Verknüpfung von Innen- und Außenpolitik erklärt sich daher aus dem Zusammenfallen von Bürgerschaft und Polis und der sich daraus ergebenden Gefahr für die Bürgerschaft bei einer Niederlage der Polis, also dem, was Christian Meier mit „Betroffensein“ oder „Ausgesetztsein“ beschreibt. 10 Nachdem ich in diesem Kapitel versucht habe, die Verwobenheit von Innen- und Außenpolitik in den griechischen Poleis des 5. Jahrhunderts v.Chr. zu erklären, soll dies in den folgenden Kapiteln um die Untersuchung dieser Politikfelder in der Polis Athen ergänzt werden.
9 Etwa das von Christian Meier erwähnte Beispiel der Polis Argos, die nach einem verlustreichen Krieg auf Sklaven zurückgreifen musste, um die Bürgerschaft vorübergehend aufzufüllen. (ebenda Seite 44)
10 Ebenda Seite 46
3
Arbeit zitieren:
Peter Schubert, 2002, Die attische Demokratie unter dem Eindruck des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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Der oligarchische Umsturz 411 v. Chr. in Athen
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